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Mountain Lion unter der Lupe: Natürlich scrollen – rauf und runter!

02.08.2012 | 11:06 Uhr |

Über 200 neue Features verspricht Apple im neuen OS X Mountain Lion. Tatsächlich hat sich noch viel mehr verändert: Viele Feinheiten und Perlen des neuen Systems sind kaum dokumentiert. Umso praktischer, sie zu kennen! Jede Woche holen wir tief in OS X 10.8 Vergrabenes an die Oberfläche. Diesmal geht es um Feinheiten beim Scrollen und bei Finder-Fenstern – wie man sie holt und loswird.

„Ups, er rollt ja falsch rum“, wunderten sich viele Anwender nach dem letzten System-Update auf Lion. Apple hatte die Scrollrichtung in Fenstern radikal geändert, nämlich umgekehrt – was viele nach dem Umstieg kräftig geschockt hat. Statt an Fensterbalken zu ziehen, sollten wir „ein Blatt Papier über den Schreibtisch schieben“, wie Apple das neue Prinzip auf der Pressekonferenz veranschaulichte. Eigentlich ein logischer Schritt, funktioniert doch das Scrollen auf den immer öfter benutzten Touch-Geräten wie iPad und iPhone genauso – und wir sollen uns überall gleich zu Hause fühlen.

 
Trotzdem: Der Schock war für viele in etwa so groß wie im Mietwagen in England, wenn man zum ersten Mal im Linksverkehr fahren muss. Die Rettung besteht in der Flucht, nämlich per Systemeinstellung das gewohnte Verhalten zurückzuholen. Schaltet man unter „Trackpad > Scrollen und Zoomen > Scrollrichtung: Natürlich“ aus, fährt man praktisch wieder auf der gewohnten Seite. Auch Mountain Lion scrollt falsch rum, äh – sorry, Apple – „natürlich“. Es ist also klar, wohin die Reise geht. Gut möglich, dass beim nächsten System die Option zum Ausschalten (und Anschalten der Altlasten) komplett entsorgt wird. Viele haben sich aber auch schnell umgewöhnt. Auf Trackpads fühlt sich die neue Richtung super an. Anders sieht es allerdings mit Mäusen und Scrollrädern aus. Hier hat man nach einem Jahr des neuen Scrollens immer noch ab und zu das Gefühl, seltsam am Rad zu drehen. Das wird auch bei Mountain Lion vielen Nutzern Grund genug sein, die Natürlichkeit wiederum abzuschalten.
 
Ein zweiter radikaler Schritt bei Lion war der Wegfall der sonst immer präsenten Scrollbalken in Finder-Fenstern. In Lion wurden die hässlichen Schieber versteckt und nur noch sichtbar, wenn man sie gerade brauchte.  Eigentlich eine gute Sache, alles sah so aufgeräumt aus wie im Apple Store. Doch viele „missbrauchen“ Scrollbalken, um auf einen Blick abzuschätzen, wie viel von dem Fenster nicht sichtbar ist. Die fehlende visuelle Hilfe nervt und ist nach einem Ausflug zu den Systemeinstellungen (unter „Allgemein > Rollbalken einblenden“) erneut zurück – auch unter Mountain Lion – und zwar immer und ständig. Zu den tatsächlichen Verbesserungen zählt, dass es jetzt reicht, mit zwei Fingern auf ein Fenster zu tippen, und die alten Balken sind wieder da. Position, Dokumente oder Fenstergröße lassen sich mit einem Fingertipp wieder abschätzen! Leider nur auf dem Trackpad, bei der Magic Mouse klappt’s nicht, weil viele Anwender die Finger eh ständig auf der Maus liegen lassen. Trotzdem eine gute Sache: In Lion hatten manche schon die komische Angewohnheit, mal kurz zu rollen, nur um einen Blick auf die Balken werfen zu können – das entfällt künftig, und Magic-Mouse-Fans können den Nachteil mit einem Magic Trackpad ausbügeln.
 
Noch was Kleines hat sich verändert: Die Scrollbalken in Lion waren dünn und schwer mit dem Mauszeiger zu treffen. Bewegt man unter Mountain Lion den Mauszeiger über einen Balken, wird er doppelt so dick – optisch nicht besonders elegant, aber klasse für alle, die sich immer wieder beim Ziehen an den Dingern ertappen! In Lion durften Scrollbalken übrigens nie kollidieren. Näherten sie sich einer Ecke, blieben sie kurz vor der Berührung stehen. In Mountain Lion dürfen sie. Das hat den Vorteil, dass die alte „tote Zone“, in der man keine Scrollbalken erwischen konnte, wegfällt. Die Kehrseite sind Balken, die sich nicht nur treffen, sondern tatsächlich transparent überlappen, was reichlich seltsam aussieht.
 
Übrigens: Ich rolle seit einem Jahr schon falsch rum, also natürlich, und war erstaunt, wie leicht das Umgewöhnen geklappt hat – schon nach ein paar Wochen hat sich’s gut angefühlt. Zurück will ich nie wieder. Dafür bin ich jedesmal verwirrt, wenn ich alle paar Tage mal an einem Windows-PC scrollen muss. Aber Windows 8 soll ja einiges Radikales in Sachen Interface bringen, vielleicht wird dann auch dort richtig rum gerollt.

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