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Nicht nur Galaxy – Warum iPhone-Akkus explodieren können?

11.10.2016 | 16:23 Uhr |

Auf Samsungs Note-Probleme reagiert manch Apple-Fan vielleicht mit Schadenfreude, sind aber iPhones völlig sicher? Ein Blick auf Akkus als potentielle Gefahrenquelle.

Samsung hat in der Affäre um das Galaxy Note 7 offensichtlich mehrere Fehler begangen: Laut einer US-Prüfbehörde passt der Akku einfach nicht in das Gerät, was zu einer Stauchung und späterem Kurzschluss führen kann. Nun sind offenbar auch die Austauschgeräte betroffen, obwohl bei diesen eine andere Batterie zum Einsatz kommt. Die Vorfälle machen aber darauf aufmerksam, dass moderne Akkus nicht ungefährlich sind. Stecken die immer billigeren Energiespeicher doch mittlerweile in Autos, E-Bikes, Gartengeräten, Kopfhörern und der billigen kleinen Powerbank, die man gerade als Werbegeschenk erhalten hat. Auch Apple-Akkus sind nicht unzerstörbar. Cupertino verwendet in seinen Macbooks, iPads und iPhones Lithium-Ionen-Akkus, die in Einzelfällen auch in Flammen aufgehen können – wenn auch bei weitem nicht so oft wie bei Samsungs Note. Die Hersteller von Notebook-Akkus haben die Technologie mittlerweile anscheinend im Griff. Vielleicht hatte die teure Serie an Rückrufaktionen zwischen 2006 und 2009 hier einen heilsamen Effekt. Unausgereifte Akkus von Sony hatten bei fast allen Notebookherstellern inklusive Apple den Rückrufen von Millionen Geräten erforderlich gemacht .

Auch Apple-Geräte können durchbrennen

Lithium Ionen-Akkus können auch in iPhones „durchgehen“, so berichtete vor kurzem ein Reddit-Nutzer von einem Auspack-Erlebnis der besonderen Art: Ein Bekannter hatte ein iPhone 7 bestellt, beim Auspacken des Pakets fand er aber ein völlig verschmortes Gerät vor. Offensichtlich hatte sich der Akku während des Transports selbst zerstört, übrigens ohne dass dies dem Lieferdienst auffiel. Es gibt aber auch erschreckende Berichte von Nutzern, die ihr iPhone 6 in ihrer Hosentasche transportierten, als es plötzlich in Flammen aufging . Hier handelt es sich aber, wie gesagt, um Einzelfälle. Die Besonderheit bei den Samsungs-Geräten war ja, dass es sich um nagelneue unbeschädigte Geräte handelte. Eigentlich hat jeder Akku einen integrierten Überspannungs-, Lade- und Überhitzungsschutz. Und fast immer fällt der Akku einfach aus statt zu brennen. Bei einigen Vorfällen mit dem iPhone könnte es sich außerdem um Geräte mit Ersatzakku gehandelt haben.

Ein iPhone 7 erhielt sein Gerät gewissermaßen "Burnt on Arrival".
Vergrößern Ein iPhone 7 erhielt sein Gerät gewissermaßen "Burnt on Arrival".

Was soll man tun?

Als Smartphone-Anwender muss man eigentlich kaum etwas beachten. Moderne Smartphone-Akkus haben viele Schutzfunktionen, so wird bei Überhitzung das Aufladen des Akkus sofort gestoppt. Probleme beim Aufladen oder das plötzliche Ausbeulen des iPhone durch einen defekten Akku sollte man aber als Warnsignal erkennen. Vor allem sollte man aber eine Überhitzung des Gerätes und damit des Akkus vermeiden. Nicht ohne Grund gibt es eine eindrucksvolle Bilder-Serie des NYPD, die zeigt warum man ein Smartphone niemals unter dem Kopfkissen oder der Bettdecke aufladen sollte. Offensichtlich hat dies schon einige Brände verursacht.

Handys sollte man nicht unter dem Kopfkissen aufladen.
Vergrößern Handys sollte man nicht unter dem Kopfkissen aufladen.

Und man sollte wissen, dass der Akku des iPhone Schaden nehmen kann, wenn man es fallen oder nass werden lässt. Beim Austausch eines Akkus sollte man desweiteren vielleicht besser nicht zu dem E-Bay-Akku für 4,90 Euro greifen sondern etwas mehr investieren. Und nach dem Austausch sollte man den alten Akku nicht irgendwo vergessen, sondern über den Händler oder beispielsweise eine Sammelbox von GRS entsorgen.

Was bei der Akku-Explosion genau passiert

Wie viele Besserwisser schon erklärt haben, ist „Explosion“ eigentlich nicht ganz korrekt. Es handelt sich in den meisten Fällen um eine schlagartige Erhitzung oder Entflammung, auch thermisches Durchgehen genannt. Das kann mit verschiedener Intensität ablaufen, von etwas Rauch bis hin zu einer echten Explosion. Geschockt waren die Samsung-Opfer vor allem durch den völlig überraschenden Beginn der Überhitzung – oft hing das Smartphone weder gerade an der Steckdose noch wurde es besonders stark beansprucht.  Dieser "Überraschungseffekt" liegt vermutlich daran, dass eine physische Beschädigung erst einige Zeit später einen Brand auslösen kann. Der Grund: Vereinfacht besteht ein Akku aus einer Kathode aus Lithium und einer Anode, meist Graphit. Ein Separator trennt diese beiden Elemente. Beim Smartphone von Samsung wurde aber offenbar durch zu geringe Abmessungen der Akku gestaucht. Verbinden sich aber Kathode und Anode, kommt es zum Kurzschluss. Anschaulich vorgeführt wird dies übrigens in zahllosen Youtube-Videos, die man beispielsweise über den Suchbegriff „lipo Explosion“ findet. Zwei weitere mögliche Ursachen sind Überhitzung und elektrische Fehler wie eine Tiefentladung.

Zum Theme Smartphone-Akku findet man bei Youtube einige spektakuläre Videos.
Vergrößern Zum Theme Smartphone-Akku findet man bei Youtube einige spektakuläre Videos.

Gefahr ergibt sich durch die große Hitze von mehreren hundert Grad, die Verbrennungen oder einen Wohnungsbrand auslösen kann. Aber auch die entstehenden giftigen Dämpfe sind gefährlich, werden aber offenbar durch ihre besondere Zusammensetzung von Brandmeldern schwer erkannt. Löschen sollte man einen brennende Akku außerdem mit Pulver oder Sand, die Luftfahrtbehörde FAA empfiehlt bei Batteriebränden im Flugzeug das Löschen durch Halon oder Wasser. Das Lithium im Akku reagiert jedoch stark mit Wasser, es hilft allenfalls in großen Mengen dabei, die thermisch durchgegangene Batterie zu kühlen. Verwendet man nur ein paar Stücke Eis oder deckt den Akku ab, kann das den Brand hingegen sogar verstärken – man soll das Geräte auch keinesfalls anfassen.

Ein Akku raucht, ein defektes Ladegerät ist tödlich

Durchgehende Akkus haben bisher noch niemanden umgebracht. Bisher sind allerdings drei Todesfälle junger Nutzer bekannt, die laut Berichten beim Aufladen ihres iPhone oder iPad starben. In allen Fällen aber nicht durch einen defekten Akku sondern durch ein defektes Ladekabel – etwa weil das iPhone in die Badewanne fiel und ein Stromschlag die Nutzerin tötete. In Deutschland sollte ein tödlicher Stromschlag allerdings eher unwahrscheinlich sein, weil dies in neueren Wohnungen ein so genannter FI-Schalter verhindern soll. Beim Kauf billiger Netzteile oder auch externer Batterien sollte man aber dennoch vorsichtig sein. Es muss vielleicht nicht immer ein teures Apple-Originalgerät sein, aber zumindest ein Markengerät von Firmen wie Anker statt dem 2-Euro-Direktimport aus China.

E-Bikes als echtes Problem

So eindrucksvoll ein abbrennendes iPhone oder Note auch wirken mag, eine weit größere Gefahr geht von Geräten wie E-Bikes und Drohnen aus. Der Akku eines E-Bikes hat schon mal 500 Wh Ladung und kann damit weit mehr Schaden anrichten als ein iPhone-Akku mit vielleicht 6 Wh. Dass man hier Regeln beim Lagern und Entladen beachten muss, ist anscheinend vielen E-Bike-Käufern noch unbekannt.

Hier sorgte ein E-Bike für einen kleinen Wohnungsbrand.
Vergrößern Hier sorgte ein E-Bike für einen kleinen Wohnungsbrand.

So sollte man Akkus beispielsweise bei längerer Lagerung nur zur Hälfte laden. Falsch gelagerte Akkus haben schon einige Wohnungsbrände ausgelöst, wie ein Bericht des SWR zeigte. Sind sich doch viele Anwender nicht bewusst, dass bei einem E-Bike ein simpler Sturz Tage später einen Akku-Brand auslösen könnte. Nutzt man das Bike mehrere Monate nicht, etwa im Winter, könnte eine Tiefenentladung ebenfalls das Durchbrennen auslösen. Gefährlich ist wohl die Kombination aus hoher Kapazität und hoher physischer Beanspruchung. So überrascht es nicht, das brennende Akkus auch unter Drohnen-Nutzern und Modellbauern seit Jahren bekannt sind. Probleme bereiten übrigens oft auch selbst gebaute Akkus aus Billig-Komponenten.

Akkus eines E-Bike speichern bis zu 500 Wh und sind nicht ungefährlich.
Vergrößern Akkus eines E-Bike speichern bis zu 500 Wh und sind nicht ungefährlich.

Nicht ohne Grund werden deshalb Akkus mit hoher Kapazität nicht mehr von Fluglinien befördert und es dürfen kleinere Ersatzakkus nur noch im Handgepäck transportiert werden.

Fazit

Geräte mit Akkus sind immer stärker verbreitet, dabei sind Smartphone-Akkus aber wohl noch vergleichsweise ungefährlich. Vor allem bei größeren Geräten wie E-Bikes oder Laubbläsern sollte man aber unbedingt einige Regeln beim Laden und der Benutzung beachten. Und beim Kauf von Peripherie wie Ladegeräten empfehlen wir, auf Dinge wie CE-Zeichen und Qualität zu achten.

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