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Sierra-Funktionen auf alte Macs bringen

28.09.2016 | 13:23 Uhr |

Apples Systemanforderungen für macOS Sierra sind hart. Ausschließlich Macs ab 2012 profitieren von Highlights wie der gemeinsamen Zwischenablage. Auf viele der neuen Funktionen hat Apple aber kein Monopol. So nutzen Sie die neuen Features Ihrem alten Rechner.

Auto Unlock per iPhone oder Schlüsselanhänger: Lock Me Now, Token Lock, Yubikey statt Auto Unlock

Auto Unlock ist ein Highlight von Sierra: Ohne Eingabe eines Kennworts kann man sein Macbook entsperren – man benötigt nur eine Apple Watch, die als eine Art drahtlose Schlüsselkarte den Mac entsperrt. Allerdings benötigt man für diesen Komfort außer einem iPhone auch zwingend einen Mac ab Baujahr 2013.

Die Idee hinter Apples neuer Sierra-Funktion ist eigentlich ein alter Hut. Schon kurz nach dem Start des iPhones erschienen erste Mac-Apps, die das Bluetooth-Signal eines bestimmten iPhones für das Sperren und Entsperren eines Macs nutzten. Entfernt man sich mit seinem iPhone vom Mac aus der Empfangs-Reichweite des Macs, aktiviert das Tool die Bildschirmsperre des Systems und sichert ihn vor Dritten. Kommt man wieder zurück, entsperrt das Programm den Rechner automatisch. Drei interessante Vertreter dieser Programme sind Token Lock , Lock Me Now und Blue Sense . Die Freeware Lock Me Now beschränkt sich auf das Sperren eines Macs, Token Lock und Blue Sense bieten auch das Entsperren des Macs - ganz wie bei Auto Unlock muss man sich nur mit einem festgelegten Bluetooth-Gerät dem Mac nähern. Statt eines iPhones kann das Bluetooth-Gerät übrigens auch eine Maus oder ein Headset sein. Eher an Profis richtet sich Blue Sense, das beim Entfernen oder Annähern eines Macs Skripte startet, die der Nutzer selbst anlegen kann. Einen guten Funktionsumfang bietet Token Lock, das für 7 Euro im App Store zu kaufen ist.

Spezielle Hardware-Geräte wie der USB-Stick Yubikey können einen Mac bequem sperren und entsperren.
Vergrößern Spezielle Hardware-Geräte wie der USB-Stick Yubikey können einen Mac bequem sperren und entsperren.

Mit Sesame gibt es sogar ein eigenes Bluetooth-Gerät, das ausschließlich auf das drahtlose Sperren und Entsperren zugeschnitten ist. Das etwa 40 Euro teure flache Kästchen unterstützt aber nur neuere Macs ab Baujahr 2012. In einem längeren Praxistest der Macwelt funktioniert das Sperren zuverlässig, die Anmeldung an einem Mac Mini von 2012 leider nicht immer sofort. In der Praxis gibt es bei fast allen Tools immer wieder Probleme mit Bluetooth-Verbindungen: Vor allem das Entsperren des Macs scheint nicht zuverlässig zu funktionieren. Kein Wunder, dass das Programm Token Lock mittlerweile alternativ das Sperren und Entsperren über ein beliebiges USB-Gerät unterstützt – beispielsweise über einen USB-Stick oder das Anstecken eines iPhones. Den meisten Firmen sind diese Lösungen zu unzuverlässig. Viele US-Unternehmen benutzen deshalb ein so genanntes FIDO-Gerät, etwa von Yubikey . Das 50 Dollar teure Gerät sieht aus wie ein USB-Stick und dient ausschließlich dazu, einen Mac oder PC zu sperren oder zu entsperren – und es funktioniert. Eine eigene Hardware hat einen weiteren Vorteil: Ist beim iPhone Bluetooth permanent aktiv, verringert dies auch bei aktuellen Geräten die Akku-Laufzeit deutlich.

macOS Sierra Patcher

Ältere Macs kann man überlisten und mit der Hilfe des macOS Sierra Patchers dann doch das neue Betriebssystem für den Mac installieren. Das ist aber nicht unkompliziert und frei von Risiko. In einem ausführlichen Ratgeber beschreiben wir, wer den Patch ausprobieren kann und was er bringt .

Gemeinsame Zwischen­ablage für Mac und iOS: Copied, Command-C und Cloud Clip statt Universal Clipboard

So simpel iCloud und Airdrop funktionieren – für den schnellen Datenverkehr zwischen Mac und iPhone ist das neue Universal Clipboard (Allgemeine Zwischenablage) eine wertvolle neue Funktion. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Die Funktion setzt einen Mac mit Continuity-Unterstützung voraus, also ein Gerät ab Baujahr 2012.

Die Idee mit der Zwischenablage hatten aber auch schon viele App-Entwickler. Im Store gibt es Dutzende an Programmen, die den Clipboard-Abgleich zwischen iOS und Mac-OS versprechen. Empfehlenswert sind Copied von Kevin Chang, Command-C und Cloud Clip . Apple hat hier aber einen großen Vorteil. Nur Apples neue Funktion „Universal Clipboard“ hat unter iOS Zugriff auf die Zwischenablage. iOS-Apps von Drittherstellern bleibt dies versperrt. Um den Zwischenspeicher des iPhone zu senden, muss man deshalb erst zu der iOS-App wechseln. Nicht alle Apps unterstützen außerdem die Übertragung von Bild- oder Video-Dateien. Puristen können sich diese Apps natürlich sparen und Texte und Bilder gleich per Zwischenablage in die Notizen-App oder die App Nachrichten-App kopieren.

Daten in die Cloud auslagern: One Drive, Amazon Prime, Magenta Cloud, Google Drive statt iCloud

Erstmals bietet Apple in Sierra eine integrierte Aufräumfunktion : Auf Wunsch lädt das System alte Dateien automatisch in iCloud hoch, auf dem Rechner verbleiben nur Platzhalterdateien. Das kann man natürlich auch eigenhändig tun und alte Daten bei einem beliebigen Speicherdienst sichern. Webspeicher wird immer billiger, oft ist Cloud-Speicher bereits in einem anderen Abo enthalten. Nutzern von Microsoft Office 365 steht beispielsweise während ihres Abos ein Terabyte Online-Speicher zur Verfügung, jedem Telekom-Kunden 25 GB Magenta-Cloud. Google bietet ebenfalls das unbegrenzte Speichern von Fotos, allerdings nur in Form optimierter Dateien. Kunden von Amazon Prime können unbegrenzt ihre Fotos auf den Amazon-Servern parken, der Webdienst unterstützt sogar viele gängige RAW-Formate.

Nutzer von Amazon Prime können ihre Fotos kostenlos auf die Amazon-Server auslagern.
Vergrößern Nutzer von Amazon Prime können ihre Fotos kostenlos auf die Amazon-Server auslagern.

Nutzer einer lahmen deutschen DSL-Verbindung bleibt in der Regel nur das Auslagern von Daten auf eine Festplatte oder NAS übrig. Tipp: Vor dem Archivieren von Daten ist das Erstellen einer Katalogdatei sinnvoll. Auch ohne angeschlossene Festplatte oder Netzvolume hat man dann eine Übersicht der externen Dateien. Empfehlenswert ist für diese Aufgabe das Programm Neofinder, für das Auslagern von Fotosammlungen bietet Lightroom einige interessante Katalogfunktionen. Will man seine iTunes-Daten auf ein anderes Medium auslagern, kann die 15 Euro teure App Tune Span weiterhelfen.

Festplatte aufräumen: Supa View, Dupe Zap und Dr. Cleaner statt Systeminformationen

Nicht nur das Auslagern von Daten verspricht Sierra, auf Wunsch führt das System eine ausgefeilte Aufräumaktion durch. Die über die Systeminformationen aufrufbare Funktion „Empfehlungen“ kann beispielsweise schon gesehene iTunes-Filme löschen, listet große Dateien auf und kennt eine Reihe weiterer Tricks für das Entschlacken der Festplatte. Kaum eine der Funktionen ist allerdings wirklich neu und das Tool ist eigentlich eher ein Aufräum-Assistent. So listet eine der Funktionen große Dateien und Duplikate auf. Das Löschen bereits gesehener iTunes-Videos ist dagegen eine neue Funktion von iTunes selbst, für das Auflisten von Duplikaten gibt es unzählige Tools wie Dupe Zap . Das Auflisten großer Dateien ist ebenfalls keine neue Idee, auf älteren Rechnern helfen Freeware-Tools wie Supa View, CleanMyMac und die App Dr. Cleaner fast ebenso gut.

Automatisch Fotos in Katalogen ordnen: Google Fotos und Lightroom statt Apple Fotos

Die neue Version von Fotos bietet nicht mehr „nur“ Gesichtserkennung. Eine Bilderkennungstechnologie katalogisiert Fotos automatisch: Man kann dadurch beispielsweise nach Begriffen wie „Strand“ oder „Sonnenuntergang“ suchen. Das bieten im Prinzip auch andere Bildverwalter, wenn auch keine Offline-Programme für den Mac. Verwaltet man beispielsweise seine Fotos mit Googles Fotodienst, kann man über das Suchfeld inhaltsbasierte Suchen starten. Aktuell muss man allerdings englische Suchbegriffe wie „flower“ oder „red“ verwenden. Per Suchfunktion zeigt das Tool dann alle Fotos mit Blumen oder der Farbe Rot. Ähnlich wie Apples Fotos kann auch Google Fotos inhaltsbasierte Fotogalerien erstellen. Über die Einstellungen muss man dazu die Option „Neue Kreationen vorschlagen“ aktivieren. Ein Assistent erstellt dann automatisch Filme, Animationen und Collagen. Als „Diesen Tag neu entdecken“ präsentiert der Webdienst außerdem alte Fotos, etwa von einer alten Feier. Steuern kann der Nutzer diese Funktion aber nicht, sie läuft komplett im Hintergrund. Für anspruchsvolle Anwender auf der Suche nach einer guten Gesichtererkennung empfehlen wir seit Version 6 übrigens auch Adobe Lightroom .

Googles Fotoverwaltung Fotos unterstützt eine inhaltsbasierte Suche, beispielsweise nach roten Blumen.
Vergrößern Googles Fotoverwaltung Fotos unterstützt eine inhaltsbasierte Suche, beispielsweise nach roten Blumen.

Nachrichten versenden: Whatsapp und FB Messenger statt Nachrichten-App

Nachrichten ist eine erstklassige Nachrichten-App, die unter Sierra noch mehr kann als in früheren Versionen. Leider hat Apple aber noch immer keine Versionen für Windows und Android herausgebracht. Um den kompletten Freundeskreis zu erreichen, kommt man deshalb aktuell nicht an Standards wie Facebook Messenger und Whatsapp vorbei. Einigen aber vielleicht noch unbekannt: Von Whatsapp gibt es seit kurzem eine eigene Mac-Version , die das Chatten auch an iMac und Macbook erlaubt. Man benötigt zwar weiter ein iPhone mit Whatsapp-Installation, kann den Chat aber so bequem am Desktop nutzen.

Videos in frei schwebendem Fenster abspielen: Helium statt Quicktime Player

Neu ist auch das Abspielen von Videos in einem Schwebefenster. Über allen anderen offenen Programmen kann man so ein Video ansehen. Auf das Abspielen von lokalen und Web-Medien ist auch der Browser Helium spezialisiert: Der minimalistische Browser spielt beispielsweise während des Lesens von E-Mails ein Youtube-Video ab oder macht einen Webradio-Sender bequemer verfügbar. Das Helium-Fenster schwebt über allen anderen Programmfenstern, die Größe ist wie bei Sierra frei einstellbar. Adressen gibt man über eine Menüleiste ein oder öffnet sie per Drag-and-drop.

Ein Video im Schwebefenster gibt es nicht erst seit Sierra, die Freeware Helium unterstützt sogar Youtube-Videos.
Vergrößern Ein Video im Schwebefenster gibt es nicht erst seit Sierra, die Freeware Helium unterstützt sogar Youtube-Videos.

Rechner per Sprache steuern und Texte diktieren: Dragon Dictation und Google Now statt Siri

Es gibt neben Siri andere Sprachassistenten für den Rechner, so kann man mit Hilfe von Parallels Desktop seit kurzem sogar Microsofts Cortana auf dem Mac nutzen. Die Sprachsoftware Dragon von Nuance ist ebenfalls seit Jahren als echtes Mac-Programm verfügbar. Neben der Hauptaufgabe Spracherkennung kann Dragon auch einige Mac-Funktionen steuern, beispielsweise E-Mails durchsuchen oder Systemfunktionen starten. An Siri reicht das Tool in diesem Bereich zwar nicht heran, trotzdem hat die Mac-App vor allem beim Diktieren gegenüber Siri die Nase vorn. Kenner der Windows-Version von Dragon bemängeln allerdings immer wieder den hohen Preis der Mac-Version. Für Privatanwender ist Dragon mit 200 Euro zu teuer. Für iPad und iPhone gibt es immerhin die kostenlose App Dragon Dictation, die per Server Sprache in Text umwandelt. Beruflichen Anwendern steht unter iOS und Android außerdem Dragon Anywhere zur Verfügung – für 150 Euro im Jahr. Nutzer dieser Mobilapp können beispielsweise eigene Wörterbücher verwenden und mehr.

Wer nur das Internet befragen möchte, kann unter iOS Googles Such-App Google Now nutzen. Früher unterstützte die Mac-Version von Chrome Sprachsteuerung, dies hat Google aber gestrichen.

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