Vergleich iCloud vs. Telekom Cloud
iCloud oder Telekom Cloud oder beide
Mobile-Me-Nutzer haben nur noch ein halbes Jahr, bis Apple diesen Dienst abschaltet. Ist die Telekom Cloud eine Alternative zu iCloud oder lassen sich die Dienste parallel nutzen?
Im Sommer 2011 hattte Apple iCloud erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und setzt seit Herbst die gegebenen Versprechen Zug um Zug um. Nicht nur Apple ist aber im Cloud-Computing aktiv, unter anderem buhlt die Deutsche Telekom mit Telekom Cloud un Kunden und verwendet dabei nicht von ungefähr die gleiche Bildersprache wie Apple. Mac- und iPhone-Anwender, die noch auf Mobile Me setzen, müssen sich zwangsweise mit iCloud beschäftigen, wollen sie ihre Adressen, Kalenderdaten und Mails weiter abgleichen, einige Funktionen gehen jedoch verloren. Ist nun die Telekom Cloud eine Alternative oder ein optionales Zusatzangebot?
Beide Clouds sind webbasierte Dienstleistungen großer IT-Unternehmen, die im Wesentlichen Speicherplatz auf ihren Servern und einige Zusatzfunktionen bieten. Echte Clouddienste, welche die Berechnung von Aufgaben in das Web auslagern und dabei verteilte Server nutzen, sind weder iCloud noch Telekom Cloud. Auch greift nicht aus einer diffusen Datenwolke ein Dienst auf den eigenen Rechner zu, wie das etwa beim Projekt Seti@home der Fall ist. iCloud und Telekom Cloud lassen sich als am ehesten als "private Clouds" betrachten. Natürlich bieten diese Angebote aus einer Hand respektive aus einem Rechenzentrum Vorteile - gute Verbindungsgeschwindigkeiten, ständige Verfügbarkeit von Daten und interne Backups.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Wie immer sieht Apple das Cloud-Thema anders als die Konkurrenz: iCloud arbeitet für Apps im Hintergrund, während die Telekom Cloud über den Browser zugänglich ist. Apples iCloud will dem Nutzer alles abnehmen tritt so in den Hintergrund, während die Telekom Cloud mehr Freiheiten lässt. Im iCloud-Modell tauschen sich die Apps automatisch aus, der Zugriff auf Daten über den Browser oder dem Finder ist dem User bei Apple weitgehend versperrt - mit Ausnahme von Terminen, Adressen und E-Mails, auf die man auch über icloud.com Zugriff hat. Die Telekom Cloud ist dagegen nur ein Online-Speicherplatz, den der Kunde über den Browser oder bestimmte Apps selbst bestückt und verwaltet. Auch das Angebot der Deutschen Telekom bietet Webmail mit Kalender und Adressbuch.
Betrachtet man die beiden Dienste im Detail findet man Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Grundsätzlich setzt iCloud für seine volle Funktionalität mindestens OS X 10.7.2, iOS 5 und iTunes 10.5.1 voraus. Für Windows Vista und Windows 7 gibt es eine Systemerweiterung für Fotostream, Mails, Kontakte und Kalender. Die Telekom Cloud dahingegen ist für jeden zu haben, Zugang erhält man, indem man sich beim Mediencenter anmeldet, und eine Mailadresse mit @t-online.de erhält. Die Mediencenter-Upload-Software gibt es nur für Windows.
Synchronisation der Geräte
Beide Clouds synchronisieren automatisch Dateien auf alle angemeldeten Geräte. iCloud hält Fotos und Dokumente aus mit iCloud kompatiblen Programmen auf dem neuesten Stand, auf einem Gerät gekaufte Apps, Bücher und Songs kann man kostenlos auf andere Geräte laden. Die Telekom Cloud hält alle Dateien im Mediencenter vor (Fotos, DRM-freie Videos und Musik sowie Dokumente) und spiegelt sie auf die angemeldeten Geräte. Das Apple TV kann ebenso Daten aus iCloud beziehen, den Anschluss an die Telekom Cloud stellt der Media Receiver von Telekom Entertain her, ebenso können Philips-Fernseher mit NetTV auf das Mediencenter zugreifen. Während aber die Telekom Cloud nur Mediendaten aller Art bereit stellt, dient Apples iCloud darüber hinaus auch als Zentralrechner für iOS-Geräte, die sich aus einem dort angelegten Backup wieder herstellen lassen.
Der zur Verfügung stehende Speicherplatz unterscheidet sich auf den ersten Blick gewaltig: Erhält man bei der Telekom volle 25 GB kostenlos, bietet Apple gerade mal magere 5 GB, ebenfalls kostenlos. Doch bei Apple werden Musik, Apps, Bücher und der Fotostream nicht auf das verbrauchte Datenvolumen angerechnet. Die Telekom Cloud begrenzt hingegen das monatliche Datentransfervolumen auf 100 GB. Zusätzlichen Speicher bis zu 50 GB kann man in der iCloud buchen, während man bei der Telekom mit dem ebenfalls kostenpflichtigen "E-Mail Paket" den Dokumentenspeicher auf 35 GB und den Mailspeicher auf 11 GB aufbohren kann.
Musik aus der Cloud
Bei der Musik zeigen sich deutliche Unterschiede: Während Apples Kunden ihre in iTunes gekauften Songs nun automatisch über die iCloud synchronisieren und sonstige legal erworbene Musik mit iTunes Match auf ihre Geräte verteilen können, steht vor der Nutzung des Telekom-Mediencenters der Upload. Nur Songs, die der iTunes Store nicht anbietet, muss man via iTunes in iCloud hochladen, bei der Einrichtung von iTunes Match geschieht das automatisch. iTunes Match ist sozusagen ein Verzeichnis, welche Besitzrechte der User an welchem Musikstück erworben hat, diese werden dem User dann über iTunes zugänglich gemacht. Bei der Telekom Cloud muss man sich zudem damit abfinden, seine Musik über die Mediathek-App zu verwalten und zu hören. Nur Telekom-Kunden können Musik und Videos direkt online einkaufen, die Abrechnung erfolgt über die Telefonrechnung. Gekaufte Songs landen aber sofort im Mediencenter und so unmittelbar auf allen angeschlossenen Geräten.
Für Fotos bietet Apples iCloud ausschließlich den Fotostream mit seinen 1000 Bildern, die Telekom Cloud bietet Platz für bis zu 25.000 Bilder, die direkt in der Cloud in Alben organisiert werden können.
"Documents in the Cloud" hat Apple zu Redaktionsschluss noch nicht wie versprochen umgesetzt. Wie iTunes sollten die iWork-Programme ihre Inhalte einfach und ohne Zutun des Nutzers über iCloud abgleichen. Doch ist der Anwender noch gezwungen, seine Dateien aus Pages, Keynote und Numbers vom Mac auf nach icloud.com/work hochzuladen, um sie auf iOS-Geräten zu nutzen. Anders als auf der iDisk kann man über die iCloud aber keine Dokumente Dritten zur Verfügung stellen. Hier punktet die Telekom Cloud, da diese technisch einfach als Netzlaufwerk auftritt und man Dateien aller Art synchronisieren kann. Die Freiheit hat jedoch Grenzen: Nutzer der Telekom Cloud können sich beispielsweise aus dem Mediencenter Dateien auf ihr iPhone laden, mit dem dieses nichts anfangen kann, etwa Zip-Archive. Was hingegen Apple auf das iPhone und das iPad laden lässt, kann man dort auch weiterbearbeiten, von kleineren Problemen wie verlorenen Effekten und Fonts in Keynote etwa abgesehen.
Schließlich gleicht die Telekom Cloud keine Apps zwischen mobilen Geräten ab, während der App Store genau erkennt, welche Apps bereits gekauft sind und noch auf das jeweilige Gerät nachgeladen werden müssen.
Fazit
Wertend vergleichbar sind die Angebote von Apple und der Deutschen Telekom nicht: iCloud bietet dem Nutzer von aktuellen Apple-Geräten mehr Service, aber weniger Freiheit als die Telekom Cloud. Natürlich kann man auch einfach beide Dienste gleichzeitig verwenden, um sowohl Features wie Find my iPhone in der iCloud als auch das Synchronisieren jedweder Dateiformate oder File-Sharing in der Telekom Cloud nutzen zu können.
| iCloud und Telekom Cloud im Vergleich | ||
|---|---|---|
Apple |
Telekom |
|
Kompatibilität |
ab iOS 5, ab OS X 10.7.2 |
Mediencenter App für iOS, Android, Windows Mobile |
Speicher |
5 GB (ohne Musik, Apps, Bücher, Fotostream) |
25 GB im Mediencenter (Musik, Apps, Bücher, Fotos, Dokumente etc.), 1 GB für Mails |
Extra-Speicher |
vom Gerät aus dazukaufen (10 GB für 16 €/Jahr 20 GB für 32 €/Jahr 50 GB für 80 €/Jahr) |
E-Mail Paket: 11 GB + 35 GB im Mediencenter 4,99 €/Monat nach 3 Monaten für zuhause: Multimedia-Speicher mit 1.000 GB (mit DVD-Brenn-Funktion) für 149,99 € auch online mit Multimedia-Speicher Connect Für 2,95 €/Monat |
Synchronisation von Apps |
ja |
nein |
Synchronisation von Büchern |
ja |
nein |
Backups |
Komplettes Backup des iOS-Gerätes |
Nur Kontakte gesichert per "MyPhonebook" |
| Synchronistaion mit iCloud und Telekom-Cloud | ||
|---|---|---|
Apple iCloud |
Telekom Cloud |
|
Fotos |
Fotostream |
Pool und Alben im Mediencenter |
Musik |
iTunes, iTunes Match optional |
Pool und Playlisten im Mediencenter |
Videos |
iTunes, gekaufte wie eigene |
Nur DRM-freie Videos im Mediencenter, Videoload wird nicht unterstützt |
Dokumente |
iWork am Rechner über Browser-Upload, in iOS in der App. |
Netzlaufwerk, beliebige Ordnerstruktur, beliebige Dateien |
Mails |
App "Mail", Webmail |
App "Mail", Smartphone Sync (Microsoft Exchange-Account auf iOS-Geräten), Webmail |
Kontakte |
App "Adressbuch", Webmail |
App "Adressbuch", Smartphone Sync (Microsoft Exchange-Account auf iOS-Geräten), Webmail |
Kalender |
App "iCal", Webmail |
App "iCal", Smartphone Sync (Microsoft Exchange-Account auf iOS-Geräten), Webmail |
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