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iOS 10 – Das ist neu

13.09.2016 | 18:21 Uhr |

iOS 10 erscheint am 13. September. Besitzer von iPhone 5 und neueren Geräten können das Update installieren. Das bringt es.

Apple veröffentlicht nach einer dreimonatigen Testphase am Abend des 13. September zwischen 18 und 19 Uhr MESZ das neue Betriebssystem für iPhone, iPad und iPod Touch: iOS 10. In den Abendstunden und in der Nacht ist mit hoher Nachfrage zu rechnen, womöglich lohnt es sich, die Aktualisierung auf den Vormittag des 14. September zu verschieben. Zuvor kann man ja noch falls nötig, sein iOS-Gerät für das anstehende Update aufräumen und eine Sicherungskopie anfertigen .

Apple hat die Hardwareanforderungen hochgeschraubt, iPhone 4S und iPad Mini 1 sind zu alt für iOS 10, und auch nur der iPod Touch der sechsten Generation von 2015 kommt mit dem System zurecht. Besitzer von iPhone 5 und iPad 4 - den ältesten kompatiblen Geräten - müssen unter Umständen damit rechnen, nicht alle neuen Funktionen nutzen zu können . Wir geben hier einen Überblick, was Apple im "größten Update aller Zeiten" alles verbessert, ergänzt und aktualisiert hat.

Was iOS 10 bringt

Das neue iOS fühlt sich spürbar mächtiger an. Wurde 3D Touch noch von den meisten Anwendern vergessen, ist es jetzt die große Interaktionsmethode in iOS 10. Das lässt natürlich Nutzer des iPhone SE  und vor allem älterer iPhones zurück. Die Neuerungen sind  jedoch nicht nur ein Gimmicks, sondern ergeben Sinn und fühlen sich richtig an. Neben den neuen Widgets und die Öffnung von Siri und weiteren Anwendungen ergibt sich daraus ein richtig mächtiger Begleiter im täglichen Leben.

Apple Music

Dem eigenen Musikdienst schenkt Apple für iOS 10 (und auch für macOS Sierra , das am 20. September in den Mac App Store kommt) viel Zeit und Aufmerksamkeit. Schon auf der Keynote zur Eröffnung der WWDC war das neue Design und die neuen Funktionen ein wichtiger Teil des Vortrags, während der Beta-Phase hat Apple an der Musik-App immer weiter Verbesserungen vorgenommen. In der Bibliothek können jetzt alle aktiven Downloads angesehen und gestoppt werden. Außerdem lassen sich Musikvideos in Vollbild betrachten, und die Albumansicht präsentiert  jetzt “Empfehlungen” für ähnliche Künstler, die zwischenzeitlich verschwundene Sternewertung hat Apple wieder implementiert und folgt nicht dem Beispiel der Fotos-App, in der man die Bilder und Videos auf einen Klick nur allgemein als Favoriten markieren kann.

In die Veröffentlichungsnotizen schreibt Apple diverse Hinweise auf die neuen Funktionalitäten. Unter anderem kommen für den Nutzer abgestimmte Mixe und unter “Für dich” präsentiert. Künstler kann man folgen oder sie entfolgen, der Bereich "Connect" ist aber kein eigener mehr, sondern ein Unterpunkt von "Für dich". Teilweise heruntergeladene Alben lassen sich in der eigenen Bibliothek vervollständigen, und Alben bekommen einen “Popularitäts-Indikator”.

Widget-Ansicht und Sperrbildschirm

Der Sperrbildschirm beziehungsweise die Benachrichtigungsansicht wird zum großen Highlight von iOS 10. In der Public Beta ist es nun auch möglich von der Benachrichtungsansicht (nach unten wischen) zur Widget-Aansicht zu navigieren. Ein Wisch nach rechts bringt die vom Nutzer angepasste Ansicht auf den Bildschirm. Hersteller können hier kleinere Versionen der eigenen Anwendung unterbringen.

Damit komplettiert Apple die Erreichbarkeit der Widgetansicht. Diese ist von jetzt an mit nur zwei Gesten von überall im System aus zu erreichen. Die Benachrichtigungen von WhatsApp, Nachrichten und anderen Anwendungen lassen sich außerdem direkt beantworten, ohne die Anwendung selbst zu öffnen. Damit kommuniziert der Nutzer wohl in Zukunft meist nur noch über Widgets und Benachrichtigungen anstatt mit der App selbst.

Emojis der Vielfalt

Erst in die vierten Beta-Version von iOS 10 hat es ein Satz neuer Emojis geschafft, der natürlich auch in der finalen Fassung enthalten ist. Pünktlich zu den Olympischen Spielen dürfen auch Frauen Sport treiben: Apple hat die Sportart-Emojis mit Frauen-Figuren ergänzt. Das ist kein Zufall: Die Firma arbeitet mit dem Unicode Consortium zusammen und will laut eigener Pressemitteilung ein Zeichen für die Vielfalt setzen. Dazu passen die neue Regenbogen-Flagge und ebenfalls neue Beruf-Piktogramme für Polizistinnen, Architektinnen und mehr. Zudem hat Apple auch das kontroverse Pistolen-Emoji (seit iOS 9.3 dabei) durch eine harmlose Wasserpistole ersetzt. Dies hat aber nicht jeden erfreut, Kritiker bemängeln, dass eine auf dem iPhone erstellte Nachricht mit einem harmlosen Wasserpistolensymbol auf anderen Plattformen als weit martialischer aufgefasst werden könnte - nicht alle Hersteller teilen Apples kritische Haltung zu Waffen

Organspende und neuer Entsperr-Mechanismus

Apple hat sich nicht erst mit der Apple Watch der Gesundheit verschrieben. In iOS 10 treibt Cupertino dieses Vorhaben weiter voran, indem Nutzer einen digitalen Organspendeausweis erstellen können. Die sogenannte Medical ID erlaubt es, die notwendige Daten für den Fall der Fälle einzugeben. Diese Information kann auch ohne Passwort oder Fingerabdruck erreicht werden. Diese Einverständniserklärung zur Organ- oder Gewebespende ist nur in den USA verbindlich, in Deutschland gelten andere Regeln und der ausgedruckte Organspendeausweis bleibt das entscheidende Dokument.

Eine weitere, kleine aber bedeutende Änderung, gibt es beim Entsperren des iPhones. Das berühmte “Swipe to unlock” ist Vergangenheit. In den Einstellungen von iOS 10 lässt sich das Entsperren des iPhones nun per Fingerabdruck entsperren. Anders als unter iOS 9, als noch aktiv gedrückt werden musste, reicht jetzt das einfache Auflegen des Fingers auf den Home-Knopf.

Inkonsistente Designsprache und Komplexität

Ähnlich wie Google Now führt iOS einen eigenen Bildschirm nur für Widgets ein. Anstatt aber die Ergebnisse von der Suchmaschine und Googles Intelligenz zu steuern, erlaubt Apple App-Herstellern das Befüllen dieses Bereiches. Nachrichten, das Wetter und andere Informationen laufen alle links vom Homescreen zusammen. Ein einfacher Wisch nach rechts führt den Nutzer zum neu gegliederten Bereich.

Design ist Geschmackssache, und Apple hat sich bisher für abgerundete Ecken und klare Linien zwischen den einzelnen Widgets entschieden. Auch die neuen Push-Mitteilungen erscheinen nicht mehr rechteckig, sondern abgerundet. Innerhalb der Anwendung Mail ergibt sich ein anderes Bild: Dort nämlich erscheinen Nachrichtenverläufe nun als Karten, rechteckig, und scrollbar. Dies erinnert stark an Google, und wirkt allgemein klarer.

Auffällig ist zudem die Komplexität der neuen Befehle. Aus jeder Anwendung, sei es Nachrichten, Karten oder vom Sperrbildschirm, kann von unten nach oben, oder rechts nach links gewischt werden. Oft ist dies nicht ersichtlich und fühlt sich eher als zu viel des Guten an. Die einstmalige Einfachheit scheint bei Apple mit iOS 10 der Komplexität gewichen.

Die Macht ist spürbar

Anders betrachtet, erlaubt das Interagieren von 3D Touch und mit Gestensteuerungen in jeder App eine neues Gefühl der Macht. Innerhalb der Kartenanwendung hat der Nutzer nicht mehr das Bedürfnis, nach erfolgreichem Finden eines Lokales den Browser öffnen zu müssen. Reichhaltige Informationen und mehr Spielraum lassen Safari geschlossen, die Informationen lassen sich bei Bedarf ein- und wieder ausblenden.

Nachrichten lassen sich mit 3D Touch komplett öffnen und beantworten, oder E-Mails direkt lesen und anschließend löschen. Diese Form der Widgets erlaubt es Entwicklern, eine kleinere Version ihrer Apps bereit zu stellen, in der man schneller auf eintreffende Informationen reagieren kann. Der Ablauf wirkt noch etwas holprig, dürfte aber im späteren Verlauf des Beta-Programms verfeinert werden.

Siri spielt ihre Stärken aus

Neben den Widgets erfährt Siri die größte Neuerungen im Betriebssystem für iPhone und iPad. Dritthersteller können die Sprachassistentin jetzt auch in eigene Apps integrieren, und Nutzersuchanfragen direkt verarbeiten. Apple begrenzt dies aber bislang auf sechs verschiedene App-Kategorien. Diese umfassen:

  • Mitfahranwendungen wie Uber und Lyft

  • Nachrichten-Apps wie WhatsApp

  • Foto-Anwendungen

  • Banking-Apps wie Number26

  • Telefonanwendungen wie Skype

  • Trainingsapps

Entwickler und Nutzer sehen diese Einschränkungen etwas kritisch und wünschen sich eine breitere Öffnung. Apple versucht wohl hier in einem ersten Schritt  eine gewisse Qualität zu garantieren. Mit iOS 10.1 oder späteren Versionen ist es aber für die Firma aus Cupertino ein leichtes, Siri weiter zu öffnen. Nur Streamingdienste wie Spotify und Pandora werden davon nicht profitieren, wünscht man sich Musik von Siri, bleibt man auf Apple Music angewiesen.

Aber auch ohne Dritthersteller wirkt Siri während Apples Präsentation intelligenter, sie konnte auf weit komplexere Suchabfragen als bisher antworten.

Nachrichten werden persönlicher

Ein weiteres Highlight ist die Emoji-fizierung der Nachrichten. Apple erlaubt in der eigenen Anwendung nun Gifs, Sticker, Herz-Kommentare für einzelne Sätze und andere Interaktionen. Bei Bedarf kann der gesamte Hintergrundbildschirm für einen einzelnen Text verändert werden. Ein neuer Modus erlaubt auch das Zeichnen von Symbolen, Herzschlägen und Selfies mit Kommentaren.

Apple hat hier reichlich von Facebook, Lime, Slack und anderen Diensten abgeschaut. Da aber immer mehr Menschen mit ihren Smartphones untereinander kommunizieren und eine ganz eigene Bildsprache entwickeln, ist dies aber ein guter Schritt. Die Nachrichten wirken persönlicher und individuell angepasster. Daneben können App-Hersteller in Zukunft eigene Erweiterungen für Apples Nachrichten erstellen.

Zusatzpacks lassen sich in einem eigenen Store erwerben, quasi als In-App-Käufe. Diese reichen von neuen Symbolen bis hin zu animierten Grafiken. Auch werden nun die animierten und handgezeichneten Nachrichten an die Nutzer versendet, die nicht iOS 10 installiert haben.

Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Tastatur bald in den Hintergrund gerät: Dreht der Nutzer das iPhone, erscheint anstatt der Tastatur ein Eingabefeld. Dort lassen sich handschriftliche Nachrichten verfassen. Störend ist dies vor allem für solche, die gerne das iPhone drehen um eine breitere Tastatur zum Schreiben zu haben.

Lesen Sie auch: Versteckte Funktionen in iOS 10 - was Apple nicht auf der WWDC gezeigt hat

Fotos und Karten

Google machte es seit Jahren vor, und Apple zieht nun gleich: Die neue Fotoanwendung kann automatisch nach bestimmten Objekten in Bildern oder Orten filtern, und stellt automatisch Slideshows von bestimmten Ereignissen bereit. Die komplette Intelligenz passiert, anders als bei Google, jedoch auf dem iPhone selbst. Die Fotos werden dazu also nicht auf Apples Servern ausgewertet.

Die eigene Kartenanwendung ist, wie bereits angesprochen, wesentlich mächtiger geworden. Lokalitäten bekommen ein neues Symbol, und innerhalb der Lokalinformationen können Nutzer direkt ein Uber (in den USA) bestellen. Ob diese reichhaltigen Funktionen jemals nach Deutschland kommen ist die Frage, jedoch profitieren die Nutzer auch hier zu Lande vom neuen Informationsfluss und Struktur.

Standardanwendungen bedingt löschbar

Viel Lob hat Apples Entscheidung bekommen, in iOS 10 auch Standardanwendungen wie Mail, Musik und sogar den iTunes Store deinstallieren zu können. Alle Apple Anwendungen bis auf Nachrichten, Safari, Uhr, App Store, Kamera, Health und die iPhone Suche lassen sich entfernen.

Die Anwendungen werden jedoch nicht wirklich gelöscht, sondern quasi nur das Icon vom Bildschirm entfernt. Viele Entwickler freuten sich schon, Apple Anwendungen im App Store zu sehen, die getrennt voneinander aktualisiert werden. Ein erneutes Installieren fügt also nur wieder die Verknüpfung zum Dock hinzu. Und neue Versionen gibt es nur mit Betriebssytemupdates, sonst nicht.

Alles passiert auf dem Gerät selbst

Apple war es wichtig zu betonen, dass alle AI (Artificial Intelligence - Künstliche Intelligenz) Berechnungen geschehen auf dem iPhone oder iPad selbst.  Das Stichwort lautet “ Differential Privacy ” und beschreibt ein Verfahren, in der nur die benötigte Daten zur Auswertung vom Nutzer herangezogen werden. Diese werden anonymisiert und randomisiert. Apple ist der erste Hersteller überhaupt, der diese Theorie in der Praxis umsetzt.

Zu bedenken gibt es jedoch, dass selbst Computerwissenschaftler sich uneins sind, inwieweit nützliche Anwendung sich darauf aufbauen lassen, und ob der Nutzer tatsächlich komplett anonymisiert ist. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es aber alle mal.

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