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iOS 10 - Datenschutz im Mittelpunkt

20.08.2016 | 08:59 Uhr |

Viele Apps wissen über ihre Nutzer sehr viel. Dabei greifen diese Apps auch auf Senso-Informationen der Endgeräte zurück. Mit iOS 10 wird der Umgang mit diesen sensiblen Daten noch stärker geschützt.

Datenschutz ist für Apple ein wichtiges Verkaufsargument. Andere Plattformen verdienen genau mit diesen Daten ihr Geld, Apple mit der Vertraulichkeit. Mit iOS 10 müssen alle iPhone- und iPad-Apps einen Grund ausweisen, warum sie Zugriff auf Datenbestände (HealthKit, HomeKit, Termine und Kalender, Erinnerungen, Kontakte, Fotos) und Sensoren (GPS, Kamera, Mikrofon, Beschleunigungssensoren, Bluetooth) benötigen.

Fehlt diese Begründung, wird die App zwangsbeendet. So stellt es Apple in der aktualisierten Entwickler-Dokumentation dar. Dies soll die Privatsphäre der Anwender schützen. Bislang hat Apple eine detaillierte Angabe nur optional eingefordert. Bei fehlender Begründung kam bislang nur ein Standard-Dialog, der den Anwender über die Anforderung in Kenntnis setzt.

Mit iOS 10 ändert sich das nachhaltig. Inwieweit Apple beim Zulassungsprozess die aufgeführten Gründe auf Plausibilität prüft, bleibt offen - die kurzen Reviews lassen dies jedoch nicht vermuten.

Der "liebe" Datensammler Apple

Gegenüber Recode verriet Apple weitere Details über das Differential Privacy Vorhaben . So habe man bisher (bis iOS 9) keine Daten gesammelt. Dies ändert sich (Opt-in) durch die aktive Zustimmung durch den Anwender in vier Bereichen in iOS. Die Datensammlung soll Apple helfen, Wörter, die Anwender in die lokalen Wörterbücher aufnehmen, Emojis, Deep Links und die Nachschlage-Funktion in der Notizen-App zu erlernen. Natürlich sind bei den erfassten Wörtern die Passwortfelder nicht enthalten.

Künstliche Intelligenz

Möchten Sie iOS 10 als Plattform im Unternehmen einsetzen, gibt es einige Punkte, auf die Sie hinweisen sollten. Auch wenn der Begriff "Künstliche Intelligenz" in der Informatik höchst unglücklich gewählt ist, verspricht Apple Analysen der Fotobibliothek lokal auf dem Gerät. Muster, Gegenstände, Orte und sogar Gesichter werden erkannt, geclustert und gruppiert.

Neuronale Netze, bei denen Knoten ein Gewicht (eine Zahl) zugeordnet und dadurch eine Abbildung von Inputs zu Outputs modelliert wird, werden auf dem Gerät gebildet. Dem neuronalen Netz kommt dabei zu Hilfe, dass das Problem der " (Error) back propagation ", also die Rückkopplung, numerisch effizient gelöst wurde. Zusätzlich hat man sogenannte Long-Short-Term-Memories eingeführt. Dies kann auch als eine Art Gedächtnis des Netzes bezeichnet werden.

Alles dies hilft dabei, die Genauigkeit der Objekt-Erkennung in Fotos (auch Gesichter sind hier nur Objekte), der Spracherkennung usw. zu verbessern. Der Clou, man kann es nicht oft genug sagen: Alles findet (noch) lokal auf dem Gerät statt.

Die Cloud ist dann aber doch noch dabei

Erklärt man den Datenschützern, dass iOS die Trainingsdaten für Fotos auf dem Gerät und nicht die stetig wachsenden, millionenfach vorkommenden, Trainingsdaten im Internet nutzt und die Erkenntnisse dort belässt, dürften diese keine Sorgen damit haben.

Anders sieht es bei der Visual Mailbox mit Transcription aus. iOS 10 bringt hier eine nützliche Funktion mit "Bedenkenträger"-Potential. Anrufe auf der Mailbox werden transkribiert als Text zur Verfügung gestellt. Stellen Sie sich Ihre Mitbestimmungsgremien vor, wenn Sie ihnen erzählen, dass alle Anrufe durch einen US-amerikanischen Cloud-basierten Spracherkennungsdienst geleitet werden. Im Gegensatz zu der Bilderkennung findet die Texterkennung, wie schon immer bei Siri, über die Cloud statt.

Empfehlung: Transparent kommunizieren

Machen Sie Ihre Erkenntnisse transparent. Nichts ist gefährlicher als ein Vertrauensverlust. Reagieren Sie nicht erst auf Nachfragen, informieren Sie proaktiv und zeigen Sie so, dass Sie die Kompetenz zur "Beherrschung" der Situation haben. Ihre Mitbestimmungsgremien werden es Ihnen danken.

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