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Siri - cleverer Assistent auf dem iPhone 4S

13.12.2011 | 16:41 Uhr |

Das iPhone 4S bietet mit Siri eine intelligente Sprachsteuerung, die sehr viel mehr kann, als nur einige einfache Befehle auszuführen

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© Apple

Neben der besseren Kamera und mehr Prozessor- und Grafikleistung gehört die Spracherkennung Siri zu den wichtigen Neuerungen des iPhone 4S . Einige Marktbeobachter zeigten sich deshalb zunächst enttäuscht, doch zu Unrecht, wie wir finden. Siri stellt die bisher verfügbaren Lösungen deutlich in den Schatten und zeigt, wie effektiv eine Sprachsteuerung sein kann, wenn man es richtig macht. Das iPhone hat in einigen Bereichen Maßstäbe gesetzt, zum Beispiel bei der Bedienung mittels Touchscreen oder bei der Nutzung des Internet am Smartphone. Auch Siri könnte ein solcher Meilenstein werden. Die Software befindet sich noch im Betastadium, leistet aber teilweise schon Erstaunliches. Sie versteht nicht nur einfache Anweisungen wie die bisherige Sprachsteuerung, sondern stellt auch Zusammenhänge zwischen den Anweisungen her oder fragt, falls nötig, nach ergänzenden Informationen. Dabei versteht Siri ganz normale einfache Sätze. Häufig gibt es sogar mehrere Möglichkeiten, einen Befehl zu formulieren.

So arbeitet Siri

Wenn Sie Anweisungen in das iPhone sprechen, bereitet es diese auf, um Platz und damit Übertragungszeit zu sparen. Die eigentliche Interpretation der Eingabe erfolgt nämlich auf einem zentralen Server von Apple, der die Ergebnisse dann wieder an Siri auf dem iPhone zurückschickt. Das hat den Vorteil, dass Apple einen zentralen Datenbestand pflegen kann, von dem alle Siri-Anwender profitieren. Man kann kontinuierlich Befehle und Optionen hinzufügen, ohne dass die Anwender dafür erst ein iOS-Update laden müssen. Außerdem lernt Siri aus den Eingaben aller Anwender, um seinen Wortschatz zu verbessern. Diese Daten-Cloud zapft man mit dem iPhone an. Der Nachteil der Methode ist allerdings, dass Siri nur mit einer aktiven Internet-Verbindung über Wi-Fi oder 3G funktioniert.

1. Im System verankert

Einer der großen Vorteile von Siri ist, dass es ein Bestandteil von iOS ist. Dadurch hat es von Apple die nötigen Rechte und die Schnittstellen erhalten, um mit anderen Anwendungen des Systems zusammenarbeiten zu können. Eine normale App ist nicht jederzeit per Knopfdruck erreichbar wie Siri. Zudem können gewöhnliche Apps nur begrenzt mit anderen Anwendungen auf dem iPhone kommunizieren. Beispiele für die gewöhnliche Zusammenarbeit zwischen Apps sind Kopieren und Einfügen, der Dialog "Öffnen mit", der beispielsweise PDFs in iBooks oder Good Reader öffnet oder spezielle "Custom URLs", womit man zum Beispiel über einen Link "maps://…" die Karten-App öffnet und eine Koordinate überträgt. Siri darf noch mehr.

2. Die Spracherkennung

Der erste Schritt vom gesprochenen Wort zum ausgeführten Befehl ist, dass Siri überhaupt erst einmal verstehen muss, was der Nutzer sagt. Hier setzt Apple auf bereits vorhandene Technologie. Nach unseren Informationen hat Apple die Spracherkennung von Nuance für Siri lizenziert. Hierbei wird der Befehl, noch während der Nutzer spricht, mit einem Platz sparenden Audio-Codec umgewandelt und über die Internet-Verbindung an den Server geschickt. Dort wird er zerlegt, analysiert und in einen Text umgewandelt, mit dem Software etwas anfangen kann.

3. Siris Hirn und Persönlichkeit

Das Herzstück von Siri ist die Intelligenz, die über normale Sprachbefehle hinausgeht, denn Siri versteht ein Stück weit den Kontext eines Befehls. Dies liegt an der künstlichen Intelligenz der Software, die auch semantische Zusammenhänge erkennen kann und sich an Stichpunkten orientiert. Daraus interpretiert die Software, was der Nutzer will. Das führt dazu, dass Siri nicht nur fest einprogrammierte Standardbefehle versteht, sondern der Nutzer freier formulieren kann. Die künstliche Intelligenz sorgt unter anderem auch dafür, dass Siri Dialoge führen kann. Ein kleines Beispiel: Liefert eine Frage kein eindeutiges Ergebnis, dann fragt Siri nach und weiß, dass es weiterhin um die gleiche Frage geht. Dazu hat Apple sich bemüht, der hochtechnischen Funktion ein wenig Persönlichkeit zu verleihen. So gibt es oft gleich mehrere Antworten für typische Fragen und Sätze, wie das Star-Trek-Zitat "beam mich hoch". Dies sorgt dafür, dass sich die Nutzer neugierig und mit Spaß mit Siri beschäftigen. Der Ansatz einer menschlichen Persönlichkeit erhöht die Akzeptanz der neuartigen Funktion.

Grenzen der Intelligenz

Auch wenn Siri oft bereits ganz schön schlau wirkt, dies hat dennoch enge Grenzen. Eine Einschränkung ist dabei die Sprache. Bislang versteht Siri nur Englisch (auch mit australischem und amerikanischem Dialekt), Französisch und Deutsch. Mit Dialekten und Akzenten kommt Siri nicht zurecht. Der künstlichen Intelligenz sind hier Grenzen gesetzt. Ein weiteres Problem: Der aktuelle Stand der Spracherkennung erlaubt es noch nicht zu reagieren, wenn der Nutzer die Sprache wechselt. Englische Bandnamen mit deutschem Siri? Keine Chance.

Weitere Limitierungen gibt es bei den Datenbanken. Denn Siri ist im Grunde nur eine Schnittstelle zwischen der Sprache und den Informationen, auf die das Tool zugreift. Fehlen die gewünschten Informationen oder gibt es keine Anbindung an eine passende Infoquelle, ist auch Siri ratlos. In Deutschland gibt es noch keine Informationen zu Geo-Daten. Nach dem nächsten Restaurant zu fragen funktioniert daher noch nicht. Auch Wolfram Alpha, eine geniale Wissensdatenbank und in den USA ebenfalls an Siri angebunden, ist überwiegend auf Englisch und hat auf deutsche Fragen nicht immer die richtigen Antworten. Bei Städte- oder Ländernamen interpretiert die Webversion von Alpha meist noch richtig, antwortet aber auf Englisch. Deshalb hat Apple die Verbindung zu Wolfram Alpha in Deutschland weggelassen.

Exklusiver Service

Dass Apple Siri zurzeit nur auf dem iPhone 4S erlaubt, ist wohl eher eine politische Entscheidung, um dessen Verkauf anzukurbeln. Außerdem vermeidet die begrenzte Benutzerzahl sicherlich - gerade in der Startphase - eine Überlastung der Server. Es ist durchaus möglich, dass Apple Siri später doch noch für andere iOS-5-Geräte freigibt, vielleicht mit dem Beenden des Betastatus der Funktion.

Aktuell unterstützt Siri die Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. 2012 sollen weitere Sprachen folgen, darunter Italienisch und Spanisch. Im Folgenden stellen wir Siri ausführlich vor und zeigen, wie man die Funktion nutzt.

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