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Posteo: E-Mail sicher und anonym

13.08.2014 | 14:58 Uhr |

E-Mail, Adressbuch und Kalender bekommt man bei Apple und Providern wie Google, Telekom und GMX kostenlos. Wenige Anwender machen sich deshalb die Mühe, nach einer Alternative zu suchen. Warum sich das aber trotz (geringer) Kosten lohnen kann, zeigt das Berliner Unternehmen Posteo

Es ist noch nicht so lange her, als etliche E-Mail-Provider die Nachrichten noch unverschlüsselt zwischen den Servern übertragen haben, sodass sich der Nachrichtenverkehr bequem abhören ließ. Das hat sich im Laufe der NSA-Affäre geändert, fast alle Anbieter verwenden jetzt eine verschlüsselte Übertragung über SSL/TSL . Das ist aber nur die halbe Miete. Denn wenn sich der aufgezeichnete, verschlüsselte Datenverkehr nachträglich noch entschlüsseln lässt, hilft die verschlüsselte Übertragung nicht mehr, wenn ein Nachrichtendienst Zugriff auf den Server hat. Anbieter, die dies verhindern wollen, müssen dazu Perfect Forward Secrecy auf ihren Servern einsetzen. Auch das ist inzwischen bei vielen Anbietern Standard geworden, eine Ausnahme ist aber bisher Apple mit iCloud. Wer selbst überprüfen möchte, welche Sicherheitsstandards ein Anbieter unterstützt, kann über die Webseitevon Qualys SSL Labs die jeweilige URL des Anbieters prüfen lassen. Und dort schließt unter anderem auch der Berliner E-Mail-Provider Posteo mit der Bestnote A+ ab.

Bei der Sicherheitsüberprüfung erhält Posteo bei Qualys die Bestnote.
Vergrößern Bei der Sicherheitsüberprüfung erhält Posteo bei Qualys die Bestnote.

Plattformübergreifend

Posteo bietet aber nicht nur eine verschlüsselte Übertragung der elektronischen Nachrichten, sondern noch einige andere Vorteile. Dazu gehört, dass sich das Adressbuch und der Kalender auf dem Server des Anbieters mit dem Benutzerpasswort verschlüsseln lassen. Die Daten sind dann für jede andere Person unzugänglich. Der Zugriff auf E-Mails, Termine und Adressen ist zudem von allen Plattformen wie OS X, iOS, Android und Windows möglich, und zwar nicht nur über einen Browser, sondern auch über die jeweiligen Programme zur Verwaltung von E-Mails, Kontakten und Terminen.

Auf E-Mails, Kalender und Adressen von Posteo kann man plattformübergreifend zugreifen.
Vergrößern Auf E-Mails, Kalender und Adressen von Posteo kann man plattformübergreifend zugreifen.

Für alle Plattformen gibt es bei Posteo jeweils eine Anleitung mit Screenshots, wie man E-Mail, Kalender und Adressbuch einrichtet. Für iOS gibt es auch eine Konfigurationsdatei, die man per Browser auf das Gerät lädt. Leider kann Apples Mail-Programm unter Mavericks den Dienst nicht automatisch konfigurieren und man muss die entsprechenden Daten manuell eingeben, während Anwendungen wie Thunderbird, Postbox oder Unibox dies problemlos erledigen. Kalender und Adressen verwaltet man wie üblich mit den entsprechenden Programmen von OS X oder iOS. Unter Android muss man für die Synchronisierung von Kalender und Kontakten zusätzlich noch eine Anwendung wie DAVdroid installieren.

Apples Mailprogramm kann den Posteo-Account nicht wie andere Anwendungen automatisch konfigurieren, man muss die Angaben manuell eintippen.
Vergrößern Apples Mailprogramm kann den Posteo-Account nicht wie andere Anwendungen automatisch konfigurieren, man muss die Angaben manuell eintippen.

Datenschutz

Neben der Verschlüsselung legt Posteo großen Wert auf den Datenschutz. So werden vom Anbieter keine Bestandsdaten wie Name, Adresse und Telefonnummer gespeichert. Zur Anmeldung muss man sich nur eine E-Mail-Adresse aussuchen und das Passwort vergeben. Wer möchte, kann optional eine Mobilfunknummer angeben, an die das Passwort geschickt wird, wenn man es vergessen haben sollte. Die Nummer wird dann verschlüsselt auf dem Server abgelegt. Um das Konto zu verwenden, muss man nur noch bezahlen. Posteo kostet in der Grundausstattung einen Euro pro Monat. Man bezahlt im Voraus für ein Jahr, kann aber trotzdem monatlich kündigen. Das Geld lässt sich per Bank oder Paypal überweisen, die Überweisungsdaten werden laut Posteo aber nicht mit dem Konto verknüpft. Wer will, kann alternativ per Brief 15 Euro in Scheinen an Posteo senden und damit sein Konto aufladen, sodass keinerlei Kontendaten gespeichert werden. Zudem ersetzt Posteo beim E-Mail-Versand die IP-Adresse des Anwenders durch diejenige von Posteo, sodass man dadurch anonymer bleibt als bei anderen Anbietern. Ein weiterer Sicherheitsvorteil ist, dass alle Daten verschlüsselt auf Servern in Frankfurt gespeichert sind, also dem deutschen Datenschutzrecht unterliegen. Posteo veröffentlicht auch einen Transparenzbericht mit Informationen darüber, wieviele behördliche Anfragen für den Zugriff auf die Daten erfolgt sind. Bestandsdaten kann Posteo aber in keinem Fall liefern, da diese ja gar nicht erhoben werden.

Die Termine und Adressen auf dem Posteo-Server lassen sich mit dem Benutzerpasswort verschlüsseln.
Vergrößern Die Termine und Adressen auf dem Posteo-Server lassen sich mit dem Benutzerpasswort verschlüsseln.

Geldwerter Vorteil

Für den Betrag von einem Euro pro Monat bekommt man bei Posteo ein E-Mail Postfach mit 2 Gigabyte Fassungsvermögen, zwei zusätzliche, frei wählbare Alias-Adressen sowie ein Adressbuch und drei Kalender. Zudem ist Posteo komplett werbefrei. Wer mehr Speicherplatz benötigt, zahlt 25 Cent pro Monat für jedes weitere Gigabyte, maximal sind 20 Gigabyte möglich, sowie 10 Cent pro Monat für jeden weiteren Kalender und denselben Betrag für jedes weitere Alias. Auch das Umweltgewissen lässt sich mit einem Konto bei Posteo verbessern, da der Anbieter besonderen Wert auf Energieeffizienz und Umweltschonung legt und Ökostrom von Greenpeace Energy sowohl für das Büro als auch für die Server verwendet.

Auf die bei Posteo gespeicherten Kontakte greift man problemlos mit dem Adressbuch von OS X zu.
Vergrößern Auf die bei Posteo gespeicherten Kontakte greift man problemlos mit dem Adressbuch von OS X zu.
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