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Terminal in MacOS nutzen – Kommandozeile

26.05.2016 | 12:21 Uhr |

In Zeiten von Mac-OS X wirkt das Programm Terminal mit seiner Kommandozeile hochgradig anachronistisch. Warum auf kryptische Befehle zurückgreifen, wenn die Maus die Arbeit erledigen kann? Unser Ratgeber zeigt, was das Terminal alles kann.

Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".
Vergrößern Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".

Die Kommandozeile - bei vielen Lesern dürfte dieser Begriff Assoziationen an das dunkle Computerzeitalter mit monochromen Bildschirmen und einstelligen Speichervolumen im Kilobyte-Bereich hervorrufen. Die Kommandozeile, so das Vorurteil, ist ein blinkender Cursor, der auf die Eingabe kryptischer Befehle wartet.

Derartige Zweifel scheinen auf den ersten Blick berechtigt. Tatsächlich erledigen Kommandozeilenbefehle viele komplexe Aufgaben schneller und gründlicher als das manuelle Vorgehen mit dem Mauszeiger.

Richtig ist nur eines: Die Anfänge der Kommandozeile hängen eng mit den ersten Groß-Computern zusammen. Diese besaßen keine grafische Oberfläche und wurden komplett über die Kommandozeile bedient. Die Eingabe der Befehle erfolgte über einen eigens für diesen Zweck gedachten Terminal-Computer. Aus dieser Tradition heraus werden Programme zur Kommunikation mit der Kommandozeile noch heute Terminal-Programme genannt. Auch die entsprechende Anwendung unter MacOS trägt den Namen Terminal .

Losgelegt!

Nach dem Start des Terminals (zu finden im Ordner "Dienstprogramme") öffnet sich eine Eingabezeile mit weißem Hintergrund. Zu Beginn dieser Eingabezeile finden sich einige kryptische Begriffe, danach folgt der Cursor, der auf die Eingabe von Befehlen wartet. Doch was sind das für Befehle?

Die ersten Wörter dürften jedem bekannt vorkommen: Sie bezeichnen den Namen, der dem Mac bei der Installation von MacOS gegeben wurde. Ist kein eigener Name vergeben, taucht dort eine Mischung aus Benutzer- und Gerätenamen auf. Es folgt ein Doppelpunkt mit einer Tilde, der wiederum vom eigenen Benutzernamen gefolgt wird. An letzter Stelle steht ein Dollarzeichen, hinter dem der Cursor auf Eingaben wartet. Die meisten der Angaben sind selbsterklärend, doch was hat es mit der Tilde auf sich?

Sie gibt das aktuelle Arbeitsverzeichnis an. Öffnet man das Terminal, so befindet man sich automatisch im eigenen Benutzerordner. Ähnlich wie im Finder kann man frei zwischen verschiedenen Ordnern wechseln, um in diesen zu arbeiten. Die Tilde gilt hier als Kürzel für den eigenen Benutzerordner. Wechselt man in den eigenen Musikordner, wird ein ":Music" angefügt. Hinweis: Für das Terminal ist das System auf die englische Sprache eingestellt, der Ordner "Musik" heißt deshalb "Music", der Dokumente-Ordner "Documents".

Die Befehle, um innerhalb der Ordner zu navigieren, folgen alle dem gleichen Konzept: Dem jeweiligen Befehl und einer angehängten Option. Diese Option kann ein Ordner- oder ein Dateiname sein. Nachfolgend eine kurze Auflistung der wichtigsten Befehle:

Möchte man nun aus dem Benutzerordner in den oben genannten Musikordner wechseln, geschieht das über den Befehl "cd". Als Option wird diesem der Ordnername mitgegeben, in den gewechselt werden soll: " cd Music ".

Nun erscheint, hinter der Tilde angehängt, der Ordnername: Music. Dadurch weiß man zu jedem Zeitpunkt, in welchem Ordner man sich befindet. Diese Information ist wichtig: Die Kommandozeile ist ein mächtiges Werkzeug. Schon eine falsche Option kann zu irreparablen Schäden am System führen. Deshalb sollte man sich unbedingt vergewissern, dass ein Befehl korrekt geschrieben ist, bevor man ihn absendet.

Wie bereits eingangs erwähnt, funktionieren die meisten der Kommandozeilenbefehle nach einem ähnlichen Konzept. Gefahrlos ausprobieren kann man dies mit den Befehlen " cd " und " ls ". Diese beiden Befehle führen keine Änderungen am System durch, sondern wechseln nur den aktuellen Ordner und zeigen den Inhalt des angegebenen Ordners an. Das kann man ausprobieren, indem man mit " cd Documents " in den Ordner "Dokumente" im Benutzerordner wechselt. Selbstverständlich kann man auch jeden beliebigen anderen Ordner wählen, auch Groß- und Kleinschreibung braucht man dabei nicht zu achten. Anschließend wird mit " ls " (ohne weitere Optionen) der Inhalt im aktuellen Arbeitsordner dargestellt. Mit einer Option zum Befehl " ls " kann man sich den Inhalt weiterer Unterordner anzeigen lassen. So gibt der Befehl " ls Unterordner " den Inhalt des "Unterordner" vom aktuellen Ordner aus. Manche Befehle verlangen jedoch mehr als eine Option. So muss beim Verschieben oder Kopieren von Dateien sowohl der Name der Ursprungsdatei als auch der Zieldatei angegeben werden. Die Datei "liste.txt" wird daher mit folgendem Befehl aus dem aktuellen Arbeitsordner in den Ordner "Documents" verschoben: " mv liste.txt Documents ".

Intelligentes Umsortieren mehrerer Dateien in einen Ordner

Das Verschieben von Dateien über die Kommandozeile scheint auf den ersten Blick nicht besonders effektiv. Dies ändert sich bei komplexeren Aktionen. Hier spielen Wildcards, zu Deutsch Jokerzeichen, eine besondere Rolle. Korrekt angewandt, kann man mit ihnen die Befehle in der Kommandozeile auf bestimmte Dateien begrenzen. Am besten lässt sich dies an einem Beispiel illustrieren: Angenommen, alle Fotos, beginnend mit der Zahl 9, sollen aus dem aktuellen Ordner in den Ordner Sommerurlaub verschoben werden, so erledigt das ein einziger Befehl: " mv IMG_9*.jpg Sommerurlaub ".

Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".
Vergrößern Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".

Dieser Befehl verschiebt automatisch alle Dateien, die mit IMG_9 beginnen und auf .jpg enden. Natürlich lassen sich solche Zeichen auch am Anfang oder Ende eines Befehls oder Dateinamens einsetzen. So legt der Befehl " mv *.mp3 Music " sämtliche Musik im mp3-Format in den Ordner mit dem Namen "Music". Der Befehl " mv 2015* Sommerurlaub " sortiert Dateien jeglichen Dateityps, deren Name mit 2015 beginnt, in den Ordner "Sommerurlaub".

Gerade bei der Benutzung von Wildcards gilt es, besondere Vorsicht walten zu lassen. Ein fehlplaziertes Zeichen kann, noch viel mehr als ein Buchstabendreher, viel Unheil anrichten. Denn: Ein freistehendes Jokerzeichen bezieht alle im Arbeitsordner vorhandenen Dateien und Ordner mit ein. Während ein " mv * Sommerurlaub " also durchaus bewusst dazu verwendet werden kann, um alle Dateien aus dem Arbeitsordner in den Ordner "Sommerurlaub" zu kopieren, ist es dennoch empfehlenswert, sich vor Absenden des Befehls Gedanken über die Auswirkungen zu machen.

Mit Wildcards große Datenmengen gezielt löschen

Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".
Vergrößern Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".

Nahezu jedes Kommandozeilenprogramm bringt Unterstützung für Wildcards mit. Der erste Tipp lässt sich somit in leichter Abwandlung auch zum Löschen von Dateien benutzen. Wie immer gilt: Vor dem Abschicken des Befehls dessen korrekter Schreibweise und Funktion vergewissern. In der Kommandozeile gibt es keinen Papierkorb, aus dem sich Dateien im Notfall retten lassen. Einmal gelöscht, sind sie unwiderruflich verloren!

Ein gutes Beispiel für das gezielte Aufräumen ist ein Download-Ordner, in dem sich im Laufe der Zeit zahlreiche PDF-Dateien angesammelt haben. Wie bereits beim Befehl " mv ", setzt man auch hier das Jokerzeichen vor die Dateiendung, um den Befehl auf alle PDF-Dateien anzuwenden. Um alle Dateien dieser Art zu löschen, genügt also ein " rm *.pdf ".

Selbstverständlich lassen sich auch beim Befehl "rm" Wildcards an jeder beliebigen Stelle platzieren, um die Auswahl der zu löschenden Dateien einzuschränken oder zu erweitern. Sollen alle PDF-Dateien, beginnend mit der Jahreszahl 2016, gelöscht werden, lautet der Befehl: " rm 2016*.pdf " Ohne die Endung ".pdf" löscht das System alle Dateien, denen ein "2016" vorangestellt ist: " rm 2016* ".

Beim Löschen von Ordnern inklusive der Unterordner ist eine zusätzliche Option erforderlich. Dazu fügt man einfach zwischen Befehl " rm " und Ordnername die Option "-r" ein: " rm -r Ordner ".

Für Benutzer, die auf Nummer sicher gehen wollen, empfiehlt es sich, bei jedem Befehl die Option " -i " einzubauen. Sie fügt vor Ausführen des Löschbefehls eine Rückfrage ein, ob dieser Ordner wirklich gelöscht werden soll. So lassen sich falsch eingegebene Befehle noch korrigieren.

Die Funktion zum automatischen Vervollständigen erspart Tipparbeit

Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".
Vergrößern Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".

Die Eingabe längerer Datei- und Ordnernamen ist jedoch mühevoll und eine Fehlerquelle. Wenn es lediglich darum geht, Dateien von einem Ort zum anderen zu verschieben, wirkt der Weg über den Finder auf den ersten Blick effektiver.

Bei längeren Befehlen kommt jedoch die so genannte Autovervollständigung zum Tragen. Sie funktioniert ähnlich wie die Vervollständigung von Suchbegriffen bei der Google-Suche.

Oft genügt es, nur den Anfang eines Kommandozeilenbefehls einzugeben. Betätigt man daraufhin die Tabulatortaste, wird der Befehl automatisch vervollständigt. Ist der Befehl nicht eindeutig genug, weil es mehrere Alternativen gibt, die mit demselben Buchstaben beginnen, werden diese Alternativen neben- und untereinander dargestellt und man kann die passende wählen.

Die Autovervollständigung funktioniert nicht nur bei Befehlen, sondern auch bei Dateien und Ordnern. Befindet man sich im Benutzerordner, führt der Befehl " cd Doc<Tabulator> " also automatisch in das Dokumentenordner.

Schneller Check von Datei- und Ordnergrößen

Will man einen kurzen Überblick gewinnen, wie groß eine Datei oder ein Ordner ist, bietet sich der Befehl " du " an. Hängt man ihm die Optionen " -s " und " -h " an, so stellt er die Größe von Dateien in einer leicht lesbaren Art und Weise dar.

Auch bei diesem Befehl bietet sich der Gebrauch von Wildcards an. Während " du -sh test.txt " die Größe der Datei mit dem Namen "test.txt" anzeigt, erweitert ein Zeichen (also ein " du -sh * ") den Befehl auf alle Dateien im aktuellen Arbeitsordner. Es folgt also eine Liste mit den Dateigrößen aller Dateien und Ordner, die sich in diesem Ordner befinden. Dies ist deutlich schneller als über den Finder.

Über Manpages weitere Informationen finden

Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".
Vergrößern Mit dem Befehl "cd Music" wechselt man in den Nutzerordner "Musik".

Die bisher vorgestellten Befehle bieten nur einen oberflächlichen Eindruck von dem, was mit der Kommandozeile möglich ist. Nicht nur gibt es mehrere tausend Befehle auf dem Mac - auch die Optionen zu den einzelnen Befehlen sind wesentlich zahlreicher, als es dieser Artikel darzustellen vermag.

Um tiefer in die Materie einzusteigen, empfiehlt sich, wie so oft, das Internet. Doch auch in der Kommandozeile selbst findet man Hilfe. Nahezu jedes Programm liefert eine so genannte Manpage mit. Eine Manpage ist eine Art Hilfe für einen Befehl. Sie liefert einen kurzen Überblick über die Funktion eines Befehls und listet alle verfügbaren Optionen für diesen Befehl auf. Die Manpage zu einem Befehl erreicht man durch das Kommando " man ", gefolgt vom Namen des gewünschten Befehls. So ruft etwa " man mv " die Manpage zum Befehl " mv " auf. Die Navigation innerhalb der Manpages erfolgt mit Hilfe der Pfeiltasten. Verlassen kann man die Ansicht einer Manpage über die Taste " q ".

Fazit

Aller Anfang ist schwer - dies gilt auch für den Umgang mit der Kommandozeile. Doch wer sich an das Konzept gewöhnt, spart sich viele Mauswege.

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