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Karten als Navi auf dem iPhone nutzen

02.10.2012 | 09:03 Uhr |

Besitzer eines iPhone 5 und 4S beschert iOS 6 mit Karten eine echte Navi-Lösung. Wir sagen Ihnen, wie das funktioniert

Besitzer eines iPhone 3GS, 4, 4S und des neuen iPhone finden unter iOS 6 nur noch einen Google-Dienst auf ihrem Smartphone voreingestellt. Weiterhin lässt sich Google in den Einstellungen zu Safari als Suchmaschine auswählen – alternativ zu Yahoo oder Bing.
 
Neben Youtube ist unter iOS 6 auch Google Maps als Basis der App Karten verschwunden – sicher auch eine Folge des Streits zwischen Apple und Google um Android. Bereits seit dem Frühjahr hielt sich das Gerücht, Apple wolle eigenes Kartenmaterial in Karten einsetzen. Zur Entwicklerkonferenz WWDC im Juni lüftete das Unternehmen dann das Geheimnis: Statt Google Maps kommt eine eigene Lösung zum Einsatz, das Unternehmen hat unter anderem Kartenmaterial von Navi-Anbieter Tomtom lizenziert. Neben weiteren Lizenzen kommen auch Technologien von Unternehmen zum Tragen, die Apple während der letzten Jahre übernommen hat.
 
Apples neue Lösung bietet zunächst einmal die von iOS 5 bekannte Basisfunktionalität in der App Karten. Mit Flyover, fotorealistischer Gebäudedarstellung in 3D oder der Integration von Yelp und Open Table hat Apple Karten einige Funktionen verpasst, die bei der Google-Maps-basierten Lösung nicht zur Verfügung standen.
 

Navi-Apps von Navigon und Tomtom

Wer eine Navi-Lösung für sein iPhone 3GS oder 4 beziehungsweise das Ur-iPad mit SIM-Karte sucht, muss weiter zu Tomtom oder Navigon greifen. Das Ur-iPad bekommt iOS 6 gar nicht, bei iPhone 3GS und 4 steht Karten unter iOS 6 zwar zur Verfügung, nicht aber die Navigationsfunktion.
 
Weder Tomtom noch Navigon können oder werden sich darauf ausruhen, nur noch diese Klientel zu bedienen. Noch haben die Apps in puncto Funktionalität als echtes Navi die Nase vorn gegenüber Apples neuer Lösung. Ob der API-Option für Entwickler können diese aber schnell lukrative Lösungen für Karten entwickeln und den Platzhirschen das Leben schwerer machen. Aber auch Apple wird bei Karten nachrüsten. So ist die 3D-Ansicht in Karten zwar heute erst in wenigen Weltstädten verfügbar, sie ist aber im Kommen und wird die Darstellung der Karten deutlich verbessern. Für den im Ansatz ähnlichen „Panorama View 3D“ sind bei Navigon aktuell 9,99 Euro zu berappen, dafür ist er in vielen Ländern verfügbar.
 
Die beiden Navi-Spezialisten haben in den letzten Wochen aber bereits gezeigt, dass auch sie nicht auf der Stelle treten. So hat Tomtom mit seinem letzten Update auf Version 1.1.1 unter anderem „Foursquare Places“ integriert. Auch Nutzer, die keinen Account bei dem sozialen Netzwerk haben, können einfach weltweit zu Millionen spannenden Ausflugzielen navigieren. Beide Navi-Lösungen bieten Radarwarner, zumindest in den Ländern, in denen die Funktion erlaubt ist. Navigon hat in seinem letzten Update auf Version 2.1 unter anderem Google Streetview für die Darstellung des Reiseziels integriert.

Karten als Turn-by-turn-Navi  

Offensichtlich als Signal an die Android-Nutzer und Google bietet Karten unter iOS 6 bei ausgewählten iOS-Geräten zudem eine vollwertige Navi-Funktion. Letztere hat Google unter Android bereits in Google Maps integriert, iOS-Geräten aber bislang vorenthalten. Unter iOS 6 steht die echte Navi-Funktion – im Englischen „Turn-by-turn“ genannt – beim neuen iPhone und beim Modell 4S sowie beim iPad 2 und dem neuen iPad (3. Generation) zur Verfügung. Bei den iPads werden Modelle mit SIM-Karte unterstützt, da nur sie über einen GPS-Empfänger verfügen. Die Navigationsanweisungen des iOS-Geräts erfolgen sprachgesteuert, beim neuen iPhone, dem iPhone 4S und dem neuen iPad kann auch die Zieleingabe per Sprache erfolgen – dank Siri. Alternativ sind einfach Start und Ziel einzutippen und die Navigation startet.
 

Karten als Navi auf dem iPhone nutzen
Vergrößern Karten als Navi auf dem iPhone nutzen

Einfache Bedienung


 
Wie von Navi-Apps wie Navigon oder Tomtom bekannt, lässt sich auch die Route vom aktuellen Standpunkt zu einem beliebigen Ort planen. Dazu ist einfach die Zieladresse einzutippen. Alternativ kann Siri übernehmen. So lässt sich bei der Fahrt auf der Autobahn etwa nach der nächsten Tankstelle oder Raststätte fragen, Karten zeigt die Auswahl und bietet die Navigation an. In Karten hat der Benutzer die Wahl zwischen einer 2D- und 3D-Ansicht sowie der Satellitendarstellung.
 
Während die 2D-Kartendarstellung bereits überall funktioniert, hapert es noch bei der dreidimensionalen Darstellung. Hier ist Apple dabei, zunächst 3D-Ansichten großer Städte nachzureichen. Für eine normale Navigation im Auto ist die bereits verfügbare 2D-Lösung aber allemal ausreichend. Die Navigation von Karten glänzt mit detailliert gesprochenen Wegbeschreibungen, die sich hinter denen der kostenpflichtigen Navi-Apps nicht verstecken muss. Große Zeichen und Pfeile, die eingeblendet werden, weisen den Weg und informieren, wie weit es noch bis zum Ziel ist – selbst wenn der Bildschirm gesperrt ist. Fährt man auf Kreuzungen zu, ändert sich der Betrachtungswinkel, der korrekte Streckenverlauf ist sehr gut zu erkennen. Wie von Navi-Apps bekannt, verzeiht auch Karten Navigationsfehler des Fahrers. Verpasst man eine Ausfahrt, berechnet Karten die Route sofort neu und bringt den Nutzer schnell wieder in die Spur.

  Offline-Karten vs. Online  

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Karten und Navi-Lösungen wie Navigon oder Tomtom ist das Handling des Kartenmaterials. Die beiden genannten Navi-Apps nutzen Offline-Karten: Das im Lieferumfang der App enthaltene Kartenmaterial – also die Abdeckung – wird lokal auf dem iPhone gespeichert. Während Tomtom das komplette zu einer App-Lösung gehörige Material lädt, wählt der Benutzer bei Navigon optional die Länder aus, die er besuchen will und deren Karten deshalb lokal auf iPhone vorliegen sollen – bei der Europaversion zum Beispiel Deutschland, Dänemark und Schweden. Apples Karten speichert die Karten nicht lokal, sondern lädt sie unterwegs über die Datenverbindung der Mobilfunkkarte. Zwar wird der Speicher des iPhone damit nicht mit Kartenmaterial gefüllt, das der Benutzer gar nicht benötigt, dafür muss während der gesamten Fahrt eine Datenverbindung sichergestellt sein. Was bei einer Datenflat in Deutschland kein Problem ist, wird zu einem Kostenfaktor, wenn der Benutzer ins Ausland reist – Stichwort Datenroaming. Hier haben Navigon und Tomtom klar die Nase vorn. Sie benötigen keinerlei Datenverbindung, der GPS-Empfänger arbeitet in allen Fällen ohne sie.

  Vektorbasierte Karten  

Google hat unter Android dasselbe Problem und für seine Benutzer, die Google Maps auch zur Navigation einsetzen, schon eine Lösung parat. Der Benutzer darf – etwa vor Antritt einer Reise – einen Kartenausschnitt mit maximal 30 Megabyte Größe auswählen und lokal auf dem Smartphone speichern. Unter Google Maps genügt das etwa für eine Großstadt, ideal für eine Städtereise im Ausland. Für eine Tour von 250 Kilometer Länge reicht das aber nicht aus. Das Kartenmaterial von Google Maps ist pixelbasiert, auch kleine Kartenausschnitte verschlingen eine Menge Speicherplatz.
 
Apple setzt im Gegensatz dazu auf vektorbasierte Karten. Das bringt zwei wesentliche Vorteile: Das Zoomen erfolgt fast ohne Zeitverlust und zusätzliches Laden von Daten, zudem ist die benötigte Datenmenge für einen Kartenausschnitt deutlich geringer als bei pixelbasierten Lösungen. Wir haben in einem Test eine Strecke von rund 250 Kilometern zurückgelegt, inklusive Stadtfahrt, Landstraße und Autobahn. Während der gut zweistündigen Fahrt hat Karten lediglich rund sechs Megabyte an Daten über die Mobilfunkkarte geladen.

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