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Mit dem iPhone auf die Piste

07.02.2014 | 10:13 Uhr |

Das iPhone kann Skikarte, Notruftelefon und Planungshilfe beim Skifahren sein. Wir haben für Sie Apps und Zubehör ausprobiert, die bei keinem Skiausflug fehlen sollten.

Blauer Himmel, Sonne satt und perfekt präparierte Pisten überzuckert von feinstem Schnee – ein Tag in den Bergen gehört mit Sicherheit zu den schönsten sportlichen Vergnügungen im Winter. Dabei ist es vollkommen egal, ob man per Ski, Snowboard oder sogar mit Schneeschuhen unterwegs ist. Bereits seit drei Stunden sind wir in einem bekannten österreichischen Wintersportort unterwegs. Die Beine werden langsam müde, die Finger beginnen zu frieren und der Magen fängt an zu grummeln – Zeit für den obligatorischen Einkehrschwung. Eine App hat uns die direkt neben dem Lift liegende Hütte empfohlen.

Apps zum Skifahren? Ist das sinnvoll? Um diese Frage zu beantworten begeben wir uns mitsamt iPhone auf die Piste. Dass das Apple-Gerät großes Potenzial für Skifahrer hat, zeigt bereits ein Blick in den App-Store, wo man mit einschlägigen Suchbegriffen fast von Anwendungen überschüttet wird. Nimmt man einen typischen Skitag, so findet man schnell zahlreiche Fragen, die sich die Programmierer zum Thema gemacht haben: Wie sieht es mit dem Wetter aus? Was sagt die Schneelage? Gibt es Lawinen? Wo befinde ich mich gerade überhaupt im Skigebiet? Wo ist die nächste Hütte? Und wie viele Höhenmeter und Pistenkilometer habe ich schon absolviert?

Eine gute Vorbereitung

Unser Praxis-Test beginnt schon lange vor dem eigentlichen Ski-Tag: Skigymnastik heißt die Anwendung, die wir zum Start herunterladen, während draußen der Herbst noch die Blätter von den Bäumen treibt. Und der Name ist bei dieser App definitiv Programm: Hier geht es darum, fit für den Winter zu werden. Von der Abfahrtshocke bis zum Wedelhüpfen findet man acht Übungen, die für Pistensportler äußerst sinnvoll sind.

Ein paar Wochen später hält endlich der Winter Einzug. Die Skigebiete starten in die Saison, ein Pisten-Opening jagt das nächste. Jetzt kann das iPhone beweisen, ob es Wintersport-tauglich ist. Zuerst einmal geht es dabei um die äußeren Bedingungen: Klassische Wetter-Apps sind ja allseits bekannt. Wir interessieren uns aber konkret für das typische Bergwetter für Skifahrer. Eine Möglichkeit ist hier Bergfex Ski Pro . Die Anwendung liefert Wetter- und Schneedaten verschiedener Skigebiete in Österreich, Schweiz, Deutschland, Italien, Frankreich und Slowenien. Dabei wurde die App speziell an iOS7 angepasst.

iPhone-Tipps für den WIntersport

– Neben einer Schutzhülle sollten Sie das iPhone in einer warmen Innentasche platzieren.
– Reduzieren sie die Monitorhelligkeit soweit wie möglich
– Stellen Sie das GPS ab, sobald sie es nicht für eine Wintersport-App oder einen anderen Zweck benötigen
– Verzichten Sie auf übermäßiges Surfen im Internet

Die App zeigt Schneehöhen, Menge der geöffneten Lifte und Webcam-Bilder. Dazu allgemeine Daten wie Öffnungszeiten, Saisonzeiten, Anzahl der verschiedenen Lifttypen, gewalzte Pistenkilometer nach Schwierigkeitsgraden, Preise der Skipässe und weitere Infos wie die klassische Übersichtskarte werden angezeigt. Eine ganze Menge, für die man im App-Store derzeit 0,89 Euro bezahlen muss. Für uns ist die App aufgrund ihres Umfangs wirklich ein absoluter Tipp.

Zum Skiwetter gehören allerdings auch Angaben über Lawinenwarnungen. Vor allem Tourengeher und Freerider sind darauf angewiesen. Hier finden wir bei Bergfex Ski Pro allerdings keine Details. Eine schöne Ergänzung ist daher Snowsafe , bei der man die verschiedenen Bergregionen nach deren akuter Lawinengefahr abfragen kann. Dabei wird nicht nur mit den verschiedenen Warnstufen gearbeitet, sondern man bekommt auch genaue Höhenangaben sowie einen erklärenden Text zur Schneesituation. Da die App zudem gratis ist, gehört sie in jedem Fall ins Repertoire eines Wintersportlers. Verantwortungsvolles Verhalten kann Snowsafe aber nicht ersetzen.

Helfer auf der Piste

Sind die Vorbereitungen erledigt und die Ski präpariert, kann es endlich auf die Piste gehen. Zuerst brauchen wir einen Skipass. Das ewige Warten am Schalter kann  schnell zur Tortur werden. Abhilfe soll hier iSkipass schaffen. Mit dieser kann man in ausgewählten Skigebieten in Italien, Österreich und der Schweiz Skipässe kaufen und diese dann per Keycard oder Swatch-Snowpass-Uhr einlösen. Allerdings gibt es hier noch viel Potenzial nach oben: In der Gratis-App sind bisher nur einige großen Skigebiete verzeichnet und es fehlen viele wichtige Destinationen. Ist man aber tatsächlich in einem der angeschlossenen Orte unterwegs, bringt sie viel Freude, wenn man an der langen Schlange am Tickethaus vorbeigeht.

Auf der Piste selbst ist dann die Pistenkarte gefragt. Früher war diese auf dem Skipass klein aufgedruckt, sie musste extra mitgeführt werden oder man musste sich am Lifthaus an der ausgehängten Übersicht informieren. Die App iTrailmap lädt dagegen automatisch die aktuelle Karte des gewünschten Skigebiets herunter. Gemeinsam mit der Partner-App iTrailmap 3D kann man im GPS-Modus die derzeitige Position bestimmen und sonst auf die üblichen Skikarten zurückgreifen – nur mit dem Unterschied, dass man nicht auf Nässe achtgeben muss. Während iTrailmap gratis ist, fallen für iTrailmap 3D derzeit 4,49 Euro im App-Store an.

Eine gute Hilfe zur Orientierung bieten auch spezielle Apps der jeweiligen Ski-Regionen: Ski amadé hat mit dem Ski amadé Guide eine Anwendung programmiert, mit der man nicht nur Hütten, Skilifte, Toiletten oder Parkplätze finden sondern auch per Notfallfunktion auch Hilfe holen kann. Ein ausführliches Tutorial erklärt diese umfangreiche Applikation, mit der man sich erst einmal ausgiebig auseinandersetzen sollte, bevor man auf die Piste startet. Auch andere Regionen wie beispielsweise das Zillertal mit der iZillertal Arena-App, die ebenfalls Wetter-, Schnee-, und Skigebietsinformationen, Ortsinformationen von A-Z, einen Hüttenguide und einiges mehr bereithält, bieten solche Apps an. Man sollte sich daher auch im jeweiligen Skigebiet über App-Angebote informieren.

Praktisches Winterzubehör für das iPhone

© 2015

Mit klammen und gefühllosen Fingern einen Touchscreen zu bedienen, kann schnell nervig werden. Abhilfe schaffen hier spezielle Smartphone-taugliche Handschuhe, wie beispielsweise die " Etip Gloves ". Die Fleece-Handschuhe verfügen über eine langlebige, leitfähige Beschichtung, mit deren Hilfe sich das Display mit allen fünf Fingern ansteuern lässt. Die Innenflächen sind zusätzlich mit Silikon beschichtet, so dass man an den Skistöcken zusätzlich nicht den Halt verliert. UVP: 35 Euro.


Kälte, Nässe, Schnee – die Witterung ist für das iPhone die größte winterliche Herausforderung. Aus diesem Grund sollte man das Gerät auch in der Skijacke entsprechend schützen. Eine Möglichkeit bietet beispielsweise die "Fre"-Hülle aus dem Hause Lifeproof . Sie schirmt nicht nur Schläge, Schmutz und Wasser ab sondern auch gegen Schnee. Die „Fre Phone 5S“ erlaubt es sogar, trotz wasserdichter Hülle den Fingerabdrucksensor zu nutzen, denn dieser ist hier nur von einer sehr dünnen, aber auch empfindlichen Folie bedeckt. UVP: 80 Euro.


Äußerst empfehlenswert für winterliche iPhone-Abenteuer sind tragbare Zusatzakkus. Damit überlebt das iPhone auch einen langen, aktiven Tag. Dabei sollte man allerdings keine Akku-Hülle sondern einen externen Akku verwenden, den man getrennt vom Telefon dicht am Körper tragen kann. So bleibt dieser warm und verliert aufgrund der Temperaturen garantiert keine Energie. Im Notfall kann man dann immer darauf zurückgreifen. Kleinere externe Akkus kosten etwa 15 bis 60 Euro und verlängern die Laufzeit des iPhone um 50 bis 100 Prozent.

Sportliche Schnee-Apps

Wenn man schließlich einmal ein paar Stunden im Skigebiet unterwegs war, ist es spannend zu erfahren, wie man sich sportlich so schlägt. Hier helfen zahlreiche GPS-Apps für das Apple-Gerät. Runtastic Wintersport ist eine davon. Besonders an diesem Ableger der großen Runtastic-Familie ist, dass diese Variante des beliebten Sporttools speziell für die Bedürfnisse von Wintersportlern programmiert wurde. Bei der Aufzeichnung kann man so unter anderem Daten wie Fahrtdauer, zurückgelegte Distanz, gesammelte Höhenmeter oder die Durchschnittsgeschwindigkeit sammeln. Die Bedienung ist dabei sehr einfach. Während die Standard-Variante gratis ist, enthält die Pro-Version für 4,99 Euro einige Zusatzfeatures wie vorgeschlagene Routen, Sprachausgabe und Intervalltraining. Außerdem verzichtet sie auf Werbung.

Runtastic Wintersport hilft dabei, Daten über die eigenen Abfahrten zu sammeln.
Vergrößern Runtastic Wintersport hilft dabei, Daten über die eigenen Abfahrten zu sammeln.

Eine Spielerei dieses App-Typs ist Snowedge . Die App misst die Aggressivität der Kurvenfahrten und erstellt darauf basierend den sogenannten TAI – den Turn Acceleration Index. Man startet die App und steckt das iPhone anschließend einfach in die Tasche. Lässt man den Monitor an (dies ist für die reibungslose Funktion notwendig), zeichnet die Anwendung automatisch die Fahrt auf und errechnet so die Beschleunigungswerte der Kurvenfahrten – inklusive detaillierter Auswertungen. Wer also nicht genug Daten bekommen kann – dem sei dieses Gratis-Tool für Sportfreaks empfohlen.

Akku und Empfang als Probleme

Die Hüttenrast bietet aber nicht nur eine Gelegenheit für ein sportliches Fazit des Tages sondern auch für den App-Test an sich. Insgesamt schlägt sich das iPhone wacker als Schnee-Begleiter. Im App-Store gibt es zwar viele Wintersport-Apps, die man getrost überlesen kann, dennoch sind die von uns getesteten Anwendungen absolut einen Download wert. Allerdings stößt auf der Piste auch auf zwei erhebliche Nachteile des Smartphones: die begrenzte Lebensdauer des Akkus und den Netzempfang mit der damit verbundenen gedrosselten oder gar nicht vorhandenen Surf-Geschwindigkeit oder gar den im Ausland notwendig werdenden Roaming-Gebühren. Diese werden zwar immer günstiger, dennoch kann eine aktive App schnell den Kostenbegrenzer aktivieren.

Auch im Skiurlaub ist das iPhone ein nützlicher Begleiter.
Vergrößern Auch im Skiurlaub ist das iPhone ein nützlicher Begleiter.
© Ski Amadé

Abhilfe schaffen hier zwei Dinge: Die Akkudauer lässt sich wunderbar mit einem Zusatz-Akku sowie der entsprechenden Handhabung (siehe Info-Kästen) verlängern. Solche Akkus sind nicht schwer und erhöhen die Nutzungsdauer deutlich. Das Surfen im Netz funktioniert dagegen dank immer breitflächigeren W-LAN-Angeboten. Viele Ski-Gebiete wie beispielsweise Ski amadé im österreichischen Salzburg oder die Zillertal Arena in Tirol statten ihre Hütten mit WiFi-Routern aus, so dass man sich problemlos einloggen und munter darauf los surfen kann. Alleine die Salzburger Sportwelt, die die Regionen Schladming-Dachstein, Gastein, Hochkönig und das Großarltal abdeckt, ist mit rund 400 WLAN-Hotspots ausgestattet.

Fazit

Somit fällt das Fazit des iPhone-Tests durchaus positiv aus und man kann frisch gestärkt die letzten Stunden vor dem Liftschluss genießen. Wieder zuhause ist es dann auch Zeit, sich über das Geschehen der Profis zu informieren. Wie Maria Riesch, Felix Neureuther und Co. bei ihren Rennen abgeschnitten haben, erfährt man in der ORF Weltcup-App, der zehnten und letzten Anwendung in unserem Test. Sie rundet damit den Skitag in den Bergen wunderbar ab. Man könnte die Bergwelt auch ohne das ständige Schauen auf das Display genießen – dennoch ist das iPhone ein praktischer Begleiter wenn es heißt: Ab auf die Piste!

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