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Ersatz für Apples iDisk

08.07.2012 | 11:01 Uhr |

Wer einen Ersatz für den Online-Speicher von Mobile Me sucht, kann über FTP-Clients alternative Daten-Server nutzen, auf die OS X nicht zugreift. Wir zeigen, wie das geht

Viele persönliche Daten speicherte der kostenpflichtige Online-Dienst Mobile Me auf der Internet-Festplatte iDisk, auf die Sie von außerhalb Ihres Computers zugreifen konnten. Die Laufwerk-Integration im Finder hat den Vorteil, dass man Daten zwischen der lokalen Festplatte und iDisk innerhalb des Datei-Managers bequem hin und her verschieben konnte, ohne dabei zwischen Programmen wechseln zu müssen.


Will man nach dem Ende von Mobile Me weiterhin den Komfort eines lokal über den Finder aufrufbaren Online-Laufwerks nutzen, können Sie auf die Alternativen Interarchy von Nolobe für 30 US-Dollar oder Transmit von Panic für 34 US-Dollar umsatteln. Um die Anwendungen am Mac nutzen zu können, benötigen Sie entweder einen Zugang zu einem Datentausch-Server einer Hosting-Firma wie Amazon oder Ihren eigenen Server, sei es ein Mac oder PC.

Interarchy und Transmit


Man kann FTP - und WebDAV -Server über den Finder ansprechen. Allerdings verweigert Apples Datei-Manager den Zugang zu den beiden gängigen Servern SFTP und Amazon S3. Bei Interachy und Transmit gibt es die­se Beschränkung nicht. Beide bauen Verbindungen zu unterschiedlichsten Standard-Daten-Servern sowie einigen proprietären Systemen auf und verwalten dabei sämtliche Protokoll-Interaktionen im Hintergrund. Zudem unterstützen die beiden Anwendungen die drei gängigen Standards für sicherere Datenübertragungen: SFTP ( Secure File Transfer Protocol ), eine häufig von Webhosting-Firmen eingesetzte Methode; WebDAV über HTTPS, eine gängige Methode, um Datendienste auf einen Webserver auszuweiten; und Amazon S3 (Simple Storage Sys­tem), ein System, dass derzeit rund 900 Milliarden Objekte speichert – darunter Webseiten und Bilder. Alle drei Sicherheitsstandards eignen sich für öffentliche Netzwerke, für zu Hause oder am Arbeitsplatz.


Die beiden Programme gehen an den Inhalt von Daten-Servern unterschiedlich heran. Transmit veranschaulicht die Ordnerstruktur auf dem Server in einem lokalen Fenster und erinnert somit stark an iDisk. Löschen Sie beispielsweise eine Datei lokal, entfernt Transmit diese unmittelbar vom Server. Öffnen Sie eine Datei, lädt Transmit diese herunter und speichert sie lokal zwischen. Die gepufferte Datei können Sie anschließend bearbeiten. Nachdem Sie die geänderte Datei gespeichert haben, sendet Transmit die Information an den Server zurück und ersetzt die vorherige Version durch die aktualisierte. Ähnlich wie bei iDisk hängt der Austausch von Daten von der Geschwindigkeit Ihrer zur Verfügung stehenden Breitbandverbindung ab. Möchten Sie beispielsweise eine 50 Megabyte große Datei bearbeiten, müssen Sie abwarten, bis Transmit diese auf die lokale Festplatte geladen hat. Diese Geschwindigkeitsbegrenzung greift ebenso während des Hochladevorgangs.

Daten-Server bequem im Browser aufrufen

Die kostenlose Firefox-Erweiterung zeigt Server-Inhalte als Ordnerstruktur direkt im Browser-Fenster an. So können Sie beispielsweise in einem Fenster Daten auf einen Server hochladen und in einem anderen die Veränderungen auf Ihrer Webseite überprüfen – den Browser müssen Sie dabei nicht verlassen. FireFTP kommt allerdings nur mit FTP- und SFTP-Servern zurecht. Möchten Sie einen alternativen Server wie WebDAV oder Amazon S3 ansprechen, verweigert Ihnen FireFTP den Dienst. Zudem scheitert FireFTP am Import von Server-Daten. Folglich müssen Sie Ihre Benutzerdaten manuell eingeben. Klicken Sie dazu auf „Create an account ...“ und fügen Sie in das Feld neben „Account Name“ einen von Ihnen gewählten Namen für Ihr Konto und neben „Host“ die Adresse Ihres Servers ein. Nachdem Sie neben „Login“ Ihren Benutzernamen und neben „Password“ Ihr Geheimwort eingetippt haben, verbindet sich FireFTP mit dem Server. Anschließend erscheint in der einen Hälfte des Clients die Ordnerstruktur des Servers, in der anderen die Ihrer lokalen Festplatte. Diese Zweifensteransicht schafft Übersicht und erleichtert es somit, Daten bequem per Drag-and-Drop zwischen Server und lokaler Festplatte hin und her zu kopieren.


Interarchy ähnelt ebenfalls iDisk. Im Gegensatz zu Transmit ist die Synchronisationsfunktion bei Interarchy allerdings aktiviert. Hier entscheiden Sie, in welche Richtung die Daten fließen sollen – wahlweise vom Computer zum Server, vom Server zum Computer oder in beide Richtungen. Tipp Möchten Sie einen traditionellen Datenabgleich herstellen, sollten Sie die Synchronisation in beide Richtungen festlegen. Mounten Sie eine Internet-Festplatte das erste Mal und setzen die Einstellungen im Spiegelmodus (Mirror Mode) auf Download oder beide Richtungen, erstellt Interarchy eine lokale Kopie der gespeicherten Daten. Sichern Sie eine aktualisierte Datei auf dem Internet-Laufwerk, nimmt das Tool die Änderungen ebenso lokal vor. Tipp Handelt es sich um größere Datenmengen, beansprucht Interarchy zu viel Datenverkehr. In diesem Fall empfiehlt es sich, auf Transmit ausweichen.

Laufwerk in Transmit erstellen


Wählen Sie zuerst eine Verbindung aus. Hierbei stehen Ihnen die Protokolle FTP, SFTP, S3, und WebDAV zur Verfügung. Tippen Sie anschließend Ihre Verbindungsinformationen ein und klicken danach auf „Mount as Disk“ anstatt „Connect“. Alternativ dazu können Sie unter den Favoriten ein zuvor importiertes oder angelegtes Lesezeichen zu einem Server wählen und dieses beispielsweise über den Kontextmenübefehl „Mount as Disk“ als Laufwerk anzeigen lassen. Sobald neben „Show Transmit Disk in Menu Bar“ in den allgemeinen Einstellungen ein Häkchen erscheint, können Sie eine gewünschte Internet-Festplatte im Menü auswählen und sie als Laufwerk mounten. Um den Vorgang umzukehren, klicken Sie mit der rechten Maustaste zuerst auf das gemountete Laufwerk und wählen anschließend „Volume Name“ auswerfen.

Laufwerk in Interarchy erstellen


Wählen Sie im Datei-Menü den Eintrag „New Net Disk“ und legen anschließend das Verbindungs-Protokoll fest. Geben Sie danach Ihre Benutzerinformationen ein und setzen Sie die Synchronisationsrichtung beispielsweise auf „Both Ways“ (in beide Richtungen) – möchten Sie Dateien lediglich herunter- oder hochladen, können Sie die Synchronisation wahlweise nur in eine Richtung ablaufen lassen. Ein Klick auf „Mount“ genügt und das Laufwerk wird im Finder aktiv. Möchten Sie ein Laufwerk deaktivieren, wählen Sie dieses zuerst in der Ansicht aus und klicken anschließend auf die Unmount-Option im Kontextmenü.

Cyberduck macht es leicht


Im Gegensatz zu Transmit und Inter­archy mountet Cyberduck zwar kein Laufwerk im Finder, doch dafür ist der Client kostenlos und unterstützt alle gängigen Daten-Server. Nutzen Sie beispielsweise einen Zugang zu einem SFTP-Server und möchten von einem anderen FTP-Client auf Cyberduck wechseln, müssen Sie nicht erst die Daten wie Benutzername und Passwort manuell eingeben, sondern können diese als Lesezeichen importieren. Darauf speichert Cyberduck die Lesezeichen zu den unterschiedlichen Servern in einer Liste. So müssen Sie nicht jedes Mal Ihre Benutzerdaten erneut eingeben, sondern können per Doppelklick direkt einen Zugang zum Server aufbauen.

Cyberduck speichert Server-Informationen als Lesezeichen
Vergrößern Cyberduck speichert Server-Informationen als Lesezeichen

Haben Sie bislang noch keinen Client verwendet, müssen Sie die Benutzerdaten manuell eintippen. Klicken Sie dazu auf die Schaltfläche „Neue Verbindung“ und wählen anschließend den gewünschten Server aus dem Drop-down-Menü. Da Standard-Server bereits vorkonfiguriert sind, müssen Sie nicht erst die Server-Adresse sowie den Port ausfindig machen und eintippen, sondern gelangen nach der Eingabe von Benutzername und Passwort sofort zu der auf dem Server befindlichen Ordnerstruktur. Hier können Sie Daten aus dem Finder per Drag-and-drop auf den Server laden – und umgekehrt.

Fazit


Egal, ob Sie auf eine Finder-Integration, Stand-alone-Anwendung oder Browser-Erweiterung ausweichen, es gibt diese und zahlreiche Alternativen zur iDisk. So neigt sich zwar der Apple-Dienst seinem Ende entgegen, doch seine cleveren Funktionen bleiben weitgehend erhalten.

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