Die Ortungsdienste des iPhone schaffen unterwegs viele Möglichkeiten, sollten aber nicht leichtfertig genutzt werden. Wir zeigen, was man beachten muss, um die eigene Privatsphäre zu schützen und die Akkulaufzeit zu verbessern
Der GPS-Chip gehört bereits seit dem iPhone 3G zur Ausstattung von Apples Handy. Durch ihn weiß das iPhone in der Regel genau, wo es gerade ist. Das erlaubt viele nützliche Funktionen, wie Navigation, Verfolgung von Freunden oder einfach die Suche des nächsten Geldautomaten oder Briefkastens. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Durch die Verknüpfung von GPS und Internet, das auf dem iPhone ebenfalls immer verfügbar ist, entstehen ständig neue Dienste. Das iPhone meldet seine aktuelle Position und erhält ortsbezogene Informationen aus einer Datenbank zurück. Doch die Ortungsfunktion hat auch ihre Schattenseiten.
Ortungsdienste in iOS 6
Seit iOS 5 fragt der Assistent bei der Einrichtung des iPhone bereits, ob Ortungsdienste aktiviert werden sollen.
Um sie nachträglich an- oder auszuschalten, öffnen Sie in iOS 6 „Einstellungen > Datenschutz > Ortungsdienste“.
Ganz oben finden Sie hier den „Hauptschalter“ für die Funktion, darunter Schalter für einzelne Apps.
Etwas versteckt folgt ganz unten das Menü für systemeigene Ortsdienste, wie Diagnosedaten, ortsabhängige iAds oder der automatische Zeitzonenwechsel. Die meisten sind für Normalanwender reine Stromverschwendung. Wir lassen nur Funknetzsuche und Verkehr aktiv.
Sind die Ortungsdienste auf dem iPhone aktiviert, fragen Apple-Apps und solche von Drittanbietern, die die Ortungsdienste nutzen, beim ersten Start, ob Sie das erlauben. Die dabei getroffene Vorgabe lässt sich nachträglich in der Einstellung „Ortungsdienste“ verändern, wo die betroffenen Apps noch einmal aufgeführt werden.
Über den jeweils zugehörigen Schieber lässt sich die Nutzung der Ortsdienste individuell erlauben oder sperren. Es gibt Apps wie etwa die des ortsbezogenen sozialen Netzes Foursquare oder die Umgebungssuche von Around Me, die ohne Ortsbestimmung keinen Sinn haben. Bei anderen, wie der App für die Apple Stores, kann man die Ortsfunktion getrost abschalten, ohne auf wesentliche Funktionen verzichten zu müssen.
Nutzt eine App die Ortsfunktion, wird in der Statuszeile links vom Ladezustand ein Pfeil angezeigt. Radio.de etwa nutzt sie kurz, um lokale Internet-Radiostationen anzeigen zu können, andere Apps wie Around Me lassen die Ortung ständig laufen, während sie aktiv sind. Auch im Nachhinein kann man prüfen, welche Apps die Funktion innerhalb der letzten 24 Stunden genutzt haben. In den Einstellungen erscheint dann ein grauer Pfeil neben dem Namen der App. Ein lila Pfeil bedeutet, dass sie gerade erst auf die Ortungsdienste zugegriffen hat. Sieht man nur den Rahmen des Pfeils, nutzt die App Geofencing und prüft, ob die Position in einem bestimmten Gebiet liegt.
Apple nutzt für einige Ortsfunktionen Crowdsource-Datenbanken. Damit ist gemeint, dass die Masse der iPhone-Nutzer Daten hochlädt, die dann von Apple aufbereitet und gespeichert werden. Ein Beispiel für Crowdsourcing ist die Datenbank der Verkehrsmeldungen. Sie wird aus den Uploads aller iPhones gespeist, auf denen der Systemdienst „Verkehr“ läuft. Der
Der Upload erfolgt anonym, sodass nicht direkt auf den Nutzer zurück¬geschlossen werden kann. Da das Prinzip davon lebt, dass viele Anwender mitmachen, hilft Apple bei der Motivation etwas nach. Um in der App Karten Verkehrsdaten anzeigen zu können, muss man selbst mitmachen. Ist der Systemdienst ausgeschaltet, weist die App darauf hin. Durch den Aufbau eigener Datenbanken macht Apple sich von den bisher genutzten Ver-kehrsdaten von Google unabhängig. Eine weitere Crowdsource-Datenbank enthält die gefundenen Funkmasten und öffentlichen WLANs. Bei eingeschalteten Ortungsdiensten und aktivem Systemdienst „Funknetzsuche“ sammeln alle iPhones die Daten und laden sie auf Apples Server. Von hier erhält man dann die aufbereiteten Informatio-nen zur Ortsbestimmung per WLAN (bei iPad Wi-Fi oder iPod Touch) oder Assisted GPS zurück.
Navi-Apps wie Navigon Navigator prüfen ständig, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Die Ortungsdienste laufen im Dauerbetrieb und treiben den Stromverbrauch in die Höhe. Bricht man eine Tour ab oder ist am Ziel, sollte man sicherstellen, dass die App die Ortung stoppt.
Das gilt auch für Reise-Apps wie DB Navigator, die den Reiseverlauf mit Bus und Bahn verfolgen.
Manchmal hilft auch ein Wechsel der App. Statt Apples Meine Freunde suchen zu nutzen, um jemandem mitzuteilen, wo man ist, bietet sich die Gratis-App Glympse als Alternative an.
Sie ist nicht so perfekt in iOS integriert, begrenzt aber immer die Verfolgung zeitlich. Man kann nicht vergessen, es abzuschalten. Das spart Strom und hält den Aufenthaltsort sonst privat.
Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man mit den Diensten verantwortungsbewusst umgehen. Mit der Übertragung von Informationen ins Internet gibt man schließlich auch immer etwas von sich preis. Deshalb gilt es das Kleingedruckte in den AGBs der Apps und Dienste zu lesen, um herauszubekommen, welche Daten übertragen werden und was die Anbieter damit anstellen dürfen.
Ein weiteres Problem der GPS-Nutzung ist der gesteigerte Stromverbrauch. Während der Ortsbestimmung verbraucht die Funktion nämlich relativ viel Strom. Wie sehr sich das bemerkbar macht, hängt von der genutzten App ab. Die einmalige Bestimmung der Position zur Abfrage eines Dienstes, wie zum Beispiel zur Suche nach der nächsten Bushaltestelle, ist noch harmlos. Aktualisiert eine Navigations-App allerdings ständig die Position, so macht sich das schnell im Stromverbrauch bemerkbar. Bei der Nutzung Internet-basierter Dienste kommt auch noch die Datenübertragung über WLAN oder Mobilfunk als zusätzliche Akkubelastung hinzu. Um Strom zu sparen, sollten daher nur die GPS-Apps und -Funktionen aktiv sein, die man wirklich braucht. Das iOS bietet hierfür diverse Einstellungsmöglichkeiten, die man unbedingt nutzen sollte.
Der Zugriff auf das iPhone-GPS wird über die Ortungsdienste von iOS geregelt. Als wichtige Basisfunktionen lassen sie sich bereits bei der Installation des Systems aktivieren. Aber keine Sorge, die Ortungsfunktionen kann man auch später noch über die Einstellungen ein- und ausschalten beziehungsweise individuell anpassen, wie wir im Folgenden zeigen.
Für die exakte Ortung benötigt ein GPS-Empfänger die Signale von drei Satelliten (vier, um auch die Höhe zu ermitteln). Dazu deren Flugplan, Bahnabweichungen und weitere Korrekturen. Müssen alle Daten über das GPS-Signal neu empfangen werden, vergehen mehr als 12 Minuten. Um schnell eine vorläufige Ortsangabe machen zu können, lädt iOS zusätzliche Daten aus dem Internet. Es sendet alle WLAN-Hotspots und Mobilfunkmasten in der Umgebung an Apples Server und bekommt, darauf basierend, ungefähre Positionsdaten. Das klappt zumindest in Städten recht gut, auch ohne GPS-Chip. Die Daten werden auf dem iPhone gesammelt und anonymisiert an Apple übertragen. Dazu lädt das iPhone Satellitendaten von Apple, sodass es nur noch den Rest aus dem echten Satellitensignal auffüllen muss. Die Methode heißt „Assisted GPS“ und ist schneller als pures GPS.
Manchmal verbreitet man seine Position auch unbewusst. Wenn Sie mit dem iPhone ein Foto aufnehmen, speichert die App Kamera bei der Aufnahme die GPS-Koordinaten in dem Bild. Das erlaubt später die einfache Zuordnung zu Orten, da die meisten Bildverwaltungen am Rechner inzwischen diese Daten auslesen und zum Sortieren nutzen oder auf einer Karte darstellen können. Es kann aber auch Situationen geben, in denen man seine Position nicht weitergeben will, wenn man von unterwegs ein Foto als Nachricht verschickt oder es auf ein soziales Netz lädt. Um die Speicherung der GPS-Daten in Fotos zu unterbinden, kann man Kamera den Zugriff auf die Ortungsdienste sperren. Beim Posten auf Facebook und in anderen Netzen sollte man dann aufpassen, dass die verwendete App nicht selbst noch Ortsdaten hinzufügt.
Während man Apps selbst startet und deren Arbeit eher bewusst wahrnimmt, gibt es auch viele Systemdienste, die die Ortung nutzen. Sie teilen Apple in anonymer Form laufend mit, wo sich das iPhone befindet, um ortsbasierte Dienstleistungen anbieten zu können. Sie finden diese Systemfunktionen ganz unten in den Einstellungen der Ortungsdienste. Die meisten bringen keinen unmittelbaren Nutzen und sollten daher abgeschaltet werden, da sowohl die Ortung als auch die Datenübertragung Strom verbrauchen. „Diagnose & Nutzung“ überträgt Fehlerprotokolle an Apple, „Ortsabhängige iAds“ ermöglicht lokal abgestimmte Werbung, was meist eher ein Vorteil für den Werbetreibenden als für den iPhone-Nutzer ist. Hinzu kommen Komfortfunktionen wie die ortsabhängige Kompasskalibrierung und Zeitzonenumstellung, die selbst für Vielreisende nur im Ausnahmefall sinnvoll sind. Unterstützenswert sind „Funknetzsuche“ und „Verkehr“, mit denen nützliche Datenbanken bei Apple gefüttert werden, von denen dann alle Anwender profitieren.
Haben Sie Ihr iPhone verloren, bieten viele Mobilfunkprovider eine Handy-Ortung an. Ist das Gerät eingeschaltet, erfahren Sie so meist den Funkmast, an dem es sich zuletzt eingebucht hat. Das ist zwar nur ein grober Hinweis, der aber oft schon reicht, um zu einem besuchten Restaurant oder Geschäft zu führen. Die Kosten und die Form des Zugangs zum Dienst, über Website oder Hotline, sind vom jeweils genutzten Anbieter abhängig.
Die Polizei geht übrigens andere Wege. Sie lokalisiert Handys durch stille SMS. Diese erzeugen beim Empfänger keine Nachricht, sondern erlauben eine aktuelle Positionsbestimmung über die nächstgelegenen Funkmasten. Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte IMSI-Catcher, die sich, grob gesagt, als Funkmast tarnen. Da Handys regelmäßig auf der Suche nach der besten Funkverbindung sind, liefern sie brav Karten- (IMSI) und Gerätenummer (IMEI), um zu prüfen, ob sie sich anmelden können. So kann man relativ schnell ohne Wissen der Nutzer herausbekommen, welche Handys in der Nähe aktiv sind.
Für eine optimale Konfiguration der Ortungsdienste sollte man sein Nutzungsverhalten etwas bewusster beobachten. Dabei hilft auch die Statusanzeige der Ortungsdienste, die mit einem kleinen Pfeil in der Statusleiste zeigt, wann die Ortung aktiv ist. Sie lässt sich optional auch für die Systemdienste aktivieren. Man sollte auch an Dienste denken, die man nur in speziellen Fällen braucht. Zum Beispiel den Ortungsdienst „Mein iPhone finden“, mit dem sich ein verlorenes iPhone lokalisieren und bei Bedarf aus der Ferne löschen lässt.
In der Standardeinstellung ist iOS recht großzügig mit dem Zugriff auf die Ortungsdienste. Es hat jedoch kaum Sinn, diese gleich komplett abzuschalten, da man sich dann vieler nützlicher Funktionen beraubt. Um seine Privatsphäre zu schützen und den Akku zu schonen, sollte man die GPS-Nutzung jedoch auf das wirklich Notwendige beschränken. Bei Bedarf kann man immer noch vorübergehend einen Dienst aktivieren oder einer App den Zugriff erlauben.










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