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iCloud: Was steckt hinter Apples Wolke?

02.04.2013 | 10:36 Uhr |

iCloud hat am 1. Juli 2012 offiziell Apples alten Dienst Mobile Me abgelöst. Mobile Me versprach, was iCloud jetzt hält: Kalender, Kontakte und E- Mails über mehrere Geräte hinweg synchron halten. Es fehlt jedoch die Online-Festplatte iDisk. Die neue Philosophie benötigt sie nicht mehr.

iCloud ist nicht nur ein anderer Name für Mobile Me, mithilfe des neuen Webservices will Apple die Philosophie des „einfach benutzbaren Computers“ fortführen. Gegenüber dem Vorgänger fehlt zwar die Online-Festplatte "iDisk", doch hat iCloud ganz andere Vorzüge.

Unter icloud.com kann jeder Benutzer sein iCloud-Konto anlegen. Damit lassen sich Lesezeichen, Kontakte, Mails, Kalender und Notizen zwischen iOS- und OS-X-Geräten synchron halten.

Unter Systemeinstellungen > iCloud können die verschiedenen Dienste einzeln ausgewählt werden. Dieser Menüpunkt bietet zudem eine schöne Übersicht, was iCloud beinhaltet und welche Dienste im Hintergrund arbeiten.
Vergrößern Unter Systemeinstellungen > iCloud können die verschiedenen Dienste einzeln ausgewählt werden. Dieser Menüpunkt bietet zudem eine schöne Übersicht, was iCloud beinhaltet und welche Dienste im Hintergrund arbeiten.

Die populärsten Neuerungen sind jedoch „ Fotostream “ und „ Dokumente & Daten “. Beide Dienste stellen ein Novum in dem Sinne dar, dass der Benutzer keine Aktion vollführen muss, um Daten in die Cloud hochzuladen und zu synchronisieren. Ein Nachteil: Der Nutzer hat keinen direkten Zugriff auf diese Online-Verwaltung. Nur über Apples eigene Programme oder Dritthersteller-Apps können diese Dateien verwaltet werden.

Apples Betriebssysteme

1984 bis 1997: Der Mac begrüßte beim Systemstart seinen Benutzer mit einem lächelnden Icon. Das Betriebssystem hatte keinen eigenen Namen, sondern wurde durchnummeriert, bis zu System 7 Mitte der neunziger Jahre.

1998 - 2002: Mit Mac-OS 8 hätte bei Apple an sich eine völlig neue Betriebssystemära beginnen sollen, präemptives Multitasking und Speicherschutz waren die Anforderungen an ein modernes Betriebssystem. Bis Apple mit Steve Job's Neugründung Next NextStep übernahm, verfolgte man in Cupertino auf der Suche nach dem fortschrittlichen OS (Operating System) Copland mehrere Irrwege. Mac-OS 8 ist somit auch nicht mit Copland gleichzusetzen, übernahm jedoch einige Entwicklungen und ein frischeres Design. Offiziell eingestellt hat Apple die Entwicklung des nunmehr "klassisch" genannten Systems Mitte 2002 mit Mac-OS 9.2.2 als letzte Fassung.

2000 - 2011: Mac-OS X existierte zunächst parallel zum klassischen System, Basis war NextStep mit seinem Unix-Kernel FreeBSD. Zur Unterscheidung des Unix-System von der klassischen Variante trägt das Mac-Betriebssystem seither groß das X im Namen. Die Versionsnummer wird nun erst nach der darauf folgenden 10 erhöht, von Mac-OS X 10.0 bis Mac-OS X 10.6. Seit Version Mac-OS X 10.2 Jaguar trägt das Mac-Betriebssystem auch offiziell Tiernamen.

2010 - heute: Mit dem iPad geht ein Wandel in der Nomenklatur einher, das gemeinsame Betriebssystem von iPhone, iPad (und iPod Touch) heißt seit Version 4 iOS .

2011 - heute: Lion gibt Apple unter dem Motto "Back to the Mac" heraus, einige Funktionen des erfolgreichen iOS finden ihren Weg (zurück) auf den Mac. Dessen Name ist aber seit Lion offiziell aus der Nomenklatur verschwunden, synonym zu Lion (und Mountain Lion) spricht Apple nur noch von OS X . pm

Der Mac war schon seit jeher darauf ausgelegt, einfach bedienbar zu sein. Das Betriebssystem des Macintosh (bis einschließlich Version 7 einfach nur "System" genannt, dann Mac-OS, siehe Kasten) war das erste kommerzielle Betriebssystem, das Fenster eingesetzt hat – Jahre vor Microsofts „Windows“ – und die Mausbedienung massentauglich machte. Steve Jobs' Philosophie vom „einfachen Computer“ hatte aber vor allem Probleme mit dem Dateisystem. Selbst professionelle Computerbenutzer hadern mit der Dateiorganisation. Tief verschachtelte Strukturen werden erstellt, und immer lautet die Frage: Wie könnte eine bessere Ordnerstruktur aussehen, die effizient und einfach zu verwalten ist? iCloud gibt darauf die Antwort

iCloud: Apps statt Ordner

Apples Vorgehen in solchen Fällen: Halbieren statt verdoppeln. Die derzeit große Baustelle bei der Weiterentwicklung von iOS und OS X scheint das Dateisystem zu sein – und hier kommt iCloud ins Spiel. Statt eine weitere Festplatte zur Online-Synchronisation von Dateien zu schaffen, lässt Apple diese einfach weg und synchronisiert Dateien direkt über die Apps. Apples eigene Programme zeigen, wie es geht: Wenn Sie via Pages, Keynote, Numbers oder Textedit eine Datei erstellen, so können Sie diese direkt in der iCloud speichern. Nachteil: Gespeicherte Dokumente sind von da an nur in der Anwendung aufrufbar, unter der sie gespeichert wurden. Ordner lassen sich weiterhin erstellen, jedoch nur in der obersten Hierarchiestufe. Wie unter iOS kann der Nutzer keine Unterordner mehr erstellen. Dies dient dem Ziel, verschachtelte Strukturen abzuschaffen. Der „Otto-Normal-Anwender“ soll sich nicht daran stören, wo und wie Dateien gespeichert werden.

Die iCloud-Speicheransicht unter einer OS X - Anwendung. Schön zu sehen: Es gleicht der Ansicht von Launchpad und dem Dashboard. Beide Optiken wurden von iOS adaptiert und schaffen so eine vertraute Umgebung. Einfachheit ist hierbei das Prinzip.
Vergrößern Die iCloud-Speicheransicht unter einer OS X - Anwendung. Schön zu sehen: Es gleicht der Ansicht von Launchpad und dem Dashboard. Beide Optiken wurden von iOS adaptiert und schaffen so eine vertraute Umgebung. Einfachheit ist hierbei das Prinzip.

Ein beliebtes Beispiel für alle Kritiker solcher Maßnahmen ist ein E-Mail-Programm. Die wenigsten wissen, in welchem Format die Mails gespeichert werden und wo diese auf der Festplatte lagern. Es reicht, sie zu lesen, zu archivieren und neue zu versenden.    Apples Ziel: Alle Programme und das gesamte Betriebssystem sollen so einfach wie ein E-Mail-Programm sein. Dabei versucht Apple immer mehr, Bedienung und Struktur von OS X und iOS anzupassen. Das Launchpad wurde bereits unter OS X 10.7 Lion eingeführt, Mountain Lion hat mit iCloud schon teilweise die gleiche Ordnerstruktur wie iOS. Bis die gewohnte Festplatte als virtueller Aktenschrank wegfällt, kann es noch dauern, Fakt ist aber: Sie fällt irgendwann weg. Damit wäre die nächste Stufe der Verschmelzung von iOS und OS X erreicht. Ob die beiden Betriebssysteme je identisch werden, ist zweifelhaft, dennoch werden Funktionen und Bedienung so weit angeglichen, bis die Benutzer einen leichten Übergang zwischen beiden Welten haben.

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