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Mavericks: Verbesserter Safari und iCloud-Schlüsselbund

18.07.2013 | 10:30 Uhr |

Mit Mavericks erfährt auch Safari einige tiefgreifende Veränderungen. Wie sich diese bisher in der Praxis schlagen, erfahren Sie hier.

Genau wie seine Vorgängerversionen bringt Mavericks eine neue Ausgabe des Apple-Browsers Safari mit sich – Safari 7 bietet dabei eine neue Seitenleiste, eine Plug-in-Verwaltung, eine überarbeitete Top-Site-Ansicht, Leistungsverbesserungen und eine vollkommen neue Funktion, die Passwörter speichert, ohne dabei die Sicherheit zu gefährden.

Safari unter Mountain Lion bietet drei Funktionen, die der Nutzer über Schaltflächen am linken Fensterrand – auch als Lesezeichenleiste bekannt – aufrufen kann: Die Leseliste, Lesezeichen sowie die Top-Sites-Ansicht. Safari 7 und seine neu hinzugefügte Favoritenleiste im Vergleich bieten nur noch zwei Funktionen: Eine Seitenleiste, die nach wie vor das Lesezeichen-Icon in Form eines aufgeschlagenen Buchs verwendet sowie die Top-Sites.

Die neue Seitenleiste beherbergt nun die Lesezeichen, die Leseliste und die Möglichkeit, Links zu teilen. Die in Grau gehaltene Seitenleiste (mindestens 300 Pixel breit) tummelt sich am linken Fensterrand des Browsers. Ein Klick auf das Icon in Form eines aufgeschlagenen Buchs innerhalb der Werkzeugleiste genügt und die Seitenleiste öffnet sich – alternativ dazu kann der Anwender auf die Optionen „Lesezeichenliste einblenden“, „Leseliste einblenden“ oder den Eintrage für das Teilen von Links klicken, um den gleichen Effekt hervorzurufen.

Safari 7 bietet eine umfangreichere Seitenleiste als bisher – hier zu sehen: Der Bereich mit den Lesezeichen.
Vergrößern Safari 7 bietet eine umfangreichere Seitenleiste als bisher – hier zu sehen: Der Bereich mit den Lesezeichen.

Ruft man in der Vorgängerversion die Lesezeichenansicht auf, ersetzt Safari das Browser-Fenster samt Inhalt durch einen Lesezeichen-Editor, in dem der Anwender Lesezeichen (um)sortieren und (um)benennen kann. Apple hat dieses Fenster unter Mavericks beibehalten, doch die Struktur abgeändert. Anstatt der bisherigen Oberfläche erscheint nun eine Ansicht hierarchisch angelegter Ordner, in der die einzelnen Verzeichnisse wiederum in einer eigenen Seitenleiste erscheinen.

Die künftige Safari-Version bietet zusätzlich einen Lesezeichenreiter innerhalb der Seitenleiste, der dem Anwender per Mausklick Zugang zu seinen Lesezeichen verschafft. Klicken Sie auf ein beliebiges Lesezeichen in der Seitenleiste, lädt Safari die Webseite auf der rechten Seite im gleichen Fenster. Zudem lassen sich Lesezeichen per Drag-and-drop verschieben und über das Drücken der Control-Taste sowie die entsprechende Funktion wie „Lesezeichen umbenennen“ im Kontextmenü bearbeiten. Eine Suchleiste hilft beim Aufstöbern ausgewählter Lesezeichen. Der neue Lesezeichenreiter eignet sich beispielsweise für Nutzer, die einen Ein-Klick-Zugang zu mehr Lesezeichen wünschen als in die Favoritenleiste passen oder schlichtweg die Seitenleiste gegenüber der Favoritenleiste bevorzugen.

Der zweite Reiter in der Seitenleiste ruft die Leseliste auf. Bei der Leseliste handelt sich auch unter Mavericks nach wie vor um den Bereich, in dem Safari ausgewählte Webseiten zusammen trägt, die der Nutzer anschließend zu einem beliebigen Zeitpunkt wahlweise online oder offline lesen kann. Der Unterschied zwischen Safari 6 und Safari 7 liegt darin, dass der Nutzer die Leseliste nahezu endlos scrollen kann.

Hält man die "+"-Taste gedrückt, lassen sich Seiten schnell abspeichern.
Vergrößern Hält man die "+"-Taste gedrückt, lassen sich Seiten schnell abspeichern.

Frühere Safari-Versionen enthielten Schaltflächen innerhalb der Werkzeugleiste, über die der Anwender Geschichten zu seiner Leseliste und Links zu seiner Lesezeichenliste hinzufügen konnte beziehungsweise kann. Apple hat diese nun unter Safari 7 entfernt und durch ein großes Pluszeichen neben Adressen- und Suchzeile ersetzt. Ein Klick darauf genügt und Safari fügt die aktuell geöffnete Webseite der Leseliste hinzu. Halten Sie das Pluszeichen gedrückt, erscheint ein Menü an unterschiedlichen Optionen – so können Sie beispielsweise die gerade im Browser aufgerufene Webseite wahlweise alternativ den Top Sites zuordnen.

Die dritte und vermutlich interessanteste Ergänzung ist der Reiter für das Teilen von Links. Sobald Sie sich bei Twitter oder LinkedIn über die Option Internet-Konten (bislang noch als Mail, Kontakte und Kalender bekannt) angemeldet haben, erscheinen sämtliche Posts, die über einen Hyperlink verfügen, in der Shared-Links-Liste.

In die Shared-Links-Liste von Safari laufen alle Twitter-Feeds oder LinkedIn-Aktualisierungen hinein.
Vergrößern In die Shared-Links-Liste von Safari laufen alle Twitter-Feeds oder LinkedIn-Aktualisierungen hinein.

Die Shared-Links-Liste zeigt die neuesten Meldungen ganz oben an. Dabei handelt es sich aber nicht nur um Links; vielmehr stellt die Liste die Avatare und die Namen derer dar, die die Links posten. Zudem erkennt der Nutzer den Sozialen-Netzwerk-Dienst an dem jeweiligen firmenspezifischen Logo – derzeit werden allerdings nur Twitter und LinkedIn unterstützt. Sobald der Nutzer innerhalb der Liste auf einen Eintrag klickt, stellt der Browser den Inhalt in einem gesonderten Fenster dar. Scrollt der Anwender bis zum Ende der Nachricht, gelangt er zum nächsten Eintrag – ähnlich wie bei der Leseliste. Während dieser gelesen wird, verweilt der ursprüngliche Post am oberen Ende des Bildschirms. Somit kann der Leser des Posts leichter nachvollziehen, wer die Nachricht online gestellt hat.

Öffnet man eine Seite über einen geteilten Link, steht die Quelle oben über der geöffneten Seite.
Vergrößern Öffnet man eine Seite über einen geteilten Link, steht die Quelle oben über der geöffneten Seite.

Das Design der Shared-Links-Liste hat allerdings auch seine Nachteile. Die hellgraue Schrift auf dunkelgrauem Hintergrund ist schwer zu lesen. Außerdem fehlen Zeitstempel sowie eine Aktualisierungsfunktion – Safari selbst aktualisiert den Inhalt nur sporadisch. Zudem fehlt bislang noch die Unterstützung für Facebook. Neben der Schaltfläche für die Seitenleiste befindet sich die Klickfläche für die Top Sites. Das neue Design der Top Sites fasst wahlweise sechs, 12 oder 24 Lieblingsseiten in einem Raster übersichtlich zusammen.

Schneller, leichter, sicherer?

Als Apple Mavericks im Rahmen der WWDC vorstellte, rühmte sich das Unternehmen mit der schnellsten Javascript-Erfahrung, die derzeit existiert. Safari wirkt tatsächlich schneller, doch gleichzeitig schnitt er im Sunspider-Benchmark-Test langsamer als Chrome ab. Andererseits schlägt Safari Chrome in der JSBench Suite, die wiederum echte Javascript-Funktionen wiedergibt. Welche Werte Safari letztendlich liefern wird, ist bis zur finalen Version abzuwarten – wir sind allerdings optimistisch, dass Apple seine Behauptungen umsetzt.

Apple hat zudem angekündigt, dass Safari über einige neue „Unter-der-Haube-Funktionen“ verfügen wird. So laufen laut dem Unternehmen Webseiten beispielsweise in voneinander getrennten Prozessen ab und auch die Arbeitsspeicherauslastung soll sich verbessert haben. Wir waren allerdings noch nicht in der Lage, diese Behauptungen nachzuprüfen.

Im Tab "Sicherheit" können die Sicherheitseinstellungen einzelner Plugins verändert werden.
Vergrößern Im Tab "Sicherheit" können die Sicherheitseinstellungen einzelner Plugins verändert werden.

Bislang ermöglichten es Dritthersteller-Tools wie ClickToPlugin Plug-ins wie Adobe Flash wahlweise ein- oder auszuschalten. Unter Mavericks verfügt Safari nun über eine bereits vorinstallierte Plug-in-Verwaltung, die sich auf dem Sicherheitsreiter unter den Safari-Einstellungen befindet. Dort erscheinen sämtliche Plug-ins, die vom System verwendet werden sowie eine Liste an Webseiten, die darauf zugreifen. Hier kann der Nutzer beispielsweise Plug-ins für ausgewählte Webseiten permanent beziehungsweise temporär aktivieren oder deaktivieren. Die Stromsparfunktion verhindert, dass sich Plug-ins ohne Erlaubnis aktivieren. Sobald ein Plug-in blockiert ist, ersetzt Safari den vom Plug-in eingenommenen Platz durch das Symbol einer leeren Schachtel. Dies geschieht insofern, da Safari dem Web-Server signalisiert, er verfüge zwar über das notwendige Plug-in, doch verweigere den dazugehörigen Inhalt zu zeigen.

Endlich da: iCloud Schlüsselbund

Die App 1Password fasst sämtliche sensible Informationen wie Passwörter oder Kreditkarteninformationen unter einem Generalpasswort zusammen, setzt sie bei Bedarf in die Online-Maske ein, gleicht sie über die Cloud mit anderen OS-X- sowie iOS-Geräten ab und erspart es somit dem Nutzer sich unzählige Codes merken zu müssen. Als Apple seine neue Mavericks-Funktion iCloud Keychain ankündigte, verbreiteten böse Zungen, Apple habe 1Password kopiert. Wir sehen das etwas anders. iCloud Keychain übernimmt zwar einige, doch nicht alle Aufgaben, die 1Password erledigt. Wie Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, werden zwar die meisten Nutzer auf diese neue Funktion zurückgreifen, während versierte Anwender weiterhin auf 1Password setzen.

Praktisch: Der iCloud-Schlüsselbund macht bei der Eingabe von Login-Informationen sichere Passwortvorschläge und sichert diese gleich im Hintergrund.
Vergrößern Praktisch: Der iCloud-Schlüsselbund macht bei der Eingabe von Login-Informationen sichere Passwortvorschläge und sichert diese gleich im Hintergrund.

Gegenüber 1Password hat Apples iCloud Keychain den Vorteil, dass diese Funktion nicht über ein Plug-in nachgerüstet werden muss, sondern direkt in Safari integriert ist. Passwörter kommen somit ohne zusätzlich Klickarbeit zum Einsatz. Noch deutlicher wird es bei iOS-Geräten. Da Safari unter iOS keine Plug-ins zulässt, ist es überhaupt nicht möglich, 1Password für das Speichern von Passwörtern zu verwenden. Daher kommt iCloud Keychain hier gerade recht.

Safari speichert nun schon seit Generationen Passwörter, doch in der Version 7 schlägt der Browser nun erstmals ein zufallsgeneriertes Generalpasswort vor, sobald der Nutzer dazu aufgefordert wird eines anzulegen – eine äußerst hilfreiche Funktion, da gerade nicht-versierte Nutzer häufig unsichere Passwörter verwenden. Sollten der Anwender sicherstellen wollen, dass niemand mit seinem bereits gespeicherten Generalpasswort Unfug treibt, bietet es sich an, ein weiteres Passwort für den Anmeldebildschirm anzulegen und eine geringe Zeitbeschränkung für den Ruhezustand festzulegen.

Gute Surfbedingungen

Trotz so mancher nervigen Kleinigkeit sind wir von den Safari-Neuerungen unter Mavericks durchaus beeindruckt. Gerade Dienste wie die Shared-Links-Liste oder iCloud Keychains erleichtert das Surfen – gerade letzteres ist äußerst bequem, da die iCloud Keychain plattformübergreifend arbeitet und aufgrund ihres Passwort-Generators leichtsinnige Nutzer hoffentlich in Zukunft davon abhalten wird, den unsicheren und somit äußerst ungeeigneten Begriff „passwort“ tatsächlich als ihr Passwort einzusetzen.

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