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15 Jahre Garageband: Musik für alle

09.01.2019 | 12:03 Uhr | Peter Müller

Am 6. Januar 2004 zeigte Apple auf der Macworld Expo erstmals ein Programm, das weit mehr als nur Hobby ist: Garageband.

Vor zehn Jahren mussten wir in der Macwelt-Redaktion zuletzt einen Frühstart in das Jahr unternehmen: Während die meisten Kollegen bei uns im Haus die kompletten Ferien bis Heiligdreikönig oder sogar noch danach genießen konnten, stand für die Apple-Fraktion des Verlages mit der Macworld Expo Anfang Januar in San Francisco schon gleich das erste Highlight an. Doch störte uns das nicht, im Gegenteil, wir erlebten in vielen Jahren das schöne Gefühl, dass es nach Neujahr einfach noch mal eine Bescherung gab - wir freuten uns auf die Sonderschichten, die nicht selten auf den Feiertag fielen.

Der Dreikönigstag des Jahres 2004 bot eine solche Gelegenheit, Keynote zur Eröffnung der Macworld Expo San Francisco. Das Highlight der Veranstaltung war der iPod Mini, der mit seiner 1-Zoll-Festplatte, den fröhlichen Farben und vor allem dem konkurrenzfähigen Preis einen wesentlichen Anteil zu Apples Erfolg in den letzten 15 Jahren beisteuerte - jeder wollte einen haben. Aber auch anderweitig war auf der Show Musik drin - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn so wie der iPod Mini zum "iPod for the rest of us" wurde, bot sich auch eine Software an, die es nur im Paket iLife '04 gab: Garageband. Die Musikproduktionssoftware machte von Anfang an ein komplexes Thema auf die für Apple bekannte Weise für interessierte und ambitionierte Einsteiger erlebbar. Mit wenigen Klicks aus vorgefertigten Beats und Licks konnte man seine eigenen Tracks komponieren und wer das ein oder andere Instrument leidlich beherrscht, kann nun auf dem Mac sein Gedudel in mehreren Spuren aufnehmen. Leicht machen es voreingestellte Sounds, mit denen man fantastische Klänge produzieren kann, wie bei der Keynote vor 15 Jahren der New Yorker Songwriter John Mayer zusammen mit Steve Jobs demonstrierte.

Die meisten Tonstudios waren im Jahr 2004 bereits im digitalen Zeitalter angekommen und hatten ihre Bandmaschinen durch Computer ersetzt, professionelle Software hatte Apple seit 2002 mit der Übernahme von Emagic mit deren Produkt Logic selbst im Angebot. Aber eben zu Preisen, die Hobbyisten abschreckten, die für ihre eigenen Aufnahmen sich allenfalls Vierspurkassettenrekorder leisteten - und die waren schon teuer.

Apple hatte in seiner iLife-Suite andere Programme, die gewiss mehr Leute verwendeten, wie iPhoto oder iMovie, anfangs noch iDVD und zwischendrin für wenige Jahre iWeb - doch mit Garageband ein Produkt, das mittlerweile selbst Profis einsetzen, wenn auch kaum als einzige Software.

Apple experimentierte mit Garageband eine ganze Weile herum, mal richtete sich das Produkt nach den (teils nur vermuteten) Bedürfnissen von Podcasts und rückte Soundeffekte wie Mikrofoneinstellungen auf der Oberfläche in den Vordergrund, zeitgleich bot sich das Programm auch Hobbyfilmern an, wollten diese ihren Arbeiten eine etwas komplexere und musikalischere Tonspur geben - das war Garageband 3 im Jahr 2006.

Für mehr oder weniger ambitionierte Musiker

Im Jahr darauf versuchte es Apple mit Magic Garageband: Eine virtuelle Band bot Begleitung für Solo-Instrumentalisten oder Sänger, die Idee war aber nur halb ausgegoren, da es an der Vielfalt der Hintergrundmusik fehlte. Aber von der Podcast- und Tonschnitt-Episode mal ausgenommen, war die Software vor allem für Musiker und solche, die es noch werden wollten. An sinnvollen Neuerungen kam Jahr für Jahr etwas hinzu, mal die Tonhöhen- oder Tempokorrektur, mal die Möglichkeit, innerhalb der Software Klavier oder Gitarre zu erlernen oder die Multitake-Aufnahmen, wie sie gerade Freizeitdudler mit eingeschränkten Fähigkeiten nötig haben und die in Zeiten des Vierspurkassettenrekorders nicht denkbar waren: Einfach so lange eine Passage immer und immer wieder einspielen, bis sie passt. Das Tonband war seinerzeit schon bei der zweiten Aufnahme hörbar schlechter geworden.

Selbst Profis nutzten die Einsteigersoftware für ihre Arbeit, die Musikerin St. Vincent etwa produzierte ihr 2009er-Album mit Garageband, Duran Duran und Radiohead gaben Songs zum Remixen in Garageband an ihre Fans heraus, U2's Gitarrist The Edge hat Garageband auf seinem Laptop installiert, um damit unterwegs zu arbeiten.

Auf der gleichen Basis wie Logic Pro X

Den größten Wandel verpasste Apple seiner Musiksoftware aber mit der Neufassung des "großen Bruders" Logic Pro X. Die Variante für Profis sieht seit Sommer 2013 nicht nur Garageband verdammt ähnlich, sondern auch die zugrunde liegenden Formate sind nun angepasst. Wer sein Geld mit Musikproduktion verdient, hat natürlich keine Freude daran, wenn von heute auf morgen nicht nur alles anders aussieht, sondern auch noch anders funktioniert - denn die erste Fassung von Logic Pro X kannte keine Plug-ins, mühsam über Jahre aufgebaute Workflows waren beim Teufel.

Für den Produzentennachwuchs, der mit Garagabend auf dem Macbook oder iMac aufgewachsen ist, bedeutet die Anpassung aber Vorteile: In Garageband begonnene Projekte lassen sich mit den gleichen Sounds und Einstellungen in Logic Pro fortführen. Die immensen über die Jahre gewachsenen Musikbibliotheken mit Loops, Alchemy-Sounds, Samples von traditionellen chinesischen Instrumenten und die virtuellen Drummer, die auf Aufnahmen von echten Musikern basieren, sind sowohl in Garageband als auch Logic Pro X nutzbar.

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Und wer sowohl iPad (seit 2011) als auch iMac für seine Aufnahmen einsetzt, kann mit Garageband an den gleichen Projekten arbeiten. Bis vor zwei Jahren war es nur möglich, auf iPhone oder iPad ein Projekt zu erstellen und dieses auf dem Mac zu importieren und fortzuführen (später dann auch gerne mit Logic Pro X), heute erstellt man in Garageband auf dem Mac einen Mixdown, dem man auf dem Mobilgerät weitere Spuren hinzufügen kann, die man wiederum zurück in das Mac-Projekt importiert. So wird das Tonstudio extrem mobil, die Mikrofone von iPhone und iPad sind ja nicht so übel.

Zukunftsmusik

Gewiss, Garageband alleine ist für Profis nicht ausreichend, kann aber eine sinnvolle Ergänzung insbesondere im mobilen Einsatz sein. Das iPad Pro will Apple immer mehr als vollwertigen Computer auch für Kreativprofis entwickeln, nach Photoshop auf dem iPad erschiene Logic Pro X auf dem iPad als ein nächster logischer Schritt. Doch hat Garageband selbst noch enormes Entwicklungspotential, gerade im Zusammenhang mit dem Apple Pencil fiele uns dazu einiges ein und für eine weiterentwickelte KI bliebe auch noch viel Raum zur Verbesserung, vor allem bei der Aufnahme oder der Generierung von Stimmen. Wir freuen uns auf die nächsten 15 Jahre – und haben selbst noch viel Garagebandgedudel vor.

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