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Adventskalender 12: "Also Sprach Zarathustra, op. 30"

12.12.2018 | 00:01 Uhr | Peter Müller

Früher war sogar die Zukunft besser, doch Siri kann sehr bissig klingen, aber eindeutig nicht so fies sein wie HAL 9000.

Auflösung der Frage von gestern:

Tatsächlich lief auf der Keynote der MacWorld Expo in New York 2000 in einer Apple-Werbung Steppenwolf’s „Born To Be Wild“. Das war aber der Spot zur neuen optischen Pro Mouse, die mit den neuen iMacs ausgeliefert wurde. Die Musik für den schneeweißen iMac kam von Cream. „White Room“ ist auch deutlich lebendiger als das schmalzige „Nights in White Satin“ der Moody Blues.

Erkennen Sie die Partitur? Kontrafagott und Kontrabässe halten einen C-Dur-Akkord, der irgendwo in der Tiefe des Orchestergrabens grummelt. Die Trompeten spielen den Akkord zerlegt: erst ein c’, dann ein g’, ein c’’, das für den Dur-Akkord entscheidende e’’ als Sechzehntelvorhalt vor dem e♭’’ – wir haben es nun mit Moll zu tun. Darauf die Pauken: Bumm-bumm, Bumm-bumm, …, immer lauter werdend. Dann nochmal, wieder die Steigerung, das Changieren zwischen Dur und Moll, die Pauken – die Auflösung in C-Dur. Die Einleitung der sinfonischen Dichtung „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss kennt praktisch jeder. Nicht nur beim Hören, sondern schon bei ersten Blick auf die Partitur oder in dieser etwas verkürzten Niederschrift.

Aber woher kennt man das? Der letzte Besuch in der Oper war doch schon eine Weile her – und da haben sie Donizetti aufgeführt. Natürlich kennt man die Melodie aus dem (Heim-)Kino: Von Stanley Kubrick’s „2001“. Das Jahr, in dem der Science-Fiction-Klassiker spielt, ist nun auch längst Vergangenheit. Und früher war sogar die Zukunft besser. Damals dachten die Leute noch, kurz nach der Jahrtausendwende könnten Astronauten zum Jupiter fliegen und mit ihrem intelligenten Computer sprechen.

Das mit dem Jupiter hat bisher nicht geklappt, wird so schnell auch nicht, sogar der Mars liegt noch außerhalb der Reichweite bemannter Raumfahrt. Die Dystopie der künstlichen Intelligenz, die aus ihren eigenen rationalen Gründen leider die Raumschiffbesatzung umbringen muss und dann auch noch emotional wird, ist auch nicht wahr geworden. Doch allmählich sprechen wir mit unseren Computern - und ernten lapidare Antworten wie „Das tut mir leid, ich kann das nicht tun“. Was aber damit zusammenhängt, dass es der Computer wirklich nicht tun kann.

„Künstliche Intelligenz“ ist womöglich auch ein zu hoch gegriffenes Wort für selbstlernende Algorithmen, „maschinelles Lernen“ trifft es eher - weshalb Apple seine Schnittstellen zu Siri auch CoreML nennt. Siri selbst ist weit mehr als eine digitale Assistentin und die Stimme, die mit uns kommuniziert, Siri ist das Gesamtsystem einer Maschine, die zusehends Intelligenz entwickelt, aber kein Bewusstsein. Den lapidaren Ton haben Siri, Alexa, Cortana und Konsorten sich auch nicht selbst vom fiktionalen HAL 9000 abgeschaut, sondern ihn von ihren Entwicklern bekommen. Dies könnte in der Tat auch zum Problem werden: Denn so etwas wie eine Moralvorstellung werden die künstlichen Intelligenzen mangels Bewusstsein nur aus den Regeln entwickeln können, die ihnen einst vorgegeben wurden. Von nur wenigen Spezialisten, die ihre eigenen, speziellen Vorstellungen haben. Die Informatik benötigt dringend Ethik-Richtlinien, damit Siri 9000 nicht zu HAL 9000 wird.

Intelligenz ohne Bewusstsein muss aber nicht zu einem Mangel an Gefühl und Ästhetik führen, solange man diese quantifizieren kann. In der Malerei und in der Musik geht das durchaus, Maschinen können schon heute wie Matisse malen oder wie Bach komponieren, in einer Weise, die selbst Experten nicht mehr zwischen Menschen- und Computerwerk unterscheiden lässt.

Gibt man dem Rechner genügend Regeln mit, ist er auch zur Fusion von Musikstilen möglich. Noch ist das ein recht aufwendiger Prozess, für den es große Rechenleistung und hoch spezialisierte Software benötigt. Aber schon bald wird man seinem iPhone sagen können: „Hey Siri, spiel Richard Strauss im Stil des 70er-Jahre-Disco-Funks, aber recht jazzig, bitte“ und dann kommt dann so etwas raus wie von Deodato. Der ist keine Maschine, sondern ein brasilianischer Jazz-Pianist. Und natürlich bei Apple Music dabei.

Die Frage:

HAL 9000 und das Original von Richard Strauss hatten indes ihren Auftritt auf der Keynote zum Auftakt der MacWorld Expo 1999 in San Francisco. Dabei sprach der Computer natürlich nicht selbst und aus freien Stücken, sondern es legte ihm ein Schauspieler nach Skript Worte in den nicht vorhandenen Mund. Worüber sprach HAL 9000 im Januar 1999 zum Publikum?

  1. Dass 2001 ja nun viel näher sei als 1984 und dank Apple alles gut werde.

  2. Dass nur der Mac das Problem mit dem Jahr 2000 erkannt habe.

  3. Dass es noch ein Dutzend Jahre dauern werde, bis Computer wirklich sprechen könnten.

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