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Mit dem iPhone richtig filmen

01.10.2013 | 10:09 Uhr |

Das iPhone wird mittlerweile gerne als Camcorder genutzt. Damit die Aufnahmen auch etwas werden, haben wir praktische Tipps für Sie zusammengestellt

Ob im Zoo, am Urlaubsstrand oder an einem beliebigen anderen Ausflugsziel: überall sehen wir Smartphone-Nutzer, die ihr Handy  im Vorbeigehen mit ausgestreckten Arm grob in Richtung einer Sehenswürdigkeit herumschwenken und wir wissen: dort entsteht gerade ein  bis zur Unkenntlichkeit verwackeltes Heimvideo. Damit die Bewegtbilder mit dem iPhone vorzeigbar werden, kommt man nicht ganz daran vorbei, sich einige Grundlagen der Kameraführung anzusehen. Trotz aller Automatiken und der einfachen Bedienung sollte man auch mit einem Smartphone grob wissen, wie man dem Zuschauer mit den Aufnahmen erklären kann, was er dort gerade sieht.

Richtig herum halten

Regel Nummer eins: das iPhone immer quer halten! Videos müssen im Querformat sein, denn Hochkantvideos sehen für den Betrachter ungewohnt aus und verschenken den größten Teil des Bildschirmplatzes. Das Video wird später auf dem Computer oder Fernseher genau so hoch angezeigt wie ein normales Video, aber nur einen Bruchteil so breit, der größte Teil des Bildschirms bleibt schwarz. Einzige erlaubte Ausnahme für Hochkant-Aufnahmen: Spezielle Apps wie Vine oder Instagram sind dafür ausgelegt, dass die (dort quadratischen) Videos in der Porträt-Haltung aufgenommen werden.

Unschön: so sieht ein Hochkant-Video auf dem Mac aus: der Großteil des Bildschirms bleibt leer.
Vergrößern Unschön: so sieht ein Hochkant-Video auf dem Mac aus: der Großteil des Bildschirms bleibt leer.

Nah hingehen

Die Kamera des iPhone ist nicht mit einem optischen Zoom ausgestattet, deshalb sind unsere Füße die einzige Möglichkeit, das Motiv groß in der Aufnah­me zu zeigen: also näher hingehen! Nur wenn wir für einen Videoschnappschuss auch nahe genug herangehen, kann der Zuschauer später gut erkennen, was wir überhaupt zeigen wollen. Weiträumige Totalaufnahmen verwirren im Gegensatz dazu oft nur und enthalten sowohl zu viele Informationen auf einmal als auch zu viel Bewegung, um Details erfassen zu können. Eine Aufnahme aus der Nähe erlaubt es darüber hinaus, dass der Hintergrund ein wenig unscharf ist und wir die Aufmerksamkeit ausschließlich auf das Motiv lenken können.

Zeitlupe mit dem iPhone 5S

Die neue Slo-Mo-Funktion ermöglicht uns tolle Bewegungsstudien und Detailaufnahmen in Zeitlupe. Damit die neuen Effektvideos gut aussehen, müssen wir hier ebenfalls darauf achten, sehr nah am Motiv zu sein, gutes Licht zu haben und in diesem Fall auch eine interessante Bewegung fest zu halten. Die Bewegung muss einen großen Teil des Bildes ausfüllen, damit der Effekt gut wirkt. Der neue Kameramodus lädt zum Spielen und Experimentieren ein. Wir haben Beispielvideos gesammelt, die das perfekt umsetzen:

Sie sind der Regisseur!

Nicht nur bei Kinofilmen, auch bei privaten Urlaubsvideos kommt es oftmals auf die richtigen Kommandos an: Vielleicht müssen Sie jemanden bitten, kurz aus dem Weg zu gehen, damit Sie die gewünschte Einstellung drehen können, Vielleicht müssen Sie sich im Gedränge ganz nach vorne durchkämpfen, um freie Sicht auf eine Attraktion zu erhalten. Eventuell müssen Sie Familienmitglieder dirigieren oder zum Posieren oder Herumtoben motivieren, damit die Aufnahmen besser werden als ein schneller Schnappschuss aus der Hüfte. In jedem Fall: nur keine Schüchternheit!

So nicht: Aus der Ferne einhändig im Hochkant-Format – das kann nichts werden!
Vergrößern So nicht: Aus der Ferne einhändig im Hochkant-Format – das kann nichts werden!

Erleuchtung bitte!

Bei einer kleinen Kamera wie der des iPhone ist gutes Licht besonders wichtig. "Gutes" Licht bedeutet vor allem: viel Licht. Bei Tageslicht gelingen Aufnahmen viel besser als drinnen. Was an einem sonnigen Tag aber im Schatten liegt, ist kaum noch zu erkennen. Gegen die Sonne zu filmen, ist nicht sinnvoll, da kommen wieder die Füße ins Spiel: Um das Motiv herumlaufen und von der Sonnenseite aus filmen, lohnt sich immer. Auch Mischlicht sollte man meiden. Kunstlicht und gleichzeitiges Tageslicht durch die Fens­ter sowie der eingeschaltete LED-Blitz sorgen zum Teil für seltsame Farben: Der Weißabgleich der Kamera kann sich auf diese Mischung nicht einstellen und das Bild wird verfärbt.

Ruhig halten

Auch wenn wilde Schwenks und hektische Kamerawackler in Hollywood ein Stilmittel sind, auf Heimaufnahmen ist dies eher unpassend. Deshalb empfiehlt es sich, ruhig stehen zu bleiben, das iPhone mit beiden Händen festzuhalten und die Bewegung im Bild stattfinden zu lassen, anstatt mit dem iPhone hinter dem Motiv herzulaufen oder mitzuschwenken. Kleine Bewegungen fallen zwar bei der Betrachtung auf dem kleinen iPhone-Bildschirm kaum ins Gewicht, in Großansicht auf dem Computer wirkt das Ganze dann aber wie eine Achterbahnfahrt. Langsame, ruhige Schwenks über eine Landschaft oder einen Turm hinauf können dagegen auch in der Großansicht noch gut aussehen.

Volle Kontrolle

Dank Autofokus sowie automatischer Belichtung filmt das iPhone mit Autopilot. Das ist komfortabel und schnell, aber längst nicht immer die beste Wahl. Denn der Autofokus richtet sich lediglich nach der Mitte des Bildes, reagiert auf Bewe­gungen, sucht plötzlich mitten in der Aufnahme nach einem neuen Fokus und verdirbt dadurch die Aufnahme. Vielleicht findet er den richtigen Schärfepunkt gar nicht erst.

Wenn wir die AF-Sperre einschalten, sind Fokus und Belichtung gesperrt. So verhindern wir, dass das iPhone mitten in der Aufnahme versucht, den Fokus neu zu justieren.
Vergrößern Wenn wir die AF-Sperre einschalten, sind Fokus und Belichtung gesperrt. So verhindern wir, dass das iPhone mitten in der Aufnahme versucht, den Fokus neu zu justieren.

Die automatische Belichtung wählt eventuell ebenfalls nicht immer die Helligkeit, die unser Motiv perfekt ausleuchtet. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, vor der Aufnahme mittels Fingertipp Schärfe und Helligkeit manuell zu wählen. Dies schützt aber nicht davor, dass das iPhone automatisch nachreguliert. Um das zu vermeiden, drücken wir mehrere Sekunden auf die Bildschirmstelle, dann sind Fokus und Belichtung gesperrt.

Zuschauer führen

Wenn das Video nicht nur eine einzige Sequenz werden soll, sondern später aus mehreren Aufnahmen zusammengeschnitten wird, sollten wir daran denken, den Zuschauern visuell zu erklären, wo der Film stattfindet und was genau zu sehen ist. Dazu empfiehlt es sich, mit gezielten Aufnahmen für Orientierung zu sorgen. Beispielsweise zunächst mit etwas Abstand den Ort und Kontext zu zeigen und danach erst auf Details umzuschneiden: immer von fern zu nah. Ein Beispiel: Erst den gesamten Marktplatz zeigen, dann die Kirche in Großaufnahme und daraufhin erst die Details der Verzierungen an der Fassade der Kirche. So versteht der Zuschauer, was da gerade zu sehen ist. Darauf sollten Sie schon bei der Aufnahme achten.

So geht es richtig: Nah ran und das iPhone mit beiden Händen festhalten.
Vergrößern So geht es richtig: Nah ran und das iPhone mit beiden Händen festhalten.

Apps für Profis

Wer sich gut mit Videos auskennt und mehr Möglichkeiten möchte, als die Kamera-App des iPhone bietet, der sollte sich spezielle Apps für Video-Profis anschauen. Hier erhält der iPhone-Kameramann deutlich mehr Freiheiten und mehr Optionen. Ob es darum geht, die Bildrate einzustellen (wie viele Bilder pro Sekunde?), den Weißabgleich zu fixieren oder den Ton manuell zu kontrollieren: Mit der richtigen App ist das alles möglich:

Apps für Profis

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Wer sich gut mit Videos auskennt und mehr Möglichkeiten möchte, als die Kamera-App des iPhone bietet, der sollte sich spezielle Apps für Video-Profis anschauen. Hier erhält der iPhone-Kameramann deutlich mehr Freiheiten und mehr Optionen. Ob es darum geht, die Bildrate einzustellen (wie viele Bilder pro Sekunde?), den Weißabgleich zu fixieren oder den Ton manuell zu kontrollieren: Mit der richtigen App ist das alles möglich

Pro Camera (Aktuell gratis, sonst 4,49 Euro) ist vor allem eine Foto-App, hat aber auch für Videos eine Ausrichtungshilfe und erweiterte Einstellungen.

Movie Pro (2,69 Euro) ist ganz auf Videos spezialisiert. Zahlreiche zusätzliche Optionen und Hilfen sorgen für bessere Videos. Für Anfänger ist das zu viel des Guten.

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