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Bessere HDR-Bilder mit Photoshop CS5 erstellen

17.05.2011 | 10:32 Uhr |

Photoshop hat sein Inventar zur HDR-Bild-Bearbeitung mit CS5 stark erweitert: Bessere Algorithmen für das Tonemapping, mehr Optionen für das Zusammenfügen von Bildserien und Hilfe bei HDR-Effekten

HDR - ausgeschrieben High Dynamic Range - ist eine Fotonachbearbeitungstechnik, die aktuell starkes Interesse genießt. Ursache dafür sind technische Limitierungen, die die Digitalfotografie von ihrem analogen Vorgänger geerbt hat. Aktuelle Kamerasysteme tun sich weiterhin schwer, Motive mit hohem Kontrastumfang abzubilden. Oft ermöglicht selbst die beste Belichtungssteuerung nur die Wahl des kleineren Übels: Entweder sind die Tiefen mit ausreichend Tonwertübergängen abgebildet und die Lichter fransen aus. Oder man fokussiert auf möglichst durchzeichnete Lichterbereiche und nimmt dafür zulaufende Tiefen mit wenig Detaildurchzeichnung in Kauf.

Bei den nächsten Kameragenerationen wird sich sicher einiges verbessern. Aktuell setzen HDR-Techniken vor allem bei der Nachbearbeitung am Rechner an. In der Regel durchlaufen HDR-Bilder drei Stationen:

a) die Aufnahme unterschiedlich belichteter Bildvarianten,

b) deren Zusammenfügen mit einer geeigneten Software,

c) die Reduktion des so erzeugten Bilds auf 16 oder 8 Bit. Idealtypisches Ergebnis: Ein Bild, bei dem die Tiefen als auch die Lichter mit einer guten Durchzeichnung aufwarten.

HDR-Software muss vor allem zwei Prozesse beherrschen: Das Zusammenfügen unterschiedlich belichteter Normalaufnahmen (Low Dynamic Range Images = LDRI, im Gegensatz zu HDRI) zu einem HDR-Bild sowie die Erzeugung besserer und detailhaltigerer Bildkontraste. Den zweiten Prozess bezeichnet man als Tonemapping. Da die meisten Monitore und Ausgabegeräte HDR-Bilder nicht richtig abbilden und verarbeiten können, überführt man HDR-Bilder dabei in eine normale Farbtiefe - also 16 Bit oder 8 Bit pro Kanal. Hier kommt Adobe Photoshop CS 5 ins Spiel, das bislang durchaus Features zum Bearbeiten von HDR-Bildern enthielt, mit der Version CS5 aber einen deutlichen Schritt nach vorne geht. Die verbesserte HDR-Pro-Technik ist so durchaus mit Photomatix Pro vergleichbar.

Günter Schuler

Belichtungsserie zu einem HDR-Bild verarbeiten

Die neuen HDR-Pro-Funktionen sind an drei Programmstellen zu finden: dem Befehl "Datei > Automatisieren > Zu HDR Pro zusammenfügen", beim Rückkonvertieren von Bildern mit 32 Bit Farbtiefe in 16 oder 8 Bit (hier erscheint dann der gleich im Anschluss erwähnte Befehl "HDR Tonung") und schließlich im neuen Bildkorrekturbefehl "HDR Tonung" unter "Bild > Korrekturen". Wie das Zusammenfügen einer Belichtungsserie zu einem HDR-Bild in Photoshop CS5 vonstatten geht und welche Tonemapping-Optionen dabei zur Verfügung stehen, zeigt das folgende Beispiel.

Aufnahme der Belichtungsserie

In diesem Schritt erstellt man von dem später zusammenzufügenden Motiv mehrere Aufnahmen.

Drei Bilder dürften in den meisten Fällen ausreichen. Wer mehr Pixel-Reserven möchte, kann fünf, sieben oder mehr Aufnahmen machen. Die Belichtungsserie kann sowohl ganze (-1; 0; +1) als auch halbe Belichtungssprünge enthalten (-0,5; 0; +0,5); die letzte Variante empfiehlt sich allerdings nur bei einer höheren Bildanzahl. Die Umsetzung hängt von der Kameraausstattung und den eigenen Vorlieben ab; kamerainterne Einstellungen sind ebenso geeignet wie Veränderungen der Belichtungszeit. Die Blende muss gleich bleiben. Um einen möglichst identischen Bildausschnitt zu gewährleisten, ist ein Stativ fast zwingend. Als Aufnahmeformat empfehlen wir RAW. Aktuell eignet sich die Technik fast ausschließlich für statische Motive; sogenannte Geisterbilder (beispielsweise Personen, die durchs Motiv hindurchhuschen) kann der spätere Verarbeitungsprozess allerdings ausgleichen.

Zusammenfügen zu einem HDR-Pro-Bild

In Photoshop CS5 werden die Bilder über den Befehl "Datei > Automatisieren > Zu HDR Pro zusammenfügen" zu einem HDR-Bild zusammengefügt

Im ersten Schritt wählt man über den Knopf "Durchsuchen" die nötigen Dateien. Ist dies geschehen, startet man das Zusammenfügen mit einem Klick auf den Knopf "OK". Die Option "Quellbilder nach Möglichkeit ausrichten" beseitigt minimale Passungenauigkeiten; Anklicken ist in den meisten Fällen sinnvoll.

Der HDR-Pro-Dialog

Der im Anschluss ablaufende Automatismus wird durch Einblenden eines neuen Fensters mit dem Namen "Zu HDR Pro zusammenfügen" abgeschlossen

Er offeriert drei Elemente: eine Bildvorschau, eine Leiste mit Miniaturen der zusammengefügten Einzelbilder und einen Reglerbereich für die HDR-Einstellungen. Wichtig ist zunächst die Aufklappliste hinter "Modus". Hier ist eine grundlegende Entscheidung zu treffen: Soll das aktuelle HDR-Bild im 32-Bit-Modus an Photoshop weitergegeben werden? Oder soll es bereits hier auf eine Farbtiefe von 16 oder 8 Bit reduziert werden? Die erste Variante entspricht weitestgehend den Funktionen in Programmversion CS4. Die zweite ist neu. Da die Rückkonvertierungsoptionen für 16 oder 8 Bit identisch sind mit dem anschließend vorgestellten Befehl "HDR Tonung", wählen wir hier die erste (sprich: Die "alte") Variante. Wo man den Weißpunkt setzt, hängt stark von der Optimierungsstrategie ab (siehe auch Kasten "Techniken für die HDR-Umwandlung"). Hier belassen wir es bei dem von Photoshop vorgeschlagenen Weißpunkt und beenden die Einstellungen mit "OK".

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