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Willkommen in der Post-App-Ära mit Siri und Co.

01.09.2016 | 11:23 Uhr |

Anstelle via Apps und Suchmaschinen werden wir künftig zunehmend über digitale Assistenten wie Siri mit Devices, Auto und Smart Home interagieren.

Smartphones haben unser privates Leben und die Gesellschaft geprägt und damit die Wirtschaft verändert. Immer regelmäßiger erscheinen neue Apps, die das Verhalten vieler Menschen (positiv) beeinflussen. Ein Wegdenken ist nicht mehr vorzustellen, wir sind abhängig geworden. Hatte die Post-PC-Ära die altertümliche "Programme am PC-Monitor"-Welt abgelöst, steht schon die nächste Ära vor der Tür, denn wir alle befinden uns an der Schwelle zur Post-App-Ära, und jeder von Ihnen (Smartphone-Nutzern) hat bereits Bekanntschaft mit dieser neuen Ära geschlossen.

Digitale Assistenten wie Siri von Apple oder Cortana von Microsoft läuten diese Post-App-Ära ein. Aber nicht nur Apple und Microsoft bieten diese Assistenten an. Auch Google ( Google Now ) oder Amazon (Echo) sind hier vertreten.

Heute ist der Funktionsumfang noch sehr rudimentär. Man darf jedoch davon ausgehen, dass die (Business-) Logik der digitalen Dienstleister nicht mehr nur als App, sondern als digitale Dienstleistung (Cloud-Service) zur Verfügung stehen und per API an die Assistenten angebunden werden. Das ermöglicht es den digitalen Assistenten, ständig dazuzulernen durch das Wissen des Anwenders und sein Verhalten im Internet .

Dabei ist nicht nur die API relevant, sondern auch die Interpretation der gestellten Aufgabe. Hinter den digitalen Assistenten steckt anspruchsvolle Technologie, nicht nur bei der Spracherfassung und -erkennung. Von der Interpretation der gesprochenen Inhalte bis zur Entwicklung sinnvoller Antworten ist es kein einfacher Weg.

Die "gefühlte" Intelligenz

Das "Verständnis" (verbal/inhaltlich) der menschlichen Aussprache in Kombination mit den (starren) API-Methoden der digitalen Dienstleister wird sich durch die Qualität der Assistenten maßgeblich unterscheiden. Deshalb geben viele Firmen nicht nur der digitalen Analyse die Auswertung der "Eingaben" in die Hand. Im Hintergrund arbeiten oft noch zusätzlich Menschen, die die gestellten Fragen und Aufgaben analysieren, um das "Verständnis" für zukünftige Versionen zu optimieren.

Amazon Echo hört auf Sprachkommandos und kann etwa den Wecker stellen, die Einkaufsliste ergänzen und alle möglichen Fragen mit Hilfe von Internet-Quellen wie Wikipedia beantworten.
Vergrößern Amazon Echo hört auf Sprachkommandos und kann etwa den Wecker stellen, die Einkaufsliste ergänzen und alle möglichen Fragen mit Hilfe von Internet-Quellen wie Wikipedia beantworten.
© Amazon

Dabei bieten diese Assistenten nicht nur Concierge-Services für alle Lebenslagen, sondern stellen vielmehr auch den Schlüssel zu einer interaktiven und barrierefreien Computer-Nutzung dar . Durch die zunehmende Digitalisierung des Alltags und die stetige Präsenz des Internets in allen Lebenslagen werden auch die digitalen Assistenten stark an Bedeutung gewinnen. Die Verknüpfung der Assistenten mit immer kleineren und verteilteren Sensoren und Systemen (IoT) wird dies zusätzlich beflügeln.

Eine haptische Interaktion ist von da ab nicht mehr notwendig, um beispielsweise die Heizung in Ihrem Smart Home zu steuern. Auch Interaktionen im Auto, mit dem TV, den Haushaltsgeräten oder zur Informationsgewinnung werden damit nicht mehr notwendig sein.

Wurde man früher beim Telefonieren mit einem Headset bei Aldi komisch angesehen, werden wir in Zukunft viel mehr mit unserer IT sprechen. Dabei werden diese Interaktionspunkte unterschiedlich sein.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Wearables (Beispiel Apple Watch ) hier maßgeblich als Brückentechnologie genutzt werden. Digitale Assistenten entwickeln sich damit zu einem neuen virtuellen Gatekeeper im Internet und treten als "Gerät" in den Hintergrund.

Neue Welt, nicht ohne Risiken

Die Risiken sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Die genutzten API- und Service-Dienste der digitalen Dienstleister werden maßgeblich durch die Assistenten bestimmt. Ob "Siri" dabei Facetime (Apple) oder Skype (Microsoft) nutzt, wird sich zeigen. Es darf aber grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass die Assistenten einen noch tieferen Lock-in in ein Ökosystem vorantreiben als es das Smartphone samt Zusatzdiensten bereits getan hat.

Digitale Revolution, auch für die Internet-Unternehmen

Es darf erwartet werden, dass beispielsweise auch bisherige Internet-Riesen wie Google Marktanteile verlieren werden. So sehe ich den Marktanteil bei der klassischen Suche im Internet und damit dem universellen Zugang zur Vielfalt des Internets gefährdet. Dieser wird sich auf die digitalen Assistenten verteilen.

Hat die Internet-Industrie mit der Post-PC-Ära die klassische Wirtschaft revolutioniert , revolutionieren digitale Assistenten die Internet-Industrie selbst.

Die Frage ist nur, welcher von den aktuellen (oder neuen) digitalen Assistenten und damit deren Anbietern sich durchsetzen wird. Und ich hoffe, dass die Ausrichtung auf plattform-übergreifende Assistenz-Dienste nicht bereits verpasst wurde.

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