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iTunes Match in der Praxis

19.12.2011 | 16:00 Uhr |

Wie funktioniert der neue Sync-Dienst und wie kann man damit seine Musik möglichst effizient über die Cloud nutzen? Wo es noch hakt, welche Fragen offen bleiben. Wir geben den Überblick.

iTunes Match
Vergrößern iTunes Match
© Apple

Mit iTunes Match kann man seine Musik über iCloud abgleichen und so in der Theorie jederzeit und überall darauf zugreifen. Dies geht mit dem iPhone ebenso wie mit dem iPad oder einem Mac und PC mit iTunes.

Zu Beginn scannt Match die Mediathek und fügt neue Songs der Cloud hinzu.
Vergrößern Zu Beginn scannt Match die Mediathek und fügt neue Songs der Cloud hinzu.

iTunes Match besteht aus zwei Säulen: Zum einen gleicht iTunes die Musik auf dem Rechner mit dem iTunes Store ab. Lieder, die im iTunes Store erhältlich sind und erkannt werden, sind sofort per iCloud verfügbar. Songs, die der Store nicht kennt, müssen erst auf Apples Server hochgeladen werden. Apple erlaubt es, 25.000 Lieder hochzuladen. Eine Übersicht, die zeigt, wie viele Lieder man bereits nutzt, gibt es nicht.

Einrichtung

Da iTunes Match Lieder vor allem an den Metadaten, also Künstler, Album und Songname, erkennt, sollten diese sauber ausgefüllt sein. Hier sollte man vor dem Umstieg zu iTunes Match noch einmal gewissenhaft durch seinen Datenbestand stöbern und schlecht vertaggte Dateien nachbearbeiten. Dies erspart einem Irrläufer und nicht erkannte Lieder.

iTunes Match gilt für bis zu zehn Geräte. Zunächst sollte man iTunes Match auf dem Rechner starten, auf dem die Haupt-Mediathek liegt. Der Kauf geht ganz einfach und ist mit zwei Klicks erledigt, man benötigt lediglich sein Passwort der Apple-ID. Anschließend startet iTunes die Analyse und den Abgleich mit Apples Musikangebot ab. Bei den meisten Mediatheken sollte iTunes den Großteil der Musik erkennen und entsprechenden iTunes-Inhalten zuweisen können.

Diese Lieder werden dann auch dem Quellrechner nicht ersetzt, sondern bleiben im Original erhalten.
Findet iTunes kein Aquivalent im Store, wird das Lied hochgeladen. Dies ist der weniger erfreuliche Teil von iTunes Match. Denn der Upload von Dateien dauert je nach Upload-Geschwindigkeit relativ lange und stockt zu dem sehr häufig. Teilweise werden nur eine Handvoll Titel übertragen und dann stoppt der Upload ohne ersichtlichen Grund. iTunes beginnt den Match-Abgleich immer wieder von vorne, doch wenn mehrere Tausend Lieder in der Cloud landen sollen, könnte dies je nach Verbindung Wochen dauern.

Wenn man einen weiteren Rechner verbinden will, kann man diesen ganz schnell unter dem Punkt "iTunes Match" aktivieren. Dann durchsucht iTunes Match auch diesen Rechner und gleicht die Lieder ab. In der Cloud wird die Mediathek zu einer vollständigen Sammlung aller verbundenen Rechner. So sieht man zukünftig auf allen Rechnern das gesamte Musikarchiv. Songs, die nicht auf dem jeweiligen Rechner sind, kann man herunterladen oder direkt anhören.

iTunes Match unter iOS

In den Einstellungen für "Musik" aktiviert man iTunes Match.
Vergrößern In den Einstellungen für "Musik" aktiviert man iTunes Match.

Unter iOS kann man iTunes Match in den Einstellungen unter "Musik" aktivieren. Damit überschreibt man allerdings seine aktuelle iOS-Mediathek mit den Inhalten aus der Cloud. Musik, die zuvor lokal gespeichert war, bleibt aber dennoch erhalten, diese Meldung ist etwas missverständlich. Jedoch werden die Playlisten vom iPhone gelöscht. Playlisten sind ab jetzt gemeinsam geteilt inder der Cloud. Ist die Option "Alle Musikdateien anzeigen" aktiviert, sieht man auch die Alben und Titel, die in der Cloud gesichert sind und noch nicht auf dem iOS-Gerät. Sind diese Titel bereits verfügbar, also im iTunes Store oder bereits hochgeladen, kann man sie direkt abspielen.

Dank iTunes Match kann man viel Platz auf dem iOS-Device schaffen, indem man selten gehörte Musik einfach löscht. Dazu streicht man langsam mit dem Finger über ein Album oder einen Künstler und tippt den auftauchenden "Löschen"-Knopf an. Nun erscheint das iCloud-Symbol, das bedeutet, dass man das Album herunterladen kann. So muss man nicht mehr alle Lieblingsalben mit sich herumtragen, sondern kann diese bei bestehener Verbindung bei Bedarf nachladen. Musik, die zwar in der Mediathek vorhanden, aber noch nicht in der iCloud angekommen ist, ist ausgegraut und kann noch nicht abgespielt werden.

Stream oder Download?

Am iPhone kann man Songs anhören, während sie geladen werden oder Songs und Alben laden. reines Streaming geht nicht.
Vergrößern Am iPhone kann man Songs anhören, während sie geladen werden oder Songs und Alben laden. reines Streaming geht nicht.

iTunes Match erlaubt unterwegs leider kein reines Musikstreaming. Titel können zwar direkt über das Web abgespielt werden, landen dabei jedoch auch in der lokalen Mediathek. Anschließend kann man sie aber wieder löschen, wenn man den Speicherplatz sparen will. Man kann auch eine UMTS-Verbindung nutzen, um Dateien unterwegs zu laden und zu hören. Dazu muss in den Einstellungen für "Store" jedoch aktiviert sein, dass "Mobile Daten" verwendet werden dürfen. Aber Achtung: ein Album in "iTunes Plus"-Qualität hat meist eine Größe von mehr als 100 Megabyte. Ein Datentarif ist damit schnell an seine monatliche Grenze gestoßen. Zudem nagt der Download großer Datenmengen unterwegs stark am Akku.

Dieses Lied liegt in der Cloud und kann am Mac gestreamt werden.
Vergrößern Dieses Lied liegt in der Cloud und kann am Mac gestreamt werden.

Am Rechner sieht es anders aus. Hier muss die Musik nicht tatsächlich auf dem Computer gespeichert werden. Songs, die in der Cloud, aber nicht auf dem Rechner vorhanden sind, kann man anhören, ohne dass sie dabei auf den Rechner kopiert werden. Zum Herunterladen klickt man auf das Cloud-Symbol. So kann man sogar beispielsweise auf einem Zweitrechner die lokal gespeicherte Musik löschen und nur noch aus der Cloud streamen. Auch das Apple TV nutzt iCloud-Streaming und lädt

Musik, die nur in der iCloud liegt, kann man nicht auf mobile Geräte kopieren.
Vergrößern Musik, die nur in der iCloud liegt, kann man nicht auf mobile Geräte kopieren.

Allerdings stößt diese Streaminglösung an seine Grenzen, wenn man damit einen iPod oder ein iOS-Gerät über iTunes mit Musik bestücken möchte. Dann erhält man eine Fehlermeldung. Zuerst müsse man die fragliche Musik aus der iCloud laden und dann könne sie kopiert werden. Eine Automatik, die zu syncende Songs lädt, kopiert und gegebenenfalls wieder löscht, gibt es nicht.

Mögliche Probleme

Bei einigen Alben fehlen leider einzelne Stücke.
Vergrößern Bei einigen Alben fehlen leider einzelne Stücke.

iTunes Match funktioniert nicht immer ganz reibungslos. Neben dem sehr zähen Upload von Dateien kommt es auch zu dem Problem, dass Match manche Dateien nicht in der Cloud sichern kann oder will. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen unterstützt der Dienst derzeit nur Audiodateien. Musikvideos oder digitale Booklets, die selbst bei iTunes offizieller Teil eines Albums sein können, werden nicht per Cloud abgeglichen. Auch sonst fehlen uns bei manchen Alben einzelne Songs in der Cloud.

Zudem verweigert sich iTunes Match auch einigen Audiodateien. Dies kann beispielsweise daran liegen, dass die Datenrate zu niedrig ist. Lieder mit einer Datenrate von unter 96 kBit/s werden ignoriert. Dies kann beispielsweise bei Hörbüchern oder mitgeschnittenen Radiostreams der Fall sein. Hier muss man die Dateien in höherer Qualität erneut konvertieren. Außerdem hat Match offenbar gelegentlich Probleme mit sehr großen Dateien. Auch diese werden teilweise ignoriert. Zudem scheinen auch kurze Skit-Tracks von nur wenigen Sekunden unter die Ignoranz-Schwelle von iTunes Match zu fallen. Hörbücher zählen offenbar ebenfalls nicht zu den bevorzugten Inhalten und fallen heraus.

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