Von Walter Mehl - 03.09.2012, 16:32

OS X Mountain Lion

Neu in Mountain Lion: Duplizieren und Sichern unter...

Wer üben will, sollte sich Textedit oder Vorschau ansehen: Erstellt man dort ein neues Dokument kann man den Mac einfach ausschalten -- ohne sich Gedanken über das Speichern zu machen.
Wir empfehlen (speziell mit dem neuen Betriebssystem OS X Mountain Lion) einen Selbstversuch: Man starte das Programm Textedit, tippe einige Zeilen Text und schalte dann den Mac aus.
Wer schon länger mit Macs arbeitet, würde eine Rückfragen erwarten: "Möchten Sie Ihre Änderungen an dem Dokument 'Ohne Titel' sichern?". Doch wer auf dem Mac das Betriebssystem OS X Lion (oder die aktuelle Version OS X Mountain Lion, 10.8) arbeitet, bekommt keine Rückfrage. Der Mac geht einfach aus.

Technik-Trio hilft beim Speichern

Wer diese Automatik verstehen will, sollte Software von Apple testen: Textedit und Vorschau nutzen die automatische Sicherung und alle drei iWork-Programme Pages, Numbers und Keynote sowie iBooks Author.
In der Beschreibung von Apple (http://support.apple.com/kb/HT4753) erfährt man die Grundlagen; zum Beispiel lernt man dort, dass die Automatik alle 5 Minuten sichert und immer dann, wenn man Tastatur oder Maus für einige Zeit nicht mehr berührt.
Dass das nicht die ganze Wahrheit ist, erfährt man erst später - zum Beispiel bei der Veränderung einer Textdatei in Pages auf dem iPad: Wenn die Datei auf einem Mac entstanden ist und über iCloud auf das iPad kommt, wird jede Änderung am iPad automatisch über Internet auf den Mac gesichert.
Wer ganz tief einsteigen will, muss den Unterordner "Library" öffnen, den Apple seit OS X Lion versteckt. Der Ordner wird im Finder im Menü "Gehe zu" sichtbar, wenn man die Wahltaste ("alt") gedrückt hält. Wer ihn öffnet, findet das Dokument unter OS X Lion im Unterordner "Containers" und unter Mountain Lion in "Mobile Documents" oder "Containers" (abhängig davon, ob bei iCloud die Synchronisation von Dokumenten und Daten aktiviert ist).
Im Kleingedruckten von Apples Erklärung steht auch, was passiert, wenn man eine solche Datei auf einen USB-Stick kopiert oder als Anhang einer E-Mail verschickt: Dann wird eine Kopie der aktuellsten Version auf den Stick übertragen oder in die E-Mail gepackt -- falls das Dokument ungesicherte Änderungen enthält, wird es automatisch gespeichert. Die Kopie enthält nur den aktuellen Stand, die vorher gespeicherten Versionen des Dokuments sind nicht enthalten.

Boomerang - das Fenster kommt wieder

Damit ein automatisch gesichertes Dokument beim nächsten Start des Mac wieder auf den Bildschirm kommt, hat Apple als zweiten Teil die Funktion "Fenster wiederherstellen" eingebaut: Wenn eine Software ein neues Dokument automatisch gesichert hat, wird beim nächsten Start dieser Software dieses Dokument wieder angezeigt - oder im Apple-Deutsch: "Das Fenster wird wieder hergestellt."
TIPP Um ein solches Fenster wieder los zu werden, klickt man auf den roten Knopf oder wählt im Menü "Ablage" den Befehl "Schließen". Die Software blendet dann das bekannte Fenster ein, in dem man wählen kann, ob man das Dokument doch sichern oder löschen möchte.
Wer unter OS X Lion möglichst selten die zuvor benutzte Software nach einem Neustart wieder sehen will (nur neue, noch nicht gesicherte Dokumente führen zur "Wiederherstellung"), sollte in den Systemeinstellungen unter "Allgemein" die folgende Option deaktiviert "Fenster beim Beenden und erneuten Öffnen von Programmen wiederherstellen" - sprich: davor darf kein Häkchen stehen.

Empfehlung für den Umgang mit Dokumenten

Auch wenn mit OS X Mountain Lion die automatische Sicherung besser funktioniert, raten wir davon ab, neue Dokumente nicht zu sichern. Sprich: Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte in iWork, Vorschau und Textedit jedes neue Dokument mindestens einmal sichern - mit dem Befehl "Ablage > Sichern" (Tastenkombination "Befehlstaste-S", "cmd-S").
Beim Sichern weist man dem Dokument einen Namen zu und wählt den Ordner, in dem dieses Dokument unter dem zugewiesenen Namen gespeichert werden soll. Typische Speicherorte für neue Dokumente sind der Schreibtisch ("Befehl-Umschalttaste-D", "cmd-shift-D"), der Unterordner "Dokumente" im Benutzerordner oder iCloud ("Befehl-Umschalttaste-I", "cmd-shift-I").
Wer regelmäßig Dokumente im gleichnamigen Ordner oder auf dem Schreibtisch speichert, sollte aber gelegentlich aufräumen: Weitere Unterordner wie "Projekte 2012" helfen den Überblick zu bewahren. Diese Unterordner kann man direkt beim Sichern eines Dokuments erzeugen, der entsprechende Knopf ist in der erweiterten Ansicht unten im Fenster „Sichern“ sichtbar.
TIPP Im Online-Speicher iCloud legt man einen neuen Ordner an, wenn man im Fenster "Öffnen" mit der Maus zwei Dokumentsymbole übereinanderzieht.

Visuelle Reise in die Vergangenheit

Dritter und letzter Teil der Automatik ist "Versionen" - wiederum eine unsichtbare Kraft im Hintergrund, die man erst sieht, wenn man dem Befehl "Alle Versionen durchsuchen" begegnet. Er steht ab OS X Mountain Lion im Menü "Ablage > Zurücksetzen auf..." und im Aufklappmenü eines Dokuments, das sichtbar wird, wenn man oben im Fenster des Dokuments auf das Wort "Bearbeitet" klickt.
Mit dem Befehl "Alle Versionen durchsuchen" ändert sich der Blick auf das Dokument: Alle anderen Programme werden ausgeblendet, das Hintergrundbild wechselt zu einem Blick ins Weltall und davor sieht man die aktuelle Version des Dokuments und rechts daneben die Vorgänger.
Die Vorschau auf ältere Versionen lässt sich leider nicht vergrößern, so dass in bestimmten Situationen die Unterschiede zwischen zwei Versionen nur schwer zu erkennen sind. Immerhin funktioniert "Kopieren" und "Einfügen" - wer nur einen Absatz aus einem älteren Text übernehmen will, markiert den Absatz, drückt "Befehlstaste-C" ("cmd-C") und beendet die Rückschau mit einem Klick auf den Knopf "Fertig". Zurück in der aktuellen Version fügt man dann diesen Absatz dann wie gewohnt mit "Befehlstaste-V" ("cmd-V") in den Text ein.

Stress mit OS X Lion

Die drei Funktion im Umgang mit Dokumenten verbessern ab OS X Lion den Schutz vor Datenverlust. Selbst wenn eine Software (oder gar der komplette Mac) abstürzt oder schlicht  nicht mehr reagiert, verliert man keine Daten. Laut Apple können die Änderungen der letzten fünf Minuten vor dem Absturz fehlen, aber in der Praxis fehlt in unseren Tests nie auch nur ein Buchstabe.
Vor allem langjährige Mac-Benutzer ringen aber bei OS X Lion in zwei Situationen mit der Umstellung: Die fehlende Rückfrage bei Änderungen im Dokument und der ungewohnte Befehl "Duplizieren". Denn es gibt sehr wohl ungewollte Änderungen an Dokumente, die allein durch das Öffnen eines Dokuments entstehen - beispielsweise weil die einmal gewählte Papiergröße und der dazu gehörige Drucker nicht verfügbar sind, beide Werte aber von einer Software wie Pages automatisch ermittelt (und mit dem Dokument gespeichert) werden. Wer also in Pages ein Dokument auf einen anderen Drucker schickt, hat vor OS X Lion (wahrscheinlich) später auf den Knopf "Nicht sichern" geklickt, wenn keine weiteren Änderungen im Dokument nötig waren. Mit OS X Lion wird man von Pages nicht mehr gefragt; das neue Papierformat und der Drucker werden automatisch in einer neuen Version des Dokuments gesichert.

Dokumente schützen in Lion und Mountain Lion

Eine der größeren Überraschungen von OS X Lion hat Apple mit der aktuellen Version des Mac-Betriebssystems zurück genommen: Dokumente werden nicht mehr automatisch geschützt.
TIPP Unter OS X Lion stellt man diesen Schutz in den Systemeinstellungen kurioserweise im Bereich „Time Machine“ ein. Dort klickt man auf den Knopf „Optionen“ und kann dann mit zwei Parametern, über die Zeitspanne bis zum automatischen Schutz und den Schutz an sich entscheiden.
Aber der Mechanismus ist grundsätzlich weiter in OS X Mountain Lion vorhanden: Klickt man mit der Maus zum Beispiel in Vorschau auf ein Dokument, erhält man ein Aufklappmenü mit dem Befehl „Schützen“ beziehungsweise umgekehrt „Schutz aufheben“. Die Funktion ist identisch mit dem schon lange bekannten Optionsfeld, das man über den Finder erreicht: Datei auswählen, im Finder den Befehl „Ablage > Information“ aufrufen und dort unter „Allgemein“ die Option „Geschützt“ aktivieren.

Geschützt kopiert

Eine geschützte Datei lässt sich kopieren. Sie behält dabei aber ihren Schutz. Der lässt sich nur über den genannten Weg im Finder oder wieder in dem Programm entfernen, mit dem man den Schutz aktiviert hat.
Das zweite Problem entsteht ab OS X Lion mit Vorlagen oder besser: mit Dokumenten, die man als Vorlagen für andere nutzt. Wer dort Änderungen macht, muss damit rechnen, dass diese Änderungen in die Vorlage übernommen werden (zur Erinnerung: Die Automatik sichert ein Dokument spätestens alle 5 Minuten). Wer das nicht will, muss sich unter OS X Lion umgewöhnen: Dokument öffnen und den Befehl "Ablage > Duplizieren" aufrufen. Allerdings erzeugt OS X Mountain Lion automatisch einen Dateinamen in der Form "Alter Name Kopie", den man vor dem Abspeichern des Duplikats ändern sollte - sonst hat man nach einiger Zeit Dateinamen wie "Projekt11 Kopie Kopie Kopie".

Verbesserungen mit Mountain Lion

Seit Ende Juli 2012 bietet Apple die aktuellste Version des Mac-Betriebssystems an, die mit erstaunlichen Änderungen am Sicherungstrio kommt. Erstaunlich vor allem, dass die Apple-Entwickler den Befehl "Sichern unter" wieder eingebaut haben: Hält man die Wahltaste ("alt") gedrückt, sieht man ihn im Menü "Ablage" bei Apples iWork-Programmen, bei Vorschau und Textedit.
WARNUNG Die Funktion "Sichern unter" arbeitet unter OS X Mountain Lion anders als man das von älteren Versionen des Betriebssystems gewohnt ist (auch Software wie Microsoft Word verhält sich anders): Wer ein Dokument beispielsweise in Textedit öffnet und ändert, erstellt zwar mit dem Befehl "Ablage > Sichern unter" (Wahltaste gedrückt halten) ein zweites Dokument, das sich unter neuem Namen speichern lässt. Doch parallel dazu werden alle Änderungen auch in das Original geschrieben. Wer das nicht will, sollte wie unter OS X Lion das Original öffnen und sofort den Befehl "Ablage > Duplizieren" wählen.
Außerdem ist Apple in den Systemeinstellungen unter "Allgemein" einen großen Schritt auf die langjährigen Mac-Benutzer zugegangen: Dort stehen jetzt die zwei Optionen "Fragen, ob Änderungen beim Schließen von Dokumenten beibehalten werden sollen" und "Fenster beim Beenden eines Programms schließen".
Die erste Option ist der Schalter, mit dem OS X Mountain Lion wieder arbeitet wie die Mac-Betriebssysteme vor 2011. Aktiviert man diese Option, reagiert Textedit wie früher: Wenn es Änderungen in einem Dokument gibt, erhält man die gewohnte Rückfrage, wenn man ein Dokument schließt - sprich: wenn man auf den roten Knopf oben links im Fenster klickt oder den Befehl "Ablage > Fenster schließen" wählt ("Befehlstaste-W", "cmd-W").
Die automatische Sicherung ist dabei im Hintergrund aber weiter aktiv, was man sofort merkt, wenn man nicht das Dokument schließt, sondern das Programm beendet; zum Beispiel mit der Tastenkombination "Befehlstaste-Q" ("cmd-Q"). In diesem Fall wird zum Beispiel Textedit beendet und das Dokument verschwindet. Startet man Textedit erneut, wird das Dokument wieder sichtbar und zwar auf dem Stand, den es beim Beenden von Textedit hatte.
Aktiviert man zusätzlich die zweite Option "Fenster beim Beenden eines Programms schließen", dann entfällt diese feine Trennung zwischen „Programm beenden“ und „Dokument schließen“. Sprich: Beides bewirkt intern das gleiche und die Option darüber "Fragen, ob…" entscheidet darüber, ob man eine Rückfrage zum Speichern von Änderungen erhält oder nicht.
Nach der Installation von OS X Mountain Lion sind beide Optionen in den Systemeinstellungen unter "Allgemein" nicht aktiviert; das Ankreuzfeld links ist leer. Wer möchte, dass Vorschau und die anderen Apple-Programme, die das neue Sicherungstrio nutzen, wieder arbeiten wie vor 2011, sollte beide Optionen aktivieren.
TIPP Die Befehle "Duplizieren" und "Umbenennen" aktivieren in OS X Mountain Lion eine neue Funktion oben im Fensterrahmen: Der Name des Dokuments wird editierbar. Hat man den gewünschten neuen Namen eingetippt, beendet man die Aktion mit der Eingabetaste ("return").
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