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Das heimische Netzwerk erweitern

21.06.2014 | 09:15 Uhr |

Was tun, wenn sich die Anforderungen an das Netzwerk zu Hause ändern? Wenn neue Geräte dazukommen oder nach dem Umräumen in einer Ecke landen, die weder per Kabel noch per WLAN erreicht wird? So sorgen Sie überall für eine sichere Verbindung.

Wer renovieren will oder einen Umzug plant, hat es gut, denn dabei kann man mit wenig Aufwand alle benötigten Netzwerkkabel legen, um Rechner, Apple TV und anderen Geräten eine optimale Verbindung untereinander und zum Internet zu ermöglichen. Tipps dafür finden Sie hier . Blöd nur, wenn dann nachträglich auffällt, dass man etwas vergessen hat oder später doch ein Gerät an einer Stelle hinzukommt, die nicht erreicht wird.

Die Standardlösung für solche Fälle ist das WLAN, aber auch das klappt nicht immer. Mal reicht die Geschwindigkeit nicht, mal genügt die Reichweite des Hotspots nicht bis in eine in eine abgelegene Ecke. Das kommt gerade in Neubauten mit viel Stahl und Beton häufig vor. Kann man nicht unauffällig ein Ethernet-Kabel an die gewünschte Stelle ziehen, bieten sich für einzelne Geräte vor allem Powerline-Adapter an. Wir zeigen nun, wie man sein Netzwerk damit ergänzt.

Das Macwelt-Wochenendprojekt

Unser Do-it-Yourself-Experte Matthias Zehden stellt ab sofort jede Woche ein kleines Projekt vor, das Sie sich an einem verregneten Wochenende vornehmen können, egal ob Optimierungen an Ihrer Netzwerkinfrastruktur oder Ausmist-Arbeiten an Ihren Mediatheken.

Nachdem wir uns in der ersten Folge unserer Wochenendprojekte mit der Optimierung unseres Heimnetzwerks beschäftigt haben, machen wir uns in dieser Folge daran, unser Netzwerk mit Powerline-Adaptern zu erweitern.

Wochendprojekt 1: Heimnetz optimieren

Netzwerk über die Stromleitung

Powerline-Adapter stellen IP-Verbindungen über gewöhnliche Stromleitungen her. Das spart das Verlegen zusätzlicher Kabel. Alles was man braucht, ist sind zwei Steckdosen. Die eine ist am Zielort gewöhnlich vorhanden, da sich die meisten Geräte ohne Strom eh nicht betreiben lassen. Powerline-Adapter gibt es von diversen Firmen. Wir verwenden hier ein Paar Fritz Powerline 520E von AVM .

Powerline-Adapter wirken als Bridge. Sie senden das Ethernet-Signal über das Stromnetz weiter und wandeln es umgekehrt auch wieder zurück.
Vergrößern Powerline-Adapter wirken als Bridge. Sie senden das Ethernet-Signal über das Stromnetz weiter und wandeln es umgekehrt auch wieder zurück.

Diese schleifen die Steckdose durch, sodass man sie als Zwischenstecker nutzen kann und keine zweite Steckdose für das zu versorgende Gerät benötigt. Als zweiten Anschluss besitzen Sie einen Gigabit-Ethernet-Port, der bis zu 500 Mbit/s unterstützt. In der Praxis fallen die erreichbaren Datenraten allerdings deutlich geringer aus (siehe unten). Es gibt auch Modelle mit eingebautem Hub, um mehrere Geräte anzuschließen, oder mit integrierter WLAN-Basis.

Die Fritz-Adapter verbinden sich automatisch. Der Mac sieht einen normalen Ethernet-Port und wird wie direkt am Hub angeschlossen konfiguriert.
Vergrößern Die Fritz-Adapter verbinden sich automatisch. Der Mac sieht einen normalen Ethernet-Port und wird wie direkt am Hub angeschlossen konfiguriert.

Installation der Adapter

Der erste Adapter wird am besten in eine Steckdose nahe am Router oder Hub gesteckt und dann per Ethernet-Kabel mit einem freien Port verbunden. Falls nötig kann man auch einen beliebigen anderen freien Netzwerkanschluss in der Wohnung nutzen, wir empfehlen aber grundsätzlich die Kabelwege nicht länger als nötig zu machen. Tipp: Man sollte Powerline-Adapter nie in Steckdosenleisten verwenden. Diese können durch interne Filter oder ungünstige Kabelverläufe die Signalqualität stark verschlechtern. Müssen mehrere Geräte versorgt werden, nehmen Sie einen Powerline-Adapter mit integrierter Steckdose und schließen Sie die Steckdosenleiste daran an – nicht umgekehrt.

Der Status der AVM-Adapter lässt sich in der Liste der Netzwerkgeräte an der Fritzbox prüfen.
Vergrößern Der Status der AVM-Adapter lässt sich in der Liste der Netzwerkgeräte an der Fritzbox prüfen.

Der zweite Adapter wird in eine Steckdose beim anzuschließenden Netzwerkgerät gesteckt. Dann wird auch dieses per Ethernet-Kabel angeschlossen. Im unserem Fall verbinden sich die beiden Adapter automatisch, da wir sie als Paar gekauft haben, und stellen dabei eine mit AES (128 Bit) verschlüsselte Verbindung zwischen sich her. Um weitere Adapter einzubinden oder bei Adaptern anderer Hersteller kann es erforderlich sein, einen Knopf daran zu drücken. Alle Adapter in einem Powerline-Netz müssen das gleiche AES-Kennwort nutzen.

Klickt man rechts in der Gerätezeile auf das Bearbeiten-Icon, lässt sich dem AVM-Adapter unter anderem ein Name geben und prüfen, ob es ein Firmware-Update gibt.
Vergrößern Klickt man rechts in der Gerätezeile auf das Bearbeiten-Icon, lässt sich dem AVM-Adapter unter anderem ein Name geben und prüfen, ob es ein Firmware-Update gibt.

Weitere Einstellungen

Je nach Hersteller lassen sich über Konfigurationsprogramme, ein Webinterface oder weitere Knöpfe am Adapter die Einstellungen verändern. Bei einigen muss die Verschlüsselung auch erst aktiviert werden, was man dann auch unbedingt tun sollte. AVM bietet ein Konfigurationstool für Windows, die Mac-Version hat noch Beta-Status . Daher verwenden wir zur weiteren Konfiguration eine Fritzbox 7390 – ebenfalls von AVM. Hier lassen sich die Adapter in der Liste „Heimnetz > Netzwerk“ auswählen, um die Verbindungsgeschwindigkeit zu prüfen oder den Namen zu ändern.

Verlässt man die Konfiguration, erscheint der Adapter mit seinem neuen Namen (hier „Esszimmer“) in der Liste.
Vergrößern Verlässt man die Konfiguration, erscheint der Adapter mit seinem neuen Namen (hier „Esszimmer“) in der Liste.

Außerdem lassen sich die Status-LEDs abschalten, falls sie nerven, und der Ethernet-Port auf 100BaseT drosseln, um Strom zu sparen. Das Passwort lässt sich über das Webinterface leider nicht ändern, wird aber im Werk zufällig vergeben, sodass die Verbindung sicher ist. AVM täte trotzdem besser daran, die Änderung über die Fritzbox zu erlauben, damit man darüber weitere Adapter hinzufügen kann. Vergibt ein Hersteller bei der Auslieferung feste Passwörter, sollte man diese immer sofort ändern.

Das AVM-Tool zeigt übersichtlich die Adapter und die aktive Verschlüsselung der Verbindung. Die Mac-Version ist allerdings noch etwas wackelig.
Vergrößern Das AVM-Tool zeigt übersichtlich die Adapter und die aktive Verschlüsselung der Verbindung. Die Mac-Version ist allerdings noch etwas wackelig.

Praktische Erfahrungen

Welche Geschwindigkeit man über Powerline erzielen kann, hängt stark vom Einzelfall  – sprich der Leitungsinstallation des Hauses – ab. Wir erreichten über zwei direkt verbundene Steckdosen in ein paar Meter Abstand etwas über 330 Mbit/s, auf typischen Distanzen quer durch die Wohnung etwa 80 bis 150 Mbit/s. Für einen normalen DSL-Anschluss reicht das locker aus, auch Videostreaming ist kein Problem. Für eine selektive Erweiterung des Netzes ist Powerline damit in vielen Fällen gut geeignet. Als Basis des Netzes würden wir trotzdem immer normales Gigabit-Ethernet empfehlen. Nicht nur, weil es konstanter und im Schnitt auch deutlich schneller ist.

Klickt man auf einen Namen, sieht man den Adaptertyp und die aktuellen Verbindungsgeschwindigkeiten. Mit „mehr“ kommt man zur Konfiguration.
Vergrößern Klickt man auf einen Namen, sieht man den Adaptertyp und die aktuellen Verbindungsgeschwindigkeiten. Mit „mehr“ kommt man zur Konfiguration.

Die Qualität der Powerline-Verbindung kann von Steckdose zu Steckdose schwanken. Bei größeren Entfernungen oder ungünstigem Leitungsverlauf, kann die Datenrate schnell in den kleinen zweistelligen Bereich fallen. Liegen zwei Dosen nicht auf einer Phase des Wohnungsanschlusses, kann die Verbindung sogar komplett zusammenbrechen. Außerdem sind normale Stromleitungen nicht abgeschirmt, wodurch sie bei hochfrequenten Datensignalen als Sender wirken. Das kann Störungen im bei Radio- und Amateurfunkempfang verursachen. Außerdem muss man etwa 30 bis 40 Euro pro Steckdose rechnen. Für eine ganze Wohnung sind Kabel deshalb nicht nur besser, sondern auch günstiger.

Wer einen Windows-PC im Netzwerk hat, kann auch die identische Windows-Version des AVM-Tools nutzen. Die arbeitet deutlich stabiler als die Beta-Software für OS X.
Vergrößern Wer einen Windows-PC im Netzwerk hat, kann auch die identische Windows-Version des AVM-Tools nutzen. Die arbeitet deutlich stabiler als die Beta-Software für OS X.

Die meisten Powerline-Adapter folgen dem Standard Homeplug AV (IEEE 1901), sodass man theoretisch auch verschiedene Hersteller mixen kann. Für optimale Performance raten wir jedoch zu Adaptern einer Generation und eines Herstellers. Da die Adapter ständig laufen, sollte man zusätzlich auf einen geringen Stromverbrauch achten. Unsere Testadapter verbrauchen aktiv jeweils maximal 3 Watt und schalten automatisch auf Stand-by mit 0,5 Watt. Das sind gute Werte.

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