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Office-Pakete im Vergleich: Microsoft, iWork, Libre und Papyrus

24.04.2012 | 10:24 Uhr |

Microsoft Office für den Rechner im Büro, iWork für zu Hause und unterwegs oder lieber eine kostenlose Open-Source-Variante wie Libre Office? Wir haben die wichtigsten Anwendungen verglichen und ihre Zusammenarbeit geprüft

Komplexe Office-Pakete verlieren an Bedeutung, insbesondere im privaten Umfeld, wo iPhone-gemäß für jede Sonderaufgabe eine spezialisierte App bereitsteht. Dennoch gehören eine gute Textverarbeitung, ein Präsentationsprogramm und eine Tabellenkalkulation weiterhin zum Grundbedarf jedes Mac-Anwenders. Einfache Bedienung und niedrige Preise haben Apples Büropaket iWork geholfen, sich gegen das den Markt dominierende Microsoft Office zu behaupten. Seitdem sie im Mac App Store verfügbar sind, beherrschen die Tabellenkalkulation Numbers, das Textprogramm Pages und das Präsentationsprogramm Keynote die Liste der zehn meistgekauften und beliebtesten Apps - wobei die Konkurrenz durch Abwesenheit glänzt. Außerhalb des Mac App Store stehen aber jede Menge Alternativen bereit: Mit Libre Office 3.5 ist gerade eine neue Open-Office-Variante erschienen. Mit beeindruckendem Funktionsumfang positioniert sie sich nicht zuletzt bei Behörden und Verwaltungen. Erwähnenswert ist zudem Papyrus , weil es einzigartige Stärken in der Textverarbeitung hat.

Gewohnheit vs. Innovation

Es gibt übersichtlichere Programme als Word oder Excel. Vielen Anwendern ist Microsoft Office aber seit Jahren gut vertraut, teils schon aus Computerkursen an der Schule. Microsoft Office ist Standard in vielen Büros, zahlreiche private Mac-Anwender kennen Windows-Office aus ihrem Berufsalltag am PC. Die aktuelle Mac-Version Office 2011 ist jedoch eine völlig eigenständige Software und keine Kopie der Windows-Version. Doch auch wenn die Oberfläche deutlich anders aussieht, fällt der Umstieg von Windows leicht. Wer Erfahrung mit Microsoft Office hat, findet sich auch in Libre Office zurecht. Werkzeugliste und die Menüs ähneln älteren Office-Versionen so sehr, dass man den Entwicklern mangelnde Innovationsfähigkeit vorwirft. Für viele Umsteiger ist diese Ähnlichkeit aber eine große Erleichterung. Völlig anders ist das Konzept von iWork. Apple hat die drei Anwendungen von Grund auf neu konzipiert. Einsteiger profitieren von einem übersichtlichen und schlüssigen Konzept, Office-Profis müssen umdenken. Vor allem Anwender, die von Excel auf Numbers umsteigen, sind anfangs wenig begeistert. Viel Einarbeitung verlangt Papyrus.

Komplexität vs. Schnelligkeit

Ein hoher Funktionsumfang verlangsamt den Programmstart. Bis Word arbeitsbereit ist, vergehen auf einem älteren Mac Mini bis zu zwanzig Sekunden. Nutzt man einen langsamen Mac, muss man bei größeren Dokumenten immer wieder mit Wartepausen rechnen. Auch bei Libre Office wartet man relativ lang auf das Textfenster. Besser schlägt sich Pages, selbst lange Texte bremsen Apples Programm nur wenig aus. Beim eigentlich schnell startenden Papyrus wirkt der integrierte Duden-Korrektor als Bremse. Akzeptables Arbeiten ist mit jedem der Programme möglich, besitzt man einen Mac mit SSD-Speichermedium oder schneller Festplatte, ist Geschwindigkeit kein Thema mehr. Um einfache Notizen zu schreiben, eignet sich aber kein Office-Paket. Hier ist Apples Notizzettel oder ein Notizenverwalter wie Notebook von Circus Ponies besser geeignet.

Texte schreiben

Den Brief an das Finanzamt mit der Bitte um Fristverlängerung für die Steuererklärung kann man problemlos mit Textedit oder der Freeware Bean schreiben. Für Aufgaben wie einen Firmenrundbrief, Vereinsflyer oder die Diplomarbeit benötigt man jedoch Programme mit höherer Funktionalität.

Eine echte Textverarbeitung benötigt man spätestens, wenn man Texte mit Seitennummern und Kopfzeilen versehen oder ein Inhaltsverzeichnis erstellen will. Auch Serienbriefe gehören zum Pflichtprogramm für alle genannten Programme und bis auf Papyrus nutzen sie sogar das Adressbuch von Apple. Recht kompliziert ist diese Aufgabe mit den beiden Lösungen Papyrus und Libre Office. Bei Pages stehen wenig Optionen zur Verfügung, die komfortabelste Umsetzung liefert Word. Für den Druck von Etiketten, eine ähnliche Aufgabe, benötigt man keine Textverarbeitung. Diese Funktion nutzt man über die Druckfunktion des Adressbuchs. Für eine wissenschaftliche Abschlussarbeit, ein typischer Anlass für den Kauf einer Office-Suite, benötigt man Unterstützung von Fußnoten. Literaturverwaltung ist ein eigenes Thema für sich . Stärken zeigen hier Libre Office und Word.

Papyrus Autor überzeugt durch eine hochwertige Rechtschreibprüfung sowie eine Stil- und Lesbarkeitsprüfung.
Vergrößern Papyrus Autor überzeugt durch eine hochwertige Rechtschreibprüfung sowie eine Stil- und Lesbarkeitsprüfung.

Eine gute Rechtschreibprüfung sollte ebenfalls nicht fehlen. Schwach ist die integrierte Korrekturfunktion von Pages, etwas besser die Prüfung von Word. Die beste deutsche Rechtschreibprüfung ist beim Programm Papyrus vorinstalliert, eine an das Programm gut angepasste Lizenzausgabe des Duden-Korrektors. Dieser liefert gute Korrekturleistung, erkennt Grammatikfehler und Stilblüten. Libre Office ist mit der gleichen Prüffunktion wie Pages ausgestattet, kann aber mit einer Version des Duden-Korrektors erweitert werden. Duden Korrektor für Libre Office kostet 20 Euro.

Optisch wirkt das schlanke Büropaket Papyrus veraltet. Mit bunten Vorlagen und schick gestalteten Knöpfen kann die Software aus deutscher Herstellung nicht dienen. Seine Stärke ist eine sehr funktionsreiche Textverarbeitung, die in der teureren Version Papyrus Autor einzigartige Spezialfunktionen für Autoren bietet. Dazu zählen eine exklusive Stilkorrektur, die Füllwörter und Wortwiederholungen bemängelt und zu lange oder zu komplizierte Sätze markiert. Leider macht die recht ressourcenfressende Rechtschreibprüfung aus dem schnellen und agilen Papyrus ein langsam startendes und träge reagierendes Programm.

Empfehlung : Papyrus ist ideal für Autoren und Texter. Als Office-Paket ist die Software nur befriedigend, die Textverarbeitung ausgezeichnet. Allein der integrierte Duden-Korrektor ist Gold wert. Wer schnell und häufig kurze Texte verfasst, trifft mit Pages eine gute Wahl.

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