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So veröffentlichen Sie Ihr eigenes E-Book bei Amazon und Apple

21.06.2016 | 10:04 Uhr |

Der der erste eigene Roman liegt in der Schublade und ist gut, doch kein Verlag will ihn haben? Oder Sie trauen sich nicht, ihn einzuschicken? Müssen Sie auch nicht: Heutzutage können Sie Ihre Bücher als eBook im Self-Publishing ganz ohne fremde Hilfe via Amazon oder Apple veröffentlichen. Wir zeigen, wie es geht.

Wohl jeder Autor träumt davon, eines Tages einen Bestseller zu veröffentlichen und reich und berühmt zu werden – oder zumindest von seiner Schriftstellerei leben zu können. Professionelle Texter wie wir Journalisten wünschen sich das ebenso wie all die Hobby-Autoren, die zum Teil Dutzende fertiggestellte Romane auf der Festplatte oder in der Schublade liegen haben. Bislang musste das eigene Buch allerdings oft ein Traum bleiben: Die große Hürde zur Veröffentlichung eines Romans oder Sachbuchs war nämlich immer die Aufnahme bei einem Verlag. Hier allerdings sitzen Fachleute, die Bücher hauptsächlich anhand des Inhalts, der Marktsituation und aktueller Trends bewerten – und daher in über 90 Prozent der Fälle ein klares „Nein“ aussprechen. Viele Jungautoren mussten also in aller Regel mit Absagen kämpfen, wenn sie nicht bereits irgendwo einen Fuß in der Tür oder sich anderweitig einen Namen gemacht hatten. Ansonsten war Klinken putzen angesagt und viel Durchhaltevermögen verlangt, damit der mit viel Liebe und Zeitaufwand geschriebene Erstling irgendwo bei einem seriösen Verlag unterkam. Das ist heute vorbei: Als sogenannte Self-Publisher haben alle Autoren die Freiheit, ihre Werke selbstständig und ohne Umweg über einen Verlag auf Plattformen wie Amazon oder Apples iBooks zu verkaufen. Viele scheitern allerdings an der technischen Umsetzung – dabei ist die gar nicht so komplex, wie es erscheint.

 

Schritt 1: Den Text fertigstellen und korrigieren

Zunächst sollten Sie natürlich Ihr Buch fertig schreiben. Sie werden dafür vermutlich eine Software wie Word , Pages , iA-Writer , Scrivener oder Ulysses verwendet haben, doch das spielt im großen und ganzen zunächst eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist, dass Sie Ihren Roman fertig haben, und zwar wirklich „fertig“, also auch korrigiert! Denn anders als bei der Veröffentlichung durch einen Verlag gibt es beim Self-Publishing niemanden, der Ihr Werk von peinlichen Fehlern befreien würde – das müssen Sie selbst erledigen. Drucken Sie das ganze Werk nach Fertigstellung also einmal aus und lesen Sie es sich selbst in Ruhe und mit einem Rotstift durch, um orthografische, grammatische und logische Fehler aufzuspüren. Diesen Schritt können Sie natürlich auch gerne noch von jemandem, der an ihre schriftstellerischen Fähigkeiten glaubt, wiederholen lassen, vier Augen sind besser als zwei und sechs besser als vier. Pflegen Sie die Korrekturen in Ihr Dokument ein und lesen Sie am besten selbst noch einmal quer. Denn nichts ist peinlicher als ein Erstlingswerk, dass sich vor allem durch Rechtschreibfehler, unlogische Sprünge des Plots und schlechte Recherche auszeichnet.

Es ist völlig egal, mit welchem Programm Sie arbeiten.
Vergrößern Es ist völlig egal, mit welchem Programm Sie arbeiten.

Schritt 2: Den Roh-Text richtig formatieren, um ihn in ein Manuskript umzuwandeln

Zudem sollten Sie schauen, ob die Gliederung ansprechend ist und diese gegebenenfalls ändern. Wichtig dabei: Die Formatierung im Schreibprogramm entspricht nicht zwangsläufig der, die später im E-Book erscheint. Vielmehr muss der Text für den Einsatz als E-Book vorbereitet werden: Zwischen den Kapiteln sollten Sie Seitenumbrüche einbauen, zudem sollten Sie die Absatzeigenschaften so wählen, dass hier keine Leerzeilen, sondern eine Formatierung des Dokuments für den Abstand sorgt. Setzen Sie Kapitelüberschriften mit der Formatfunktion als „Überschrift“. Kopf- und Fußzeilen müssen raus und auf Bilder sollten Sie bei Ihrem Erstling auch zunächst verzichten, zumal diese ja auf einem E-Ink-Display wie dem des Kindle ohnehin nicht sonderlich gut aussehen.

Wichtig ist, dass am Ende ein sauber gegliedertes und natürlich fehlerfreies Roh-Manuskript vorliegt, mit dem Sie den nächsten Schritt wagen können.

Mit einem „richtigen“ Office-Programm wie Word oder OpenOffice können Sie den Text bequem für Amazon formatieren. Alternativ können Sie auch Apples iBook-Author verwenden.
Vergrößern Mit einem „richtigen“ Office-Programm wie Word oder OpenOffice können Sie den Text bequem für Amazon formatieren. Alternativ können Sie auch Apples iBook-Author verwenden.

 

Schritt 3: Den richtigen Titel wählen

Bevor Sie mit dem eigentlichen Publishing loslegen, sollten Sie übrigens noch überlegen, ob Ihr Arbeitstitel auch später verwendet werden kann. Der Titelschutz in Deutschland, also das Urheberrecht für die Bezeichnung eines Werks, greift nämlich natürlich auch bei E-Books. Sie dürfen nicht einfach einen Titel verwenden, nur weil dieser Ihnen gefällt. Sie wollen Ihren Sci-Fi-Roman „Star Wars“ oder Ihren Fantasy-Roman „Herr der Ringe“  oder „Harry Potter“ nennen? Ganz schlechte Idee! Grundsätzlich gilt: Werke sind zunächst nach Markengesetz §5, Absatz 3 geschützt , allerdings spielen hier noch andere Faktoren wie die inhaltliche Verwandtschaft der Werke oder die Schöpfungshöhe hinein. Auf der Website der deutschen Nationalbibliothek können Sie vorab prüfen, ob der von Ihnen geplante Titel überhaupt „frei“ ist. Hier gibt es natürlich einige juristische Fallstricke, bei denen neben dem Urheberrecht auch das Lizenz- und Markenrecht mitspielt: Zwar ist der Titelschutz in Deutschland vergleichsweise schwach, trotzdem sollte jeder Autor vorab klären, ob er den geplanten Titel verwenden kann und gegebenenfalls die schriftliche Erlaubnis bei anderen Autoren, Verlagen oder Herstellern einholen. Wie anstrengend das sein kann, beschreibt Autorin Elke Becker in einem Artikel auf ebookboss.de . Allgemeinplätze wie „Ratgeber“ oder Gattungbegriffe wie „Krimi“ sind allerdings nicht geschützt. Trotzdem wäre es, trotz der ausgesprochen niedrigen Schöpfungshöhe des Wortes „Erbarmen“, sicherlich äußerst unklug, den eigenen Thriller wie den Adler-Olsen-Bestseller zu benennen. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, denken Sie sich einen eigenständigen Titel aus – oder klären bei anderen Rechteinhabern, ob Sie den Titel verwenden dürfen und unter welchen Auflagen.

Die Wahl des richtigen Titels kann hier und da problematisch werden.
Vergrößern Die Wahl des richtigen Titels kann hier und da problematisch werden.

Schritt 4: Beim E-Book-Service von Amazon oder Apple anmelden

Sind die Titel-Fragen geklärt, können Sie mit der eigentlichen Veröffentlichung loslegen. Dafür sollten Sie sich zunächst bei einem Self-Publishing-Dienst anmelden. Für neue Autoren sind wegen der großen Verbreitung von Kindles und iPads vor allem Amazons Kindle Direct Publishing und Apples iBooks interessant: Beide Dienste sprechen eine große Zielgruppe an, was natürlich die Chance, ein Buch auch gewinnbringend in hoher Zahl zu verkaufen, deutlich verbessert. Allerdings sollte Amazon zunächst der Vorzug gegeben werden: Zwar ist hier die Konkurrenz höchstwahrscheinlich größer, dafür wird eine deutlich größere potentielle Käuferschaft angesprochen. Immerhin können E-Books aus dem Kindle-Service nicht nur auf Amazons Endgeräten, sondern mit Amazons Cloud-Reader auch direkt im Browser wiedergegeben werden. Zudem gibt es Kindle-Apps für alle gängigen Betriebssysteme, womit die effektive Zahl der möglichen Endgeräte – und damit E-Book-Kunden – deutlich höher ist als bei dem auf Apples Ökosystem beschränkten iBooks-Dienst. Beide Dienste verlangen nach der Anmeldung – die übrigens mit einer vorhandenen Apple-ID oder einem bestehenden Amazon-Konto möglich ist – zunächst die Eingabe von Autorendaten. Zudem müssen Sie im Rahmen der Anmeldung bestätigen, dass Sie die Rechte an Ihrem Werk besitzen. Das ist besonders für Autoren, die Bilder einbauen, essentiell wichtig: Verwenden Sie ausschließlich selbst erstellte Fotos und Grafiken und auf gar keinen Fall Fundstücke aus dem Netz, um juristischen Problemen von vornherein aus dem Weg zu gehen!

Die Anmeldung sowohl bei Apple, als auch bei Amazon erfolgt ganz bequem...
Vergrößern Die Anmeldung sowohl bei Apple, als auch bei Amazon erfolgt ganz bequem...
...mit einem bereits vorhandenen Kundenkonto bzw. der Apple-ID.
Vergrößern ...mit einem bereits vorhandenen Kundenkonto bzw. der Apple-ID.

Schritt 5: Das E-Book für Amazon oder Apple aufbereiten

Nun geht es an die eigentliche Arbeit: Sie müssen das E-Book für E-Book-Reader aufbereiten und das bedeutet, dass Sie sich ein wenig mit der Technik herumschlagen müssen. Während Apple den grandiosen iBooks Author für Mac und iOS im Programm hat, mit dem sich Bücher ganz einfach für den iBooks-Store aufbereiten und hochladen lassen, ist es bei Amazon etwas kniffliger: Zwar hat der Online-Buchhändler dafür eine praktische Anleitung veröffentlicht – natürlich als Gratis-E-Book für die Kindle-Plattform . Die allerdings befasst sich ausschließlich mit der Erstellung der für das E-Book benötigten ePub/Mobi-Datei mit Microsofts Word für Windows. Vieles darin kann auch auf Programme wie Pages oder OpenOffice übertragen werden, allerdings nicht alles, weshalb es sich für alle angehenden Kindle-Autoren empfiehlt, Word für Mac (oder für Windows) für die Aufbereitung auf dem Rechner bereit zu halten. Alternativ können Sie auch auf Amazons leicht veraltete Mac-Anleitung zurückgreifen.

Immerhin: Fast alle anderen Schreibprogrammen können Dokumente im Word-Format exportieren. Autoren können also aufatmen: In Word zu schreiben oder bereits geschriebene Bücher manuell in Word zu kopieren, ist also nicht zwingend notwendig. Die Helferlein von Amazon sind übrigens keine wirklichen Helfer, insbesondere der „Textbook Creator“, der auf den ersten Blick wie eine iBooks-Author-Variante von Amazon aussieht, ist nicht zu gebrauchen – hier könnte Amazon ruhig einmal nachrüsten. Allerdings gibt es einen Workaround: Sie können Ihre Kindle-E-Books auch mit Apples iBook Author erstellen! Legen Sie dazu ein neues iBook-Projekt mit einer der ePub-Vorlagen an. Danach können Sie hier Ihren Text ausfüllen. Anschließend müssen Sie diese ePub-Datei nur noch exportieren. Zusätzlich können Sie das Tool KindleGen verwenden, um das ePub in das von Amazon verwendete Mobi-Dateiformat umwandeln, allerdings ist das nicht zwingend nötig.

 

Wählen Sie eine ePub-Vorlage aus den Vorlagen von iBooks Author
Vergrößern Wählen Sie eine ePub-Vorlage aus den Vorlagen von iBooks Author
Füllen Sie die Vorlage so aus, wie es Ihnen gefällt
Vergrößern Füllen Sie die Vorlage so aus, wie es Ihnen gefällt
Exportieren Sie das ePub auf Ihren Mac
Vergrößern Exportieren Sie das ePub auf Ihren Mac
Wandeln Sie das ePub mit Kindlegen für Kindle Direct Publishing um.
Vergrößern Wandeln Sie das ePub mit Kindlegen für Kindle Direct Publishing um.
Prüfen Sie das Ergebnis mit Amazons Kindle Previewer.
Vergrößern Prüfen Sie das Ergebnis mit Amazons Kindle Previewer.

Schritt 6: Ein Cover erstellen – oder nicht?

Zuguterletzt sollten Sie Ihr E-Book noch mit einem Cover versehen. Während dieser Schritt beim Apple iBook Author direkt in die E-Book-Erstellung integriert ist – eine Cover-Bilddatei kann ganz einfach unter „Buchtitel“ eingefügt werden – müssen Amazon-Autoren hier separat vom restlichen E-Book arbeiten und das Deckblatt separat hochladen. Der Vorteil: Sie können das Cover jederzeit ändern, ohne das E-Book komplett neu hochladen zu müssen, Amazon fügt die Daten dann zusammen.

Das Cover sollte natürlich möglichst interessant sein und die wichtigsten Informationen über Ihr Buch enthalten, also neben dem Titel auch Ihren Namen oder Ihr Pseudonym. Gibt es kein Cover, wird dieses übrigens automatisch aus diesen Informationen generiert, ein gutes Cover hat jedoch den Vorteil, dass Sie bei stöbernden Lesern möglicherweise Interesse wecken und sie zum Kauf bewegen. Für das Cover gilt genau wie für die Bilder innerhalb Ihres Buches, dass Sie die Rechte besitzen müssen. Ein kurz auf Flickr eingesammeltes Fremdfoto oder gar die Zeichnung eines Künstlers, der nichts davon weiß, dass Sie sein Werk verwenden, ist eine Urheberrechtsverletzung und kann ernsthaften Ärger nach sich ziehen. Sichern Sie sich also ab, indem Sie eigenes Material verwenden. und dieses selbst bearbeiten (Apple) oder mit dem Cover-Creator im Backend zu einem vollwertigen Buchcover ausbauen (Amazon). Wenn Sie es wirklich professionell und einzigartig wünschen, können Sie auch einen Künstler oder Grafiker beauftragen, Ihnen ein Cover inklusive der Überlassung der Nutzungsrechte (schriftlich!) für Ihr Buch zu designen. Das ist leider in aller Regel mit nicht unerheblichen Kosten verbunden, sofern Sie nicht selbst genug Know-How beim Grafikdesign mitbringen oder jemanden mit entsprechenden Fähigkeiten kennen, der Ihnen noch einen Gefallen schuldet. Allerdings kann sich ein gutes Cover sehr positiv auf die Verkaufserlöse auswirken, zumal es gerade in den vollen Krimi-, Fantasy-, Thriller- und Science-Fiction-Sparten zahllose oft sehr ähnlich aussehende und benannte Titel gibt. Das ansprechendes Cover hilft also, Ihr Buch hervorzuheben und besser zu verkaufen.

Mit dem neuen Cover-Creator im Amazon-Backend erstellen Sie im Handumdrehen professionell wirkende Cover.
Vergrößern Mit dem neuen Cover-Creator im Amazon-Backend erstellen Sie im Handumdrehen professionell wirkende Cover.
Allerdings ist die Auswahl der Templates noch sehr eingeschränkt.
Vergrößern Allerdings ist die Auswahl der Templates noch sehr eingeschränkt.

Fazit: Die Aufbereitung ist ein Kinderspiel

Unter dem Strich bietet das Self-Publishing – trotz einiger juristischer und technischer Hürden – eine gute Möglichkeit, eigene Romane, Sachbücher oder Gedichtbände schnell und einfach ohne Verlag zu veröffentlichen. Allerdings sind ein Mindestmaß an layouterischem Geschick und besonders im Zusammenhang mit der Veröffentlichung bei Amazon auch technische Kenntnisse Voraussetzung. Ist das E-Book allerdings einmal gesetzt und aufbereitet, hat es gegenüber dem klassischen Weg über einen Verlag vor allem zwei Vorteile: Sie können Ihr Werk weitestgehend unabhängig publizieren – und dabei auch noch Geld verdienen. Im zweiten Teil der Reihe klären wir für Sie Probleme mit der Steuer und der Vermarktung und stellen Ihnen einen Autor vor, der inzwischen von seinen Amazon-Einnahmen leben kann.

 

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