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Mozilla Firefox: iOS-Browser für Power-Nutzer

13.11.2015 | 15:23 Uhr |

Mozilla Firefox erscheint als iOS-App. Wir zeigen, was der Browser kann und was ihn von Safari unterscheidet.

Seit dem 12. November bietet Mozilla gratis den Internet-Browser in dem App Store an. Die Frage, die sich den meisten iOS-Anwendern nun stellt, lautet wahrscheinlich: „Wieso sollte ich von meinem bisherigen Browser auf einen neuen umsteigen?“ Auf den ersten Blick scheint Firefox nämlich keine relevanten Unterschiede zu Apples Safari-Browser zu haben – und doch fühlt sich das Browsen mit Firefox anders an.

Browser-Fenster: Aufbau im Vergleich

Vergleicht man das Browser-Fenster von Safari mit dem von Firefox fällt sofort auf, dass das Design von Safari sehr flach, minimalistisch und Apple-typisch schlicht gehalten ist. Dahingegen erinnert das Browser-Fenster von Firefox eher an die Darstellung eines PC-Browser-Fenster. Die Adressleiste ist deutlich vom Rest der Seite abgehoben, so dass man mehr das Gefühl hat, an einem PC im Internet zu surfen. Die allgemeine Darstellung der Seite ist sowohl bei Safari als auch bei Firefox identisch. Die Schaltflächen Seite zurück und Seite vorwärts befinden sich ebenfalls an der gleichen Position. Weitere Unterschiede lassen sich in der Navigationsleiste wiederfinden. Bei Apple befindet sich der Reload -Button oben in der Adressleiste.Für iPhone 6- und iPhone 6S-Anwender stellt die Position des Reload-Buttons eine Herausforderung dar: Entweder muss man beide Hände benutzen, um die Seite aktualisieren zu können, oder aber zwei mal den Homebutton berühren. Dadurch wird die dargestellte Seite in der unteren Hälfte des Bildschirms angezeigt, sodass man auch mit einer Hand den Reload-Button erreichen kann. Somit hat Apple zwar eine Alternative geschaffen, die aber deutlich zeitraubender ist als die Lösung vom Firefox-Browser. Hier befindet sich der Reload-Button unten in der Navigationsleiste, direkt neben den Schaltflächen.

Der Reload-Button ist bei Firefox praktischer positioniert.
Vergrößern Der Reload-Button ist bei Firefox praktischer positioniert.

Beide Browser haben in der Navigationsleiste den Funktions-Button integriert, der dem Anwender erlaubt, mit der geöffneten Seite weiter zu arbeiten. Firefox bietet allerdings viel weniger Funktionen als Safari. Beide Browser erlauben es, den Website-Link in Nachrichten, Mail, Erinnerungen, Notizen, Twitter, Facebook etc. weiter zu schicken. Natürlich kann man den Link auch kopieren, die Seite drucken, den Tab senden oder später ansehen. Darüber hinaus bietet Safari aber noch weitere nützliche Funktionen. Einerseits lässt sich die Seite zum Home-Bildschirm hinzufügen, so dass die Website als separate App auf dem Bildschirm erscheint. Dadurch kann man sehr schnell auf häufig besuchte oder wichtige Seite zugreifen. Zudem bietet Safari die Funktion „ Auf der Seite Suchen “, was der Firefox-Browser nicht kann. Damit lassen sich die Websites, wie auf dem PC, nach bestimmten Schlüsselworten durchsuchen, die im Text wiederum farblich gekennzeichnet werden. Ein Feature, welches gerade bei langen Texten sehr hilfreich ist.

Der Funktions-Button befindet sich bei Firefox und Safari in der Navigationsleiste.
Vergrößern Der Funktions-Button befindet sich bei Firefox und Safari in der Navigationsleiste.

Möchte man eine Website als Favorit sichern , lässt sich dies deutlich schneller über den Firefox-Browser erledigen. Dank des unten rechts in der Navigationsleiste abgelegten Sterns lassen sich die Lieblingsseiten blitzschnell als Favorit speichern – und genauso schnell wieder löschen. Im Safari-Browser muss man umständlich über den Funktions-Button die Option anwählen, was wiederum etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Mit Firefox geht das Speichern von Favoriten viel schneller.
Vergrößern Mit Firefox geht das Speichern von Favoriten viel schneller.

Eine ebenfalls sehr wichtige Funktion ist das Öffnen von weiteren Tabs . Bei Firefox kann man weitere Seiten öffnen, indem man rechts neben der Adressleiste auf die Zahl tippt. Die Höhe der angezeigten Zahl gibt an, wie viele weitere Seiten der Browser im Hintergrund geöffnet hat. Möchte man einen weiteren Tab öffnen, tippt man anschließend einfach auf das Plus-Zeichen oder man wählt eine Seite aus der angezeigten Liste aus.

Über Safari und Firefox lassen sich weitere Tabs öffnen.
Vergrößern Über Safari und Firefox lassen sich weitere Tabs öffnen.

Hierbei bietet Firefox ein nettes Feature, welches es in der Art bei Apple nicht gibt. Als Anwender hat man die Wahl, ob die Tabs in einer etwas größeren, kartenähnlichen Darstellung angezeigt werden sollen oder in einem klassischen Kastensystem (Kompakte Tabs). Über das Einstellungssymbol in der oberen linken Ecke kann man die kompakten Tabs ein- und ausschalten. Alles in allem macht die Darstellung von mehreren Tabs bei Firefox einen organsierteren Eindruck als bei Safari. Die verschiedenen Tabs lassen sich bei Safari über das Symbol in der unteren rechten Ecke einsehen. Zwar kann man über Safari viel mehr Tabs gleichzeitig einsehen, der 3D-Effekt, sowie die gesamte Darstellung der vielen Seiten, lassen sich aber nicht wie bei Firefox individuell einstellen und machen einen eher unübersichtlichen Eindruck. Dafür lassen sich die Tabs in der Darstellung viel schneller schließen, was wiederum bei Firefox durch eine kurze Animation des Löschvorgangs mehr Zeit in Anspruch nimmt. Alternativ kann man mit einem nach links gerichteten Wischen die Seiten innerhalb der Tab-Anzeige schließen.

Safari hat den 3D-Effekt, Firefox zeigt die Tabs im Kartensystem (s. Bild) oder im Kastensystem.
Vergrößern Safari hat den 3D-Effekt, Firefox zeigt die Tabs im Kartensystem (s. Bild) oder im Kastensystem.

Privates Surfen

Sowohl Safari als auch Firefox bieten die Möglichkeit, im Internet privat zu surfen. Wenn in diesem Modus noch keine Website geöffnet ist, geben beide Browser im Vorhinein kurz darüber Auskunft, was sie unter privatem Surfen verstehen. Bei Firefox heißt es: „Firefox wird weder Chronik noch Cookies speichern. Neue Lesezeichen können jedoch gespeichert werden.“ Safari kündigt folgendes an: „Für Tabs im privaten Surfmodus merkt sich Safari keine besuchten Seiten, keinen Suchverlauf und keine Informationen zum automatischen Ausfüllen.“ Beide Browser haben gemeinsam, dass sich beim privaten Surfen das Design des Browsers verändert. In beiden Fällen geht die Adressleiste in eine Art Darkmode über, so dass das private Surfen im dunkleren Design von dem öffentlichen Surfen im hellen Design klar abgegrenzt ist. Zudem kennzeichnet die Farbe des Schlosses in der Adressleiste, dass man sich im privaten Surf-Modus befindet, wobei das giftgrüne Schloss bei Firefox sich farblich vom Rest der Website abhebt und somit dem Anwender allein durch die farblichen Kontraste verdeutlicht, in welchem Modus man sich derzeit befindet. Auch die Tab-Anzeige unterscheidet sich durch ein lilafarbenes Symbol von der sonst weißen Anzeige.

In beiden Browsern kann man inkognito surfen.
Vergrößern In beiden Browsern kann man inkognito surfen.

Leseansicht

Gerade bei Online-News bietet sich diese Funktion an, um dem Text eine klare Struktur zu verleihen und somit den Lesefluss angenehmer zu gestalten. Zudem ist bei Firefox die Hintergrundfarbe mit drei verschiedenen Farbtönen variabel. Der Anwender kann zwischen Hell, Dunkel und Sepia auswählen, bei Safari lässt sich zusätzlich ein komplett schwarzer Hintergrund einstellen. Auch die Schriftgröße lässt sich für den Leser individuell einstellen, wobei Firefox bei den Schriftarten nur zwischen Sans Serif und Serif unterscheidet. Safari bietet insgesamt acht verschiedene Schriftarten an.

Der Lesemodus bietet bei beiden Browsern hilfreiche Optionen.
Vergrößern Der Lesemodus bietet bei beiden Browsern hilfreiche Optionen.

Kompatibilität

Wer Safari nicht nur auf seinem iPhone, sondern auch auf anderen Apple-Produkten benutzt, kann die Einstellungen für alle Geräte synchronisieren. Dies erleichtert dem Anwender das Surfen ungemein. Auch Firefox bringt ein solches Feature mit. Hat man bereits an bestehendes Konto, kann man mittels Sync-Funktion bestehende Daten von anderen Geräten importieren. „Holen Sie sich Ihre offenen Tabs, Lesezeichen und Passwörter von Ihren anderen Geräten.“

Mit der Sync-Funktion kann man existierende Daten in den App-Browser importieren.
Vergrößern Mit der Sync-Funktion kann man existierende Daten in den App-Browser importieren.

Fazit

Letztendlich haben die beiden Browser mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede, wobei am Ende kleine Nuancen die Entscheidung des Anwenders beeinflussen können. Zudem kommt es auf die persönlichen Vorlieben des Nutzers an. Sollten Sie also bisher mit Safari oder einem anderen Browser gut zu Recht kommen, gibt es nur einen Grund, weshalb Sie den Browser wechseln sollten: Alle Power-Nutzer von größeren Geräten sollten allerdings so manche Funktionen von Firefox das Arbeiten erleichtern. Falls man sogar auf seinem Macbook oder iMac bisher Firefox dem Apple-Browser vorgezogen hat, sollte man sich die App auf jeden Fall herunterladen, zudem steht sie kostenlos zur Verfügung. Wenn Sie mit der Bedienung des Safari-Browsers keine Schwierigkeiten hatten, wird auch die Firefox-App keine großen Probleme bereiten. Wer eine designbezogene Abwechslung erleben möchte, ist mit Firefox ebenfalls gut bedient. Der Browser läuft stabil, bietet mit leicht zugänglichen Funktionen wie dem Reload- und dem Favorit-Button eine schnelle und einfache Bedienung und steht Safari im Großen und Ganzen in nichts nach. In Sachen Funktionalität herrscht ein klares Unentschieden zwischen dem feurigen Fuchs und dem blauen Kompass. Jetzt muss der persönliche Geschmack entscheiden.

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