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Private Cloud im Eigenbau – Kontakte abgleichen

14.03.2014 | 11:00 Uhr |

Wer sein Adressbuch nicht iCloud zum Synchronisieren anvertrauen will, findet in OS X Server eine Alternative für den lokalen Abgleich. So verwalten Sie Ihre Daten einfach selbst

Folge 2 unseres großen Workshops zu Apples Server-App für Mavericks drehte sich um die Synchronisation von Kalendern im lokalen Netzwerk. Nun schauen wir uns an, wie sich auch Kontakte abgleichen lassen. Idealer Weise lesen Sie sich die beiden vorherigen Teile unserer Server-Serie durch, bevor Sie mit diesem 3. Teil anfangen.

Zuerst aktiveren wir den Dienst für den Kontakte-Sync. Hierzu öffnen wir den gleichnamigen Bereich in der Seitenleiste unter „Dienste“. Als Ersatz des iTunes-Sync reicht es, rechts oben im Konfigurations-Fenster die Kalender-Server einzuschalten. Über das kleine Pfeilsymbol am Ende Statuszeile können Sie jeweils die Hilfefunktion aufrufen.

1. Neues Konto anlegen und Zugangsdaten eingeben

Der Zugriff auf dem Mac erfolgt über das Programm Kalender. Die Konfiguration ist eigentlich relativ simpel, hat aber in der Praxis mit einigen Fehlern der App zu kämpfen. Als erstes muss der Account für den Zugriff auf den Server eingerichtet werden. Das geht zentral über „Systemeinstellungen > Internetaccounts“, indem man ganz unten in der Liste der Konten „Anderen Account hinzufügen“ aufruft und dann als Typ einen „CardDAV-Account“ wählt. Anschließend klickt man auf „Erstellen“. Alternativ kann man den CardDAV-Account übrigens auch direkt in den Einstellungen des Programms Kalender unter „Accounts“ anlegen.

Ist die Art des Kontos ausgewählt, müssen noch die zur Anmeldung am Server nötigen Zugangsdaten eingegeben werden. Da wären zum einen Benutzername und Kennwort des Accounts. Damit ist nicht der lokale Benutzer auf dem Mac-Client gemeint, von dem aus die Anmeldung erfolgt, sondern das Konto, das wir im zweiten Schritt auf dem Server angelegt haben. Hinzu kommt die Server-Adresse, unter der der OS X Server im lokalen Netzwerk zu finden ist.

Sie wird von der Server-App als „Hostname“ angezeigt, wenn Sie in der linken Spalte ganz oben auf den Rechnernamen klicken. Normalerweise lautet der „Rechnername.local“, wobei Sie den Rechnernamen auf dem Server in „Systemeinstellungen > Freigaben“ finden. Erhält der Server vom Router eine feste lokale IP-Adresse, kann man auch darüber auf den Rechner zugreifen.

2. Zertifikat vertrauen

Beim ersten Zugriff auf den Server gibt die App Kalender eine Warnung aus, dass sie das Zertifikat für die Identität des Servers nicht überprüfen konnte. Das liegt daran, dass OS X Server eigene Zertifikate erstellt, was für den Hausgebrauch völlig ok ist. Um das Zertifikat zu akzeptieren, klicken Sie auf „Zertifikat einblenden“. Oberhalb der Beschreibung, finden Sie eine Checkbox, die Kalender anweist, dem Zertifikat dauerhaft zu vertrauen.

Damit entfällt die oben beschriebene Warnung in Zukunft. Firmen, die ihren Server auch von außen erreichbar machen wollen, sollten langfristig allerdings ein offizielles Zertifikat beantragen, etwa bei der Deutschen Post oder bei PSW. Wie das geht, erklären wir in der nächsten Folge unseres Server-Workshops.

3. Probleme in Kontakte

Das Programm Kontakte lädt nun die Adresseinträge vom Server und zeigt diese zusätzlich zu eventuell schon vorhandenen Kontakten im lokalen Adressbuch an. Eigentlich sollte die App in der Gruppenspalte nun Einträge für „Alle Kontakte“, den Server-Account und „Lokal“ zeigen, damit man die Herkunft der Daten erkennen kann. Bei unseren Tests funktioniert das allerdings selten wie vorgesehen, oft fehlt mindes­tens einer der Einträge.

Mit einem kleinen Trick kommen wir aber doch zum Ziel: Sobald wir in den lokalen Daten eine Gruppe anlegen, zeigt die App lokale und Server-Einträge immer korrekt an und arbeitet reibungslos mit dem CardDAV-Server zusammen. Eventuell muss man zum Anlegen der Gruppe kurz den Server unter „Einstellungen > Accounts“ deaktivieren.

4. Standardaccount festlegen

Die App Kontakte unterstützt einen Standardaccount, dem neu angelegte Kontakte automatisch zugeordnet werden. Die Auswahl erfolgt in den allgemeinen Einstellungen. Dummerweise ist auch dieses Menü oft nicht zu sehen, wogegen ebenfalls der Trick mit der lokalen Gruppe hilft. Man muss das Fenster allerdings immer noch selbst nach unten größer ziehen, damit das Menü sichtbar wird. Wählt man den OS X Server als Standard aus, landet jeder neue Kontakt automatisch dort. Die App Kontakte hält eine lokale Kopie des Server-Accounts vor. Alle Änderungen werden automatisch mit dem Server synchronisiert.

5. Kontakte verwalten

Man kann lokale Kontakte auf den Server-Eintrag in der Seitenleiste ziehen oder Server-Kontakte in den lokalen Bereich. Das funktioniert so einfach wie sonst die Zuordnung zu einer Gruppe. Man muss nur beachten, dass die Kontakte hierbei kopiert werden. Es gibt sie daher anschließend doppelt, wobei die Kontakte auf dem Server bei Änderungen automatisch zwischen Rechnern und iOS-Geräten, die den gleichen Account nutzen, synchronisiert werden.

Sie können sich also inhaltlich von den lokalen Kontakten unterscheiden. Die App Kontakte kombiniert dann die beiden vCards und zeigt die Summe aller Informationen an. Dazu zeigt sie im neuen Feld „Cards“ die verschiedenen Speicherorte. Klicken Sie dort auf „Lokal“ sehen Sie die lokal gespeicherte Version, klicken Sie auf den Server-Namen, sehen Sie die andere. Man kann so selbst entscheiden, ob man zum Beispiel lokale Versionen als Backup behält oder sie grundsätzlich löscht, um Doubletten zu vermeiden.

6. Zugriff auf Kontakte vom iPhone

Damit das iPhone oder ein anderes iOS-Gerät auf den OS X Server zugreifen können, richtet man hier ebenfalls einen CardDAV-Account ein.

6.1 Account anlegen

Dazu öffnet man die Einstellungen und klickt sich durch auf „Mail, Kontakte, Kalender > Account hinzufügen > Andere“. Dann wählt man unter „Kontakte“ den Eintrag „CardDAV-Account hinzufügen“ aus. Hier gibt man wie in Schritt 3 Server-Name, Benutzer und Kennwort des Kontos auf dem OS X Server an. Es erscheint wie auf dem Mac eine Meldung zur nicht überprüfbaren Server-Identität, die man mit „Fortfahren“ übergeht. Das war es auch schon. Wenn Sie erneut „Einstellungen > Mail, Kontakte, Kalender“ öffnen, finden Sie dort unter „Accounts“ den OS X Server.

6.2 Kontakte nutzen

Ein iOS-Gerät geht wie der Mac vor und speichert eine Kopie des Server-Kontos. Öffnen Sie die App Telefon beziehungsweise Kontakte, so sehen Sie dort die bei der letzten Verbindung mit dem Server geladenen Einträge. Das Adressbuch steht also auch zur Verfügung, wenn Sie mit dem iPhone unterwegs sind und keine Verbindung zum Server haben.

Ist das iOS-Gerät im lokalen Netzwerk eingebucht, werden am iPhone vorgenommene Änderungen und neu angelegte Kontakte direkt auf den Server übertragen und finden von dort den Weg auf alle anderen Geräte. Über das kreisförmige Pfeilsymbol oben links können Sie den Abgleich mit dem Server manuell auslösen.

Wie es weiter geht ...

In der nächsten Folge dieses Workshops behandeln wir, wie man seinen OS X Server auch für die Synchronisation von Erinnerungen konfigurieren kann.

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