1021483

Typo-Tricks dank Opentype

15.07.2009 | 12:06 Uhr |

Wer Texte in mehreren Sprachen setzt oder Wert auf wirklich professionellen Schriftsatz legt, der sollte mit Opentype-Schriften arbeiten. Die aktuellen Versionen von Indesign, Illustrator oder Xpress sind dafür schon gerüstet

Typografische Vielfalt- hier bei den Opentype-Classics von Linotype.
Vergrößern Typografische Vielfalt- hier bei den Opentype-Classics von Linotype.
© Linotype

Verglichen mit den herkömmlichen Font-Formaten Postscript und Truetype, versprechen Opentype -Schriften drei Vorteile:

Erstens, lassen sie sich unter Windows ebenso einsetzen wie unter Mac-OS X.

Ein zweiter Punkt ist die mit ihnen verbundene Internationalisierung. Konkret erhoffen sich viele Nutzer die Unterstützung mitteleuropäischer Sprachen, eventuell auch der kyrillischen oder griechischen Schrift.

Der dritte Grund sind schließlich die typografischen Gimmicks, die potenziell in einer Opentype-Schrift enthalten sind.

Ob eine Schrift zusätzliche Zeichen für mitteleuropäische Sprachen oder für typografische Sonderfunktionen enthält, hängt aber ganz von der entsprechenden Schrift ab. Die gute Nachricht lautet: Es gibt immer mehr Schriften, die diesen Komfort bieten.

Welche Funktionen gibt es?

Ob Indesign , Xpress oder Illustrator: Die Vorgehensweise beim Zuweisen spezieller Opentype-Attribute ist grundsätzlich dieselbe. Anders als Schriftstile oder Software-Skalierungsfunktionen greifen Opentype-Attribute auf optimierte Zeichenvarianten zurück. Fußnoten- oder Bruchziffern sind etwa minimal fetter als ihre elektronisch verkleinerten Vettern. Noch deutlicher zeigt sich das bei der Gegenüberstellung von elektronisch generierten Kapitälchen und echten Kapitälchen: Letztere sind fetter als die über Programmfunktionen herunterskalierten Großbuchstaben und wirken professioneller. Mediaevalziffern und Zierbuchstaben stellen alternative Ausführungen bestimmter Zeichengruppen zur Verfügung - für die Ziffern 0 bis 9 oder bestimmte Buchstaben.

Typografische Opentype-Eigenschaften erfüllen zwei Zwecke: das schnelle Formatieren mit Zeichenvarianten (Kapitälchen und Zierbuchstaben), sowie die Möglichkeit, in speziellen Konstellationen optimierte Zeichentypen ins Spiel zu bringen. Spezielle Zeichen sind Mediaevalziffern - an den Fließtext angeglichene Ziffern mit Ober- und Unterlängen. Im Buchsatz sowie im anspruchsvollen Editorial Design kommen sie oft zur Anwendung, bekanntes Beispiel ist das Wochenmagazin "Spiegel". Bei Geschäftsberichten, in Tabellen oder einem technisch orientierten Textumfeld, gelten sie als hinderlich. Die Opentype-Funktionen in den aufgeführten Programmen helfen auch hier: Neben den beiden Grundtypen Versalziffern und Mediaevalziffern lassen sich auch tabellenoptimierte Varianten mit einheitlicher Zeichenbreite einstellen.

Im Zusammenspiel sorgen Schriften und Programmfunktionen dafür, dass gut ausgestattete Opentype-Schriften aktuell als das typografische Non plus Ultra gelten. Einige Schriften im Format Opentype Pro offerieren zudem für unterschiedliche Schriftgrößen spezielle Schnittvarianten. Beispiel: die Minion Pro, derzeit die wohl am besten ausgestattete Antiqua-Schrift weltweit. In der Vollversion enthält sie für jeden Schnitt vier unterschiedliche Varianten: eine fürs Kleingedruckte, eine für normale Textgrößen, eine für Subhead-Größen und eine fürs Großgedruckte. Alternativ verfügen Indesign, Illustrator und Photoshop über eine Funktion, mit der sich zumindest der Weißraum zwischen den Zeichen an die Schriftgröße anpassen lässt: die Kerning-Methode "Optisch" im Bedienfeld Zeichen. Das Vorgehen ist einfach: Den Text markieren und "Optisch" zuweisen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1021483