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Günstig surfen im Ausland

08.08.2013 | 11:11 Uhr |

Trotz sinkender EU-Roaming-Gebühren zahlen Sie unter Umständen einen hohen Preis, wenn Sie im Ausland mit dem iPhone auf das Web zugreifen. So vermeiden Sie Kostenfallen

Egal ob das langersehnte Live-Konzert in der Arena von Verona oder der romantische Sonnenuntergang an der Amalfi-Küste  – auch im Urlaub tausend Kilometer von Zuhause entfernt, möchte man manche Momente gern mit seinen Freunden teilen. Doch um ein Foto auf Facebook zu posten oder ein Tweet auf Twitter absetzen zu können, benötigt man – wenn man sich nicht gerade im Hotelzimmer befindet und auf das WLAN zugreifen kann – eine mobile Datenverbindung.
Will man im Urlaub mit dem Smartphone über die Mobilfunkverbindung im Internet surfen, kann das mitunter recht teuer werden, denn für das Telefonieren und Surfen im Ausland verlangen die Provider hohe Gebühren. Auf dem iPhone ist standardmäßig das Datenroaming deaktiviert. Erst wenn man den Riegel unter „Einstellungen/Allgemein/Mobile Daten/Datenroaming“ nach rechts schiebt, kann man im Ausland mobil im Internet surfen.

Roaming in EU billiger, außerhalb teuer    

Um der Kostenexplosion Einhalt zu gebieten und die Verbraucher zu schützen, hat die EU-Kommission Obergrenzen für das Datenroaming eingeführt .  Seit dem 1. Juli 2013 liegt die maximale Obergrenze pro Megabyte bei 45 Cent. Vorher kostete ein Megabyte 70 Cent. Telefonate werden mit 24 statt 29 Cent pro Minute berechnet.  
 

Die Tagespässe zum mobilen Surfen im Ausland lassen sich bei der Telekom ganz einfach per SMS buchen
Vergrößern Die Tagespässe zum mobilen Surfen im Ausland lassen sich bei der Telekom ganz einfach per SMS buchen

 
Im Zuge dessen haben die Mobilfunkprovider ihre Auslandspreise angepasst und werben zum Teil mit speziellen Urlaubsaktionen.
Bei der T elekom e ist mobiles Surfen ohnehin nur möglich, wenn man die entsprechenden Tagespässe bucht. Sobald man mit dem Handy die Grenze der Bundesrepublik Deutschland überschritten hat, bekommt man eine SMS mit den möglichen Buchungsoptionen. Die Pässe können entweder per SMS oder den mobilen Browser gebucht werden. Hier muss allerdings im iPhone „Datenroaming“ aktiviert sein. Alle Tagespässe gelten für 24 Stunden, können aber nach Ablauf der maximalen Obergrenze beliebig oft wieder gebucht werden. Der kleinste Tagespass, Day Pass S, kostet 1,64 Euro mit 10 MB inklusive. Der Day Pass M kostet 2,95 Euro bei einer maximalen Obergrenze von 50 MB. Laut Telekom reichen 50 MB aus, um 500 Mails zu verschicken, 50 Webseiten aufzurufen und zehn Fotos zu posten. Doch die 50 MB sind schnell erreicht. Bei welchen Apps der Datenverbrauch besonders hoch werden kann und wie Sie Datenschleudern Einhalt gebieten, lesen Sie im Kasten. Der Wochenpass für 14,95 Euro, den die Telekom an Vertragskunden bis zum 30. September kostenlos verschenkt, scheint auf den ersten Blick  attraktiver. Hier bekommt man 150 MB, allerdings müssen die auch für sieben Tage reichen.
Im europäischen Ausland wird das mobile Surfen teurer als innerhalb der EU: Hier zahlt man je nach Land 0,49 Euro beziehungsweise 0,79 Euro pro 50 KB.
 
Vodafone bietet passend zur Urlaubszeit seinen Kunden ein Reisepaket Plus für drei Euro an. Darin enthalten sind 50 Minuten zum Telefonieren, 50 SMS und 50 MB Inklusivvolumen für den Datenverbrauch beim mobilen Surfen. Für Vodafone-Red-Kunden erhöhen sich diese maximalen Obergrenzen jeweils um 100 Einheiten. Großer Nachteil: Diesen Service kann man nur einmal pro Tag buchen. Sind die 50 MB erreicht, kann man an diesem Tag nicht mehr mit diesem Tarif weitersurfen. Um den Tarif zu buchen, müssen Nutzer nur eine SMS mit dem Wort „Plus“ an die 70127 schicken. Wie bei der Telekom bekommen aber auch Vodafone-Kunden vom Provider automatisch eine Benachrichtigung, wenn sie sich im Ausland befinden.
Bei Vodafone sind die World-Data-Tarife ebenfalls wesentlich teurer als die EU-Tarife. Das „Reisepaket Data Welt“ kostet zum Beispiel 15 Euro pro Tag bei einem Inklusiv-Volumen von 5 MB.
 
Der Anbieter O2 listet seine Auslandstarife sehr transparent auf der Webseite auf. Wird kein Paket gebucht, berechnet der Provider wie Vodafone kryptisch-anmutende 0,5355 Euro pro Megabyte. Die Taktung erfolgt in 1-KB-Schritten. Dem Kunden werden aber höchstens 59,50 Euro berechnet. Ist diese Grenze erreicht, ist Schluss mit dem mobilen Surfen. Das Smartphone Day Pack EU kostet bei O2 1,99 Euro pro Tag. Jeder erhält 25 MB. Das Internet Day Pack EU kostet 10 Euro bei 100 MB. Außerhalb der EU zahlt der Kunde mit dem Data Pack World 11,99 Euro pro Tag (24 Stunden) und hat dabei maximal 6 MB Datenvolumen zur Verfügung. 

Provider-Tipps

Drei: (mit 3Likehome-Option) Österreich, Italien, UK, Schweden
Movistar : Spanien
AT&T: USA
Turkcell: Türkei

Die Alternative: Lokale Simkarten  

Keine Lust auf teure Roaminggebühren? Besser als auf die Auslandstarife der Mobilfunkprovider zu setzen ist es, vor Ort eine Simkarte zu kaufen, welche die lokalen Anbieter unterstützt. Dadurch bekommen Sie für vergleichsweise wenig Geld mehr Datenvolumen im Gigabyte-Bereich. Bei den lokalen Simkarten gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder legen Sie die Simkarte ins eigene iPhone ein oder Sie nutzen einen mobilen Hotspot, den Sie sich vorher kaufen müssen. Dieser verbindet sich mit dem örtlichen Mobilfunknetz und eröffnet ein Wi-Fi-Netz für unsere Mobilgeräte. Nachteil: Der Hotspot ist eine zusätzliche Anschaffung und ein weiteres Gerät im Gepäck. Dafür bleiben wir auf dem Smartphone unter unserer normalen Handynummer erreichbar. Auf Seite XX lesen Sie einen ausführlicheren Test von diesen mobilen Routern.
Wenn Sie noch ein iPhone mit Netlock besitzen, können Sie die Simkarte nicht  gegen die eines anderen Anbieters zu tauschen.

Lokale Anbieter finden  

Die Jagd nach dem besten Anbieter, der passenden Simkarte und dem richtigen Tarif kann vor Ort mühsam sein: Mitten in der wertvollsten Zeit des Jahres einen Handyshop finden und dann gibt es vielleicht auch noch Ärger, weil die lokale Prepaid-Karte noch aktiviert und aufgeladen werden muss und der deutsche Ausweis nicht akzeptiert wird. In der Türkei werden beispielsweise Simkarten in nicht registrierten Handys laut einiger Erfahrungsberichte automatisch gesperrt.

Es gibt spezielle Online-Shops, die ausländische Simkarten vor dem Urlaub fertig aktiviert per Post nach Deutschland liefern. Dazu gehört unter anderem Prepaid-Global.de . Die Anbieter nehmen dafür meist einen kräftigen Aufpreis. Wer auf Nummer sicher gehen will, reist dadurch jedoch schon mit einer funktionieren Karte in den Urlaub an und ist sofort online. Im Gegenzug kostet dieser Komfort etwa 30 Euro Aufpreis für die entsprechende Simkarte, bei der man sich immerhin vor der Bestellung Guthaben und Sim-Formfaktor wie Micro oder Standard aussuchen kann. Wer mehr Risiko wagt und lieber vor Ort nach einem Anbieter sucht, kann dabei sparen oder aber Pech haben und schließlich nichts Passendes finden.

Tipps für einen geringeren Datenverbrauch


Einmal die Wettervorhersage für morgen aufrufen, kurz auf Facebook schauen und vielleicht noch ein Bild hochladen und dann noch schnell E-Mails abrufen – das Datenvolumen ist schneller verbraucht, als man denkt.

Auf dem ersten Blick scheinen 10 Megabyte, wie man sie im kleinsten Auslands-Tagespass der Telekom bekommt, recht viel, doch die Praxis zeigt, wie schnell die verbraucht sind. Überwachen kann man den Datenverbrauch mit bestimmten Apps. Trafficmonitor zeigt beispielsweise, wie hoch der Up- oder Download zu welcher Tageszeit war. Einmal Facebook aufrufen kann unter Umständen schon einen Megabyte verschlingen, wenn erst die gesamten neusten Meldungen der Freunde von den vergangenen 24 Stunden geladen werden. Je nachdem, wie groß das Bild ist, das man hochladen möchte, kann unter Umständen ein weiteres Megabyte draufgehen.  Ruft man dann noch seine Privat- und Firmen-E-Mails ab, kann das bei größeren Anhängen unter Umständen 5 MB kosten.
 

Mit der kostenlosen App Trafficmonitor kann man den Datenverbrauch über WLAN und über das Mobilfunknetz ermitteln.
Vergrößern Mit der kostenlosen App Trafficmonitor kann man den Datenverbrauch über WLAN und über das Mobilfunknetz ermitteln.

 

Vorsicht bei aktiven Apps im Hintergrund


Gefährlicher, weil nicht gleich auf dem ersten Blick erkennbar, sind jedoch Apps, die im Hintergrund aktiv sind. Möglicherweise haben Sie einfach nur vergessen, die Navi-App, die Sie noch auf der Hinfahrt benutzt haben, nach der Ankunft am Hotelparkplatz abzuschalten. Die App saugt jedoch im Sekundentakt Ihr Datenvolumen leer. Falls Sie bei bestimmten Apps Push-Dienste aktiviert haben, verbinden sich diese Anwendungen ebenfalls ständig mit dem Mobilfunknetz. Um festzustellen, welche Apps im Hintergrund aktiv sind, drücken Sie zweimal kurz hintereinander auf die Home-Taste. In der unteren Leiste werden die Apps eingeblendet, die noch aktiv sind. Halten Sie nun ein Icon lange gedrückt. Mit einem anschließenden Tipp auf den roten Punkt können Sie die Apps beenden.

Mobiles Surfen im Ausland: Darauf sollten Sie achten

-Datenroaming bei Nichtgebrauch sofort deaktivieren
-Aktive Apps beenden
-Push unterbinden
-Fotos in geringer Auflösung verschicken

UMTS richtig nutzen :Richtig surfen mit Mifi und Co.  

Wenn Sie unterwegs mit einem UMTS-Router oder per iPhone-Tethering ins Netz gehen, sollten Sie einige Punkte beachten, damit das Datenvolumen nicht unerwartet zuneige geht. Denn die Verbindung per Handynetz ist nicht nur vergleichsweise langsam im Vergleich zu Ihrem DSL-Anschluss Zuhause, sondern auch teurer oder langsamer, wenn Ihnen Ihr Anbieter plötzlich die Geschwindigkeit drosselt, obwohl Sie scheinbar kaum gesurft haben. Was ist passiert?

Achtung, Datenschleuder


Durch iCloud, Dropbox und ähnliche Dienste laden sich Mac, iPad und iPhone gerne große Datenmengen im Hintergrund herunter. Wenn man daran nicht gedacht hat, bevor man seinen UMTS-Router einschaltet, kann es teuer werden – oder das Guthaben schmilzt wie Eis am Strand.
Fotostream auf dem iPhone lädt beispielsweise automatisch die neusten Bilder herunter, wenn das iPhone mit einem WLAN verbunden wird. Haben Sie nun gestern 200 Megabyte Fotos zu iPhoto hinzugefügt, landen die nun auf dem Handy – über das Mobilfunknetz. Denn nach den Einstellungen und Regeln des iPhone ist ein WLAN grundsätzlich ein stationärer Internetanschluss und deshalb können hier enorme Datenmengen anfallen, ohne dass man es direkt merkt. Auch können beispielsweise Zeitschriften im Hintergrund geladen werden, wenn Sie diese abonniert haben. Ein weiteres Beispiel: Das iPhone beginnt damit, ein Backup zu iCloud zu sichern.
 

Die automatische Aktualisierung im Fotostream kann man deaktivieren und dadurch Daten sparen
Vergrößern Die automatische Aktualisierung im Fotostream kann man deaktivieren und dadurch Daten sparen

 
Auf dem Mac gibt es noch mehr potenzielle Datenlecks. Software wie Sugarsync, Dropbox und andere Dienste, die Ordner über mehrere Geräte hinweg synchronisieren, beginnt damit, Änderungen hoch- oder herunterzuladen, sobald Sie mit dem Internet verbunden sind. Apples Softwareaktualisierung lädt Updates schon im Hintergrund, auch wenn Sie diese jetzt noch nicht installieren wollen. Ein Option in den Systemeinstellungen verhindert es, dass OS X im Hintergrund nach Updates sucht und diese lädt. Starten Sie die Suche nach neuer Software also nicht, wenn sie mobil im Web unterwegs sind. iPhoto auf dem Mac würde ebenfalls mit dem Up- und Download neuer Fotos beginnen, wenn die Software gestartet und Fotostream eingeschaltet ist.
Nutzen Sie iTunes Match, könnte es ebenfalls sein, dass Sie Musik in iTunes unwissentlich streamen, weil diese nicht auf dem Mac selbst gespeichert ist.

  Gegenmaßnahmen


Nutzen Sie Cloud-Dienste auf Ihren mobilen Geräten bewusst und schalten Sie beispielsweise Fotostream oder Mac-Hilfsprogramme für Cloudspeicher aus, wenn sie unterwegs per UMTS-Router oder Wifi-Tethering online gehen. Dann können Sie sicher sein, dass nicht plötzlich mehrere Hundert Megabyte Ihres mobilen Datenvolumens ohne Ihr Zutun verschwunden sind.

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