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Vollkasko für das iPhone

18.01.2012 | 11:51 Uhr |

Trotz aller Vorsicht kann ein iPhone schnell zu Bruch gehen oder gestohlen werden. Eine Versicherung soll den Schaden gering halten - doch nicht jedes Angebot lohnt sich

Über 700 Euro kostet das 32 Gigabyte fassende iPhone 4S. Das ist ein beträchtlicher Wert, den man in seiner Hosentasche trägt, ganz zu Schweigen von den persönlichen Daten. Für die Daten empfiehlt sich ein Backup, das Gerät lässt sich umfassend versichern. Doch hier gibt es große Unterschiede: Weder die Geräte-Garantie noch der Apple Care Protection Plan helfen bei selbst verursachten Schäden oder bei Diebstahl, viele Anbieter versichern nur neue Geräte oder gelten nur für bestimmte Bezugsquellen. Wir zeigen am Beispiel des iPhone 4S mit 32 Gigabyte, welche Firmen einen sinnvollen Versicherungsschutz anbieten und welche Einschränkungen es zu beachten gilt.

Geräteschaden

Alle iPhone-Versicherungen decken Schäden am Display und durch Wasser ab, durch einen Sturz und unsachgemäße Handhabung - etwa bei zu festem Drücken des Home-Buttons oder bei Schäden durch fehlerhafte Software oder falsche Stecker. Dies gilt auch für einen Totalschaden. Während der Reparatur beziehungsweise der Wartezeit für das Zusenden eines Ersatzgerätes erhält man bei manchen Versicherungen ein Austauschgerät, doch da dieses stets nur ein normales Handy ist und zugeschickt werden muss, ist diese Option vielen Versicherungsnehmern nicht ganz so wichtig. Die Preisspanne für eine iPhone-Versicherung reicht von knapp sechs Euro bis zehn Euro im Monat. Apple, Assona und Ergo verlangen keine Selbstbeteiligung im Schadensfall, andere Anbieter fordern bis zu 75 Euro.

Für den EWP myphoneschutz Schutzbrief gibt es die App "Photo Annotate EWP", über die man den Vertrag schließen kann.
Vergrößern Für den EWP myphoneschutz Schutzbrief gibt es die App "Photo Annotate EWP", über die man den Vertrag schließen kann.

Hat man keine Versicherung, zeigt Apple sich durchaus kulant. Denn für eine Gebühr von 211 Euro kann man sein iPhone 4S (161 Euro für ältere Modelle) zum Reparieren beziehungsweise für den Tausch einsenden. Das gilt auch für einen selbst verursachten Schaden wie etwa gebrochenes Glas. Wer zum Apple Store in der Nähe geht, spart sich die Versandkosten von knapp zwölf Euro und kann meist sofort ein Austauschgerät mitnehmen. Eine Rechnung ist hierbei nicht nötig, das iPhone kann also bei einem beliebigen Händler gekauft worden sein. Hat man allerdings selbst erfolglos am iPhone gebastelt, etwa um den Akku zu tauschen, verweigert Apple den Service.

Garantieverlängerung

Für Schäden nach Ablauf der Herstellergarantie empfehlen wir den Apple Care Protection Plan, für ein iPhone kostet diese Garantieverlängerung um ein weiteres Jahr 69 Euro. Dies ist ideal für alle, die bei einem Schaden, der unter die Garantiebedingungen fällt, schnell auf ein Ersatzgerät angewiesen sind. Wer ein paar Tage auf sein iPhone verzichten kann, findet günstige Alternativen. So ist die Garantieverlängerung im EWP Myphoneschutz, dem Angebot von Assona, der Amazon-Garantieverlängerung der Ergo und den Providerversicherungen außer Vodafone enthalten.

Diebstahl

Ab einer Monatsgebühr von 7,40 Euro erhält man eine iPhone-Versicherung mit Diebstahlschutz. Bei Diebstahl wird allerdings eine Selbstbeteiligung zwischen 25 Prozent des Zeitwerts und 25 Prozent des Neuwerts fällig.

Die einzige Versicherung, die bei einem Diebstahl auf die Selbstbeteiligung verzichtet, ist die Ergo Direkt: Sowohl bei der Gegenstandsversicherung als auch beim von der Ergo vertriebenen Amazon-Geräteschutz. Unter den übrigen hat die EWP myphoneschutz mit zehn Prozent des Neuwerts (also € 73,90 in unserem Beispiel) die günstigste Selbstbeteiligung bei Diebstahl.

Hausrat, Haftpflicht und KFZ

Doch wie weit ist ein iPhone über die Standard-Versicherungen wie Haftpflicht oder Hausrat abgesichert? Eine Hausratversicherung deckt nur Schäden ab, die zuhause passieren und ist daher keine Alternative. Alltagsschäden wie Sturz oder unsachgemäße Handhabung sind hier grundsätzlich ausgenommen, Hausratversicherungen helfen nur gegen höhere Gewalt und Ähnliches, nicht aber gegen Verschleiß. Wer über die Hausratsversicherung einen iPhone-Wasserschaden geltend macht, sollte auch den zugehörigen Rohrbruch nachweisen können.

Wird das iPhone zur Diebesbeute, ist es in bestimmten Fällen über die Hausratversicherung abgesichert, beispielsweise wenn es bei einem nachweisbaren Einbruch entwendet wurde. Viele Versicherer bieten erweiterte Hausratsversicherungen an, die auch den Diebstahl von Gegenständen aus dem eigenen Auto mit einschließt. Hier muss man aber genau das Kleingedruckte studieren um sicher zu gehen, dass der Schutz auch elektronische Geräte einschließt. Zudem muss sich das Auto im Schadensfall in der Regel in einer abgeschlossenen Garage befinden, beim Diebstahl auf der Urlaubsreise bleibt man auf den Kosten sitzen.

Ältere iPhones wie das hier abgebildete iPhone 3G lohnen sich nicht zu versichern. Zudem bietet hier Apple für 150 Euro eine Reparatur beziehungsweise einen Austausch an.
Vergrößern Ältere iPhones wie das hier abgebildete iPhone 3G lohnen sich nicht zu versichern. Zudem bietet hier Apple für 150 Euro eine Reparatur beziehungsweise einen Austausch an.

Die eigene Haftpflichtversicherung nutzt beim eigenen iPhone gar nichts, da sie nur die Schäden ersetzt, die man anderen verursacht hat. Auch bei den KFZ-Versicherungen sieht es schlecht aus: Da das Gerät nicht fest im Auto verbaut ist wie beispielsweise ein Radio, sondern als Zuladung gilt, ist die Beschädigung des iPhone beim Autounfall ein unversicherter Eigenschaden. Allerdings kann man den Schaden bei der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners geltend machen.

iPhone-Versicherungen

Eine Empfehlung zu geben fällt nicht leicht. Einige Versicherungen schnüren spezielle Versicherungspakete für Händler, die diese mit einem neuen iPhone weiterverkaufen. Sie beinhalten individuelle Leistungen, die auf die Anforderungen der Händler zugeschnitten sind und der Kundenbindung dienen sollen. Nachträglich lassen sich solche Pakete nur selten abschließen.

Ein Beispiel für einen großen Versicherer im Hintergrund ist die Firma Wertgarantie, deren Produkte vom Endkunden meist nicht gekauft werden können. Das Unternehmen steckt aber hinter jeder Menge anderer Versicherungsprodukte, die man beim Handyladen um die Ecke oder auch im Elektro-Großmarkt abschließen kann.

Die Entscheidung für eine passende Versicherung hängt von den Kosten und den Bedingungen wie etwa der Laufzeit ab. Manche Versicherungen können nur von Kunden des jeweiligen Hauses abgeschlossen werden. Besonders wichtig ist das Gerätealter, denn manche Versicherungen lassen sich nur bis 30 Tage nach dem Neukauf abschließen. Ein Sonderfall ist die Gegenstandversicherung der Ergo, bei der man so gut wie jeden Gegenstand versichern kann. Hier ist das Gerätealter egal, dafür sinkt der Sachwert in der Berechnung sowie Leistung im Lauf des Vertrages stark.

Die Leistungen der Versicherungen sind sich ähnlich. Da es sich in unserer Recherche um ein iPhone handelt, wird das Gerät letztlich nur über Apple repariert beziehungsweise ausgetauscht. Dennoch kann der Versicherer darauf bestehen, das iPhone über eine bestimmte Vertragswerkstatt zur Reparatur zu geben, damit dort der Schaden von der Versicherung geprüft werden kann.

Der Versicherungsschutz gilt generell weltweit und ebenso für häusliche Schäden. Problematisch ist es jedoch bisweilen, wenn man sein Gerät verleiht, zum Beispiel wegen einer Navi-App an einen Freund übers Wochenende. Hier greift nicht jede Versicherung; diese argumentieren meist, dass ein Schaden am Gerät dann über die Haftpflichtversicherung des Freundes abgedeckt wäre. Ein iPhone kann man fast nicht unterversichern. Nur bei der Gegenstandsversicherung der Ergo ist es möglich, einen beliebigen Wert zu versichern, also auch einen geringeren. Die Kostenreduktion im Reparaturfall lohnt allerdings in diesem Fall nicht wirklich.

Im Apple Store bekommt man an Apples Genius Bar meist sofort einen Ersatz für ein defektes iPhone.
Vergrößern Im Apple Store bekommt man an Apples Genius Bar meist sofort einen Ersatz für ein defektes iPhone.

Eine iPhone-Versicherung kann bis zu fünf Jahren gelten. Die meisten Verträge verlängern sich automatisch, aber es gibt auch Schutzbriefe, die nach ihrer Laufzeit automatisch enden. Die Kündigungsfristen reichen von 28 Tagen bis zu drei Monaten, die Verträge verlängern sich meist entweder um einen Monat oder um ein Jahr.

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