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iBooks für OS X Mavericks ausprobiert

16.08.2013 | 10:30 Uhr |

Lange mussten wir auf eine erste lauffähige Version von Apples Lesetool iBooks für OS X Mavericks warten. In der Beta 5 ist es nun enthalten. Ein erster Erfahrungsbericht.

Zugegeben, wir waren skeptisch, ob Apple das von den iOS-Apps von iBooks bekannte Tablet-Lesegefühl auf den großen Bildschirm wird bringen können. Denn: Echte Leseratten bevorzugen handliche und mobile Geräte vom Schlage eines iPad oder Kindle für die tägliche Lektüre. Doch die ersten Minuten mit der iBooks-App zeigen: Apple hat sich bei seiner Mac-Bücherei etwas gedacht – und sein Lese-Projekt gut umgesetzt.

Alternative: eBooks verwalten mit Calibre

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Neben iTunes und iBooks gibt es mit Calibre ein sehr mächtiges und umfangreiches Werkzeug zum verwalten und editieren von eBooks. Calibre versteht sich auf nahezu alle gängigen eBook-Formate wie PDF, MOBI, ePUB oder das iBooks-Format. Dank der Möglichkeit, eBook aus Calibre direkt in die iTunes-Mediathek zu schieben, bietet sich Calibre nicht nur für waschechte eBook-Reader wie den Kobo oder den Kindle an, sondern auch für das iPad.

Das Ende vom Bücherregal

Nach der Ankündigung auf der WWDC war es lange still um iBooks, denn bis zum Erscheinen der Mavericks Beta 5 gab es kein Lebenszeichen der App. Nun konnten wir in der aktuellen Mavericks-Beta erstmals einen Blick auf die App werfen und stellen fest, dass Apple ein erstaunlich rundes Paket gelungen ist.

Die iBooks-App von OS X Mavericks kommt aufgeräumt und mit praktischen Funktionen zum Kommetieren von Textstellen daher.
Vergrößern Die iBooks-App von OS X Mavericks kommt aufgeräumt und mit praktischen Funktionen zum Kommetieren von Textstellen daher.

Nach dem Start der App wird man seitens der iBooks-App gebeten seine Apple-ID anzugeben – so überträgt iBooks zum Start flugs die bereits gekauften iBooks aus dem Store. Doch wer jetzt denkt, dass man in iBooks auf die Benutzung von bei Apple gekauften Inhalten limitiert ist, irrt: Über die Schaltfläche „Ablage > Zur Bibliothek hinzufügen“ lassen sich auch extern gespeicherte eBooks, beispielsweise im ePub-Format importieren. So ist die neue App flexibel und nicht auf das proprietäre iBooks-Format beschränkt. Mit iBooks fällt übrigens auch iTunes als Tool zum Verwalten von eBooks weg, denn Apple stellt mit iTunes 11.1 den eBook-Support ab. Künftig soll die komplette Verwaltung, Organisation und Synchronisation von digitalen Büchern über die neue App erfolgen. Das Problem dabei ist, dass Apple in der ersten stabilen Version von iBooks keinerlei Möglichkeit eingebaut hat, die Metainformationen der importierten eBooks zu bearbeiten. So passierte es uns beim importieren einer externen eBook-Datenbank, dass einige Titel als Duplikate von bereits importierten Titeln angesehen wurden und deswegen ihren Weg nicht in die iBooks-Sammlung finden konnten – ärgerlich. Doch hier hat Apple bis zum finalen Release der App noch Zeit zum Nachbessern.

Der iBooks-Store ist nun Teil der iBooks-App und wurde aus iTunes ausgegliedert.
Vergrößern Der iBooks-Store ist nun Teil der iBooks-App und wurde aus iTunes ausgegliedert.

Optisch orientiert sich die iBooks-App nicht an den skeuomorphistischen iOS-Pendants mit ihren Holzregalen, sondern eher an den Mavericks-Apps Kalender und Adressbuch – die dominierende „Farbe“ ist also Weiß. Das tut der Funktionalität aber keinen Abbruch, denn die Navigation von iBooks ist schlicht, durchdacht und erinnert etwas an die neueren Versionen von iTunes. Das dominanteste Menüelement ist dabei eine Leiste von Schaltflächen am oberen Rand der App. Von dort lassen sich entweder „Alle Bücher“, „Sammlungen“, „Autoren“, „Kategorien“ oder eine „Liste“ zur Übersicht anzeigen – so haben Sie stets den Überblick über Ihre digitale Bibliothek. Am linken Rand der Menüleiste von iBooks befindet sich die „Store“-Schaltfläche die in den iBooks-Store führt (dieser wurde ebenfalls aus iTunes ausgeklinkt). Der Store selbst birgt dann auch im Grunde keine Überraschungen, sondern zeigt das gewohnte Bild der Apple-Stores: Neben kostenpflichtigen Inhalten stehen wie üblich Gratis-iBooks, entweder sortiert nach Beliebtheit oder nach Autor bzw. Genre zur Verfügung.

Am oberen und unteren Bereich der Leseansicht werden Titel bzw. Seitenzahlen angegeben.
Vergrößern Am oberen und unteren Bereich der Leseansicht werden Titel bzw. Seitenzahlen angegeben.

Leseratte

Wirklich spannend sind vielmehr die Lese- und Bearbeitungsoptionen von iBooks, denn hier zeigt Apple, dass eine Lese-App auch auf einem Desktop oder Notebook eine Existenzberechtigung hat. Um den Lesemodus zu starten genügt dabei ein Doppelklick auf ein ausgewähltes eBook, schon öffnet sich das Textfenster mit einer schicken Animation. Im Mittelpunkt der Leseansicht steht natürlich der Fließtext des Buches, während Seitenzahlen und der Titel des Buches am unteren bzw. oberen Rand des Fenster in dezenter und nicht störender Farbgebung eingeblendet werden – genauso übrigens, wie die Schaltfläche für den Vollbildmodus. Bewegt man den Mauszeiger in etwa auf die Höhe des Buchtitels, verändert sich der obere Bereich der Leseansicht hin zu einer kleinen Menüleiste.

Durch die Lesezeichenfunktion können Lesezeichen über die Gerätegrenzen hinaus per iCloud synchronisiert werden.
Vergrößern Durch die Lesezeichenfunktion können Lesezeichen über die Gerätegrenzen hinaus per iCloud synchronisiert werden.

Von dort lassen sich diverse Einstellungen, Markierungen oder Hervorhebungen im und am Text vornehmen. Auf der rechten Seite der Menüleiste befindet sich beispielsweise die Schaltfläche für Lesezeichen. Diese werden einfach per Klick auf die Schaltfläche gesetzt und via iCloud über alle verbundenen Geräte synchronisiert. Setzt man mehrere Bookmarks, blendet iBooks nach einem Klick auf das kleine Dreieck neben der Lesezeichenschaltfläche eine Liste aller im jeweiligen eBook vergebenen Lesezeichen ein – so hat man stets im Blick, wo man gerade im Buch steht. Hinter der kleinen Lupe versteckt sich dagegen die Suchfunktion, mit der das gesamte Buch nach Wörtern oder Wortkombinationen durchsucht werden kann. Die „aA“-Schaltfläche beherbergt die Texteinstellungen, also Schriftart, Schriftgröße und Art des Hintergrundes. Damit lässt sich die Erscheinungsform des eBook-Textes an die individuellen Erfordernisse anpassen.

Am linken Rand der Menüleiste sind dann die Schaltflächen für das Anzeigen der Bibliothek, des Inhaltsverzeichnisses und des Notizenbereiches verortet. Unter Notizen legt iBooks alle markierten Textstellen oder Kommentare ab – gerade für wissenschaftliche Arbeiten ist das äußerst praktisch, zumal iBooks auch mehrere Bücher nebeneinander darstellen kann. Um mit Textstellen zu arbeiten, muss man lediglich die gewünschte Textstelle markieren und per Rechtsklick auf den markierten Text das Kontextmenü öffnen. Hier können mit unterschiedlichen Farben Hervorhebungen oder eine Unterstreichung vorgenommen oder eine Notiz hinzugefügt werden. Hinter dem Menüpunkt „Mehr“ verbergen sich dann noch die von OS X gewohnten Optionen zum Freigeben bzw. Teilen von Inhalten in Facebook, auf Twitter oder via Mail und Nachrichten. Daneben lassen sich einzelne Worte über das in OS X integrierte Lexikon, Wikipedia oder eine Websuche nachschlagen oder auf Wunsch auch vorlesen.

Die Möglichkeiten Kommentare einzugeben, Notizen zu verwalten oder Textpassagen zu teilen sind vielfältig.
Vergrößern Die Möglichkeiten Kommentare einzugeben, Notizen zu verwalten oder Textpassagen zu teilen sind vielfältig.

Einschätzung: iBooks für OS X

Als Apple auf der WWDC iBooks als große Neuerung für OS X Mavericks angekündigt hatte, kamen uns Zweifel, ob eine Lese-App für OS X die Nutzer würde begeistern können. Gut, Begeisterung ist beim ersten Testen der App bei uns nicht aufgekommen. Dafür sind wir aber doch positiv von der Aufmachung und den Funktionen von iBooks überrascht. Apple hat sich nämlich scheinbar intensiv Gedanken darüber gemacht, wie man Mac-Usern mit iBooks einen gut integrierten Mehrwert bieten könnte. Gerade die gut implementierten Notiz- bzw. Kommentar-Funktionen könnten für akademische Nutzer sehr wertvoll werden. Hier wäre mit Blick auf das Erstellen von Literaturverzeichnissen beispielsweise noch über eine Anbindung an Pages nachzudenken. Privatanwender dagegen werden sich eher die Frage stellen müssen, ob für Sie der Mac das richtige Gerät für den Konsum von digitalen Büchern ist. Die Synchronisierung mit iPad und iPhone jedenfalls sorgt dafür, dass die die Übergänge bei wechselnden Endgeräten fließend sind.

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