Neue Techniken in Photoshop CS5
Formgitter sinnvoll verwenden
Mit der aktuellen Version CS5 hat Photoshop das Arsenal an Transformations- und Warping-Werkzeuge um eine besonders interessante Variante mit dem Namen Formgitter ausgebaut. Wir zeigen die Grundlagen und mögliche Einsatzzwecke
Neben den Transformieren-Befehlen, den Verzerrungsfiltern und dem Verflüssigen-Dialog gibt es in Photoshop CS5 neu das Formgitter, das in der englischen Version "Puppet Warp" (auf deutsch etwa "Puppen-Verformung") getauft wurde. An einer Gliederpuppe lässt sich sehr anschaulich darstellen, welche Verformungen mit dieser Funktion möglich sind. Man kann als Kontrollpunkte die Gelenke benutzen und je nach Modus weich wie bei Gummi oder starr wie bei Holz umformen. Im Photoshop-Alltag hat man jedoch nicht all zu oft mit Bildern einer Gliederpuppe zu tun, sondern mit ganz anderen Bildinhalten und Objekten. Dabei zeigt sich die Formgitter-Funktion als sehr flexibel wie unsere Beispiele in diesem Beitrag zeigen. Ihre Wirkungsweise will allerdings erst einmal verstanden werden, weshalb wir auch mit den Grundlagen starten.
Formgitter-Grundlagen
Das Formgitter lässt sich aus dem Menü "Bearbeiten" erst dann aufrufen, wenn die aktive Ebene eine normale Ebene ist (keine Hintergrundebene). Um Objekte mit dem Formgitter umzugestalten, stellt man sie zuvor frei, da sonst das ganze Bild verformt wird. Löst man so ein Objekt von seinem Hintergrund (beispielsweise nach fertig gestellter Objektauswahl mittels "Ebene > Neu > Ebene durch Ausschneiden"), empfiehlt es sich, den nun ausgesparten Bereich der ursprünglichen Objektebene mit Umgebungspixel zu füllen. Beim folgenden Verformen des Objekts würde ansonsten die Aussparung sichtbar. Dazu kann man beispielsweise die ebenfalls mit Photoshop CS5 eingeführte Funktion des inhaltssensitiven Füllens einsetzen.
Tipp: Das auf eine eigene Ebene beförderte Objekt sollte man auch in ein Smart Objekt umwandeln (Bedienfeldmenü des Ebenen-Bedienfelds > In Smart Objekt konvertieren). So lässt sich das Formgitter auch mehrfach einsetzen, ohne dass Transformationsverluste entstehen.
1. Pins, Gitternetz und Verformungen
Die Übungsdatei "Lupe.psd" zu den Formgitter-Grundlagen finden Sie hier zum Download. Öffnen Sie das Bild, aktivieren Sie die Ebene der freigestellten Lupe und rufen Sie "Bearbeiten > Formgitter" auf.
Setzen Sie in den Werkzeugoptionen die Dichte des Filigrannetzes auf "Mehr Punkte". Dies erlaubt eine feiner abgestufte Verformung. Setzen Sie per Mausklick nun zwei Pins: Einen an der Verbindung von Lupengriff und Lupenfassung, einen am Ende des Lupengriffs (dieser soll der aktive Pin und mit einem schwarzen Punkt gefüllt sein). Der nicht aktive Pin fixiert die darunter liegende Stelle des Objekts und dient gleichzeitig auch als Drehpunkt, wenn Sie den anderen Pin bewegen.
Probieren Sie mit Drehen und Ziehen Richtung inaktivem Pin die Wirkungen der drei Verformen-Modi Verzerren, Normal und Starr durch. Beim Verzerren-Modus mit zwei Pins können Sie das Objekt größer und kleiner machen, der Normal-Modus staucht und dehnt nur bis zum inaktiven Pin und der Starr-Modus verbiegt bei zwei gesetzten Pins den Lupengriff, wenn Sie stauchen wollen. Ein Klick auf das dritte Symbol von rechts in den Werkzeugoptionen hebt Verformungen und Pins auf.
2. Pins, Verformungen, Drehpunkte
Setzen Sie nun auch einen dritten Pin am oberen Ende der Lupenfassung und wiederholen Sie obige Verformungen mit den drei Modi (der aktive Pin soll wieder der am unteren Ende des Lupengriffs sein).
Der dritte Pin bewirkt nun in allen drei Verformen-Modi, das der Objektteil ab dem mittleren Pin wie bei einem Gelenk vor Verformungen geschützt ist. Im Verzerren-Modus wird nun nur der Griff beim Dehnen und Stauchen mitskaliert. Der Normal- und der Starr-Modus verbiegen den Lupengriff mit unterschiedlicher Weichheit. Zum Drehen um den mittleren Pin (wie vorher bei zwei gesetzten Pins) aktivieren Sie den mittleren Pin, halten die Wahl-Taste gedrückt und stellen den Mauszeiger neben den Pin. Jetzt kann mit gedrückter Maustaste rotiert werden. Probieren Sie dies mit allen drei Verformen-Modi.
Tipp: Um Teile des zu verformenden Objekts besser vor Verformungen zu schützen, setzt man einfach mehrere Pins, vornehmlich an Stellen, die sich wie Gelenke verhalten sollen, und an den Außenkanten.
3. Mehrere ausgewählte Pins
Bei gedrückter Umschalt-Taste lassen sich per Mausklick auch mehrere Pins aktivieren. Probieren Sie die drei Verformungsmodi auch bei mehreren aktiven Pins aus.
Sind alle Pins aktiviert, kann man das Objekt nur noch verschieben. Verschwinden bei der Verformung Teile des Objekts aus der Bildbegrenzung, ist dies kein Beinbruch. Nach Bestätigen der Verformung (das Häkchen ganz rechts in den Werkzeugoptionen) aktiviert man einfach das Verschieben-Werkzeug (Kurztaste V) und zieht das Objekt wieder vollständig in den Bildbereich.
Tipp: Einen Pin kann man löschen, indem man den Mauzeiger bei gedrückter Wahl-Taste auf diesen klickt.
4. Überlappungen anordnen
Mit dem Formgitter kann man im Gegensatz zu anderen Warping-Methoden von Photoshop auch Objektteile sich überlappen lassen, beispielsweise ein Bein vor das andere setzen.
Mit den Buttons "Pintiefe" in den Werkzeugoptionen lässt sich die Überlappung steuern; mit anderen Worten der aktive Pin sich in den Vordergrund oder Hintergrund setzen.
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