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12-Stunden-Schicht und Billig-Essen - Bericht von der iPhone 7-Produktion

12.04.2017 | 15:50 Uhr |

Ein Student hat in China iPhones zusammengebaut – er erklärt außerdem, warum die Produktion wohl nie in die USA verlagert wird.

In einem längeren Artikel des Business Insider berichtet ein amerikanischer Student über die Arbeitsbedingungen in einer iPhone-Fabrik des Apple-Zulieferers Pergatron . Der Student der New York University verbrachte als Sommer-Projekt für die Universität sechs Wochen in der iPhone-Produktion - und schraubte für 450 US-Dollar pro Monat Bauteilte in iPhones.

Die Arbeitsbedingungen in China sind aus Sicht eines Europäers deprimierend. Der sehr interessante Bericht zeigt aber, dass dafür vor allem unscheinbare Details verantwortlich sind – wie die  strikten Überstundenregelungen. In der Assemblierung bei Pergatron werden an hundert Stationen iPhones zusammengesetzt. Eine klassische Fließbandarbeit, wie sie in Deutschland selten geworden ist. Das können hundert Arbeitsschritte sein, so hatte etwa Zeng die simple Aufgabe die Schraube am iPhone-Lautsprecher zu befestigen. Musik kann man dabei nicht hören, Gespräche mit den Kollegen sind nicht erwünscht. Die Arbeit startete um 19.30 Uhr, nach zwei Stunden gibt es ein zehnminütige Pause. Nach weiteren zwei Stunden gibt es 50-Minuten Essenspause – billiges Essen von der Firma. Nach ähnlich verlaufenden weiteren vier Stunden können noch zwei bei zweieinhalb Überstunden anstehen.

Die Arbeitsbedingungen in Apples Zulieferbetrieben sind umstritten, werden von Apple aber regelmäßig kontrolliert. Nach dem Bericht von Zeng sind aber vor allem die Überstunden ein Problem, diese sind nämlich keineswegs freiwillig und können in der Praxis nicht verweigert werden. Das gilt ebenso für Urlaubstage. In einer festen Produktionskette, bei der ein Arbeiter immer eine Schraube einschraubt, kann ein Arbeiter nicht einfach fehlen. Überstunden fallen an, wenn der Bedarf an iPhones groß ist, wie nach Einführung des iPhone 7. Dann kann auch einmal der freie Sonntag entfallen und es wird sieben Tage in der Woche gearbeitet – statt acht Stunden an sechs Tagen dann sicher mehr als die vorgeschriebenen 60 Stunden pro Woche. Zeng hat dies nicht selbst erlebt, ein Kollege berichtete Zeng aber, er hätte kurz nach Vorstellung des iPhone 7 elf Tage am Stück arbeiten müssen. Im Unterschied zu deutschen Arbeitszeitregelungen gelten übrigens das Warten vor dem obligatorischen Metalldetektor-Test, die Mittagspause und weitere Arbeitspausen nicht als Arbeitszeit.

Apple sieht dies allerdings anders und hat dies gegenüber Business Insider bereits wiederholt: In den letzten Jahren habe Apple die betreffende Fabrik in 16 so genannten Audits besucht, nach denen die vorgeschriebenen Arbeitszeiten von 43 Stunden eingehalten würden, 99 Prozent der Arbeitswochen lägen unter 60 Stunden. Hier gibt es Widersprüche zwischen den beiden Seiten.

Laut Zeng sehen die Arbeiter ihren Job ausschließlich als Mittel zum Geldverdienen, er ist auch in China nicht sehr hoch angesehen. Bei den langen Arbeitszeiten bleibe kaum noch Zeit für Freizeit. Die Möglichkeit eines Aufstiegs zu höheren Jobs sehr gering, für Weiterbildung die Arbeitszeiten zu lang. Auch Gewerkschaften hätten wenig Zuspruch, mit ein Grund ist die hohe Fluktuation. Die Arbeiter würden sehr oft zwischen den Fabriken wechseln oder für einige Monate in ihre eigentliche Heimat zurückkehren. Es gäbe zwar für Arbeiter eine firmeninterne Möglichkeit, sich zu beschweren, das sei aber noch sehr in den Anfängen. Eine bestimmte Arbeitskleidung ist vorgeschrieben, allerdings haben manche Arbeiter nur eine Montur – was nach einigen Arbeitstagen zu ziemlicher Geruchsbelästigung führen soll.

Im Vergleich zu anderen Firmen bemängeln die Arbeiter bei Pegatron weniger die Arbeit als die strikten Regeln – kein Musikhören, keine Handys und keine Unterhaltungen. Auf Sicherheit werde geachtet und auch minderjährige Arbeiter wären kein Thema

Der Besitz eines iPhones ist bei den Arbeitern übrigens selten, die meisten nutzen günstigere heimische Produkte, etwa von Oppo - kein Wunder bei einem Grundgehalt von 450 Dollar.

Dass Apple die Produktion des iPhone in die USA verlagert, wie Trump wünscht, kann sich der ehemalige iPhone-Assemblierer übrigens nicht vorstellen: Dazu seien die Arbeitskosten in den USA einfach zu hoch. Viele Produktionsschritte könnte man außerdem einfach automatisieren, was in China wohl nur wegen der niedrigen Stundenlöhne unterbliebe.

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