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Synchronisieren ohne iCloud

21.08.2013 | 14:38 Uhr |

Will man die wichtigsten Daten auf allen Rechnern parat haben, geht es derzeit entweder über diverse Cloud-Dienste oder über eine externe Festplatte. Es gibt jedoch eine Alternative – Peer-to-Peer-Synchronisation.

Die Cloud-Dienste wie Dropbox oder Apples iCloud haben vorgeführt, wie der Abgleich der Daten zwischen zwei Geräten stattfinden sollte: Registrieren oder gleich anmelden, die gewünschten Dienste oder Daten auswählen sind die einzigen Arbeiten, die ein Nutzer verrichten muss, die Hintergrundarbeit erledigt das Programm selber. Der Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass die Daten zwangsläufig auf die Server des Anbieters gelangen. Dazu kommt noch, dass man sich auf das reibungslose Funktionieren der Anbieter-Hardware verlassen muss. Doch selbst die größten Rechenzentren sind vor Strom-Ausfällen nicht gefeit. Nicht umsonst hat Apple auf seiner Support-Seite einen Systemstatus-Bericht .

Die eigenen Rechner kann man jedoch ohne Cloud-Dienste auf den gemeinsamen Nenner abgleichen. Die Alternative zu iCloud und Co. heißt Peer-to-Peer-Synchronisierung und bedeutet so viel, als dass die zwei Rechner direkt die Daten übers Internet übertragen, ohne einen Zwischenstopp bei iCloud oder einem anderem Anbieter.

Cubby am Mac einrichten

Der Dienst Cubby vom Software-Hersteller Logmein unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von vergleichbaren Angeboten auf dem Markt. Doch die Nutzer mit einem Pro-Account haben die Wahl zwischen der Synchronisation über die Server der Firma – Cloud Sync – und einen direkten Abgleich zwischen zwei Macs – Direct Sync. Mit der letzten Funktion kann der Nutzer mit Pro-Account selbst große Mengen an Daten direkt zwischen zwei Macs abgleichen. Dafür muss auf beiden Rechnern die Cubby-App laufen und beide müssen angeschaltet und online sein. Geht ein Mac in den Ruhezustand, wird die Synchronisation unterbrochen.

Das gleiche gilt für unterschiedliche Benutzer: Meldet man sich um, muss man das Programm neu starten oder zu Not Cubby-App in die Anmeldeobjekte aufnehmen. Der Dienst verschlüsselt die Datenübertragung zwischen den Rechnern mit dem SSL-Protokoll , sprich, die eigenen Daten sind auf dem Weg vom Rechner zum Rechner relativ abhörsicher.

Cubby-App installieren

Auf der Webseite des Herstellers kann man sich je nach System die passende App aussuchen. Die OS-X-Version funktioniert auf allen Intel-Macs ab OS X 10.6 Snow Leopard. Nach der Installation verlangt das Programm nach der Registrierung. Dabei kann man den Pro-Account während der zwei Wochen kostenlos ausprobieren.

Nach der erfolgreichen Installation kann man gleich die Daten synchronisieren.
Vergrößern Nach der erfolgreichen Installation kann man gleich die Daten synchronisieren.

Direkten Sync einrichten

Ist das Programm gestartet, gibt es mehrere Methoden, wie man die einzelnen Dateien oder gleich die ganzen Ordner über Cubby synchronisiert: Entweder zieht man den gewünschten Order auf die Oberfläche des Programms, oder fügt Cubby nach der Installation als Systemdienst hinzu, sprich im Kontextmenü nach dem Rechtsklick erscheint ein Eintrag „Diesen Ordner zu Cubby hinzufügen“ (Make this folder a cubby). Mit dem Klick darauf erscheint der Ordner in der Liste der synchronisierten Cubbys.

Für die direkte Synchronisierung schaltet man den Cloud-Abgleich (im Bild das Cloud-Icon) ab.
Vergrößern Für die direkte Synchronisierung schaltet man den Cloud-Abgleich (im Bild das Cloud-Icon) ab.

Cloud abschalten

Einen neu hinzugefügten Ordner synchronisiert das Programm als Standardeinstellung über den eigenen Cloud-Dienst cubby.com. In der Liste mit vorhandenen Dateien und Ordner bietet Cubby einige Bearbeitungsmöglichkeiten, darunter auch Cloud-Sync, diesen muss man gegenüber dem gewünschten Ordner deaktivieren. Danach muss man sich vergewissern, dass die eigentliche Synchronisation gestartet ist. In der Schaltfläche „Sync“ soll der Regler „On“ anzeigen. Auf dem Ziel-Rechner ist das Prozedere identisch: Zuerst den Ordner vom Cloud-Abgleich abschalten und dann die Synchronisation direkt zwischen den Rechnern aktivieren. Die App zeigt danach, auf welchen Rechner sich der synchronisierte Ordner befindet, und ob die beiden angeschaltet sind. Ist einer davon offline, beginnt der Sync erst, wenn sich die beiden wieder gleichzeitig online befinden.

Die beiden Rechner sind online und der Abgleich ist als Direkt Sync eingerichtet. Nach Wunsch kann man den Ablauf verfolgen.
Vergrößern Die beiden Rechner sind online und der Abgleich ist als Direkt Sync eingerichtet. Nach Wunsch kann man den Ablauf verfolgen.

Diese Daten werden nicht synchronisiert

Die Synchronisation durch Cubby beschränkt sich meistens auf die Daten im eigentlichen Sinne des Wortes, sprich, Bilder, Audio- und Video-Dateien. Die großen Datenbanken mit ständigen Änderungen wie Outlook-Datenbanken kann Cubby zwar synchronisieren, empfehlenswert ist das aber nicht: der Rechner wird dadurch ausgebremst. Von der Synchronisation generell ausgeschlossen sind diese Daten:

  • Unter-  oder übergeordnete Order der bereits synchronisierten Ordner

  • Dateien mit nur Leseberechtigung wie CDs oder DVDs

  • Dateien von externen Datenträgern

  • Dateien von Netzwerk-Servern

  • Dateien mit einem Punkt im Namen

  • Dateien mit mehr als 255 Zeichen im Namen

  • Unsichtbare Dateien

  • Dateien aus den Ordnern „Library“, „System/Library“ oder

  • „Programme“

iTunes Match ohne iCloud

Mit Cubby ist es ebenfalls möglich eine gemeinsame iTunes-Mediathek auf zwei unterschiedlichen Rechnern, beispielsweise auf dem Windows-PC bei der Arbeit und einem Heim-Mac einzurichten. In unserem Fallbeispiel gehen wir davon aus, dass am heimischen Mac die meiste Musik gekauft oder von den CDs importiert wird. Auf dem Arbeitsrechner soll Cubby die iTunes Mediathek aktualisieren. Dies geht erstaunlich gut von statten, wenn man folgende Vorbereitungen trifft: Den Ordner „Music“ fügt man auf dem Mac den eigenen Cubbies zu. Dieser befindet sich unter OS X standardmäßig unter dem Pfad „Benutzer -> Musik -> iTunes -> iTunes Media -> Music“.

Ist der Order für den direkten Sync vorbereitet, kann man auf dem Gegen-Rechner den Abgleich starten. Schaltet man die Peer-to-Peer-Synchronisation ein, wählt man in der Sync-Schaltfläche die Option „Merge“ statt „New Folder“. Über das Suchfenster der Cubby-App navigiert man zu dem Ordner „Music“ und klickt anschließend auf „Continue“. Diese Einstellung hat zu Folge, dass alle neuen Musik-Dateien, die man auf dem heimischen Rechner hinzufügt, auch auf dem Zweit-Rechner in der iTunes-Mediathek erscheinen.

Sind die neuen Lieder in die Ziel-Mediathek angekommen, aktualisiert man am besten diese manuell. Aus der Menüleiste wählt man die Einstellung „Ablage – Zur Mediathek hinzufügen“ und navigiert zu dem Standard-Ordner „Musik“, iTunes ermittelt die neuen Daten und stellt sie entsprechend dar.

Dabei muss man beachten, dass es sich nach wie vor um unterschiedliche iTunes-Mediatheken handelt. Lediglich die Musik-Sammlung ist die gleiche. Schließt man beispielsweise das eigene iPhone an den Arbeitsrechner, erkennt es die neuerstellte iTunes Mediathek als eine andere und will die Inhalte der Vorgänger-Mediathek vom Heim-Mac löschen.

Vorsicht beim automatischen iTunes-Sync

In der aktuellen Version von iTunes gibt es einen schlauen Ordner „Automatisch zu iTunes hinzufügen“. Dessen Anbindung via Cubby würde sich am ehesten empfehlen, wenn nicht eine Tatsache: Alle Daten, die in diesem automatisierten Ordner landen, werden an die Mediathek weitergegeben, aus dem Ordner dann wieder gelöscht. Dies hat zu Folge, dass die Musik in der Ausgangs-Mediathek auch im Papierkorb landet.

Die Kosten-Frage

iTunes Match kostet wie bekannt im Jahresabo 25 Euro. Rechnet man die monatlichen Raten von 3,19 Euro für den Pro-Account bei Cubby zusammen, kommen rund 40 Euro pro Jahr zusammen. Die Investition in den Peer-to-Peer-Sync lohnt sich dann, wenn man andere Daten wie eigene Fotos, Textdokumente etc. ebenfalls per Cubby abgleicht.

Fazit

Will man auf die Cloud-Dienste der Dritthersteller verzichten, kann man den Abgleich zwischen mehreren Rechnern direkt vornehmen. Neben den Vorteilen wie die Kontrolle über die eigenen Daten hat die Methode auch ihre Nachteile. Die Verantwortung für das reibungslose Funktionieren übernimmt der Nutzer selber. Auch die Kosten sind höher als bei den vergleichbaren Massenmarkt-Diensten. Doch wer sich Gedanken dabei macht, wo überall die eigenen Daten landen und wie die Anbieter diese eventuell weiter verwenden, für den ist es die Mühe auf jeden Fall wert.

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