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Ordnung im System

09.04.2009 | 14:33 Uhr |

Benötigt man viele Zeichensätze auf dem Rechner, hat aber nur einen Teil gleichzeitig im Einsatz, ist ein Programm zur Schriftenverwaltung äußerst hilfreich. Denn es ermöglicht, die Schriften je nach Bedarf zu öffnen und zu schließen

Tausend Schriften mit den Bordmitteln des Systems zu verwalten, macht wenig Freude. Denn entweder muss man sie alle immer aktiviert halten, was Schriftenmenüs absolut unübersichtlich macht, oder sie im Programm Schriftsammlung bei Bedarf manuell ein- und ausschalten. Wesentlich einfacher geht es mit einer Schriftverwaltung, die automatisch nur die momentan benötigten Zeichensätze aktiviert. Außerdem ordnet und sortiert eine Schriftverwaltung die Zeichensätze und findet Doppler, unvollständige Fonts sowie beschädigte Schriftdateien.

Fonts verwalten

Alle drei Testkandidaten verwalten die Schriften in einem eigenen Verzeichnis, das im Privatordner des jeweiligen Benutzers angelegt wird. Suitcase macht es dabei wie iPhoto und verwendet eine Bundle-Datei (Font Vault), die für den Benutzer wie ein einziges Objekt erscheint. Font Agent und Font Explorer setzen dagegen auf eine normale hierarchische Ordnerstruktur. Erstellt man Sicherungskopien mit Time Machine, sollte man die Schriftzentrale von Suitcase vom regelmäßigen Backup ausnehmen, da sich ihr Änderungsdatum dauernd verändert und Time Machine deshalb den Font Vault immer erneut sichert.

Alle Programme überprüfen die Schriften bei der Aufnahme in die Bibliothek auf Doppler und beschädigte Dateien und nehmen diese dann nicht auf. Außerdem kann man Schriften jederzeit manuell prüfen.

Font Explorer und Suitcase nehmen Zeichensätze außerdem in ihre Datenbank auf, ohne sie in ihre zentrale Schriftverwaltung zu kopieren. Sie verbleiben dann an ihrem ursprünglichen Speicherort. Suitcase kennt darüber hinaus noch temporäre Schriften. Die werden geöffnet, ohne sie in der Datenbank zu erfassen. Das ist hilfreich wenn man die Schriften nur für einen einmaligen Auftrag benötigt.

Font Sense

Schriftidentifikation in Suitcase

Um zu garantieren, dass exakt die im Dokument verwendete Schrift geöffnet wird und nicht eine, die nur denselben Namen hat, verwendet Suitcase eine Identifikation für jeden Schriftschnitt, die Extensis mit Font Sense bezeichnet. Diese ID wird unter anderem aus Schriftname, Hersteller, Version, Kerningtabellen und Größe der Datei berechnet und jeweils mit dem Dokument gespeichert. Deshalb muss man ein Dokument ein Mal mit aktivem Suitcase-Plug-in und den korrekten Schriften öffnen und wieder speichern, um Font Sense für die Datei zu aktivieren.

Schriften organisieren

Font Explorer und Suitcase haben deutliche Anleihen bei iTunes genommen. Links findet man die hierarchische Liste mit den Schriften, den Bibliotheken und den Gruppen, rechts sind die in der Liste markierten Objekte zu sehen und darunter die Schriftvorschau. Font Agent geht einen etwas anderen Weg, denn man kann sowohl links wie rechts die Bibliotheken und die Gruppen anzeigen. Wie bei der Konkurrenz gibt es rechts unten eine Schriftvorschau.

Trotz desselben Unterteilungsschemas funktioniert das Hauptfenster von Font Agent anders als bei der Konkurrenz.
Vergrößern Trotz desselben Unterteilungsschemas funktioniert das Hauptfenster von Font Agent anders als bei der Konkurrenz.

Font Agent und Suitcase verstehen sich auf mehrere Bibliotheken, Font Explorer verwaltet alle Schriften in einer einzigen. In Suitcase kann man auch mehrere Font Vaults anlegen, jeweils aber nur eine davon verwalten. In allen Programmen lassen sich die Schriften in Gruppen sortieren, wobei sich auch intelligente Gruppen verwenden lassen, die ein gespeichertes Suchergebnis darstellen, analog den gespeicherten Suchen im Finder. Font Explorer bietet zudem Optionen, Schriften zu bewerten, mit einem Etikett zu versehen und einen Kommentar hinzuzufügen, die sich dann ebenfalls bei der Suche und für intelligente Gruppen verwenden lassen. Font Agent bietet nur Kommentare, Suitcase nur Schlagwörter.

Schriften aktivieren

Zum einen hat man die Möglichkeit, Schriften manuell ein- und auszuschalten. Das geht bei Suitcase entweder permanent – dann bleiben die Schriften auch bei einer Neuanmeldung oder einem Neustart aktiviert – oder temporär. In diesem Fall werden die Schriften beim Abmelden oder Ausschalten deaktiviert. Font Agent bietet die Möglichkeit, jede Gruppe über das Kontextmenü als Start-up-Set zu deklarieren. Diese Schriften aktiviert das Programm dann beim Anmelden oder Neustart. Bei Font Explorer kann man sich über die Vorgaben nur für die eine oder die andere Methode entscheiden. Dann öffnet das Programm alle manuell geöffneten Fonts wieder beim Neustart und der Neuanmeldung oder nicht. Dafür bietet das Programm die Möglichkeit, Programmgruppen anzulegen. Die dort enthaltenen Schriften öffnet Font Explorer, wenn man die entsprechende Anwendung startet.

Font Explorer verwaltet die Schriften alphabetisch sortiert im Privatordner des Anwenders, Font Agent macht es ebenso.
Vergrößern Font Explorer verwaltet die Schriften alphabetisch sortiert im Privatordner des Anwenders, Font Agent macht es ebenso.

Alle drei Programme aktivieren Schriften, wenn man ein Dokument öffnet und die dort verwendeten Zeichensätze momentan nicht aktiv, aber in der Datenbank erfasst sind. Hierzu muss Font Explorer gestartet sein (das gilt auch für das Öffnen einer Programmgruppe), Font Agent und Suitcase erledigen dies mit einem Hintergrundprogramm.

In Font Explorer und in Suitcase legt man in den Vorgaben fest, bei welchem Programm die Schriften automatisch geöffnet werden sollen. Font Agent aktiviert die Fonts bei jeder Anwendung. Ganz reibungslos geht das automatische Öffnen aber nicht über die Bühne. So haben sowohl Suitcase als auch Font Explorer Probleme mit Word 2008, bei Pages, Numbers, Textedit und Nisus Writer Express geht es dagegen reibungslos. Font Agent ist zu langsam, wenn man RTF-Dateien und normale Word-Dateien (.doc) öffnet. Die Schriften werden aktiviert, aber nicht im Dokument angezeigt. Man muss das Programm beenden und die Datei nochmals öffnen. Beim aktuellen Word-Format (.docx) funktioniert das Öffnen dagegen problemlos.

Publish-Test

Im Test öffnet Suitcase die Schriften in Xpress erst ab der Dokumentversion 6.0 automatisch. Die anderen Programme haben auch mit den älteren Dokumentversionen 3.31, 4.0 und 5.0 keine Probleme, Font Explorer vergisst aber in einem Testfall einen Schriftschnitt zu öffnen. Bei einer Datei mit über 2 GB Bild- und Grafikdateien dauert das Öffnen mit Suitcase über sieben Minuten, wenn Font Sense und das Öffnen von Schriften in platzierten Grafiken gleichzeitig in den Vorgaben aktiviert sind. Font Explorer und Font Agent schaffen es unter einer Minute.

Öffnet man in Indesign CS4 eine ältere Indesign-Datei (CS2), gibt es bei Suitcase einen Hinweis, dass die Schriften eventuell nicht aktiviert werden. Es funktioniert aber trotzdem. Font Explorer öffnet bei dieser Konstellation die Schriften nicht, weist aber darauf hin. Font Explorer lässt Indesign CS2 auch mal einfrieren, weil sich ein Schriftschnitt nicht aktivieren lässt, und wir müssen das Programm zwangsweise beenden. Font Agent erledigt die Aktivierung der Schriften in allen Fällen ohne Murren, wenn auch bei manchen Dateien mit etwas Bedenkzeit. Bei fehlenden Schriften in platzierten EPS-Dateien passt Font Explorer sowohl bei Indesign als auch bei Xpress, Font Agent nur bei Xpress. Suitcase aktiviert in beiden Programmen die im EPS fehlenden Zeichensätze.

Thomas Armbrüster

thomas-armbruester@t-online.de

Kaufempfehlung und Fazit

Mit keinem der Testkandidaten macht man einen Fehler, die Unterschiede sind nicht sehr groß. Die Programme liegen deshalb auch in der Bewertung eng zusammen. Am besten probiert man die vollfunktionsfähigen Demoversionen mit den eigenen Dateien aus.

+ Font Agent zeichnet sich vor allem durch die weitgehend problemlose Arbeit in der Praxis und die vielen Plug-ins aus. Die übersichtliche Oberfläche und die einfache Bedienung sind die Stärke von Suitcase. Font Explorer punktet besonders durch seinen großen Funktionsumfang.

- Bei Font Agent muss man kleine Abstriche beim Bedienungskomfort machen, außerdem ist das Programm nicht lokalisiert. Font Explorer und Suitcase kommen im Publish-Test nicht ganz an Font Agent heran. Außerdem arbeitet Font Explorer nicht mit einer Hintergrundanwendung, und für Suitcase muss man mehr bezahlen als für die anderen Programme.

Praktiker

Font Agent hat die Nasenspitze etwas weiter vorne, weil das Programm im Praxistest am unauffälligsten ist.

Profis

Font Explorer ist Erster, wenn es um die Zahl der Optionen zur Verwaltung und Ordnung der Schriften geht.

Einsteiger

Durch die Reduzierung auf das Wesentliche lässt sich Suitcase am einfachsten bedienen.

Thomas Armbrüster

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