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Mehr Platz für das Time-Machine-Backup

21.08.2015 | 08:00 Uhr |

Ein volles Time-Machine-Volume erfordert sofort Ersatz. Startet man ein neues Backup oder übernimmt man die alten Daten?

Meldet OS X, dass das Backup-Volume voll ist, haben Sie die Wahl. Sie können sich damit abfinden, dass Time Machine beginnt, alte Backups zu löschen oder Sie sorgen für Ersatz. Mit der ersten Lösung können Sie einfach Ihre Arbeit fortsetzen. Time Machine sichert die aktuellen Daten, es gibt weiterhin ein aktuelles Backup. Der Preis dafür ist, dass die Backups nicht mehr so weit in der Zeit zurückreichen. Wie weit, hängt im Einzelfall davon ab, wie groß das Backup-Volume im Vergleich zum Startlaufwerk ist und wie intensiv es genutzt wird. Doch jedes Mal, wenn Time Machine Platz schaffen muss, gehen weitere alte Dateiversionen verloren.

Aus diesem Grund ist es in der Regel die bessere Idee, die alte Backup-Festplatte zu archivieren und eine neue anzuschließen. Das erste Backup dauert dann etwas länger, da Time Machine zunächst eine komplette Sicherung durchführt. Danach läuft alles wieder wie gewohnt. Kaufen Sie eine neue Backup-Festplatte in der gleichen Größe, wissen Sie in etwa, wie lange es dauern wird, bis diese bei Ihren Arbeitsgewohnheiten wieder voll ist. Da Apps und Dokumente mit fortschreitender Entwicklung gewöhnlich größer werden, wird es jedoch schneller gehen.

Daten-GAU vorbeugen: Kluges Backup mit Time Machine

Es gibt noch einen anderen Grund, der für den regelmäßigen Austausch der Backup-Festplatte spricht. Als mechanisches Bauteil unterliegt sie einem gewissen Verschleiß. Nach etwa zwei bis drei Jahren sollte jede Festplatte, die regelmäßig benutzt wird und wichtige Daten enthält, ausgewechselt werden. Das vorher benutzte Laufwerk verwahrt man, damit man bei Bedarf auf alte Dateiversionen zugreifen kann. Letzteres ist jedoch etwas umständlicher als beim aktiven Time-Machine-Volume. Sollten Sie sehr häufig auf alte Backups zugreifen müssen, schlagen wir vor: Ersetzen Sie das alte Backup-Laufwerk durch ein deutlich größeres. Sie können die bereits vorhandenen Sicherungen darauf übertragen und das Backup einfach fortsetzen. So verbinden Sie den Vorteil der neuen Festplatte mit dem schnellen Zugriff auf weit zurückreichende alte Dateiversionen. Im folgenden Workshop zeigen wir, wie man dafür vorgeht.

Warnung reaktivieren

In den Systemeinstellungen für Time Machine finden Sie unter „Optionen“ auch die Checkbox „Benachrichtigung nach dem Löschen von alten Backups“. Haben Sie in der Systemmeldung über das volle Backup-Volume angeklickt, dass die Warnung nicht erneut gezeigt werden soll, können Sie sie hier wieder aktivieren. Dann erscheint jedes Mal nach dem Löschen von alten Backups die Speicherwarnung, was als Erinnerung durchaus empfehlenswert ist.

Backup mit Time Machine

1. Vorsicht Platzprobleme

01_Platzprobleme imported
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OS X warnt bei vollem Backup-Volume
Time Machine löscht automatisch alte Backups, um wieder Platz für neue zu schaffen. Geht dem System der Platz auf dem Backup-Volumen aus, zeigt es die abgebildete Warnung, die auf den Platzmangel hinweist. Dabei muss man wissen, dass Time Machine dem aktuellen Backup eine höhere Priorität einräumt als den alten Daten. Es beendet die aktuelle Sicherung auf jeden Fall. Das ist nur konsequent, hat jedoch zur Folge, dass die Meldung erst erscheint, nachdem bereits erste alte Backups gelöscht wurden. Wollen Sie keine weiteren alten Versionen verlieren, wird es nun höchste Zeit etwas zu tun. Die Meldung nennt übrigens das Datum des ältesten noch auf dem Volume verbleibenden Backup-Laufs.

2. Backup-Einstellungen

Platzbedarf des Backups klären
Vergrößern Platzbedarf des Backups klären
Platzbedarf des Backups klären
Vergrößern Platzbedarf des Backups klären

Platzbedarf des Backups klären
In den Time-Machine-Einstellungen können Sie nicht nur sehen, wann das letzte Backup erfolgt ist, sondern auch von wann das älteste Backup auf dem Volume ist und wieviel freier Platz darauf noch zur Verfügung steht. Um einen Anhaltspunkt für die notwendige Größe des Volumens zu bekommen, klicken Sie in den Einstellungen auf „Optionen“. Unter der Liste von Dateien, Ordnern und Volumes, die Time Machine nicht sichern soll, zeigt OS X, wie groß ein vollständiges neues Backup mit den aktuellen Einstellungen wäre. Eine neues Backup-Volume sollte mindestens doppelt so groß wie dieser Wert sein. Wollen Sie die vorhandenen Backups auf das neue Volume übertragen, muss dieses um den gezeigten Wert größer gekauft werden als das alte Backup-Volume.

Neues Backup-Volume vorbereiten

1. Festplatte löschen

Dateisystem HFS+ wählen
Vergrößern Dateisystem HFS+ wählen

Dateisystem HFS+ wählen
Als erstes bereiten wir das neue Backup-Volume vor. Externe USB-Platten sind in der Regel im FAT-oder NTFS-Format eingerichtet. Sie werden zwar vom Finder erkannt, aber Time Machine kann mit den Windows-Dateisystemen nichts anfangen. Auch Mac-Volumes, die Sie bereits für andere Dinge genutzt haben, empfehlen wir vor der Nutzung mit Time Machine zu löschen, damit auch alle unsichtbaren Dateien entfernt werden. Dazu öffnen Sie das Festplatten-Dienstprogramm und wählen die neue Festplatte in der Laufwerksspalte aus. Dann klicken Sie auf den Reiter „Partition“. Soll die gesamte Festplatte für Time Machine genutzt werden, was wir dringend empfehlen, wählen Sie das Partitionslayout „1 Partition“. Dann geben Sie dem Volume rechts davon einen Namen, stellen das Format im Aufklappmenü auf „Mac OS Extended (Journaled)“.

2. GUID-Partition

Partitionsschema anpassen
Vergrößern Partitionsschema anpassen

Partitionsschema anpassen
Als nächstes kontrollieren wir die eingestellte Art der Partitionierung. OS X unterstützt verschiedene Standards zur Verwaltung von Volumes auf einer Festplatte. Der Standard für Time Machine, wie übrigens auch zur Installation von OS X, ist die „GUID“-Partitionstabelle. Sie lässt sich nur durch eine erneute Partitionierung ändern, jedoch nicht beim einfachen Löschen eines Volumes unter dem Reiter „Löschen“. Zur Kontrolle klicken Sie unterhalb des Partitionslayouts auf „Optionen“. Hier wählen Sie „GUID-Partitionstabelle“ und verlassen das Fenster mit „OK“. Jetzt können Sie mit „Anwenden“ die getroffenen Einstellungen aktivieren und die Festplatte neu partitionieren. Achtung: Dabei werden alle eventuell darauf vorhandenen Daten gelöscht.

3. Eigentümer beachten

Eigentümer beachten
Vergrößern Eigentümer beachten

Sind sämtliche Schritte bis hierhin erfolgreich durchgeführt, erscheint nun das Volume mit seinem neuen Namen im Finder. Haben Sie in den Finder-Einstellungen unter dem Menüpunkt „Allgemein“ die Anzeige externer Festplatten auf dem Schreibtisch aktiviert, können Sie es dort auswählen. Sie können sich auch alle verfügbaren Volumes über den Menübefehl „Gehe zu > Computer“ oder mit dem Kurzbefehl „Befehl-Umschalttaste-C“ anzeigen lassen. Markieren Sie das neue Backup-Volume im Finder und rufen Sie den Befehl „Informationen“ auf – über das Ablagemenü oder kurz auch hier mit dem Kurzbefehl „Befehlstaste-I“. Ganz unten im Fenster schalten Sie im Bereich „Freigabe & Zugriffsrechte“ die Option „Eigentümer auf diesem Volume ignorieren“ aus. Möchten Sie später irgendwelche Änderungen vornehmen, müssen Sie dazu zuerst auf das kleine Schlosssymbol klicken und sich als Administrator ausweisen. Die Änderung wird anschließend sofort aktiv.

Alte Backups kopieren

1. Backup ausschalten

Backup-Ordner auf neues Volume ziehen
Vergrößern Backup-Ordner auf neues Volume ziehen

Time Machine vorübergehend deaktivieren
Für das Übertragen der alten Backups muss Time Machine ausgeschaltet werden. Dazu öffnen Sie die Systemeinstellungen und wechseln zu Time Machine. Stellen Sie den Hauptschalter des Backups auf der linken Fensterseite auf „Aus“. Dann gehen Sie zurück in den Finder, um die vorhandenen Backups zu kopieren. Dabei gibt es zwei Wege. Apple empfiehlt in einem schon älteren Support-Dokument das Kopieren im Finder, was nach unserer Erfahrung aber nicht zuverlässig funktioniert. Speziell mit über iCloud synchronisierten Dokumenten in der Zeit des Wechsels auf iCloud Drive gibt es Probleme, die zum Abbruch des Kopiervorgangs führen.

2. Im Finder kopieren

Time Machine vorübergehend deaktivieren
Vergrößern Time Machine vorübergehend deaktivieren
Backup-Ordner auf neues Volume ziehen
Vergrößern Backup-Ordner auf neues Volume ziehen

Backup-Ordner auf neues Volume ziehen
Wir beginnen trotzdem mit dem „Apple-Weg“. Wenn Sie sich den Inhalt des alten Backup-Volumes im Finder anzeigen lassen, finden Sie auf dessen oberster Ebene den Ordner „Backups.backupdb“, der alle Backups enthält. Ziehen Sie diesen auf das neue Backup-Volume, zum Beispiel auf seinen Eintrag in der Seitenleiste des Fensters oder auf das Laufwerkssymbol auf dem Schreibtisch. OS X erkennt dabei automatisch, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Ordner handelt. Zum Kopieren müssen Sie sich als Administrator ausweisen, danach startet der Vorgang, der viele Stunden dauern kann. Allein das Zählen der zu kopierenden Objekte dauert eine kleine Ewigkeit, da jeder Backup-Lauf über spezielle Links den kompletten Stand Ihres Startlaufwerks abbildet. Am besten schalten Sie den Computerruhezustand in „Energie Sparen“ aus und starten Sie die Kopie über Nacht oder wenn Sie längere Zeit nicht am Mac arbeiten wollen. Bei Problemen können Sie probieren im Wiederherstellungsmodus von Time Machine die betroffenen Dateien oder Ordner zu suchen und per Kontextmenü aus allen Backups zu löschen.

3. Volume klonen

Übertragung mit dem Festplatten-Dienstprogramm
Vergrößern Übertragung mit dem Festplatten-Dienstprogramm

Übertragung mit dem Festplatten-Dienstprogramm
Um zeitaufwendige Fehlersuche zu vermeiden, empfehlen wir gleich folgenden Weg: Statt den Backup-Ordner im Finder zu kopieren, starten Sie das Festplatten-Dienstprogramm und kopieren das komplette Backup-Volume blockweise auf das neue. Dazu markieren Sie in der Laufwerksspalte des Platten-Tools ein Volume und wechseln rechts zum Reiter „Wiederherstellen“. Ziehen Sie das alte Backup-Volume in „Quelle“ und das neue in „Zielmedium“. Dann starten Sie die Übertragung mit „Wiederherstellen“. Dabei wird das Zielvolume komplett gelöscht, die Festplatte jedoch nicht neu partitioniert. Sie muss also trotzdem, wie oben beschrieben, vorbereitet werden. Durch die Wiederherstellung erhält das neue Volume auch den Namen des alten. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten Sie nach Abschluss des Vorgangs beide Volumes auswerfen, das alte vom Mac trennen und einen Neustart machen. Anschließend benennen sie das neue Volume um, um es unterscheiden zu können.

Backup auf neuem Volume

1. Backup fortsetzen

Neues Volume auswählen
Vergrößern Neues Volume auswählen

Neues Volume auswählen
Unabhängig vom gewählten Weg für den Kopiervorgang öffnen Sie nun die Time-Machine-Einstellungen, um das Backup auf dem neuen Volume zu aktiveren. Hierfür klicken Sie auf „Volume auswählen“. OS X bietet alle geeigneten Volumes an, darunter auch das neue Backup-Volume. Wählen Sie es aus und klicken Sie auf „Volume verwenden“. Zwei Minuten später startet automatisch das erste Backup auf dem neuen Volume. Dabei erkennt Time Machine das alte Backup des Rechners im Backup-Ordner und sichert wie gewohnt nur die Änderungen. Bei der Wiederherstellung behalten sie also vollen Zugriff auf alle bisherigen Backup-Läufe. Die früher angelegte Liste der Backup-Ausnahmen bleibt weiterhin gültig.

2. Einfacher Plattentausch

Neues Volume, Zugriff auf alte Backups
Vergrößern Neues Volume, Zugriff auf alte Backups

Neues Volume, Zugriff auf alte Backups
Ist es für Sie nicht so wichtig, schnellen Zugriff auf alle alten Sicherungen zu haben, können Sie etwas Geld sparen und sich eine kleinere Festplatte als neues Time-Machine-Volume zulegen. In diesem Fall lassen Sie einfach die Schritte zum Kopieren des alten Backup-Ordners oder -Volumes aus. Time Machine führt dann beim ersten Lauf auf dem neuen Volume ein komplettes Backup durch, alles weitere funktioniert wie beschrieben. Für den Zugriff auf alte Backups bewahren Sie die vorher benutzte Festplatte auf. Zur Wiederherstellung von Dateien schließen Sie sie an den Mac an. Dann rufen Sie im Menü des Docksymbols von Time Machine „Andere Time-Machine-Volumes durchsuchen“ auf und wählen ein altes Backup aus. Es erscheint die Time-Machine-Oberfläche zur Wiederherstellung. Das alte Laufwerk wird dabei nicht als Backup-Volume aktiviert. Nach dem Ende der Wiederherstellung ist weiterhin das normale Time-Machine-Volume aktiv.

Backup verschlüsseln

Time Machine kann das Backup-Volume verschlüsseln, damit Unbefugte nicht einfach das Laufwerk entwenden und davon private Daten stehlen können. Die Funktion müssen Sie nach einem Laufwerkswechsel erneut aktivieren. Das können Sie gleich bei der Auswahl des Volumes erledigen oder nachträglich. Aktiveren Sie unterhalb der Liste für die Volumenauswahl die Option „Backup verschlüsseln“. Legen Sie ein Passwort für das Volume fest. Damit das Backup auch nach einem Neustart automatisch laufen kann, lassen Sie das Passwort im Schlüsselbund speichern. Lässt sich die Verschlüsselung nicht nachträglich aktivieren, schalten Sie Time Machine aus und entfernen das Volume. Beim erneuten Anstecken sollte es dann klappen.

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