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Mavericks und die neue Mitteilungszentrale

14.08.2013 | 16:45 Uhr |

Apple will in der Mitteilungszentrale von OS X Mavericks aufräumen und bohrt sie im Vergleich zu Mountain Lion mit verbesserten „Teilen“-Optionen auf. Doch ganz rund ist das Paket noch immer nicht.

Mit dem Release von OS X Mountain Lion im Jahr 2012 brachte Apple erstmals die schon aus iOS bekannte Mitteilungszentrale auf den Mac. Wie das iOS-Gegenstück sorgt auch die Mitteilungszentrale von OS X dafür, dass der Nutzer eine Nachricht erhält, sobald sich auf dem Mac etwas tut (oder sich getan hat). Die iOS-Version der Mitteilungszentrale hat ihre Fehler, ist aber unverzichtbar. Unter OS X Mountain Lion dagegen muss man sagen, dass sie sogar sehr verzichtbar ist. In der jüngeren Vergangenheit hat Apple immer wieder seine Vorliebe dafür gezeigt, neue Betriebssystem-Features erst im zweiten Anlauf zu perfektionieren – das gilt für das Backup-Tool Time Machine oder File Vault, um nur zwei Beispiele zu nennen. Nun wiederholt Apple dieses Muster auch mit der Mitteilungszentrale von OS X Mavericks. Doch wenngleich die neue Mitteilungszentrale im Vergleich zu Mountain Lion schon deutlich nützlicher daher kommt, fühlt sich die Lösung noch immer nicht so aufgeräumt an, wie sie es eigentlich sein sollte.

Interaktive Blubber-Blasen

Die Mitteilungen tauchen nach wie vor in zwei verschiedenen Formen auf: Zum einen in Form von Mitteilungs-Blasen, die von der rechten Bildschirmkante immer dann ins Bild gleiten, wenn es etwas Neues gibt, zum anderen in Form einer Liste mit den letzten Mitteilungen. Diese lässt sich wie in OS X 10.8 über den Mitteilungen-Button in der rechten Ecke der Menüleiste ausklappen. Die Blasen selbst schweben entweder in Form eines von alleine verschwindenden Banners herein, oder als Alarm, bei dem der Nutzer selbst aktiv werden muss. Nach über einem Jahr der aktiven Nutzung von Mountain Lion haben sich beim täglichen Arbeiten die Banner und Alarme als deutlich nützlicher und vor allem als häufiger benutzt erwiesen, als die Mitteilungszentrale selbst.

Man sieht gut, dass eine eingehende Nachricht genauso aussieht, wie bisher; neu dagegen ist, dass man direkt aus einer Benachrichtigung heraus antworten kann, ohne die Nachrichten-App zu öffnen.
Vergrößern Man sieht gut, dass eine eingehende Nachricht genauso aussieht, wie bisher; neu dagegen ist, dass man direkt aus einer Benachrichtigung heraus antworten kann, ohne die Nachrichten-App zu öffnen.

In Mavericks – soviel steht schon fest – werden die Einblendungen der Mitteilungszentrale deutlich nützlicher ausfallen, als noch unter Mountain Lion; das rührt in erster Linie von der Tatsache her, dass die Mitteilungen wesentlich interaktiver sind, als bisher. Wenn beispielsweise über die Nachrichten-App eine iMessage hereinkommt, kann man in OS X Mavericks direkt aus der Benachrichtigung heraus antworten: Einfach auf den Antworten-Button drücken genügt, schon dehnt sich die Benachrichtigung aus und zeigt ein Textfeld für die direkte Rückantwort. Nach dem Eintippen der Antwort und einem Klick auf Senden geht die iMessage raus. Ähnlich verhält sich die Mitteilungszentrale übrigens auch mit Antworten auf eingehende Mails: So kann man direkt auf die Benachrichtigung antworten oder optional die Mail gleich in den Papierkorb legen. Das mag zwar etwas extrem anmuten, hat man aber Mail zum dauernden Benachrichtigen konfiguriert, könnte auch die eine oder andere Spam-Mail im Postfach – und damit auch in der Mitteilungszentrale – landen. Außerdem wäre es auch wünschenswert gewesen, wenn man Mails gleich aus der Benachrichtigung heraus hätte markieren oder archivieren können. Leider aber fehlt OS X Mavericks diese Funktion.

Eingehende Facetime-Anrufe werden ebenfalls über eine Benachrichtigungsblase angekündigt. Dabei lässt sich wie bei iMessages oder Mails direkt aus der Benachrichtigung heraus der Anruf annehmen oder ablehnen. Lehnt man ab, kann man dem Anrufer per iMessage-Antwort mitteilen, warum man gerade nicht telefonieren kann.

Nachdem Mavericks auch eine Funktion für automatische Updates für Apps aus dem Mac App Store enthält, meldet sich der Mac App Store in OS X Mavericks ebenfalls über die Mitteilungszentrale, um an durchgeführte Updates oder einen Update-bedingten Neustart zu erinnern. Zudem hat Apple daran gedacht, den Mac-App-Store-Benachrichtigungen einen „Später erinnern“-Button zu spendieren. So vergisst man den fälligen Neustart nicht. Daneben sind noch einige weitere System-Apps mitsamt ihrer Meldungen in die Mitteilungszentrale umgezogen, so zum Beispiel die Systemmeldung über einen leerlaufenden Macbook-Akku, fehlgeschlagene Time Machine Backups oder versehentlich ausgeworfene externe Speichermedien. Solche Meldungen blendet Mountain Lion noch als große Warnhinweise ein, die die unmittelbare Aufmerksamkeit des Nutzers erfordern – in Mavericks steigt hier also der Komfort.

Auch Systemmeldungen sind nun in der Mitteilungszentrale beheimatet.
Vergrößern Auch Systemmeldungen sind nun in der Mitteilungszentrale beheimatet.

Zuviel des Guten?

Stellt man den eigenen Mac mit Mavericks so ein, dass er automatisch per Passwortabfrage verriegelt wird, sobald er in den Ruhemodus wechselt, stellt der Mac vor dem erneuten Login die neuesten Benachrichtigungen im Sperrbildschirm dar – inklusive Mails. Dass mag auf den ersten Blick praktisch klingen, stellt aber auch ein Sicherheitsrisiko dar. Denn eine dritte Person könnte so Mails und Benachrichtigungen durchsehen, ohne ein Passwort eingeben zu müssen. Glücklicherweise lässt sich diese Funktion in den Systemeinstellungen der Mitteilungszentrale für jede App individuell abschalten. So kann der Nutzer selbst entscheiden, welche Apps in welchen Situationen bestimmte Informationen in Form von Mitteilungen preisgeben dürfen – für die Mail-App und Nachrichten gilt sogar, dass Sie in den entsprechenden Benachrichtigungen den Inhalt der Mail ausblenden können. So sinnvoll das Vorhandensein dieser Möglichkeit auch ist, so unpraktisch ist sie auch. Denn der Mitteilungszentrale fehlt eine globale Einstellungsmöglichkeit für die Art der Anzeigen – so muss App für App separat durchgegangen werden, welche App wann was anzeigen darf, was bei einer größeren Anzahl schon ziemlich nervt.

Eine weitere Interessante neue Funktion (die wir mangels Support durch Drittanbieter noch nicht selbst testen können) ist die Safari-Push-Funktion für Websiten. Sie soll dafür sorgen, dass Push-Benachrichtigungen von bestimmten Websites auch dann in der Mitteilungszentrale landen, wenn Safari gar nicht geöffnet ist. Dafür müssen die entsprechenden Seiten aber Apples eigene Push-Infrastruktur nutzen, was sich als kleiner Stolperstein herausstellen könnte, denn: Mit ein paar Zeilen Java-Script ist es bei der Implementierung nicht getan. Nichts desto trotz ist die Aussicht, dass man künftig von seinen Lieblingsseiten bei großen Neuigkeiten benachrichtigt wird, sehr interessant. Die Frage wird aber sein, wie viele Seiten diesen Service anbieten werden und wann.

In den Systemeinstellungen der Mitteilungszentrale erhält die „Nicht stören“-Funktionen einen eigenen Bereich.
Vergrößern In den Systemeinstellungen der Mitteilungszentrale erhält die „Nicht stören“-Funktionen einen eigenen Bereich.

Das mehr oder weniger gut versteckte „Nicht-stören“-Feature von Mountain Lion (wenn man in der Mitteilungszentrale etwas nach oben scrollt, erscheint ein Schalter zum Stummschalten von Benachrichtigungen) hat Apple in OS X Mavericks spürbar aufgewertet. Der neue „Nicht-stören“-Bereich in den Systemeinstellungen der Mitteilungszentrale sorgt dafür, dass künftig Benachrichtigungen in bestimmten Zeiträumen deaktiviert werden können – im Grunde also genau so, wie unter iOS 6. Gleiches gilt für den Ruhemodus des Displays oder beim Betrieb an einem externen Bildschirm. Ebenfalls an iOS angelehnt ist der Umgang der Mitteilungszentrale mit Facetime-Anrufen. Ruft ein Kontakt beispielsweise mehrmals hintereinander an, kann der Anruf trotz „Nicht-stören“ durchgestellt werden, wenn der Nutzer das will.

Einschätzung: Eine unrunde Sache

Die Mitteilungszentale ist für viele Nutzer von Mountain Lion nicht gerade das meistbenutzte Feature, denn meist ist die Liste voll mit längst gelesenen, veralteten Inhalten und anderem Datenmüll. Denn: Die Mitteilungszentrale bietet keine Möglichkeit, mehrere Inhalte als gelesen zu markieren oder Inhalte zu filtern. Der Wunsch nach einer besseren Organisation und mehr Übersichtlichkeit nach Art der „Heute“-Ansicht von iOS 7 bleibt aber auch in OS X Mavericks ungehört. Nach wie vor liefert die Mitteilungszentrale zu viele Informationen auf zu wenig Raum und auch die Swipe-Geste, mit der die Seitenleiste aufgerufen werden soll, wird häufig versehentlich ausgelöst. Neben diesen Kritikpunkten gibt es aber auch Positives: Die Tatsache, dass man beispielsweise iMessage-Konversationen in der Mitteilungszentrale führen kann, wäre ein solcher Punkt. Gerade für Anwender, die selten die Nachrichten-App geöffnet haben, dürfte diese Funktion reizvoll sein. Unter dem Strich aber bleibt die Mitteilungszentrale trotz einiger sinnvoller Neuerungen mangels einer vernünftigen Organisationsstruktur hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Wie bisher lässt sich auch in Mavericks die Art und Weise der Benachrichtigung App für App einstellen – neu ist, dass Apps auch in den Sperrbildschirm pushen können.
Vergrößern Wie bisher lässt sich auch in Mavericks die Art und Weise der Benachrichtigung App für App einstellen – neu ist, dass Apps auch in den Sperrbildschirm pushen können.
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