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Office 2016 in der Praxis - Teil 4: Power Point 2016

14.09.2015 | 12:45 Uhr |

Präsentieren für Profis: Wir haben das neue Power Point 2016 für den Mac unseren Praxistests unterzogen.

Apples Power-Point-Alternative Keynote mag auf dem Mac eine der beliebtesten Präsentations-Apps sein. Vor allem im Unternehmensumfeld kommt man aber weiterhin nicht um den Platzhirsch Power Point herum. Ganz zu schweigen davon, dass Power Point einfach ein erstklassiges Präsentationsprogramm ist. Größte Stärke ist die weite Verbreitung: Laut Wikipedia ist es auf einer Milliarde Computer weltweit installiert, darunter unzählige Schulrechner und Behörden-PCs. Will man die neue Firmenpräsentation problemlos vorführen oder weitergeben, ist Microsofts Klassiker weiter die sicherste Lösung.

Die neue Version Power Point 2016 ist wie die Schwesterprogramme Word und Excel auch in einer Version für iOS verfügbar - inklusive einer App für die Apple Watch. Hier kann man mit simplen Buttons eine Präsentation steuern, sieht Infos wie aktuelle Folien und Präsentationsdauer. Allerdings kann man per Watch nur die Power-Point-Version für das iPhone steuern - und nicht die auf dem Mac.

Neue Oberfläche

Beim Umstieg von Power Point 2011 auf Power Point 2016 verlangt vor allem das veränderte Menüband einige Umgewöhnungszeit. Für Einheitlichkeit über alle Plattformen hat Microsoft Knöpfe und Registerkarten neu sortiert und im modernen Windows-Flat-Design gestaltet. Neu ist wie bei den Schwesterprogrammen das zentrale Menü „Einfügen“, einige Register wie für Tabellen und Diagramme blenden sich nur bei Bedarf ein. Ebenfalls plattformübergreifender Standard: Statt sich in Schwebepaletten zu verzetteln, nutzt man Zusatzfunktionen wie Formatierung oder Recherche nun immer in einer rechten Programmspalte. Wichtig für Nutzer mit Retina-Display: Erstmals wird die Retina-Auflösung nativ unterstützt. Schade: Das Anpassen des Menübands ist nicht möglich, sowohl die Position als auch die Anzahl der Schaltflächen ist bei der Mac-Version fest vorgegeben. Insgesamt gefällt uns die neue Oberfläche sehr gut. Sie ist weit übersichtlicher als die Vorversion, wovon nicht nur Einsteiger profitieren sollten.

Office 2016 im Praxistest

Bisher erschienen:

Teil 1: Kauftipps & Installation

Teil 2: Word 2016

Teil 3: Excel 2016

Neue Funktionen

Neue Funktionen bietet Power Point nur begrenzt, dabei handelt es sich vor allem um Funktionen, die das komplette Office-Paket betreffen. Wie die übrigen Programme ist jetzt One Drive der Standard-Speicherort. Auf der Mac-Festplatte landen die Dokumente nur nach Auswahl von „Auf meinem Mac“ im Dateiexplorer. Will man auf die Cloud-Funktion verzichten, ist die Deaktivierung über die Menüfunktion „Power Point/Abmelden...“ möglich.

Das Speichern bei One Drive hat allerdings viele Vorteile, so erfolgt nur bei Cloud-Dokumenten eine Versionsverwaltung und der Dateiaustausch mit iOS-Versionen oder anderen Nutzern ist sehr einfach. Die Versionsverwaltung von OS X unterstützt Office 365 leider nicht. Per One Drive (oder einen Sharepoint-Server eines Unternehmens) erfolgt auch die Freigabe eines Dokuments, was in Office 365 sehr einfach ist. Über ein Sharing-Symbol am rechten Fensterrand kann man in der neuen Version Dokumente bequem veröffentlichen oder erstellt einen Sharing-Link. Alternativ ist über „Anlage senden“ der herkömmliche Dateiversand per E-Mail möglich.

Weitere Neuerungen sind die bereits erwähnte Retina-Unterstützung. Power Point erkennt Touch-Gesten auf (Magic) Trackpad oder Magic Mouse, neu sind so genannte Kommentarthreads. Diese neue Funktion, die auch Word bietet, ermöglicht in einer Arbeitsgruppe das ausführliche Kommentieren eines Dokuments. Mitglieder einer Arbeitsgruppe können nicht mehr nur einzelne Kommentare ergänzen, sondern wie in einem Forum auf Kommentare antworten. Gemeinsame Arbeit an einem Dokument hat Microsoft ebenfalls erleichtert, eine spezielle Serverfunktion sorgt für Informationen über neue Datei-“Updates“ und verwaltet Änderungen. Beim ersten Versuch, zwei Versionen abzugleichen, stürzte uns allerdings Power Point ab. Ansonsten stellten wir übrigens keine Stabilitätsprobleme fest.

Neu in allen Office-Programmen ist außerdem die integrierte Suchfunktion. Für Recherchen muss man nun nicht mehr das Programm verlassen, per Kontextmenü oder Tastenbefehl startet die „Intelligente Suche“. Das auf der linken Programmseite eingeblendete Recherchefenster liefert Wikipedia-Einträge und durchsucht mit der Microsoft-Suchmaschine Bing das Netz. Das ersetzt wohl keine Recherche, für das schnelle Nachschlagen eines Fachbegriffs ist die Funktion aber recht brauchbar. Definitionen liefert dieses Fenster auf Wunsch ebenfalls. Eine weitere kleine Neuerung sind so genannte Designvarianten, man kann bei den Vorlagen unterschiedliche Farbschemas für ein Design verwenden. Zusätzlich bietet die neue Version viele Verbesserungen, so unterstützt Power Point 2016 alle Dia-Übergänge von Power Point 2013 - eine große Erleichterung bei der Weitergabe von Präsentationen. Verbessert hat Microsoft außerdem den Referentenmodus und den Animationsbereich. Weggefallen ist leider das Exportformat Quicktime. Im Unterschied zur Vorversion kann die neue Ausgabe eine Präsentation nicht mehr als Videodatei speichern. Das ist schade, bot die Vorversion doch eine Ausgabe in mehreren Qualitäten und so nützliche Optionen wie Einbindung eines Soundtrack oder Endlosschleife. Das Speichern einer Präsentation inklusive Ton ist zwar weiter möglich, aber nur als Power-Point-Datei. Möglicher Workaround: Fertige Präsentation in Power Point 2011 öffnen und als Videodatei sichern. Microsoft verwendet bei Power Point Apples neues Videoframework, was weitere Probleme bringt: Man kann nur Videodateien verwenden, die auch der Quicktimeplayer abspielen oder aktualisieren kann. Das betrifft auch einige ältere Quicktimeformate. Dafür laufen die eingebetteten Videos auch unter iOS.

Unterschiede zur PC-Version?

Die Oberfläche ist mit der PC-Version Office 2016 fast identisch, auch die Tastenbefehle der PC-Version stehen jetzt unter OS X zur Verfügung. Messen muss sich die Software aber vor allem an den Funktionen der weit verbreiteten Version Power Point 2013. Mehr Funktionen als die Mac-Version bieten nämlich beide PC-Varianten . Allgemein ist die Unterstützung von Mediendateien bei der Mac-Version schlechter, so fehlt im Unterschied zur PC-Version die Option des Ein- und Ausblendens oder Kürzen von Videos und Audiodateien. Will man nur eine kurze Stelle eines Films zeigen, muss man das Video außerhalb von Power Point bearbeiten. Die Audiowiedergabe im Hintergrund mehrerer Folien beherrscht die Mac-Version ebenfalls nicht. Dafür ist die Performance beim Abspielen von Audio- und Video besser als beim Vorgänger.

Grundsätzlich kann dies aber zu Problemen beim Datenaustausch führen: Nutzt ein unter Windows erstelltes Dokument eine Funktion, die die Mac-Version nicht unterstützt, gibt es Probleme beim Abspielen unter OS X. So unterstützt Power Point 2016 das Einfügen eines Youtube-Videos nicht. Das überrascht, beherrscht dies neben Power Point 2013 doch sogar die Webversion von Power Point. Leider ist unter OS X nicht einmal das Abspielen möglich. Die Mac-Version zeigt bei einem Dokument mit Youtube-Link nur ein Vorschaubild des Videos und bemängelt „Das Medienobjekt kann leider nicht wiedergegeben werden“. Als Workaround kann man das Dokument in Power Point Online öffnen - hier funktioniert das Abspielen problemlos. Online-Bilder kann man ebenfalls nicht einbinden. Betroffen ist übrigen auch der Animations-Bereich. So muss der Macianer auf Animationstrigger verzichten, also das Auslösen einer Animation durch ein bestimmtestObjekt. Bei der Zusammenarbeit mit den anderen Programmen der Office-Suite hat die PC-Version ebenfalls weiter die Nase vorn. So kann man weiterhin keine Excel-Tabellen verlinken, die sich automatisch aktualisieren (OLE). Wie bisher bleibt man auf das Einbetten von Tabellen beschränkt, die Excel automatisch öffnet und bearbeitet.

Ärger mit Visual Basic

Begrenzt ist bei der kompletten Mac Office-Suite die Makro-Unterstützung, was wir bereits in den Artikeln zu Excel und Word bemängelten. Power Point 2016 unterstützt zwar Makros, bietet aber nur einen Makro-Rekorder und einen simplen Visual Basic Editor. Sogar die Vorversion Power Point 2011 bot da ungleich mehr. Offenbar hat diese Einschränkung aber Power Point-Nutzer weniger stark betroffen als die Excel-Anwender, so gibt es in Foren bisher vor allem Beschwerden von Excel-Nutzern. Makro-Fans bleibt aktuell nur die Option, bei der Vorversion zu bleiben.

Empfehlung

Power Point ist eine hervorragende Präsentationssoftware, die aktuelle Version gefällt uns vor allem optisch besser als der Vorgänger. Wie bei der Schwesterversion Excel stören uns aber einige Einschränkungen der Mac-Version, so sind die Einschnitte bei der Multimedia-Unterstützung sehr ärgerlich. Als Note geben wir aber trotzdem eine Eins Minus.

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