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Radtraining per iPhone

16.05.2014 | 14:56 Uhr |

Zum Start der warmen Jahreszeit haben wir Trainings-Apps ausprobiert und gehen der Frage nach, ob das iPhone eine Konkurrenz zu GPS-Fahrradcomputern sein kann.

Die Sonne im Gesicht, den Wind im Rücken. Dazu das gleichmäßige Surren der Speichen, die Lichtreflexe auf den Felgen und die vorbeisausende Landschaft – es gibt zahlreiche Szenenbilder, die erklären, warum Rennradfahren zu den schönsten und abwechslungsreichsten Freizeitsportarten zählt. Laut einer Untersuchung des Allensbach-Instituts steigen knapp vier Millionen Deutsche in ihrer Freizeit zumindest gelegentlich auf ein Rennrad – Grund genug, das iPhone auf seine Tauglichkeit für ein Training auf den schnellen, schmalen Reifen hin zu untersuchen. Besonders spannend zeigt sich dabei die Verwendung des iPhone als Fahrradcomputer. Trainingshelfer gehören schließlich fast zur Grundausrüstung eines jeden Rennrads. Die Frage ist: Kann das Apple-Smartphone mit solchen, speziell auf die Bedürfnisse von Rennradfah­rern angepassten Geräten mithalten – oder die­se sogar verdrängen? Ein Praxistest mit drei Trainings-Apps soll uns Aufschluss darüber geben.

Runtastic Road Bike Pro

Der erste Kandidat im Check ist Runtastic Road Bike Pro. Die Lauf-App des österreichischen Unternehmens wurde bereits über 70 Millionen Mal heruntergeladen – entsprechend hoch ist auch der Anspruch des Rad-Pendants. In der Tat lässt schon das Startdisplay keine Wünsche offen: Fahrzeit, Distanz, Geschwindigkeit, Kalorien­verbrauch, Höhenmeter, Temperatur, Windrichtung und -geschwindigkeit werden angezeigt. Dazu kommen – mit entsprechendem Zubehör – Tritt- und Herzfrequenz.

Die Touren kann man speichern, um sie später erneut zu fahren. Es ist nicht nur das reichhaltige Funktionsangebot, das dafür sorgt, dass eine Runtastic-Fahrt keine Wünsche offen lässt. Im Zusammenspiel mit den Trainingsfunktionen und der Online-Verwaltung auf der Runtastic-Plattform ergibt sich ein komplettes Trainingssystem.

Vorzüge: Zahlreiche Funktionen, übersichtliches Layout
Nachteil: Qualität des Zubehörs
Voraussetzung: iPhone 3GS (ab iOS 5)
Hersteller: Runtastic
Preis: 4,99 Euro

Wertung: 1,7, gut

Runtastic Roadbike Pro im App Store

Radcomputer oder iPhone?

Alle drei getesteten Apps haben den Anspruch, sich mit der Konkurrenz etablierter GPS-Radcomputer anzulegen. Die Vorteile des iPhone sind dabei schon nach wenigen Kilometern Fahrt spürbar: das hochauflösende Display, die einfache Bedienbarkeit, die unzähligen Funktionen, die weit über die Bedürfnisse eines Rennradfahrers hinausgehen, und die Sicherheit, immer alles dabeizuhaben. Allerdings gibt es in Sachen Zubehör auch etwas zu bedenken: Kauft man sich das komplette Programm, um das iPhone auf eine Ebene mit der Top-Liga der aktuellen GPS-Radcomputer zu hieven, ist man schnell über 200 Euro los, mehr dazu auf Seite 40 ff. Ein hochwertiger GPS-Radcomputer ist kaum teurer. Auch weitere Nachteile fallen auf: Beim Kartenmaterial ist man oft auf eine schnelle Internet-Verbindung angewiesen, die man auf stillen Fahrradwegen häufig vermisst. Bei einem Sturz läuft man selbst mit der besten Schutzhülle Gefahr, das teure Gerät zu beschädigen, und in Sachen Akkulaufzeit kann das Handy nicht mithalten. Akkupacks bedeuten Zusatzgewicht mit auf Tour.

Bikebrain

Die nächste App im Check ist Bikebrain. Schon beim Öffnen der Anwendung zeigt sich, dass es auch hier zahlreiche Funktionen gibt – von den Klassikern, die jeder Radcomputer beherrscht, bis hin zu Navigationsaktivitäten und Zusatz-Features, wie dem Teilen von Fotos. Mit Zubehör lassen sich Herz- und Trittfrequenz anzeigen. Angenehm sind die flexiblen Einstellmöglichkeiten, mit deren Hilfe man die App auf seine Bedürfnisse „zurechtzimmern“ kann. Etwas störend ist die bunte, überladene Oberfläche. Hier hat das aufgeräumte Runtastic die Nase vorn. Auch eine Online-Trainingsplattform vermissen wir. Zusätzlich bietet Biologic Zubehör wie Herzfrequenzgurt und Trittfrequenzsensor an.

Vorzüge: Viel Zubehör, flexible Einstellmöglichkeiten
Nachteile: Überladene Optik, In-App-Käufe
Voraussetzung: iPhone 3GS (ab iOS 5)
Hersteller: Biologic
Preis: Kostenlos

Wertung: 2,5

Bikebrain im App Store

Ob man seinen Renner mit dem iPhone oder mit einem extra für Radsportler entwickelten GPS-Gerät bestückt, hängt letztlich vom Einsatzzweck ab: Sportliche Fahrer greifen lieber zu GPS-Radcomputern. Einsteiger und Gelegenheitsradler werden am Apple-Smartphone aber ihre Freude haben.

Strava

Die dritte App im Test ist Strava, eine Anwendung für Läufer und Radfahrer gleichermaßen. Hier steht der Wettkampfgedanke im Vordergrund. Verschiedene, ständig aktualisierte „Herausforderungen“, wie eine bestimmte Distanz in einem Monat, animieren dazu, auf sein Rad zu steigen. Die erbrachten Leistungen lassen sich mit Freunden vergleichen. Über einen „Segment-Explorer“ kann man Herausforderungen in der Nähe finden und auch hier Bestmarken setzen. Die Aktivitäten werden anschließend in die große Online-Plattform geladen und verglichen – ein Wettbewerb, der sehr motivieren kann! Auch lässt sich die App mit verschiedensten Sensoren koppeln. Sogar die Leistung in Watt wird angezeigt, wenn man ein Messgerät hat. Strava erweist sich vor allem als App für ambitionierte Fahrer, die entsprechendes Zubehör besitzen.

Vorzüge: Motiviert zum Training, aufgeräumtes Design
Nachteil: Wenig Infos auf einen Blick
Voraussetzung: iPhone 3GS (ab iOS 6)
Hersteller: Strava
Preis: Kostenlos (Abo)

Wertung: 1,5

Strava im App Store

iPhoneWelt 4/14

© 2015

Dieser Artikel ist der aktuellen Ausgabe 4/14 der iPhoneWelt entnommen. Lesen Sie darüberhinaus:

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