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Yelp- und Opentable-Daten in der Karten-App von iOS 6

08.10.2012 | 10:44 Uhr |

Um der neuen Karten-App einen gewissen Mehrwert zu bescheren, hat sich Apple mit dem Online-Branchenbuch Yelp und dem Tischreservierungsservice Opentable zusammengetan. Beide bieten auch eigene iPhone-Apps.

Wer iOS 6 auf seinem iPhone installiert, findet statt der altbekannten Karten-App eine vollkommen neue, von Apple selbst mit Material bestückte App, während zuvor das Kartenmaterial von Google verwendet wurde. Die bisherige App gestattete nicht nur die Suche nach bestimmten Adressen, sondern auch beispielsweise nach Restaurants oder Begriffen wie „Klempner“ in der Umgebung. Diese Informationen lieferte bislang Google, doch für die aktuelle Version suchte sich Apple neue Informationsquellen und kooperiert mit den beiden Anbietern Yelp und Opentable.

Yelp liefert als eine Art Online-Branchenbuch Informationen über Unternehmen aller Art in der Umgebung. Opentable wiederum ist auf Restaurants spezialisiert und bietet als besonderes Schmankerl die Online-Reservierung eines Tisches im Restaurant der Wahl. So soll es möglich werden, mit den Bordmitteln des iPhone nicht nur interessante Restaurants in der Umgebung aufzuspüren, sondern dort auch gleich zu reservieren. So will Apple das bisherige Angebot und nebenbei auch gleich die versammelte Android-Konkurrenz mit zusätzlichen Möglichkeiten toppen.


Beide Anbieter bieten auch bereits iPhone-Apps zusätzlich zu ihrem bisherigen Webangebot an, die wir uns näher angesehen haben. Für zahlreiche Anwender dürften Yelp und Opentable unbekannt sein, denn beide sind hierzulande noch nicht sehr lange im Einsatz. Apple hatte allerdings kaum eine Alternative zu ihnen, denn beide sind die jeweils größten Anbieter, wenn es um die internationale Aktivität geht.

Yelp liefert lokale Daten


Yelp ist die Kurzform von „Yellow Pages“ oder zu Deutsch Branchenbuch und begreift sich als eine Art Online-Community, in der Anwender und Betreiber selbst für Informationen, Kommentare und Bewertungen von Unternehmen sorgen. Gleichzeitig mischt Yelp Elemente wie das „Einchecken“ an Orten hinzu, das man von Diensten wie Foursquare kennt. In den USA und vielen anderen Ländern ist Yelp extrem bekannt, während hierzulande bislang eher andere Anbieter wie Qype die Platzhirsche waren. Apples Entscheidung für Yelp dürfte dem Anbieter hierzulande also einen ordentlichen Schubs geben.


Die Mechanismen ähneln denen von Qype freilich sehr: Auf der Homepage oder in der iPhone-App darf man nach Begriffen in der Umgebung suchen und bekommt die Fundstellen auf der Karte angezeigt. Gleichzeitig bekommt man die durchschnittliche Bewertung und auf Wunsch auch Einzelrezensionen zum Ort zu sehen. Wer mag, darf nun auch am Ort einchecken und sich damit Auszeichnungen oder Titel verdienen – ganz so, wie man es von Foursquare kennt. Für den reinen Konsumenten von Wert ist, dass man einen Eindruck von der Bar, dem Laden oder Unternehmen bekommt und sich Kommentare und Fotos ansehen kann.
Mitmachen bei Yelp


Yelp ist ein kostenloses Angebot. Nach eigenen Angaben einzige Einnahmequelle ist der Verkauf von lokalen Anzeigen, die deutlich als solche zu erkennen sind. Auch Anzeigenkunden haben danach keinen Einfluss auf die Bewertung ihres Geschäfts oder andere Sonderrechte. Somit ist allein die Internet-Gemeinde dafür verantwortlich, das Verzeichnis mit Inhalten zu füllen.


Wer selbst Bewertungen abgeben oder Kommentare schreiben möchte, muss sich bei Yelp mit einer sehr simplen Prozedur registrieren. Danach darf man nicht nur an den Orten, die man besucht, einchecken, sondern auch Unternehmen bewerten und Beiträge darüber verfassen. Nicht wundern sollte man sich allerdings, dass Yelp diese nicht sofort veröffentlicht, sondern dies erst tut, wenn man einige Orte mehr kommentiert und bewertet hat. Yelp nutzt ein automatisches Filtersystem, das auf eher undurchsichtige Weise dafür sorgen soll, dass die Beiträge eine gewisse Qualität haben und beispielsweise einzelne Hassbewertungen unterdrückt werden.


Wer zum Schreiben von Beiträgen die ansonsten recht gut gemachte iPhone-App von Yelp nutzt, wird allerdings feststellen, dass er seine Beiträge mit ihr nur entwerfen kann. Wirklich einsenden lassen sich Beiträge nach wie vor nur über die Yelp-Homepage, wo man sich dann noch einmal gesondert einloggen muss. Diese reichlich umständliche Prozedur sorgt nicht gerade für eine sprunghafte Vermehrung der Bewertungen, unterbindet aber immerhin allzu spontane Beiträge bierseliger Barbesucher.

Qualität und Quantität von Yelp-Beiträgen


Der deutsche Yelp-Ableger ist erst seit 2010 aktiv und kämpft seitdem mit der recht mächtigen Konkurrenz von Qype, Foursquare und anderen. Teils gelingt das schon recht gut, doch noch immer ist in manchen Gebieten des Landes der Informationsgehalt des Yelp-Angebots noch reichlich karg.


Basis des Datenbestands sind ähnlich wie bei vielen Navigationsprogrammen zugekaufte Adressdaten, die teils lückenhaft oder veraltet sind. So stößt man immer wieder auf Restaurants oder andere Geschäfte, die längst umgezogen oder geschlossen sind, und noch findet man oft nur reine Basisinformationen ohne Bewertungen oder Kommentare. Dies wird sich sicherlich ändern, wenn demnächst Scharen von iPhone-Besitzern feststellen, dass ihre Lieblingskneipe oder ihr Stammgrieche noch ohne Sternchen auskommen müssen. Allerdings sind hier nicht nur die Nutzer gefragt, sondern auch die Geschäftsbetreiber selbst.


Da Apple sich für Yelp als Partner entschieden hat, bleiben aber nur zwei Möglichkeiten: Entweder fassen sich iPhone-Anwender ein Herz und helfen mit, den Datenbestand von Yelp auf Stand zu bringen, oder aber man muss sich damit abfinden, dass die Umgebungssuche mit dem iPhone und Siri nur Ergebnisse bringt, die mit Vorsicht zu genießen sind.

Yelp für Geschäftsinhaber

Was für den iPhone-Anwender Komfort bedeutet, kann für Inhaber von Restaurants oder Geschäften schnell lästig werden. Denn wenn Anwender sich über Plattformen wie Yelp austauschen und Empfehlungen geben, die dank der Integration in Apples Karten-App auch für  solche Anwender sichtbar werden, die sich normalerweise nur wenig um ortsbezogene Dienste scheren, kann man dies nicht mehr ignorieren.
Es hilft also nichts: Wer eine Kneipe, ein Geschäft oder einen Dienstleistungsbetrieb hat, sollte sich ansehen, wie er bei der Netzgemeinde wegkommt. Oft genug wird man feststellen, dass allenfalls der Firmenname und die Adresse gelistet sind, und sollte sich darum kümmern, diese Basisdaten um weitere wie etwa Telefonnummer, Öffnungszeiten oder einen Verweis auf die eigene Homepage zu ergänzen.
Yelp bietet Inhabern die Möglichkeit, kos­tenlos einen Account zu erlangen und so den Datenbestand zu pflegen. Die Inhaber können natürlich auch die Diskussionen und Bewertungen zu ihrem Unternehmen verfolgen. Ändern dürfen sie sie zwar nicht, aber sie dürfen per Kommentar Stellung zu den Einträgen beziehen und können so beispielsweise negative Bewertungen ein wenig zurechtrücken.
Dabei ist allerdings die übliche Vorsicht angebracht, denn die Online-Gemeinde lässt sich erfahrungsgemäß nur ungern hin­einreden. Wer nicht aufpasst, wird erst recht zur Zielscheibe der Meute, weshalb ein wenig Gleichmut angebracht ist. Allzu Negatives findet sich auf Yelp auch eher selten, meist loben Gäste eher ihre Stammkneipe, als vor schlechtem Essen zu warnen. Klar ist aber, dass Geschäftsleute sich mit Diensten wie Yelp oder Qype auseinander setzen und die Chance nutzen sollten, auch auf diesem Wege etwas Eigenwerbung in Form von korrekten Infos und guten Fotos ihres Geschäfts zu machen.

Tischreservierung mit Opentable


Um gegenüber der alten Kartenlösung noch ein Schmankerl mehr zu bieten, hat Apple sich neben Yelp noch mit dem Anbieter Opentable verbündet. Über Opentable lassen sich online Tische in einem Restaurant reservieren, ohne dass man dafür zum Telefonhörer greifen und mit einem überlasteten Maître sprechen müsste. Klappt die Reservierung, bekommt man eine Bestätigung per E-Mail. Ist dagegen kein Platz mehr frei, erkennt man dies ebenfalls sofort. Noch ist die Zahl der teilnehmenden Restaurants in Deutschland recht klein und beschränkt sich vor allem auf edlere Etablissements, doch da das Bündnis mit Apple nun das Augenmerk auf den vor allem in den USA sehr erfolgreichen Anbieter lenkt, könnte sich dies ändern. Allerdings wird sicher nicht jede Eckkneipe auf ein webbasiertes Reservierungssystem umstellen wollen, nur um iPhone-Besitzern eine Freude zu machen.
Vor der Nutzung des Dienstes ist natürlich eine Registrierung auf der Betreiber-Seite erforderlich, bei der man auch eine Telefonnummer für eventuelle Rückrufe durch die Restaurants angeben muss. Danach lässt sich über die Website, die iPhone-App oder unter iOS 6 über die Karten-App eine Reservierung vornehmen.


Die bisherige iPhone-App präsentiert sich etwas schmucklos, aber halbwegs funktional. Eine richtige Suchfunktion bietet die App letztlich nicht, vielmehr darf man am aktuellen Orte oder einem anderen Zielgebiet eine Pauschalsuche starten, zu der man zunächst Zeit und Personenzahl angeben muss, bevor man überhaupt ein Restaurant auswählen kann. Bislang lässt sich weder auf der Karte noch nach einem bestimmten Namen suchen. Wer Letzteres möchte, muss bislang über die Website von Opentable gehen oder eben zukünftig die Karten-App von iOS 6 nutzen, was deutlich einfacher sein dürfte.

Opentable für Gastwirte

Restaurantbesitzer müssen sich überlegen, ob sie beim Opentable-Dienst mitmachen. Bisher dürfte dessen Erfolg in Deutschland noch überschaubar sein, doch das könnte sich tatsächlich durch iOS 6 ändern. Wenn Gäste erst mal entdecken, wie einfach sich bei der Konkurrenz ein Tisch buchen lässt, und sich zeigen sollte, dass Opentable Leute in den Laden lockt, ist der Dienst eine Überlegung wert.
Technisch gesehen bietet Opentable den Restaurants die Führung eines Reservierungsbuches über eine Online-Verbindung an. Das Restaurant muss dazu also womöglich Abschied vom dicken, braunen Terminkalenderbuch nehmen und auf eine rechnerbasierte Lösung umstellen, was aber nicht wenige Restaurants ohnehin längst getan haben dürften. Opentable ist dann womöglich eine Alternative zum bereits bestehenden System, erfordert aber zusätzlich eine stehende Internet-Verbindung. Die genauen Konditionen zur Nutzung des Dienstes teilt Opentable Restaurantbetreibern nur auf Anfrage mit, aber zusätzlich zu Nutzungsgebühren für die Software an sich dürften Gebühren für erfolgreich durch den Opentable-Dienst auf dem iPhone oder anderswo vermittelte Reservierungen anfallen.
Ob sich all das für ein Restaurant lohnt, hängt vom Einzelfall ab. Wer viel Arbeit mit Reservierungen hat und ohnehin nach einer elektronischen Arbeitserleichterung sucht, könnte als Opentable-Kunde ebenso infrage kommen wie Restaurants, die sich mehr ins Gespräch bringen wollen und daran glauben, dass hungrige iPhone-Nutzer zu ihren bevorzugten Kunden zählen. Die Kneipe an der Ecke hingegen wird wohl auch weiter bei Stift und Terminkalender bleiben.


Wünsche nach bestimmten Tischen oder dergleichen lassen sich nur als Notiz an die Reservierung anhängen, was ein persönliches Gespräch mit dem Maître natürlich nicht ersetzen kann. Doch Letzterer kann immerhin antworten, wenn er möchte. Auch Stornierungen der Reservierung sind natürlich möglich.


Für den Gast ist Opentable sehr praktisch, weil sich Tische rund um die Uhr ordern lassen und die mühselige Suche nach Telefonnummern oder Websites für die Reservierung entfällt. Für den Gast ist Opentable kostenlos, denn das Unternehmen finanziert sich über Gebühren für erfolgreiche Reservierungen, die vom Restaurant getragen werden.

Opentable und Yelp in Deutschland


Theoretisch arbeiten Opentable und Yelp perfekt zusammen: Hat man ein schmuckes Res­taurant in der Umgebung gefunden und verlässt sich dabei auf die Bewertungen der Yelp-Community, bestellt man per Opentable gleich einen Tisch. Praktisch klappt dieses reizvolle Zusammenspiel aber derzeit nur in Amerika, wo Yelp und Opentable eine Kooperation eingegangen sind und auf den Detailseiten zu Restaurants häufig ein Knopf für die Opentable-Reservierung auftaucht. Hierzulande gehen beide Anbieter derzeit offenbar noch getrennte Wege, doch dies wird sich sicher ändern, sobald hungrige iOS-6-Nutzer beide Dienste aktiv zu nutzen beginnen. Na dann: Guten Appetit!

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