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Die Tücken des Mac App Store

26.03.2012 | 13:23 Uhr |

Software auf CD hat den Charme von Disketten; in Mode sind Kauf und Download von Software im Internet. Im Mac App Store geht das zunächst einfach und schnell. Wer öfter kauft, trifft auf ärgerliche Überraschungen, zum Beispiel bei der Rechnung

Musik aus Apples iTunes Store war 2003/2004 der Anfang: In iTunes, einer Verwaltungssoftware für Musik, gab und gibt es den Link zum "iTunes Store", einem riesigen Katalog mit CDs und einzelnen Stücken, die man mit einem Klick kaufen und auf den Rechner laden kann. Das Grundprinzip dabei ist die geschickte Kombination aus Verwaltungssoftware und einfachem Bezahlverfahren: Kreditkarte oder ein Guthaben mittels Geschenkgutschein genügen für den Kauf (notfalls auch ein Konto bei der Internet-Bezahlfirma Click&Buy), wenn Mac oder Windows-PC mit dem Internet verbunden sind.

Seit Anfang 2011 nutzt Apple etwas ganz ähnliches für den Verkauf von Software - App Store ist die Software für den Kauf im "Mac App Store". Bezahlt wird mit demselben Verfahren, aber mit einigen wichtigen Änderungen vor dem Kauf. Überraschend ist, dass Apple auch ein Jahr nach der Eröffnung des Mac App Stores einige Probleme nicht angeht: Zum Beispiel Rechnungen ohne ausgewiesene Mehrwertsteuer oder das Fehlen von Test-Versionen.

Keine Test- oder Demoversion im Mac App Store

Die fehlenden Testversionen erstaunen uns sehr, schließlich ist es einer der Vorteile von Apples Musikverkauf, dass man von jedem Musikstück bis zu 90 Sekun-den probehören kann (früher 30 Sekunden). Dieses "Probehören" hat Apple mit iPhone & Co. abgeschafft: Im App Store gibt es keine Testversion, weshalb sich viele Softwarehersteller dazu entschlossen haben, eine kostenlose Lite-Version anzubieten. Da es keine Beschränkungen bei der Laufzeit gibt, sind praktisch alle dieser Test- oder Lite-Apps funktional reduziert. Wer deshalb eine bestimmte Funktion am iPhone oder iPad testen will, die in der kostenlosen Demo fehlt, hat keine Alternative - der Kauf der Software ist der einzige Weg zum Test. Das gleiche gilt für den Mac App Store: keine Testversion bei Apple. Doch Macs sind nicht an den Mac App Store gebunden; auf einem Rechner kann man Software von CD, USB-Stick und Firmennetz oder Internet laden. Dies kann sich ab Herbst 2012 mit OS X Mountain Lion ändern.

Alternativen für Mac App Store

Zumindest das Problem mit der Demo-Software für den Mac haben viele Softwareanbieter ganz einfach gelöst: Sie bieten auf ihren Internet-Seiten kostenlos eine Testversion an. Ein Beispiel: Elgatos Video-Konvertersoftware Turbo.264 HD ist als Demo von der Hersteller-Seite erhältlich und für 40 Euro im Mac App Store. Die Demo konvertiert aber nur maximal drei Minuten Video und kennzeichnet alle Videos beim Export mit einem Wasserzeichen.

Turbo.264 HD ist auch ein gutes Beispiel für ein weiteres Problemfeld, mit dem Kunden und Hersteller beim Verkauf über den Mac App Store konfrontiert sind: Apple verlangt mitunter weitreichende Änderungen, bevor (oder auch nachdem) eine Software im Mac App Store zum Verkauf steht.

Turbo.264 HD bot bis vor kurzem (vor Version 1.2) völlig legal eine Importfunktion für unverschlüsselte VOB-Dateien, ein Video-Format, das entsteht, wenn man Filme von DVD auf den Mac kopiert. VOB wird aber häufig bei DVD-Raubkopien verwendet. Wir vermuten, dass Apple verlangt hat, dass im Mac App Store nur Software ohne VOB-Importfunktion erhältlich sein soll. Wie wir aus eigener Erfahrung wissen, ist ein Einspruch gegen die App-Store-Richtlinien selten von Erfolg gekrönt, was der Grund dafür sein dürfte, dass Turbo.264 HD im Mac App Store jetzt ohne VOB-Import angeboten wird - der Import von VIDEO-TS-Ordnern ist aber möglich. Kauft man die Software direkt bei Elgato, ist der VOB-Import weiter möglich.

Es ist Aufgabe des jeweiligen Herstellers, Demo- und App-Store-Version auf dem gleichen Stand zu halten. Das kann schwierig sein, da ein Programm im Mac App Store dieselben Prüfungen durchläuft, die für iPhone-Apps gelten. Fällt eine Software durch, passt der Hersteller sie in der Regel an, was dazu führen kann, dass die Software im Mac App Store anders ist als die Demo.

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