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macOS Sierra statt OS X 10.12 – das iCloud-Betriebssystem

20.06.2016 | 13:20 Uhr |

Ein neuer Name, Siri und eine verbesserte Fotoanwendung. Kleinere Neuerungen auf den ersten Blick. Doch Apple hat mit einem neuen Dateisystem und einer tiefen Integration von iCloud das wohl erste Cloud-Betriebssystem gebaut, das sich wie ein lokales anfühlt.

Es ist offiziell: Aus OS X wird macOS. Die Versionierung behält Apple vorerst bei, wohl um Entwickler nicht ganz zu verwirren. Eine Google Suche nach 10.12 dürfte vielen noch leichter fallen am Einführungstag. Damit hat die Firma aus Cupertino OS X nach 15 Jahren offiziell begraben, und schließt in der Nomenklatur die Lücke zu watchOS, tvOS und iOS.

So installieren Sie macOS Sierra auf einer USB-Festplatte

Siri kommt auf den Mac

Unaufdringlich und einfach wie von Apple gewohnt, kommt Siri als neuer Assistent (oder Assistentin, je nach eingestellter Stimme) auf das neue macOS. Dabei verdrängt es Spotlight an erster Stelle der Menüleiste, und findet sich auch in den Systemeinstellungen sowie  im Dock wieder. In der uns vorliegenden Beta-Version funktionierte Siri zunächst nur auf englisch, in einem zweiten Versuch konnten wir mit der Sprachassistentin dann aber auf deutsch kommunizieren.

So gut ist Siri auf dem Mac – erster Test

Um Siri zu aufzurufen, hilft nach Belieben ein Tastenkürzel oder ein einfach Klick auf entweder die App oder auf das Symbol in der Menüleiste –  das gewöhnte Eingabefenster  öffnet sich. Dabei kommuniziert die Sprachassistentin gefühlt schneller und ist jetzt auch für Befehle wie „Zeige mir die letzten Dokumente, an denen ich gearbeitet habe“ verfügbar.


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Fotos wird intelligenter

Apple zieht in Sachen Fotos endlich nach, und liefert das, was Google schon lange kann: Bestimmte Orte und Gegenstände erkennen , und anhand von Ereignissen automatisch Erinnerungsalben und Slideshows erstellen. Hier kommt aber ein wichtiger Punkt hinzu, der schnell vergessen wird: Apple sendet dafür die Bilder nicht in die iCloud und verdient Geld damit. Alles geschieht lokal auf dem Mac.

Einzelne Fotos lassen sich auch innerhalb der Anwendung bearbeiten – das war aber auch schon unter El Capitan so. Dabei hat Apple sich der iOS-Variante bedient und die Menüleiste nur nach rechts verschoben. Die Symbole und Eigenschaften sind die gleichen. Fotos fühlt sich nun groß genug an, um mächtigere Projekte und mehr Bilder damit zu verwalten.

Erster Test mit Fotos für macOS: Gesichtserkennung, Motive

Das iCloud-Betriebssystem

Apple beweist Mut. Viele Kritiker wollten die iCloud nicht einmal zum Verwalten der eigenen Dateien verwenden, und trotzdem wagt Apple den Schritt zur fast kompletten Auslagerung des Macs. Aber der Reihe nach.

macOS Sierra: iCloud-Sync bringt Überall-Desktop

Mit dem Apple File System (AFPS) hat Apple HFS+ als Standard am Mac abgeschafft und ein eigenes Dateisystem entwickelt. Dieses bietet Funktionen wie eine native Verschlüsselungsfunktion (somit wird keine extra Software wie Filevault mehr benötigt), kann sogenannte Snapshots vom aktuellen Zustand des Betriebssystems erstellen, und beherrscht das „Space Sharing“.

Mit „ Space Sharing “ haben zwei Partition mit unterschiedlicher Größe den gleichen Speicherplatz zur Verfügung. Heißt: Eine Festplatte mit 256 GB, und Partition A mit 20 GB und Parition B mit 80 GB haben beide 156 GB freien Speicherplatz zur Verfügung. Partitionen können also wachsen ohne neu partitionert werden zu müssen. Das statische, physische Empfinden von Partitionen fällt damit fast weg.

So funktioniert die optimierte Speicherverwaltung in macOS Sierra

Die iCloud schließt hier den Kreis. Die Systemeinstellungen haben hier einen neuen Punkt innerhalb der iCloud aufgeführt, „ Desktop & Dokumente “. Damit lädt Apple automatisch alle Dateien in diesen beiden Ordner in die iCloud hoch. Nicht nur das, im Finder verschieben sich die beiden Orte nun unter dem Oberpunkt „iCloud“. Eine kleinere Änderung, doch es fühlt sich wie ein großer Schritt hin zu einem Arbeiten in der Cloud an.

Der große Unterschied zu Google Drive und Co wird schnell klar: Apple will die iCloud als externe Festplatte und als festen Bestandteil in macOS integrieren. Erscheint eine Dropbox noch wie ein Plug-in, fühlt sich die iCloud in Sierra jetzt wie ein nützlicher Bestandteil des Betriebssystems an.

Features in macOS Sierra: Neues in Finder

Tabs in Apps: Ordnung auf dem Schreibtisch

Erstes Fazit

Zwölf Stunden nach der ersten Veröffentlichung fällt unser Fazit überraschend positiv aus: Siri und die iCloud erscheinen weniger als eine Neuerung sondern viel mehr als schon immer feste Bestandteile des Macs. Bis zur finalen Version ist noch vieles zu erledigen (AFPS ist noch nicht integriert, Siri funktioniert nur auf Englisch), doch der Mac fühlt sich dank der neuen Software wesentlich mächtiger an, und es dürfte noch mehr Spaß machen, damit zu arbeiten. Die zahlreichen Neuerungen haben aber ihren Preis, Sierra läuft nicht mehr auf allen Macs, die Mavericks, Yosemite und El Capitan ausführen konnten. Die Rechner dürfen wohl nicht älter als Baujahr 2010 sein – mit Ausnahme des iMac und des Alu-Macbook, die jeweils auch in den Fassungen vom Herbst 2009 zum Zuge kommen dürfen.

Neu in macOS Sierra: Bild-in-Bild-Funktion

Weitere Neuerungen

Mit der Zeit fallen Entwicklern immer mehr Neuerungen auf, über die Apple bisher nicht ausführlich gesprochen hat. An dieser Stelle finden Sie ein Liste mit diesen kleinen Innovationen, die wir nach und nach aktualisieren werden:

  • Über den Mac App Store angebotene Programme müssen nicht mehr iCloud als Webdienst verwenden, sondern können auch auf andere Anbieter setzen. Gleichzeitig verschärft Apple die Gatekeeper-Einstellungen und ermuntert Entwickler damit, sich entweder bei Apple zu zertifizieren oder ihre Software gleich über den Mac App Store anzubieten. Die Einstellungen des Gatekeeper kann man in macOS für einzelne Apps festlegen, bisher musste man global angeben, ob man App-Downloads nur aus dem Store oder auch von zertifizierten Entwicklern erlaubt oder gar keine Einschränkungen festlegt.

  • macOS Sierra bietet ein praktisches Feature für alle Anwender, die zahlreiche Apps mit Menüleisteneinträgen verwenden. Ab der neuen Version lassen sich nun auch die von Drittherstellern installieren Symbole umordnen. Bisher war dies nur mit den Apple eigenen Apps möglich oder einem zusätzlichen Tool wie Bartender.

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