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iOS 10 – Neue Interaktionsformen mit dem Anwender

17.08.2016 | 08:58 Uhr |

Apple hat im Rahmen seiner Entwicklerkonferenz WWDC neue Funktionen für iOS 10 vorgestellt. Dieses ist offener für Drittanbieter.

Auch wenn iOS 10 aktuell "nur" als Beta vorliegt, sind Auswirkungen auf Apps, wie diese unter anderem in Unternehmen Einsatz finden, bereits ersichtlich.

Benachrichtigungen

iOS 10 erhält ein Facelift, ein modernes Design. Die Benachrichtigungen mit ihren neuen Möglichkeiten und dem abgerundeten Design leisten dabei einen maßgeblichen Bestandteil. Benachrichtigungen aus einer App heraus informieren den Anwender zielgerichtet bzw. bieten eine Interaktion (max. 4 Buttons). Aufforderungen an Anwender, die App selbst zu öffnen, müssen jedoch vermieden werden. Der Anwender muss sich immer über die Tragweite seines Handelns, z.B. die Auswahl eines Buttons, bewusst sein. Dies ist bei allen Interaktionen natürlich für das positive Erlebnis zwingend erforderlich und damit für das Vertrauen des Anwenders. Bei kleinsten Interaktionen wie den Benachrichtigungen ist dies stellenweise herausfordernd. Bei Interaktionen über Siri ist es eine ungleich größere Herausforderung.

Siri

Mit iOS 10 stehen Entwicklern angepasste Schnittstellen zur Verfügung, um sich in Siri mit ihren Apps zu integrieren. Diese Schnittstellen (APIs) erlauben es Entwicklern, ihre Kurznachrichten-Dienste (Messaging), Reservierungssysteme (Ride Booking), Bilddatenbanken (Photo Search), Sportaktivitäten (Workouts), Bezahldienste (Payments) und VoIP-Telefonate (VoIP Calling) in Siri zu integrieren.

Die so bereitgestellten Siri-Funktionalitäten sollen dabei auch dann nutzbar sein, wenn der Anwender sein iPhone nicht entsperrt hat. Wird eine Interaktion mit der App notwendig, muss der Anwender gemäß seines Siri-Kontextes direkt in seinen gewünschten Inhalt innerhalb der App geführt werden. Vermeiden Sie auch hier unnötige Interaktionen. Auch die Performance sollte beachtet werden, um Fragen an die Siri-API möglichst schnell beantworten zu können.

Beachten Sie: Werbung in die Antworten zu integrieren ist verboten. Gleiches gilt für In-App-Kaufangebote. Sollte es durch die Interaktion doch zu einem "Verkauf" kommen, bei dem es unterschiedliche Preise gibt, gilt der günstigste Preis als Vorauswahl. Der Anwender ist über die damit verbundenen Extrakosten zwingend zu informieren.

Auch wenn Apps mit einem anderen Schwerpunkt, beispielsweise datengetriebene Business-Intelligence-Systeme in Unternehmen, (noch) keinen Zugriff auf die Extension API von Siri erhalten, stellt dies einen wichtigen Schritt dar, um die Verwendung des Sprachassistenten im Alltag zu etablieren.

Dies soll sich jedoch künftig ändern und erweitert werden .

Karten

Entwickler erhalten mit iOS 10 zusätzlich die Möglichkeit, ihre App in den Kartendienst direkt zu integrieren. Dies ermöglicht beispielsweise das Reservieren eines Tisches beim Italiener in der Innenstadt und die Bestellung eines Taxis, ohne die Kartenansicht zu verlassen. Beachten Sie sonst auch hier die Hinweise, wie diese für Siri gelten.

iMessages

Mit iOS10 lassen sich Apps von Drittanbietern in iMessage, Apples Messaging-App, integrieren. Dabei können Drittanbieter sowohl statische Texte und Bilder integrieren, aber auch komplexere programmierte Inhalte wie Spiele. Jeder Empfänger einer solchen Nachricht bekommt dabei die optischen Inhalte dargestellt, will er damit interagieren, benötigt er ebenfalls die installierte App. Ist diese nicht installiert, führt der Messenger ihn direkt in den App Store.

Beachten Sie, dass es Apple hier um stringente Einfachheit geht. Apps mit einer Kombination von mehreren Funktionen (>1) werden von Apple daher sehr wahrscheinlich im Prüfprozess abgelehnt. Fokussieren Sie sich mit Ihrer Messenger-Interaktion damit auf die wesentliche Funktion.

Es darf erwartet werden, dass die Erweiterungen für iMessage ein (initial) boomender Markt werden. Gerade die im asiatischen Raum begehrten Sticker in Nachrichten-Apps werden nun auch in Europa Einzug halten, vor allem wenn man bedenkt, wie einfach sich diese aufbauen lassen. So wurde in der Session 204 der diesjährigen WWDC gezeigt, wie man ohne eine Zeile Code ein Sticker-Pack in den Messenger bringt.

Empfehlung

Auch wenn die finale Version von iOS 10 erst im Herbst 2016 veröffentlicht wird, müssen sich Entwickler, nicht nur für Unternehmens-Apps, bereits jetzt vorbereiten. (mb)

Widgets

iOS unterstützt mit der neuen Version Widgets, allerdings anders als jeder Anwender anderer Plattformen vermuten würde. Widgets stellen unter iOS 10 Informationen wie Termine oder den aktuellen Wetterbericht dar und sind immer an eine App gebunden.

Ein fester Druck auf Apps (3D Touch) ermöglicht es, diese kleine Widgets der Apps darzustellen. Dabei haben diese Widgets vollen API-Zugriff. Sie bieten einfache Interaktionen und die Anzeige von Videos. So erlaubt ein fester Druck auf die Mail App die Anzeige aller Personen, deren Nachrichten noch nicht gelesen wurden.

Diese Widgets werden temporär angezeigt. Dauerhaft können diese nur als "Liste" im Such-Screen (links von der ersten Homescreen Seite) abgelegt (und sortiert) werden.

Beim Design dieser Widgets ist besonders zu beachten, dass der Entwickler sich darüber im Klaren sein muss, was den Anwender interessiert. Die Befüllung mit Daten nach dem Motto "alles, was technisch geht ist gut" ist der falsche Ansatz. Daher sind Interaktionen mit Buttons, das Anzeigen von Videos und derartiges stark zu überdenken.

Gerade bei Widgets besonders wichtig ist das Thema Flat Design. Flat Design ist auf mobilen Geräten längst nicht mehr nur ein Trend, sondern Standard ( http://www.awwwards.com/flat-design-an-in-depth-look.html ). Endlich sind die überkandidelten Schnörkel in den Nutzeroberflächen durch Nüchternheit abgelöst worden.

Wie bei der Apple Watch geht es darum, dass ein kurzer Blick, sogenannte Micro-Sessions (< 10-15 Sekunden), ausreicht, um den Anwendern zu informieren.

Verändern Sie auch nicht den Hintergrund. Transparente Widget-Hintergründe erhöhen die Lesbarkeit und lassen die Widgets untereinander konsistent erscheinen. Es geht bei diesen nicht um Marken-Interessen, sondern um das Anwendererlebnis.

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