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Adobe MAX 2018: Kreativität für alle und überall

22.10.2018 | 15:00 Uhr |

Adobe stellte auf der Kreativkonferenz MAX in Los Angeles nicht nur die neue Version seiner Design-Komplettlösung Creative Cloud, sondern auch Photoshop für das iPad, neue Apps für mobile Video, digitale Kunst, VR und die Antwort auf den Trend der Sprachassistenten vor.

Rund 14.000 Kreative trafen sich in diesem Jahr zur Kreativkonferenz url link https://max.adobe.com/ Adobe MAX _blank . Als Adobe zuletzt vor vier Jahren in Los Angeles (dazwischen machte die MAX in San Diego und Las Vegas Station) gastierte, waren es noch um die 7.000 Teilnehmer gewesen. Ein sicheres Zeichen nicht nur dafür, wie stark die Kreativ-Community in den letzten Jahren gewachsen ist, sondern auch dafür, wie gut die Strategie in Richtung Kreativtools für eine breitere Zielgruppe aufgeht. Schon vor vier Jahren setzte der Softwarehersteller nicht mehr nur auf Profis, sondern stellte auch immer mehr Apps und Funktionen für Einsteiger und Gelegenheitsnutzer vor.

Kreativität für alle

„Es ist meine persönliche Leidenschaft, Kreativität für jeden zugänglich zu machen,“ betonte Adobes CEO Shantanu Narayen zu Beginn seiner Keynote. Als Beispiel nannte er die einfach bedienbare Kreativ-Plattform Adobe Spark , die Adobe im Rahmen eines Bildungsprogramms in Indien für Studenten nutzt. Gleichzeitig sei Kreativität heute stärker gefragt, denn Unternehmen entdecken Design als Wettbewerbsvorteil: So führe Design heute nicht nur zu besseren Kundenerlebnissen dank digitaler Technik, die im Business den Unterschied ausmachen können, visuelles Storytelling kann Geschichten zu Produkten erzählen und sie so besser an den Kunden bringen. Narayen sprach von einem goldenen Zeitalter für Kreativität.

Dennoch sind eine Menge Herausforderungen anzupacken. Im Alltag müssen Kreative immer noch oft lästige, sich wiederholende Aufgaben bewältigen. Hier soll künftig die Software kräftig unterstützen. „Kreativität ist oft ein Kampf – es sollte aber keiner mit den Tools sein,“ kommentierte Scott Belsky, Chief Product Officer and Executive Vice President in der Keynote. Für flüssigeres Arbeiten sorgt zum einen die KI-Technologie, die an vielen Stellen Aufgaben vereinfachen soll, zum anderen wurden die klassischen Apps an vielen Stellen per Update auf mehr Arbeitsgeschwindigkeit getrimmt.

Narayan
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© Adobe

Intelligente Updates

Die Klassiker wie Photoshop und Illustrator bekamen daher kleine Updates mit großer Wirkung auf den Workflow: So ist das Erstellen von Auswahlbereichen, Umwandeln in Masken und Verfeinern in Photoshop deutlich einfacher. Blendmodi können mit „Live Blend Modes“ jetzt einfacher durch Mausberührung statt Durchklicken ausprobiert werden. Das einfache 3D-Tool Dimension kann jetzt 3D-Szenen ins Web veröffentlichen und Kameraperspektiven bookmarken. Indesign macht das Platzieren von Bildern per Drag-and-drop intelligent möglich – die Abbildungen werden automatisch an den Zielrahmen angepasst. Änderungen, die bisher für Horror sorgten, wie das Seitenformat eines Designs zu verändern, macht das neue, intelligente „Layout Adjustment“ vollautomatisch in Sekunden möglich. In Illustrator vereint ein neues „Freeform-gradient“-Werkzeug die Flexiblität komplexer Verläufe mit der einfacher Gestaltung. Damit lassen sich in Minuten 3D-Optiken realistisch gestalten. 

Der Schriftendienst Typekit heißt künftig Adobe Fonts, ist enger in den Desktop integriert und verabschiedet sich von bisherigen Einschränkungen in Sachen Anzahl der synchronisierten Schriften oder Plattformen. Der Bilderdienst Adobe Stock erweitert sein Angebot um Inhalte von GoPro-Kameras.

Prototypen für Voice

Große Hoffnungen und viel Mühe steckte Adobe in sein Interface Design Tool XD , das laut Principal Designer Khoi Vinh in Zukunft so viel Bedeutung bekommen soll wie Adobe Photoshop. „Bei Design geht es immer mehr auch darum, wie viele Klicks etwas bekommt und wie es sich auf die Marke auswirkt,“ so Vinh. Mit „Responsive Resize“ lassen sich Interface-Prototypen intelligent skalieren. Wie sich dabei Schaltflächen und andere Bedienelemente verhalten, basiert auf Analysen von Interface-Designs aus der Community. So spart der Designer enorm Zeit und kann zum Beispiel die Benutzeroberfläche in kürzester Zeit auf verschiedene Bildschirmgrößen und Geräte anpassen. Wesentlich lebendigere Interfaces bringt die neue „Auto-Animate“-Funktion. Damit wird jeder Bildschirm zu einem Schlüsselbild. Adobe XD berechnet die Zwischenschritte und kann so flüssige Übergänge automatisch darstellen. Der Designer kann dabei steuern wie sich die Elemente verhalten.

„Voice wird ein Teil von allen Designs sein“ betonte Vinh und zeigte die neuen Möglichkeiten dafür in Adobe XD . XD kann jetzt auch Prototypen für Interaktionen mit Sprachassistenten wie Amazon Echo entwerfen. Dabei wird dank einer Kooperation mit Amazon bereits die kommende Generation des mit Display ausgestatteten Echo Show unterstützt. Die Prototypen aus XD können so auf dem Echo Show direkt getestet werden. Vinh nennt die neue Version von XD als einen großen Durchbruch in Richtung der nächsten Generation von Interaktionen. „Wir setzen damit das Potenzial von Voice mit XD für Designer frei,“ so Vinh.

Die Integration von XD in gängige Collaborations-Tools wird durch Plug-ins vereinfacht. Als Beispiel zeigte Adobe „World Ready“, das in Sekunden aus einem Prototypen mit Hilfe von Google Translate drei Sprachversionen erstellte.

Auto Animate
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© Adobe

Photoshop kommt 1:1 aufs iPad Pro

In den letzten Jahren gab und gibt es schon einige Foto-Apps, die den Namen „Photoshop“ tragen, wie zum Beispiel Photoshop Fix und Photoshop Mix, jedoch waren beide immer nur mobile Eigeninterpretationen des Vorbilds vom Desktop. „Man sitzt aber nicht immer am Desktop,“ betonte Scott Belsky. „Wir haben schon einige Apps in Richtung Photoshop veröffentlicht, aber sie haben nie die volle Power abgeliefert.“ Das soll ab 2019 Photoshop als mobile App auf dem iPad Pro ändern. Dabei handelt es sich nicht um eine abgespeckte Mobilversion sondern den gleichen Code, der aufs iPad portiert wurde. Möglich wurde es nicht nur durch die deutlich bessere Hardware-Leistung des iPad Pro, sondern auch eine Kooperation mit Apple. Dazu kam Apples Marketingchef Phil Schiller auf die Bühne und betonte, dass Apple und Adobe schon immer eng beim Thema Kreativität zusammengearbeitet haben. Was sich heute verändert habe, sei der Stand der Technik, der Photoshop in vollem Umfang auf dem iPad Pro möglich mache.  

Trotz der Original-Codebasis und -Funktionen hat Adobe den Klassiker neu für Touch überdacht und überarbeitet. Die Oberfläche erinnert stark an Lightroom , wie auch die Funktionen, die im Hintergrund arbeiten. Photoshop kann auf dem iPad nicht nur PSD-Dateien ohne Import oder andere Konvertierung öffnen, sondern es ist möglich, Projekte mobil zu beginnen, am Desktop zu finalisieren und umgekehrt. Auch die Performance macht einen guten Eindruck: Im Demo zeigte Adobe eine Datei mit 208 Ebenen, die sich flüssig scrollen lassen. Das Interface arbeitet stark Kontext-bezogen. Alles bleibt übersichtlich und aufgeräumt, Photoshop zeigt auf dem iPad Optionen dann, wenn sie gebraucht werden und hält sie sonst im Hintergrund – wie auch die Synchronisierung mit dem Desktop, die automatisch erledigt wird. Ansonsten ist alles da, was man in Photoshop erwarten würde: Ebenen, Masken, Blendmodi und die bekannten Pinsel.

Neben der Vorschau auf Photoshop ging das Update für Lightroom auf dem iPad fast unter, das jetzt die Möglichkeit anbietet eigene Vorgaben zu speichern, bessere Bildsuche mit Adobe Sensei KI-Unterstützung und Bildmanipulation mit neuen Profilen möglich macht. url link http://bit.ly/2CvPf3B Photoshop auf dem iPad _blank soll 2019 kommen.

Photoshop auf dem iPad Pro
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© Adobe

Project Gemini: Zeichen mit Vektoren, Wasser und Ölfarben

Zeichnen und Malen sind eigentlich die essentiellen Disziplinen, wenn es um Kreativität und Design geht. Da ist es umso erstaunlicher, dass es dafür bisher noch kein umfassendes Tool – beziehungsweise mehrere gab. Bisher bot Adobe fürs Zeichnen auf dem iPad Adobe Sketch für pixelbasierte Skizzen und Draw für Vektorkurven an. 2019 soll eine App kommen, die beides und beides viel besser kann – derzeit noch unter dem Arbeitstitel „Project Gemini“.

Project Gemini kann sehr überzeugend das Mischen und realistische Verhalten von Öl- und Wasserfarben simulieren. Dabei können zum Beispiel Verläufe mit Wasser oder das Arbeiten mit Verdünner bei Ölfarben simuliert werden. Zu den natürlichen Maltechniken kommen dann die Vorteile der digitalen Arbeit. So kann sich die App alle verwendeten Farben im Bild merken und einfach verfügbar halten. Neben den realistischen Maltechniken kommt der Vorteil von Vektorkurven und den bekannten Pinseln aus Photoshop in die App. Wie auch in Photoshop auf dem iPad ist das nahtlose „Roundtrip“ arbeiten auf mehreren Geräten und mit Photoshop möglich: Man beginnt auf dem iPad Pro und arbeitet zum Beispiel auf dem Desktop weiter.  Wir konnten auf der MAX die App bereits auf dem iPad Pro selbst ausprobieren. Vor allem die Kontrolle über die Dicke der Ölfarben mit den „Live Brushes“ und die „Real Live Watercolor“ machen einen überzeugenden Eindruck. In Minuten sind damit realistische Aquarelle oder Ölbilder mit Nass-in-Nass Techniken oder beispielsweise reinem Verdünner-Auftrag bei Öl möglich.

Gemini
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© Adobe

Premiere Rush: Pro-Video für Nicht-Profis

Die Generation neuer Filmemacher verlangt laut Adobe neue Werkzeuge für Schnitt und Postproduktion: Adobe Premiere Rush CC soll nicht nur Youtubern, sondern allen, die mit Video Geschichten erzählen möchten, Profi-Werkzeuge an die Hand geben, aber die Bedienung ohne große Vorkenntnisse und die Videobearbeitung nicht nur an der Workstation, sondern auf allen Geräten möglich machen. Premiere Rush CC will eine Video-Komplettlösung sein: Neben Schnitt ist auch die Bearbeitung von Farbe und die Veröffentlichung mit der App möglich.

Die Oberfläche der bereits erhältlichen App erinnert optisch und vom Prinzip her an Lightroom CC . Ähnlich wie in simplen Schnittprogrammen wie iMovie auf dem Mac gibt es unten eine Zeitleiste. Im Gegensatz zu iMovie kann Rush aber bis zu vier Spuren verarbeiten – drei davon in 4K-Auflösung. Clips lassen sich leicht hinzufügen und mit Farbfiltern sowie Überblendungen gestalten. Motion Graphics liefern gebrauchsfertige Titelanimationen aus Adobe Stock, die sich leicht anpassen lassen. Die Projekte werden automatisch mit Creative Cloud synchronisiert und lassen sich am Desktop weiter bearbeiten. Bei der Audiobearbeitung hilft künstliche Intelligenz, die zum Beispiel Sprache von Musik unterscheiden und die Lautstärken automatisch anpassen kann. Farben lassen sich mit Vorgaben sehr einfach bearbeiten – und für künftige Änderungen Vorgaben leicht abspeichern. Premiere ist in der Creative Cloud enthalten und zum Einstieg kostenlos erhältlich. Ähnlich wie bei Lightroom CC gibt es ein Einzelabo für 11,89 Euro pro Monat und wird mit 100 GB CC-Speicher geliefert. Zusätzliche Speicheroptionen, bis zu 10 TB, sind ebenfalls erhältlich.

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Premiere Rush
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© Adobe

Premiere Pro CC: Kleine aber feine Änderungen:

Neben der Einführung von Premiere Rush sind die Updates für das „echte“ Premiere Pro fast ein wenig untergegangen. Dabei gibt es auch hier ein paar Neuerungen die einer genaueren Betrachtung wert sind.

Den Start machen die Essential Graphics Templates. Mit der neuen Version von Premiere ist es nun möglich, die Schriftart sowie den Schriftstil von aus Adobe After Effects importierten Essential-Graphics-Animationen direkt in Premiere zu verändern. Vorher war es notwendig, After Effects zu öffnen, dort die Änderungen vorzunehmen und dann die Datei neu abzuspeichern, damit Premiere die Änderungen übernimmt. Diese zusätzlichen Arbeitsschritte fallen nun weg. Außerdem können die verschiedenen Eigenschaften des Template gruppiert werden, um eine übersichtlichere Arbeitsoberfläche zu schaffen.

Auch neu in der Arbeit mit Essential Graphics sind die datenbasierten Templates. Es ist nun möglich, tabellenbasierte Dateien (wie zum Beispiel Excel-Dateien) mit dem Template zu verknüpfen. Dieses kann dann Werte auf den einzelnen Spalten der Tabellendatei abrufen und dann im Video darstellen, zum Beispiel als Teil einer Animation. Werden Werte in der Quelldatei geändert, ändern sich auch die Werte in Premiere Pro. Außerdem kann die Tabelle auch direkt in Premiere bearbeitet werden.

Neue Features gibt es auch in der Soundbearbeitung in Premiere Pro. Der Reiter „Dialog“ im Sounds-Tab wurde erweitert. Die Werkzeuge „Rauschen reduzieren“ enthält neue Optionen und die Option „Nachhallen reduzieren“ komplett neu hinzugefügt.

Besonders interessant für viele Kreative dürften die neuen Werkzeuge in der Farbbearbeitung sein. Mit der neuen Version von Premiere Pro kommen fünf neue Farbtonsättigungskurven. Mit diesen lassen sich noch einfacher Farben, Helligkeit und Sättigung in verschiedenen Spektren bearbeiten.

Kaum erwähnt in der Berichterstattung sind die Performance-Verbesserungen in Premiere Pro. Dabei haben gerade Besitzer von iMacs und MacBooks außerhalb der Pro-Reihe Grund zur Freude. Das hardwarebeschleunigte Decoding, bis dato nur den Pro-Modellen vorenthalten, ist jetzt auf allen Geräten verfügbar, die über einen Intel-Prozessor mit der Architektur Skylake oder neuer verfügen. Die Performance in Premiere kann damit erheblich verbessert werden.

kw

Project Aero: Neue Kreativität mit AR und VR

Adobe betonte auf der MAX seine Mission immer auf der Suche nach dem nächsten Kreativ-Medium zu sein – und seiner Verpflichtung nachkommen zu wollen, die dafür entsprechenden Tools zu liefern. Ein großer Trend ist dabei Augmented Reality und Virtual Reality, die laut Adobe Kreative „von den Limitationen des Bildschirms befreit.“ Ergänzt werden die kreativen Möglichkeiten durch neue Interaktionsformen – beides braucht aber auch komplett neue Werkzeuge, die erdacht werden müssen. Bereits im Sommer hat Adobe dazu Project Aero vorgestellt . Aero soll nicht nur eine neue Software für die Gestaltung von AR- und VR-Anwendungen werden, die digitale und die physische Welt zusammenbringt, sondern als Plattform alle Creative Cloud-Apps um AR-Fähigkeit erweitern. Das Gestalten der Anwendungen soll aber gewohnt einfach gelingen, mit Drag-and-Drop-Funktionen.

Wie es aussieht, zeigte die Demo: Im neuen AR-Autorentool url link http://bit.ly/2PeLdU0 Project Aero _blank können Designer Photoshop Dateien mit Ebenen einfach öffnen. Dann ist es für den Betrachter zum Beispiel möglich, interaktiv durch eine Photoshop-Datei zu wandern – ein verblüffender Effekt! Wie AR-Verkaufsräume digital interaktiver gestalten kann, zeigte die Vorführung eines digitalen Verkaufsraums von Adidas. Der Kunde kann mit einem iPad einen virtuellen Schuh auf das Regal stellen und in verschiedenen Materialien und Farben drehen und betrachten. Tippt der Kunde den Schuh an, kann er animiert Zusatzinformationen über die Funktionen der Sohle und des Außenmaterials gezeigt bekommen. „Jedes Produkt hat eine Geschichte zu erzählen,“ kommentierte Abhay Parasnis. Die AR-Anwendungen können nach der Gestaltung einfach per Webbrowser dem Kunden gezeigt werden. Project Aero ist jetzt schon url link https://projectaero.adobelanding.com/sign-up-form/?promoid=WB99JQ4K&mv=other als Beta-Version _blank erhältlich.

Project Aero
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