2093499

So funktioniert Spotlight in iOS 9

25.06.2015 | 13:09 Uhr |

Die interne Suche auf dem iPhone greift auf das Internet aus: Spotlight will unter iOS 9 zum Google Now auf dem iPhone werden.

Apple schießt nicht nur in Sachen Privatsphäre gegen Google , auch ist die Möglichkeit, ab iOS 9 Ad-Blocker im mobilen Safari zu installieren, eine scharfe Spitze gegen den Suchmaschinen-Konzern. Mit Spotlight in iOS 9 will Apple nun auch Google als Standardlösung für das Finden und Entdecken von Informationen ablösen.

Apple erweitert Spotlight mit iOS 9 nicht nur im Detail - die integrierte Suche wird mit dem neuen Update auch auf Apps ausgeweitet. Mit Cloud Index, Web Markup und CoreS potlight stellt Apple drei Technologien vor, die ein komplett neues Suchumfeld für den Benutzer bieten.

Lokale App Suche

Ab iOS 9 kann man den Inhalt von Apps durchsuchen. Hierfür bietet Apple eine neue Schnittstelle an, mit Hilfe derer Entwickler die eigene App von Spotlight durchsuchbar machen können. Eine Aufgaben-App kann beispielsweise Listen und Einträge an Spotlight anbinden. Damit lassen sich vom neuen Spotlight-Bildschirm aus (ein Wisch nach rechts vom Homescreen aus) Aufgaben und andere Einträge finden.

Spotlight kann mit Version iOS 9 endlich auch Inhalte von Apps durchsuchen. Von einzelnen Kontakten innerhalb LinkedIn bis hin zu Dokumenten in Pages. Die Hersteller jedoch müssen die eigenen Apps entsprechend öffnen.
Vergrößern Spotlight kann mit Version iOS 9 endlich auch Inhalte von Apps durchsuchen. Von einzelnen Kontakten innerhalb LinkedIn bis hin zu Dokumenten in Pages. Die Hersteller jedoch müssen die eigenen Apps entsprechend öffnen.

Diese Funktion ist nicht neu. Handoff nutzt diese Möglichkeit schon seit iOS 8 : Der Mac kann schon jetzt verwendete Dokumente von iOS Apps anzeigen und bei Bedarf weiter bearbeiten. Die lokale App Suche bedient sich also jetzt auch dieser Funktionalität.

Dies bringt für den Nutzer erhebliche Vorteile. Auf der Suche nach einem bestimmten Dokument genügt von nun an ein Suchbefehl, das Springen von App zu App um die richtige Datei zu finden, entfällt. Dies setzt natürlich das Anpassen der einzelnen Apps seitens der Entwickler voraus. Ist dies aber gegeben, wird Spotlight auf dem iPhone eine ebenso starke Suche wie man sie von OS X kennt. Anders als bisher wird auch nicht mehr nur die Anwendung geöffnet, sondern es erscheint direkt die Datei beziehungsweise die Unteransicht in der gefundenen App. Insofern könnte der Spotlight-Screen für manche iPhone-Besitzer wichtiger werden als die Homescreens. Gerade Intensivnutzer sehen vor lauter Apps schon nicht mehr deren Dienste.

Die lokale Websuche - Cloud Index

Eine etwas abstraktere Lösung stellt der sogenannte Cloud Index dar. Apple konzentriert sich hierbei nicht nur auf lokale Apps, Hersteller können bestimmte Aktivitäten, anonymisiert, dem sogenannten Cloud Index zur Verfügung stellen. In der Entwickler-Session wurde Airbnb als Beispiel genommen.

Apples Cloud Index sammelt vom Hersteller zur Verfügung gestellte Inhalte. Diese werden anonymisiert und ohne Nutzerkennung zu Apple hochgeladen. Die Ergebnisse werden anschließend allen Nutzern zur Verfügung gestellt.
Vergrößern Apples Cloud Index sammelt vom Hersteller zur Verfügung gestellte Inhalte. Diese werden anonymisiert und ohne Nutzerkennung zu Apple hochgeladen. Die Ergebnisse werden anschließend allen Nutzern zur Verfügung gestellt.

Der Hersteller kann also angeben, Suchanfragen von Nutzern zu veröffentlichen. Anschließend ist nur der Suchverlauf im Cloud Index, von wem die Anfragen kommen, wird nicht gesendet, verspricht Apple. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, dem Nutzer beliebte Anfragen von Airbnb in der eigenen Spotlight-Suche anzuzeigen. Ein Klick auf ein Suchergebnis leiten den Nutzer direkt zum Inhalt innerhalb der App. Neben simplen Suchen sind auch bestimmte Aktivitäten möglich. Foresquare zum Beispiel ist gerade noch dabei heraus zu finden, welche Informationen spannend genug für den Cloud Index sein könnten. Intern hat sich Apple eine bestimmtes Mindestmaß an Interaktion mit den zur Verfügung gestellten Informationen gesetzt. Nicht jede Aktivität wird also dem Nutzer präsentiert, sondern nur diejenigen, die hohe Popularität genießen.

Der gesamte Index ist durchgehend allen Nutzern verfügbar. Dies bedeutet auch: Suchen viele Patienten nach einer bestimmten Krankheit und öffnen dazu eine gewisse App, so wird diese auch Personen vorgeschlagen, die jene Anwendung gar nicht auf dem iPhone installiert haben. Apple baut so eine Suchmaschine, die sich aus Apps und App-Webseiten speist. Ist die App zum Suchergebnis noch gar nicht installiert, bietet iOS 9 die Installation gleich an.

Der letzte Baustein ist das Internet selbst. Dazu verwendet Apple die eigene Technologie Applebot. Diese durchsucht Webseiten, und versucht herauszufinden ob diese Inhalte spannend genug für eine lokale Anzeige in Spotlight sind. Hersteller können also die eigene App-Webseite angeben, und diese somit dem Applebot zur Verfügung stellen.

Apples Cloud Index sammelt vom Hersteller zur Verfügung gestellte Inhalte. Diese werden anonymisiert und ohne Nutzerkennung zu Apple hochgeladen. Die Ergebnisse werden anschließend allen Nutzern zur Verfügung gestellt.
Vergrößern Apples Cloud Index sammelt vom Hersteller zur Verfügung gestellte Inhalte. Diese werden anonymisiert und ohne Nutzerkennung zu Apple hochgeladen. Die Ergebnisse werden anschließend allen Nutzern zur Verfügung gestellt.

Um diese Resultate anzuzeigen, verwendet Apple HTML-Bausteine aus der Webseite selbst. Somit können Sternbewertungen und andere Inhalte spezielle aufbereitet angezeigt werden. Hinzu kommen Resultate von anderen App-Herstellern, deren Anwendungen noch nicht auf dem iPhone installiert sind. Ein neuer Banner weist dann auf eine Möglichkeit hin, die Anwendung direkt im App Store herunter  zu laden . Wie aggressiv sich diese Banner gestalten und in der Zukunft in Safari selbst einbinden, bleibt abzuwarten. Auch wird es eine Zeit dauern, bis alle App-Hersteller die eigene Webseite mit dem speziellen Markup gestalten, um die erweiterte Spotlight Ansicht zu ermöglichen.

Google Now: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Spotlight ist also auf dem Weg, das Google Now unter iOS zu werden. Anstatt sich auf das Web zu konzentrieren, wo Google wohl nicht einfach einzuholen ist, konzentriert sich Apple auf das eigene Ökosystem, und achtet nach eigenen Angaben streng auf den Datenschutz.

All diese neuen Funktionen machen Siri aber noch nicht zu einem vollwertigen Konkurrenten für Google Now. Anders als Google, das alle Inhalte aus Web und Apps speist, sammelt Apple nur Daten aus App-Aktivitäten. Dadurch entfallen Webseiten, die keine App anbieten. iOS 9 bietet als einzige Intelligenz dauerhaft die Anzeige von Apps passend zur Tageszeit an. Das iPhone zeichnet im Hintergrund automatisch die Appnutzung auf, und erinnert sich, zu welcher Tageszeit welche App am meisten genutzt wird. Das gleiche geschieht mit Kontakten. Besitzer der Apple Watch kennen das bereits: Am Nachmittag zeigt die Karten-App schon mal prophylaktisch den Weg nach Hause an und sagt anhand der aktuellen Verkehrslage die Fahrtzeit voraus. Das wird nun auch uaf dem iPHone via Spotlight passieren.

Google Now bietet für solche Fälle aber weitaus mehr: Vorschläge zu Aktivitäten in der Nähe, Sport-Ergebnisse und mehr. Hier merkt man die jahrelange Arbeit Googles. Apple setzt hingegen auf Privatsphäre und verkauft die Daten nicht an Werbetreibende weiter, die bei Google etwa Angebote in der Nähe in die Suchergebnisse einfließen lassen. iOS wertet lokal aus, und sendet diese Daten nicht auf Firmen-Server. Selbst der Cloud Index ist lediglich eine Anhäufung anonymisierter Aktivitätsdaten und Suchbegriffen.


Pures Marketing sieht aber anders aus: Mit der tiefen, lokalen App-Suche werden nicht nur Kontakte angezeigt: Auch Dateien und andere Inhalte liest Apple vom Smartphone aus. Angereichert mit den Aktivitäten aus dem Clodu Index, den Millionen von Nutzern füllen, bietet sich hier die Möglichkeit, Spotlight in Zukunft für mehr zu nutzen als nach Apps zu suchen. Ein stetiger Anlaufpunkt ist Spotlight aber noch nicht. Denn die meisten Ergebnisse erscheinen erst nach gewissen Suchbegriffen. Die Frage ist auch, ob sich Nutzer mit Informationen aus Apps begnügen. Viele Ratgeber und Hilfewebseiten existieren nur im Internet, und werden damit aus Apples Suchmaschine ausgeschlossen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2093499