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Mein neues iPad Pro - ein Resümee nach 48 Stunden

17.11.2015 | 08:58 Uhr |

Christian Henkel ist ein Berliner- und Apple-Urgestein. Hier sein vorläufiges Fazit zu seinem neuen iPad Pro, das er zwei Tage ausgiebig getestet hat

Christian F. H. Henkel ist Apple-Experte, Berater, Autor und Fotograf ( www.appleguru.berlin ). Zudem organisiert er seit 2006 jährlich das große Apple-Usertreffen mac at camp ( www.macatcamp.de ). Also ein echter "Power-User". Er hat sich das iPad Pro gekauft und hatte wegen Krankheit genügend Zeit, das iPad Pro ausgiebig zu testen. Hier seine Erfahrungen:

„Aufgrund einer Erkältung habe ich die letzten zwei Tage recht viel im Bett oder auf der Couch verbracht. Eine ideale Test-Umgebung für mein neues iPad Pro. Normalerweise benutze ich für solche echten Portable-Einsätze bisher immer mein Macbook Air. Mein Macbook Pro, welches im Büro an einem Cinema-Display hängt, ist mir für Bett und Couch-Einsätze einfach zu schwer. 

Das war auch der Grund mir ein Macbook Air anzuschaffen. Allerdings war der Einsatz des kleinen Books auch immer sehr begrenzt. Stand es doch bestimmt 350 Tage im Jahr nur rum. Das war auch der Grund, warum ich mich vor ein paar Wochen von dem gutem Stück getrennt habe. Selbstverständlich in großer Erwartung auf das iPad Pro. Ein Macbook Air ist zwar ein vollwertiger Mac-OS Rechner aber eben dadurch auch mit einige Nachteilen behaftet. Die Vorteile eines Tabletts müssen hier sicherlich nicht erläutert werden.

In Echt ist das iPad Pro schon ziemlich groß

Nachdem Apple sich mit dem Verkaufsstart des iPad Pro nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat und es keine wirklichen Infos gegeben hat, so das selbst die Mitarbeiter in den Stores nicht wussten, was los ist, beziehungsweise wann es verkauft wird, liegt es aber nun aber endlich vor mir.

Nun liege ich also mit dem iPad Pro auf der Couch und fange an das eine oder andere zu installieren und einzurichten. Natürlich hatte ich einen wirklichen "Aha-Effekt", als ich das Pad aus dem Karton genommen hatte. Das Teil ist schon wirklich extrem groß. Man muss ich erst einmal kurz daran gewöhnen und sich im Klaren sein, dass man ein iPad vor sich hat. Der Effekt verstärkt sich, wenn man es das erste Mal einschaltet. Die ersten Texte die dann auf dem Display erscheinen, wirken schon beinahe lächerlich im Vergleich zu den anderen iPads, so verloren schaut der Text auf dem großen Display aus.

Unseren Labortest des iPad Pro mit den Akkulaufzeiten, Bildschirmfarbraum und Geschwindigkeitsbenchmarks finden Sie hier.

Erster Eindruck von iPad Pro in Aktion

Nach der üblichen Einrichtung des iPads erscheinen die iOS-Icons auf dem Display. Hier merkt man schnell, dass es gar nicht schlecht wäre, wenn man den Abstand der einzelnen Icons ändern könnte. Platz ist ja genug da.

Die ersten üblichen Tests sind schnell gemacht. Bei Musik und Sound merkt man tatsächlich, dass sich Apple hier viel Mühe gegeben hat. Der Sound ist schon wirklich toll. Webseiten aufrufen, eine Klarheit des Displays, dass man sich kaum einkriegt vor Begeisterung. Diese wird nur verstärkt, wenn man sich die ersten Fotos anschaut.

Sicherlich ist das gute Stück kein wirkliches Leichtgewicht. Wie denn aber auch - Größe heißt eben auch mehr Gewicht. Meine Frau meinte gleich, das kann man mit einer Hand ja gar nicht mehr so bequem halten. Bei mir geht das, meine Hände sind halt auch ein wenig größer. Aber zum Vergleich zu ihrem iPad Air 2 ist das schon eine Hausnummer, nicht nur in der Größe zum Display.

Deutsche Apple-Tastatur für das iPad Pro noch nicht lieferbar

Ich habe auf eine externe Tastatur Wert gelegt. Da Apple nun etwas ganz Merkwürdiges tut und keine deutsche Tastatur auf den Markt bringt, komme ich mir nicht nur vor, als ob ich bei einem Billig-Chinesen ein Tablett gekauft habe, ich bin im Grund auch wirklich entsetzt.

Ich gehöre ja nicht zu den "Früher war alles besser"-Menschen, aber ganz im Ernst, das hätte es früher nicht gegeben. Ich bin über eine derartige Geschäftspolitik wirklich entsetzt.

Alternativ gibt es aber eine Tastatur von Logitech, die dadurch derzeit der Verkaufsrenner ist. Ich habe sie in einer Farbe genommen, die mir nicht gefällt und auch nicht zum iPad Pro in "Space Grau“ passt. Andere Farben waren einfach nicht mehr vorrätig. So tausche ich sie dann aber die Tage um, sobald sie in meiner Farbe wieder erhältlich ist. 

Diese Logitech-Tastatur ist eine ganz andere Hausnummer zu der Apple eigenen (Anmerkung der Redaktion: Christian Henkel hat die US-Tastatur von Apple getestet). Verbunden mit allen Vor- und Nachteilen.

Ist sie deutlich schwerer, so bietet sie aber auch einen besseren Schutz für das iPad Pro. Es ist eine "richtige" Tastatur, so wie man es auch vom Macbook gewöhnt ist. Die Apple Tastatur macht dagegen einen sehr einfachen Eindruck.

Hinzu kommt – und das halte ich für das Killer-Argument gegenüber der Apple-Tastatur: Die Tasten sind beleuchtet. Für mich war es keine Frage, welche Tastatur ich nehme. Wer einmal mit einer amerikanischen Tastatur arbeiten musste, weiß, dass es mehr als nur die Umlaute sind, die fehlen. Viele Zeichen, die man ständig benutzt, befinden sich an einer ganz anderen Stelle. Ich habe Amerikaner als Kunden und suche dann dort regelmäßig bestimmte Zeichen. Daher kommen für mich ausschließlich deutsche Tastaturen in Frage.

Auch der Apple Pencil ist noch nicht lieferbar

Zu Apples Verkaufsstrategie gehört auch immer wieder, dass bestimmt Dinge einfach nicht lieferbar sind. Zumindest muss man am Anfang lange warten, bis man dieses oder jenes kaufen kann. So auch den Apple Pencil! Ich empfinde es schon beinahe als Schildbürgerstreich, das iPad Pro auf den Markt zu bringen und eines der wichtigsten Dinge, die dieses Tablett auszeichnen , dann Wochen später auf den Markt zu bringen. Man könnte es auch als frech, arrogant und dreist bezeichnen. Aber ändern kann man daran leider nichts.

So muss ich noch eine ganze Weile auf meinen bestellten Pencil warten und konnte ihn nur im Apple Store ausprobieren. Dort stehen zum Test natürlich welche zur Verfügung.

Es ist genau so, wie man es erwartet hat, keine Verzögerung, das heißt sofortige, direkte Reaktion. Es ist so, als wenn man auf einem Blatt Papier schreibt. Beinahe unheimlich! Mehr kann ich aber erst sagen, wenn ich den Pencil selbst habe und ausführlich damit "spielen" kann.

Das iPad Pro im Alltags-Test

Nachdem man die richtigen Apps installiert hat, wird nun wie wild getestet. Schreiben von Mails, ohne Problem – es geht gerade mit der externen Tastatur absolut super. Natürlich fällt wieder einmal auf, dass Apple nun endlich einmal einen Spam-Filter in das iOS-Mail-Programm integrieren sollte. Jegliche Spam-Mails, die Mail bei Mac-OS X wunderbar aussortiert, werden hier natürlich immer angezeigt. Surfen: absolut kein Problem. Lesen von Zeitungen: mit dem großen Display ein Vergnügen. Nun tauchen im Netz viele Fragen mit dem selben Inhalt auf:

"Ersetzt ein iPad Pro ein Macbook?"

Ich kann für mich heute ganz klar sagen "JEIN".

So lange man normaler Anwender ist und sich die tägliche Arbeit auf Mails, Surfen und Spielen beschränkt, ein klares "JA". Wollen wir mal ehrlich sein, das sind sicherlich 90 Prozent der Computer-Anwender. Denn alles was ein "richtiger" Computer kann, kann auch das iPad Pro.

Spezielle Anwendungen wie Bild- und Filmbearbeitung einmal ausgenommen. Wobei auch hier sehr viel für iOS angeboten wird und der normale Hobby-Fotograf sicherlich auch hier beinahe alles erledigen kann.

Es ist wie so oft im Leben, ein klein wenig eine Kopfsache. Man möchte sich einfach einreden, dass man mehr braucht, braucht es aber tatsächlich nicht. Und das was fehlt, wird die Zukunft sicherlich noch bringen. Entwickler werden spezielle Apps entwickeln, die die Vorteile eines solches großen Tabletts unterstützen. Es wird gar nicht lange dauern und die Verschmelzung zum "richtigen" Computer wird immer enger.

Ich selbst habe nun aufgrund meiner Erkältung, die letzten zwei Tage ausschließlich mit dem iPad Pro gearbeitet. Ich habe viele Mails geschrieben, viel gesurft, mich in diversen sozialen Netzwerken umgeschaut und war dort aktiv. Ich habe diesen kleinen Artikel auf dem iPad Pro geschrieben, ihn via Cloud gespeichert, so das er mir auch auf dem Macbook zur Verfügung stehen kann, was ich aber gar nicht brauchte. Ich habe sogar ein paar Fotos bearbeitet, die ich in den Tagen davor geschossen hatte. Ich habe einmal gespielt, was ich sonst so gut wie nie tue. Ich habe geskypet, habe gechatet und habe mein Paypal-Konto kontrolliert. Das ganze teilweise bequem im liegen und teilweise in normaler Haltung am Tisch, auf der Couch im Bett und auf dem K… (Anmerkung der Redaktion: Klo)

Nun frage ich, was will man noch mehr?

Ach ja, ich habe die 128GB WIFI/Cellular Variante genommen.

Das heißt, das Ganze hätte ich auch unterwegs tun können. Ich wäre sofort online gewesen, wenn ich kein WLAN zur Verfügung hätte und das ohne irgendwelches externe Zubehör.

Christian Henkel: Mein Fazit nach zwei Tagen mit dem iPad Pro

Mein iPad Pro und ich sind zumindest nach zwei Tagen gute Freunde geworden. Wir möchten uns einander nicht mehr missen und werden lange Freunde bleiben. Das soll aber nicht heißen, das ich hiermit sagen möchte, dass ich kein Macbook Pro und ähnliches mehr benötige. Beruflich bedingt benutze ich eine Menge an Dingen auf dem "großen" Rechner, die mit dem iPad nie funktionieren würden. Aber bei wem ist das wirklich so? Überlegt einmal in Ruhe!“

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