1723975

Munich in Motion: Mac als Zeitraffer

12.03.2013 | 10:22 Uhr |

Munich in Motion: Die Schönheit der bayerischen Landeshauptstadt hat der Fotograf Greg Kiss in Bildern eingefangen. Wie daraus am Mac im Zeitraffer ein fertiges Video wurde, erklärt er hier

Bei Zeitrafferaufnahmen handelt es sich um eine filmische Methode zur Beschleunigung der Aufzeichnung von Bewegungsabläufen. Normale Videokameras nehmen in der Regel 24, 25 oder 30 Bilder pro Sekunde auf. Bei der Zeitrafferaufnahme setzt man hingegen die Bildfrequenz der Aufnahme (beispielsweise ein Bild pro Sekunde) im Verhältnis zur Abspielfrequenz (beispielsweise 25 Bilder pro Sekunde) herab. Dafür eignen sich ein programmierbarer Fernauslöser oder sogar ein Slider mit Intervalometer, also eine Schiene, auf der die Kamera langsam weiterfährt mit einer präzisen Zeituhr für den Auslöser. Spielt man die Aufnahmen dann mit normaler Geschwindigkeit ab, scheint der aufgenommene Vorgang schneller abzulaufen. Mit der Zeitraffer-Aufnahmemethode ergeben sich völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten für Filmemacher und Fotografen. So kann man lange Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden pro Einzelbild nutzen, um Mond, Sterne oder gar die Milchstraße bei Nacht zum Vorschein zu bringen. Werden die über viele Stunden aufgenommenen Einzelbilder anschließend zu einer Filmsequenz zusammengesetzt, sieht man die Rotation der Erde durch den sich bewegenden Mond oder die Sterne.

Greg Kiss

Greg Kiss ist seit 1990 leidenschaftlicher Fotograf: zunächst im Bereich Landschaftsfotografie, mittlerweile auch als Reise-, Porträt- und Architekturfotograf. Seine Leidenschaft gilt ungewöhnlichen Blickwinkeln, was sich auch in seinem Film zeigt.

Wie populär solche Videos inzwischen sind, zeigt der Film „Munich in Motion“ von Greg Kiss, der im Januar 2013 auf Vimeo, Youtube, Spiegel Online, Facebook und Co. mehr als 500 000 mal angesehen wurde. Der Aufwand, der hinter einer solchen Produktion steckt, ist jedoch nicht zu unterschätzen. Am Beispiel von Munich in Motion zeigt der Autor einige beispielhafte Stationen seiner Produktion bis zum fertigen Endergebnis :

Die Stationen bei der Entstehung von Munich in Motion

1. Erstellen einer Zeitraffersequenz und Festlegen von Keyframes

Munich in Motion besteht insgesamt aus 48 Einzelsequenzen, produziert wurden aber rund viermal so viele Szenen

Zunächst benötigt man also eine einzige Zeitraffersequenz aus etwa 150 bis 200 Einzelbildern, die idealerweise mit einer DSLR – oder jeder anderen Digitalkamera oder Smartphone – im manuellen Modus (bevorzugt in RAW) aufgenommen wurde. Anschließend legt man die Einzelbilder je Sequenz in einem eigenen Ordner auf der Festplatte ab und öffnet sie mit LRTimelapse. Das Programm LRTimelapse (Level & Ramp Timelapse Sequences) hat der Hamburger Zeitrafferpionier Gunther Wegner entwickelt, um die Bildbearbeitungs-Werkzeuge aus der Adobe Creative Suite (vor allem Adobe Lightroom) zur Erstellung von Zeitrafferfilmen zu nutzen. Es wird heute von der Mehrzahl der Zeitrafferfotografen verwendet und unterstützt die Fotografen im Umgang mit Zeitraffer-spezifischen Anforderungen, etwa beim Entfernen des „Flicker“-Effekts oder bei der Realisierung sanfter Übergänge von Tag zu Nacht. In der Vollversion kostet die Software knapp 100 Euro, der Entwickler bietet jedoch auch eine kostenlose Demoversion an.

Initialisierung einer Zeitraffer-Sequenz mit LRTimelapse.
Vergrößern Initialisierung einer Zeitraffer-Sequenz mit LRTimelapse.

Beim Anklicken des Ordners mit den Zeitrafferaufnahmen, lädt LRTimelapse alle Bilder und erzeugt dabei Vorschaudateien. Gleichzeitig liest das Programm die Helligkeit der Einzelbilder aus und zeigt sie als blaue Kurve an. Nun kann man mit einem Klick auf „Play“ unter der Vorschau die Zeitraffersequenz abspielen lassen. Bereits beim ersten Abspielen fällt der klassische Flickereffekt auf: Die Helligkeit der Sequenz schwankt, was man auch in der blauen Kurve gut sehen kann. Wenn man nun auf „Initialisieren“ klickt, generiert LRTimelapse die Grundeinstellungen für diese Zeitraffersequenz.

Auswählen eines Referenzausschnitts mit LRTimelapse.
Vergrößern Auswählen eines Referenzausschnitts mit LRTimelapse.

Mit dem Referenzausschnitt legt man den für die Ermittlung der mittleren Helligkeit betrachteten Bildausschnitt fest. Hierfür sucht man sich in der Vorschau einen Bereich mit relativ gleichbleibender Beleuchtung, beispielsweise den Bereich eines Hauses und nicht einen Bereich mit schnell wechselnden Wolken, und zeichnet einen Ausschnitt mit der Maus in das Vorschaubild. Sobald man die Taste loslässt, berechnet LRTimelapse die blaue Kurve neu. Nun lassen sich mit dem Befehl „Key-Frames erzeugen (gleichmäßig verteilt)“ mehrere Key-Frames am Anfang und am Ende der Zeitraffersequenz erzeugen. Abschließend speichert man die gesamte Sequenz mit der letzten Schaltfläche in der ersten Zeile.

Wechselnde Lichteffekte kennzeichnen Zeitrafferfilme.
Vergrößern Wechselnde Lichteffekte kennzeichnen Zeitrafferfilme.
© Greg Kiss
0 Kommentare zu diesem Artikel
1723975