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15 Jahre Facebook – (k)ein Grund zum Feiern

04.02.2019 | 13:31 Uhr | Peter Müller

Facbook wird 15 - Warum uns nicht zum Feiern zu Mute ist und Zuckerberg und Kollegen zu weit gegangen sind.

Am 4. Februar 2004, heute vor 15 Jahren, ging jener Service unter seinem neuen Namen ins Netz, dessen Gründer an sich nur an die Telefonnummern von Kommilitoninnen kommen wollte und deren Äußeres von den Nutzern des virtuellen Unijahrbuchs bewerten ließ: Facebook. Wir gehen nicht weiter auf die Geschichte des sozialen Netzwerkes ein, das die Kommunikation im Internet und selbst in analogen Welten auf den Kopf gestellt, verweisen aber gerne auf eine schöne Zusammenfassung der Kollegen von Mactechnews . Mark Zuckerberg hat sich damals sicher nicht vorgestellt, welches Monster er da geschaffen hat.

Doch zu einem wahren Monster ist Facebook mitsamt seiner Tochterunternehmen Whatsapp und Instagram geworden, beinahe ein Quasimonopolist der digitalen Kommunikation. Nach wie vor mag Facebook seine schönen Seiten haben, man hat als Nutzer immer noch genügend Möglichkeiten sich unter all dem Rauschen seine Perlen zu finden und sich sachlich, aber gerne auch kontrovers mit mehr oder weniger bekannten Mitmenschen sich über alles mögliche auszutauschen – und vor allem hat man noch Kontrolle über das, was man mit anderen teilt. In der Gastwirtschaft setzt man sich mit seinen Freunden auch lieber in eine stille Ecke als an den Stammtisch mit den lautesten Krakeelern und erzählt ihnen intime Details.

Nur gewinnen diese Lärmer anscheinend immer mehr die Oberhand. Das kann man gut beobachten, hat man sich überregionale Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunksender in seinen Feed abonniert – von alleine bekommt man ja deren Informationen nicht mehr von den Algorithmen eingespielt. Es ist beinahe gleichgültig, welche Themen da zur Debatte gestellt werden, der Ton vieler Diskutanden wird immer rauer, unsachlicher und verletzender. Etwas, was man für Common Sense gehalten hat, steht anscheinend wieder zur Debatte: Menschenrechte und Menschlichkeit, Gewaltenteilung und Demokratie. Dinge, die man nicht einmal für Common Sense halten muss, weil sie nun einmal auf wissenschaftlichen Tatsachen beruhen, werden nicht nur angezweifelt, sondern von einer zusehends geifernden Menge als Lüge verleumdet. Die klimatischen Folgen von Kohlenstoffdioxid etwa oder die Kugelgestalt (genauer: Geoid) der Erde.

Nein, Facebook macht meist keinen Spaß mehr. Und das liegt auch an den Betreibern des Netzes selbst. Denn das, was die Boulevardpresse seit jeher treibt, hat Facebook nicht nur verinnerlicht, sondern gefährlich potenziert: "Bad news are good news". Mit negativen Emotionen fängt man die Leute und hält sie fest, der Wutbürger klickt immer gerne weiter und verbreitet gerne auch ungeprüft die krudesten Theorien. Es ist wie gesagt beinahe egal, welche Wut angesprochen ist, der Trick funktioniert immer. Diesel, Tempolimit, Migration, die Kanzlerin und der Außenminister: Schreien, zetern, wüten, Hauptsache, auf der Seite hängen bleiben.

Denn das ist der Lebenszweck des kostenlosen Services: Immer weiter die Nutzung zu steigern und möglichst präzise Daten über alle zu sammeln. Wer einen kostenlosen Dienst nutzt, der sollte dies im Bewusstsein tun, selbst das Produkt zu sein.

Nun scheint es Facebook aber dann doch zu übertrieben, mit der Zusammenlegung der Datenbanken von Facebook, Whatsapp und Instagram. Über die halbe Weltbevölkerung weiß dann ein privatwirtschaftliches Unternehmen genauer Bescheid, als es zuvor alle totalitären Systeme nicht geschafft haben. Natürlich mag man Mark Zuckerberg nicht unterstellen, so etwas wie die Weltherrschaft anzustreben, Staaten und Staatengemeinschaften sollten sich aber besser mal ernsthaft mit der blauen Macht aus Menlo Park auseinandersetzen, ehe es nicht doch zu spät ist. Was Ende der Neunziger beinahe zur Zerschlagung von Microsoft geführt hätte, war gegen die immense Informationsmacht aus dem Silicon Valley eher ein Kindergeburtstag.

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