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Sechs Mythen zur WLAN-Geschwindigkeit überprüft

18.11.2013 | 12:44 Uhr |

Man glaubt es kaum, aber vor nicht allzu langer Zeit benötigte man ein sehr sehr langes Ethernet-Kabel, um von der Terrasse aus im Internet surfen zu können. Heutzutage scheint es WLAN-Netze überall zu geben und Drucker, Digitalkameras, Fernseher, ja selbst Kühlschränke verbinden sich kabellos mit Heim- und Büronetzwerken.

Aber trotz all der Vorteile, die die Wi-Fi-Technik mit sich bringt, sorgt die drahtlose Technik nach wie vor auch für Verwirrung bei den Benutzern über die damit verbundenen auftauchenden Schwierigkeiten. Um etwas mehr Klarheit zu schaffen, haben wir eine Liste typischer Vorurteile zum Thema WLAN-Geschwindigkeit zusammengestellt und wollen diese mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln überprüfen.

Vorurteil 1: „Je weiter man vom Router entfernt ist, desto schlechter ist die Signalstärke“

Stimmt: Je niedriger die Signalstärke, desto niedriger ist die verfügbare Bandbreite eines Netzwerkes. Um zu überprüfen, ob die Signalstärke mit zunehmender Entfernung zum Router abnimmt, nehmen wir eine neue Apple Time Capsule, diese nutzt den WLAN-Standard 802.11ac. Als Server dient ein Macbook Pro, das direkt an den Ethernet-Port angeschlossen ist.

Bei einer Entfernung von knapp zwei Metern, beträgt die Transferrate des Testgerätes (MacBook Air) zum Server (Macbook Pro über Ethernet mit der Time Capsule verbunden) 547 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Knapp 8 Meter entfernt fällt die Übertragungsrate um 17 Prozent auf 456 Mbit/s. Bei gut 16 Metern sinkt der Durchsatz auf unter 400 Mbit/s. Nach 30 Metern fällt die Geschwindigkeit steil auf 139 Mbit/s ab, ein Viertel des Durchsatzes im Vergleich zu 2 Metern Entfernung. Knapp 46 Meter entfernt, erhalten wir 25 Mbit/s und bei knapp 61 Metern Entfernung ohne Hindernisse kommen gerade noch magere 12 Mbit/s an.

Vorurteil 2: „Je mehr drahtlose Netze es in der Umgebung gibt, desto schlechter ist die eigene Übertragung“

Stimmt: Um diese Theorie zu prüfen, verlagern wir unseren Entfernungstest vom Vorstadtgarten nach drinnen in den Büroflur. Hier findet das Macbook 150 (!) Netze. Bei knapp zwei Metern Entfernung von der Time Capsule beträgt unserer Durchschnittsdurchsatz 489 Mbit/s, 11 Prozent weniger im Vergleich zur Vorstadtnetzgeschwindigkeit. Knapp 8 Meter entfernt, fällt die Geschwindigkeit im Büro auf 305 Mbit/s, 33 Prozent weniger als im Gartentest bei der selben Entfernung. Bei einer Entfernung von 16 Metern ist der Test im Büro 44 Prozent langsamer als in der ruhigen Nachbarschaft Zuhause. Knapp 24 Meter vom Router entfernt, sinkt die Geschwindigkeit im Büro um 51 Prozent gegenüber der Messung im Garten.

Vorurteil 3: „Selbstgebaute WLAN-Antennenverstärker sind Quatsch“

Wir haben diese coolen Parabolsignalreflektoren aus Papier, Klebeband, Pappe und Alufolie gemacht. Sie verbessern die Leistung des Routers um bis zu 46 Prozent
Vergrößern Wir haben diese coolen Parabolsignalreflektoren aus Papier, Klebeband, Pappe und Alufolie gemacht. Sie verbessern die Leistung des Routers um bis zu 46 Prozent

Stimmt nicht: Im Internet gibt es Behauptungen, dass einfaches Tuning der Antenne die Signalstärke verbessert. Stimmt das? Wir wollen das prüfen. Dazu nutzen wir den Linksys-Router EA6900 mit drei externen Antennen und messen den Durchsatz (mit dem Dienstprogramm WiFiPerf) an verschiedenen Orten im Büro. Dann drucken wir Vorlagen für 15-Zentimeter Parabolsignalreflektoren von FreeAntennas.com aus und bauen die Reflektoren mit Papier, Klebeband, Pappe und Alufolie.

Ungefähr 6 Meter vom Router entfernt, zeigen unsere Tests einen verbesserten Durchsatz von rund 12 Prozent, wenn wir die Reflektoren einsetzen. 21 Meter weiter weg, verbessert sich die Leistung um 43 Prozent. Die Verdopplung der Entfernung reduziert den Durchsatz mit und ohne Reflektoren, aber die generelle Durchsatzgeschwindigkeit des Routers verbessert sich um 46 Prozent. Die Antennenverstärker verbessern die Netzwerkleistung tatsächlich.

Vorurteil 4: „Mikrowellen können Wi-Fi-Netze stören“

MetaGeeks Wi-Spy DBx Pro Spectrum Analyzer zeigt Störungen einer laufenden Mikrowelle. Sie reduziert den Durchsatz von über 100 Mbps auf 3 Mbits.
Vergrößern MetaGeeks Wi-Spy DBx Pro Spectrum Analyzer zeigt Störungen einer laufenden Mikrowelle. Sie reduziert den Durchsatz von über 100 Mbps auf 3 Mbits.

Stimmt: Das ist kein Mythos. Eine Mikrowelle kann große Mengen Energie freisetzen, während sie die Reste des Asia-Lieferservice aufwärmt. Das Problem ist besonders groß im 2,4-GHz-Frequenzbereich. Ein Grund diese Frequenz wenn möglich zu meiden. Wie man auf diesem Bild sehen kann, aufgenommen mit MetaGeek’s 599 Dollar Wi-Spy DBx Pro Spectrum Analyzer, sind die Störungen von einer laufenden Mikrowelle über das gesamte 2,4-GHz-Band verteilt. Der Durchsatz reduziert sich dadurch von 100 auf 3 Mbit/s.

Im 5-GHz-Frequenzbereich sehen wir deutlich weniger Störungen. Um die Frequenz zu ändern, die etwa eine Airport-Extreme-Basisstation benutzt, öffnet man das Airport Dienstprogramm, wählt den Router aus und klickt auf „Bearbeiten“.  Dann wählt man den Punkt „Drahtlos“ aus und geht auf „Optionen für drahtloses Netzwerk“. Dort setzt man ein Häkchen bei „5 GHz Netzwerkname“ und klickt auf „Sichern“ und „Aktualisieren“. So erstellt man ein eigenes 5-GHz-WLAN, das man am Namen erkennen kann.

Vorurteil 5: „Mein Mitbewohner verstopft die ganze Bandbreite, während er Torrents runterlädt und ich kann nichts dagegen machen“

Stimmt nur bedingt: Eine Lösung wäre dem Mitbewohner zu sagen, er solle rücksichtsvoller sein oder man besorgt sich einen Router, der die Funktion Quality of Service (QoS) unterstützt. Apples Airport Extreme und Time Capsule sind gute Router, aber diese Einstellung unterstützen sie nicht.

Mit QoS kann ein Router den Datenverkehr im Netzwerk steuern, indem er die Daten für Anwendungen, die anfällig für Verzögerungen sind bevorzugt. Dazu zählen Onlinespiele oder VoIP, im Gegensatz zu großen Downloads. Immer mehr WLAN-Router bieten auch Downstream-QoS an, wodurch sie zwischen Datei-Downloads und Videostreams unterscheiden können, so dass letztere für eine bessere Wiedergabe bevorzugt werden. Die beiden Router Asus RT-N66U und Netgear Nighthawk unterstützen diese Funktion.

Vorurteil 6: „Um wirklich herauszufinden, was die eigene WLAN-Geschwindigkeit beeinflusst, muss man teure Geräte anschaffen“

Stimmt nicht: Man kann teure Netzwerk-Hardware kaufen und Softwareanalyse-Programme wie MetaGeek’s Wi-Spy DBx Pro Spectrum Analyzer. Aber viele günstige (oder kostenlose) Werkzeuge können den Status des eigenen Heimnetz beleuchten.

OS X-Benutzer müssen lediglich die Alt-Taste drücken, wenn sie auf das Wi-Fi-Icon in der Menüleiste oben rechts klicken. Dann werden viele zusätzliche Details zum WLAN-Netz angezeigt. Zum Beispiel der Übertragungs-Standard, den das Netzwerk benutzt (802.11 a/b/n/ac), den Kanal des Routers, die Art der Verschlüsselung und die Senderate und Stärke des drahtlosen Netzwerks über RSSI (Received Signal Strength Indicator).

Ein anderes nützliches Netzwerk-Tool ist Objective Development’s Little Snitch (35 Dollar). Das Dienstprogramm weist darauf hin, wenn eine App oder ein Prozess versucht sich mit dem Internet zu verbinden. Es ist erstaunlich wie viele Applikationen eine Verbindung herstellen wollen. Das Status-Fenster von Little Snitch zeigt auch an, welche Apps verbunden sind und wie viele Daten sie senden und empfangen. Wenn einem die Netzwerkverbindung zu langsam erscheint, hilft Little Snitch bei der Identifizierung der Ursache.

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