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iPhone-Kalender

Terminsache: iOS-Kalenderapps im Vergleich

21.05.2014 | 17:28 Uhr |

Sie organisieren unseren Alltag und müssen Daten aus zahlreichen Quellen zusammenhalten. Wir haben uns Alternativen zu Apples App näher angesehen.

Wenn es um Termine geht, unterscheiden sich die Menschen deutlich voneinander. Manche stehen mit Terminen ganz generell auf Kriegsfuß und verpassen deswegen alle, andere notieren noch alles in kleinen Kalenderbüchlein, deren Inhalt nur Eingeweihten verständlich ist, und wieder andere nutzen zwar irgendwie den Computer und das Smartphone, verzetteln sich aber oft in ihren verschiedenen Kalendern und der umständlichen Be­dienung verschiedener Programme, Apps und Webdienste.

Man kann es den Technikverweigerern vielleicht noch nicht einmal übel nehmen, denn nichts kann mehr nerven, als auf Fragen wie "Können wir uns nächsten Dienstag wieder treffen?" keine spontane Antwort parat zu haben, weil sich die Kalender-App so schlecht bedienen lässt. Oder man benötigt eine halbe Ewigkeit, um während eines Gesprächs einen neuen Termin anzulegen, weil es viel zu umständlich ist. Allzu oft verzichtet man in der Hektik darauf und schwört sich im Geiste, es später nachzuholen. Das Chaos ist also programmiert, wenn sich der elektronische Terminkalender nicht als absolut intuitiv erweist.

Werksausstattung: Apples Kalender

Schon beim ersten iPhone gehörte eine Kalender-App zum Systemumfang, und selbst die nicht so smarten älteren Mobiltelefone kamen oft schon mit Kalender daher – der elektronische Sekretär gehört also zur Kernkompetenz moderner Telefone. Umso mehr staunt man womöglich, dass sich bis heute Kalender-Apps stets ganz weit vorn in den Bestenlisten des App Store zu halten vermögen. Der Bedarf für Kalender-Apps ist offenbar bis heute gegeben. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Apples eigene Lösung bislang eher simpel gestrickt war und iPhone-Besitzer in die Arme der Drittanbieter trieb. Die­se punkteten mit mehr Komfort, praktischeren Übersichten und allerlei zusätzlichen Features.

Datenbank und Konten des Apple-Kalenders sind die Grundlage fast aller alternativer Kalenderapps.
Vergrößern Datenbank und Konten des Apple-Kalenders sind die Grundlage fast aller alternativer Kalenderapps.

Zu allem Überfluss überarbeitete Apple mit der Einführung von iOS 7 auch die Kalender-App komplett und erntete dafür viel Kritik. Doch mit den darauf folgenden, kleineren Updates korrigierte Apple, von vielen iPhone-Besitzern unbemerkt, diese Nachlässigkeiten: Die Übersicht kehrte zurück, und für die Wochenansicht muss man das iPhone lediglich quer halten. Noch hat es nicht jeder iPhone-Besitzer gemerkt, doch mittlerweile ist aus Apples Kalender-App ein sehr ansehnliches und praktisches Werkzeug geworden.

Sync mit iOS-Kalender

Apple bietet App-Entwicklern direkten Zugriff auf den iPhone-Terminkalender. Dadurch müssen sich diese nicht selbst um die Synchronisierung der Termine mit irgendwelchen Servern oder Cloud-Diens­ten kümmern. Als Anwender hat man außerdem den Vorteil, fast beliebig zwischen den verschiedenen Apps hin- und herwechseln zu können und dennoch stets alle Termine vorzufinden – ganz gleich, in welcher Kalender-App man sie angelegt hat. Das hat auch den großen Vorteil, dass man seine Termine sehr komfortabel über Siri anlegen kann.

Bei der Wahl des Kalenders ist das iOS bekanntlich sehr flexibel: Die Normalvariante ist die Synchronisierung des Kalenders per iCloud, wodurch die Termine automatisch auch auf dem Computer oder dem iPad landen können. Alternativ lassen sich Kalender eines Google-Accounts oder eines Microsoft-Exchange-Servers nutzen, die sich in den Einstellungen unter „Mail, Kontakte, Kalender“ einrichten lassen. Dort lassen sich auch weitere Kalender abonnieren und CalDAV-Accounts von alternativen Cloud-Anbietern oder eigenen Servern hinzufügen. Theoretisch lassen sich all diese Dienste miteinander mischen, doch dies führt in der Praxis oft zu einiger Verwirrung. Am besten konzentriert man sich auf eine der Möglichkeiten, ob diese nun iCloud, Google, Exchange oder eigener CalDAV-Server heißt. 

Alternative Ansichten (hier Mical) und Zusatzfunktionen sind die Steckenpferde der Drittanbieter-Apps.
Vergrößern Alternative Ansichten (hier Mical) und Zusatzfunktionen sind die Steckenpferde der Drittanbieter-Apps.
© Macwelt

Andere Kalenderdienste

Die Kalenderdienste von Apple, Google und Microsoft unterscheiden sich natürlich leicht in ihren Features. Nutzt man die Möglichkeit des iOS, Kalender mit Google oder Exchange zu synchronsieren, bleiben zusätzliche Features der alternativen Anbieter allerdings auf der Strecke, weil nur das übertragen wird, was auch Apples Kalenderformate unterstützen. So bietet Google beispielsweise Benachrichtigungen per SMS statt Push-Mitteilung oder das Treffen mit anderen Nutzern, statt wie Apple die Einladungen zu Terminen mit anderen als Datei per Mail zu verschicken.

Eine Reihe von Apps hat sich die Synchronisierung speziell mit dem Google-Kalender auf die Fahnen geschrieben, darunter Calengoo (5,99 Euro), das losgelöst von den Kalenderdaten des iOS läuft und den Google Kalender optisch und funktional auf dem iPhone nachbildet. Dadurch funktionieren zwar alle Google-Features, aber andere Apps sehen die Termine nicht mehr, und auch Siri kann keine mehr anlegen. Wir haben uns daher auf Apps konzentriert, die in Apples und nicht in Googles Universum beheimatet sind – für ein iPhone ist dies die praktischere Lösung.

Differenzierungen

Wenn denn fast alle Kalender-Apps auf dem iPhone die gleichen Kalenderdaten nutzen und aufgrund dieses Datenkorsetts keiner die Möglichkeit hat, wesentliche Fähigkeiten dazuzuerfinden, fragt man sich natürlich, wie sehr sich die Apps voneinander unterscheiden können. Oberflächlich betrachtet, ähneln sich die Apps in der Tat sehr, doch es sind eben die kleinen Details, die den Unterschied zwischen Umständlichkeit und intuitiver Bedienung ausmachen können.

In der Vergangenheit konzentrierten sich viele Kalender-Apps vor allem auf alternative Ansichten, allen voran die bei Apple fehlende Wochenübersicht, die es allerdings mittlerweile gibt. Nicht bei allen Apps sind die Einträge wirklich noch gut lesbar, und teils leidet die Darstellung sehr unter dem Versuch, Einträge farblich oder durch Linien voneinander zu trennen. Dies ist allerdings eine Frage der persönlichen Präferenzen.

Der Hauptunterschied mancher Fremd-Apps ist aber die Eingabe der Termine in natürlicher Sprache. In Apples App läuft das Anlegen eines Termins sehr formal ab: Man vergibt nacheinander einen Titel, einen Ort, Start und Ende sowie mögliche Erinnerungen und weitere Teilnehmer. Viele Apps bemühen sich, beim Anlegen von Terminen natürliche Sprache zu ermöglichen, etwa "Essen mit Chris­tian heute um 20 Uhr". Das erinnert an die Spracheingabe per Siri und klappt oft recht gut, geht bisweilen aber auch ziemlich schief. Hat man sich an diesen Mechanismus allerdings erst mal gewöhnt, lässt sich so – oder eben gleich per Siri – sehr schnell und auch in hektischen Situationen unterwegs ein Termin eingeben.

Unsere Wahl: Mical

© 2015

Letztlich ähneln sich manche der zahlreichen Apps sehr, und so fällt es schwer, unter ihnen den einen Überflieger zu finden. In einem ziemlich engen Rennen ging diesmal Mical als knapper Sieger hervor. Wie so oft ist es vor allem die Mischung aus einer Reihe von Eigenschaften, die Mical ausmacht:

Die App bietet sieben verschiedene Kalenderansichten, darunter gleich zwei Wochenansichten und ein "Dash­board", in dem aktuelle Termine, Erinnerungen, eine Monatsübersicht und sogar das Wetter eingeblendet werden und das sich konfigurieren lässt. Die Termineingabe in natürlicher Sprache funktioniert meist gut, wobei auch Orte erkannt, Reisezeiten berechnet und auf Wunsch Routen mit Navi-Apps erzeugt werden. Über die App-Einstellungen lassen sich viele Dinge vom Farbschema bis zur Anzeige von Geburtstagen frei einstellen.

Doch neben viel Licht gibt es auch etwas Schatten: So lassen sich anders als in vielen anderen Apps Termine nicht per Drag-and-drop verschieben, was geradezu unverständlich ist. Und so kann man auch die durchaus guten Alternativen wie Pocket Informant, Fantastical oder Calendars 5 in Erwägung ziehen – oder eben einfach bei Apples Kalender-App bleiben, die deutlich reifer geworden ist.

Download: Mical

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